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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Regenbogen
Eingestellt am 08. 01. 2011 13:22


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Sternschnuppenregen
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2011

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Der Regenbogen



Die Maus kletterte beh├Ąnde auf den Dachbalken. Dort vorne lag es, das Ziel ihrer Bem├╝hungen, eine Handvoll Brotkrumen. Hungrig knurrte der Magen, seit Tagen hatte der kleine Nager nichts Rechtes zu Fressen gefunden. Nur noch ein paar Schritte. Die Maus konnte den Geschmack bereits auf ihrer Zunge erahnen. In Vorfreude des zu erwartenden Genusses schloss sie f├╝r einen Sekundenbruchteil die Augen, da riss ein Fauchen sie aus den Gedanken. Etwas gro├čes, schwarzes, wirklich Furchterregendes sprang auf sie zu. Der d├╝nne Balken erzitterte. Verzweifelt versuchte die Maus Halt an dem rissigen Holz zu finden. Dicht vor ihr tauchten ein Paar riesige gr├╝ne Augen auf. Wieder dieses zischende Ger├Ąusch. Mit einer, von Aussichtslosigkeit gezeichneten, letzten Anstrengung, versuchte sie auf dem Balken zu wenden, die Flucht zu ergreifen. Vergebens - sie fiel. Tiefer, tiefer, immer tiefer, ihr schwante ihr letztes St├╝ndlein habe geschlagen. Dann kam der Aufprall. Es platschte und spritzte, es war kalt. Sie schien in den Abgr├╝nden der H├Âlle zu versinken. Es rauschte in ihren Ohren, Wasser drang durch Nase und Mund. Wasser? Fegefeuer hatte sie erwartet, Hitze und Glut, aber Wasser? Sollte sie im Himmel sein? Aber wo waren die Wolken, die Harfenkl├Ąnge? Sie sp├╝rte, wie eine imagin├Ąre Kraft sie nach oben trieb. Beinahe ohne ihr zutun. Einmal abgesehen davon, dass sie begonnen hatte wild mit den Beinen zu zappeln. Sie konnte die Beine bewegen? Also war sie gar nicht tot? Ein Keim von Hoffnung durchschoss ihre Gedanken.
Nach Atem ringend durchbrach sie die Wasseroberfl├Ąche, umgeben von dunklen Brettern, die sie kreisf├Ârmig umschlossen und in schwindelerregender H├Âhe, weit ├╝ber dem Kopf der Maus, zu enden schienen. Sie schwamm in einem runden, h├Âlzern eingefassten Teich. Ihr Blick fiel nach oben, in Richtung des Balkens, auf dem die schwarze Katze verdutzt nach der ihr entgangenen Beute Ausschau hielt. Und pl├Âtzlich wusste die Maus, wo sie sich befand. Es war dieses riesige Gef├Ą├č, das ihr in vergangenen Tagen so oft Schutz gew├Ąhrte, um sich hinter seinen Bohlen vor ihren Feinden zu verbergen. Ein Regenfass, so w├╝rden es die Menschen nennen.
Erleichtert ├╝ber ihre Rettung, verga├č sie f├╝r einen Moment zu strampeln. Sofort wurde sie in die Tiefe gezogen. Sollte dies ihr Schicksal sein? Dem Tod knapp entronnen, nur um ihn nun hier, endlos in die L├Ąnge gezogen und qualvoll zu erleiden? Tr├╝bsal beschlich die kleine Maus. Der liebe Gott meinte es wahrlich nicht gut mit ihr. Hatte er sie gerettet, nur um sie diesem aussichtslosen Kampf auszuliefern? Nein, ein g├╝tiger Sch├Âpfer war dies f├╝rwahr nicht.
Die Maus paddelte unerm├╝dlich, unter Aufbietung all ihrer Kr├Ąfte, schwamm im Kreis, immer auf der Suche nach einem Ausweg. Vielleicht vermochte sie ja doch irgendwo ein kleines Schlupfloch zu finden? Ihr zierlicher K├Ârper ma├č nur wenige Zentimeter, ein winziges Astloch w├╝rde ihr gen├╝gen. W├Ąhrend sie so ihre Bahnen zog, fiel ein Tropfen auf ihr kleines K├Âpfchen. War es noch nicht genug? Wie sehr wollte sie dieser allm├Ąchtige Gott noch strafen? Reichte es nicht, dass sie hier gefangen, ihrem sicheren Ende entgegensah? Verzweiflung erfasste die kleine Seele. Den immer mehr werdenden Tropfen von oben mischten sich ihre winzigen Tr├Ąnen bei. Der Regen wurde zunehmend heftiger. Die Maus schwamm um ihr Leben, obgleich sie darum wusste, dass es vergebens war, sah sie doch den sicheren Tod vor Augen.
Nein, sie w├╝rde nicht aufgeben, niemals. Sie w├╝rde um jeden Atemzug ringen, solange ein Hauch von Herzschlag in ihr zuckte. Die Zeit verrann, ihre kleinen Beine wurden bleiern. M├╝de versuchte sie, gegen die aufkommenden Kr├Ąmpfe anzuk├Ąmpfen. Mit jedem, immer schwerer werdendem Luftholen, brannte sich der Schmerz in ihre Lungen. Ihre Kr├Ąfte schwanden. Die Tropfen des Regens peitschten auf die Wasseroberfl├Ąche, lie├čen sie erbeben und in kleinen Kratern zu explodieren scheinen. Die Maus sah, wie durch Nebelschwaden, einen blassen Schein, der best├Ąndig an Helligkeit zunahm. War dies das ber├╝hmte wei├če Licht, in das wir alle an unserem Ende schreiten w├╝rden? War ihre Zeit gekommen? Sollten die Strapazen nun ein Ende finden? Ersch├Âpft blinzelte sie in das grelle, gelbe Funkeln, das sich durch die grauen Wolken des verebbenden Regens schob. War sie schon in einem anderen Reich? War sie bereits hin├╝bergetreten? Suchend sah sie sich um. Noch immer schwamm sie in dem alten Fass. Nur, was war das? Das Ende der Bohlen befand sich nun nicht mehr in unerreichbarer Ferne, direkt vor ihr, sah sie den Rand des Bottichs. Neue Hoffnung im Herzen schwamm sie darauf zu, setzte zaghaft ein Pf├Âtchen auf die metallische, rostige Kante. Dann noch eins. Noch eines und schlie├člich das letzte. Dankbar hob sie den Blick gen Himmel. Es schien, als w├╝rde die Sonne ihr freudig zul├Ącheln, als w├╝rde sie ihre Strahlen nur f├╝r die kleine Maus so weit herunter auf die Erde schicken, damit sie ihr das nasse Fell trockneten. Gen├╝sslich streckte sich die Maus, lie├č sich in das dichte Stroh neben dem Fass fallen. Wie es duftete. Es schien, als habe es nie zuvor so herrlich gerochen. Ihr Blick richtete sich erneut dankbar in Richtung des goldenen Gestirns. Und dann sah sie ihn, den sch├Ânsten Regenbogen, den sie jemals erblickt hatte. Und sie wusste. Nie wieder w├╝rde sie einen Sch├Âneren sehen. Nie wieder.

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