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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Roboter II (Fortsetzung) oder: "Ohne jedes Risiko"
Eingestellt am 26. 02. 2017 15:08


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SilberneDelfine
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Joshua pfiff fröhlich vor sich hin, als er nach einem zwar anstrengenden, jedoch sehr erfolgreichen Arbeitstag in sein Auto stieg und heimwärts fuhr. Unterwegs fiel ihm – wie immer – die Leuchtreklame einiger Sex-Shops auf. Es leuchtete pink und anheimelnd. Die Leuchtreklame erinnerte ihn an das neueste Projekt, das er mit seinem Chef ausgeknobelt hatte. Beide waren sie der Ansicht gewesen, Werbung für einen Roboter in der Form zu machen: „Rob, der Roboter, nimmt Ihnen Arbeit ab!“ sei nicht weiter zielführend. Die Menschen – zumindest die meisten – wollten zwar nicht gerne viel arbeiten, aber noch lieber als weniger arbeiten wollten sie – natürlich – Sex. Am besten viel Sex. Und guten Sex. Und da musste sowohl der Roboter als auch die Werbung für denselben etwas Besonderes bieten. Joshua hatte dem Chef zwar nichts von seinem obskuren Traum erzählt, in dem der Roboter mit „seinem besten und besonders gut gebauten Stück“ geprahlt hatte und dass im gleichen Traum der Roboter Tamara, seine Frau, „sexuell verwöhnen“ wollte. Er befand dann doch, dass das den Chef überhaupt nichts anging. Aber der Slogan „Sex sells“ spukte ihm im Kopf herum, und sein Traum hatte ihm einige Anhaltspunkte für eine neue Werbung geliefert. Der Roboter aus der neuen Fabrikation hatte gewisse Knöpfe, die man für sexuelle Spiele durchaus nutzen konnte. Man musste halt nur die richtigen drücken. Dies in den Vordergrund zu rücken, war auch der Auftrag für die neue Werbung. Trotz seinem Traum, in dem Joshua gegen den Roboter schlecht weggekommen war, reizte ihn das.

„Wissen Sie was“, hatte er zu seinem Chef gesagt, „man muss hauptsächlich die Frauen mit der Werbung ködern. Sie sind öfters zu Hause als die Männer und haben mehr mit dem Roboter zu tun. Und jede Frau will sich begehrenswert fühlen. Und was am allerbesten ist“, hier redete er sich vor Begeisterung beinahe in Rage, „noch überzeugender ist, dass der Roboter niemanden schwängern kann. Alles ohne Risiko. Im Prinzip ist er ein Sexspielzeug, aber sooo darf er natürlich nicht hingestellt werden. Ach ja, man sollte vielleicht nicht vergessen zu erwähnen, dass er auch Fenster putzen etc. kann. Aber das sollte nicht im Vordergrund stehen.“ Der Chef hatte ihm schließlich grünes Licht gegeben, dass er die Werbung so formulieren konnte, wie er wollte, und herausgekommen war Folgendes:

„Für alle und vor allem an alle Frauen: Fehlt Ihnen etwas im Leben? Rob, der Roboter, kann dafür sorgen, dass Sie es bekommen! Haben Sie zuviel Arbeit? Rob, der Roboter, nimmt Sie Ihnen ab! Aber nicht nur das: Rob, der Roboter, kann Sie verwöhnen – zu jeder Zeit, zu jeder Gelegenheit! Rob, der Roboter, wird Ihr Leben bereichern, ohne jedes Risiko und in jeder Hinsicht! Rob, der Roboter, wird alle Ihre Bedürfnisse erfüllen! Und wenn wir sagen „alle“, dann meinen wir auch alle! Jeder Mensch hat geheime Träume! Trauen Sie sich! Warten Sie nicht länger! Holen Sie sich Rob, den Roboter, damit er Sie Ihnen erfüllt!“

Der Chef hatte zwar gemeint, dass die Sache mit dem Sex in dieser Werbung nicht so unverblümt zum Ausdruck kam, aber Joshua hatte entgegnet, dass das auch nicht in seiner Absicht lag. Man musste nicht immer so direkt sein, schon gar nicht in der Werbung. Der Chef hatte sich dann überzeugen lassen und die Werbung würde schon morgen in der Zeitung erscheinen. Äußerst gut gelaunt stieg Joshua in sein Auto und pfiff die ganze Fahrt über vergnügt vor sich hin. Bis er auf der Autobahn war und dort das Schild „Stau“ aufleuchtete. Nun ja, es gab Schlimmeres. Joshua schickte sich in das Unvermeidliche, fuhr langsam weiter, hielt dann an, als es nicht mehr weiterging und stellte sich darauf ein, ein oder zwei Stunden warten zu müssen. Zumindest konnte er sich so ungehindert den Gedanken an den Roboter, seine Werbung und die Verkaufszahlen hingeben …

Tamara war neugierig. Ja, sie wusste, was ihr Mann in der Werbung geschrieben hatte. Das war vielleicht doch ein wenig dick aufgetragen. Ein Roboter, der alle Wünsche erfüllte? Aber nachdem sie den Roboter ausgepackt, zusammengebaut und ihn an der Steckdose den ganzen Tag über aufgeladen hatte, schien doch pulsierendes Leben in ihn zu kommen. Als sie ihn von der Steckdose nahm, um zu prüfen, ob er nun lang genug aufgeladen war, lächelte er sie an. „Guten Abend, schöne Frau“, sagte er doch tatsächlich mit einem gewinnenden Lächeln.
„Guten Abend, lieber Rob!“ antwortete sie vergnügt. „Ich habe gehört, du kannst Wünsche erfüllen?“ Und prompt taxierte sie ihn von oben bis unten. Er war recht ansehnlich und sein bestes Stück schien besonders gut gebaut zu sein. Selbst im – wie sie mal annahm, unerigiertem Zustand – wies das beste Stück eine nicht geringe Breite und Dicke auf. Als sie es genauer musterte, leuchteten auf der Taille des Roboters drei Knöpfe auf:

Sex
Erotik
Hausarbeit

„Wieso macht er denn einen Unterschied zwischen Sex und Erotik“, murmelte Tamara vor sich hin und drückte entschlossen den Knopf „Sex“. Im selben Moment spürte sie, wie der Roboter ihren Körper wild an sich drückte, ihren Kopf mit einer Roboterhand nach hinten bog und mit der anderen ihre Brüste berührte. Sie merkte verdutzt, wie sie es erregte, dass der Roboter ihr tatsächlich den Sex bot, den sie haben wollte. Konnte er Gedanken lesen?
„Ja , das kann ich“, sagte er. „Lassen Sie uns ins Schlafzimmer gehen.“
Tamara fragte sich ganz kurz, ob das nun Fremdgehen war, entschied sich aber fast im gleichen Moment, dass Sex mit einem Roboter nicht darunter fallen würde, denn schließlich war er kein Mensch. Im Schlafzimmer dann ließ sie alle Hemmungen fallen und probierte alles aus, was mit dem Roboter möglich war. Nach einer Stunde war sie erst einmal zufrieden. Das war auch gut so, denn sie hörte, wie sich ein Schlüssel im Schloss herumdrehte. Joshua kam nach Hause. Sie wies den Roboter leise an, aufzustehen und in die Küche zu gehen. Dann warf sie sich schnell einen Bademantel über, lief ihrem Mann entgegen und küsste ihn. „Rate mal, was ich heute gekauft habe!“ sagte sie.
„Ich weiß schon“, sagte Joshua, „sicher den Roboter, für den ich die Werbung geschrieben habe? Das dachte ich mir nämlich schon.“ Er musterte seine Frau genauer. „Hast du es mit ihm getrieben?“

„Was denkst du von mir? Natürlich nicht“, erwiderte sie.
Joshua glaubte das nicht so wirklich, widersprach ihr aber nicht. Aber er war überrascht, wie gierig auf Sex seine Frau in der Nacht war. Es war, als könne sie einfach nicht genug bekommen. Das hatte er schon lange nicht mehr erlebt. Er hatte sich ja vorgenommen – anders als in seinem Traum vor ein paar Monaten – dass Tamara den Roboter benutzen konnte, wie sie wollte. Es ging ja gleichzeitig darum, auszuprobieren, wie nützlich der Roboter wirklich war.

So vergingen einige Wochen. Und dann verreiste Tamara, um übers Wochenende eine Freundin zu besuchen. „Ich bin ja nur zwei Tage weg“, sagte sie, „pass gut auf Rob auf!“
„Selbstverständlich“, antwortete Joshua.
Am selben Abend überlegte er, was er mit dem Roboter anstellen könnte. Er hatte seine Aufgaben im Haushalt mustergültig erledigt, aber man könnte doch sicher mehr mit ihm machen.

Er besah sich den Roboter. Drei Knöpfe leuchteten auf:

Sex
Erotik
Hausarbeit

„Dann drücke ich mal Sex“, dachte er, „mal sehen, was Tamara immer so mit ihm anstellt, wenn ich nicht da bin.“ Und im gleichen Moment, als er den Knopf drückte, zog der Roboter ihn an sich, bog seinen Kopf mit einer Roboterhand nach hinten und berührte mit der anderen seine Brust.
„Du lieber Himmel! Hör auf, du blödes Ding! Ich bin keine Frau!“ brüllte Joshua wütend, aber der Roboter hörte nicht auf.
„Sie haben Sex gedrückt“, sagte er, „dann bekommen Sie Sex“.
„Ich wollte nur mal sehen, was passiert, hör sofort damit auf!“

An den Rest der Nacht erinnerte sich Joshua nur noch verschwommen. Jedenfalls fühlte er sich morgens, als er aufwachte, wie zerschlagen und buchstäblich alles tat ihm weh. Er glaubte sich zu erinnern, dass er den Roboter kurz und klein geschlagen hatte und versank noch einmal in einen gnädigen Halbschlaf.
Als sein Handy klingelte, schreckte er hoch. Tamara war am Apparat. "Hallo Liebling", sagte sie vergnügt, "hattet ihr einen schönen Abend?"
Joshua rieb sich die Augen, gähnte ausgiebig, um sich etwas einfallen zu lassen und sagte dann: "Ja. Aber ich muss Rob zur Reparatur bringen. Er ist gestern etwas unglücklich gestürzt."
"Oh!", sagte Tamara erschrocken. "Ist es schlimm?"
"Ich denke, sie bekommen ihn wieder hin", sagte Joshua. "Ich werde mich darum kümmern."
"Ich komme sofort nach Hause", sagte Tamara eilig, "ich möchte ihn selbst versorgen, sobald er repariert ist".
"Wie du willst", sagte Joshua. Dann legte er auf.
Den Rest des Morgens verbrachte er damit, eine geeignete Roboterwerkstatt zu finden. Dann brachte er die Blechteile, aus denen Rob bestanden hatte, hin und sagte zu dem Mechaniker: "Lassen Sie sich ruhig Zeit mit der Reparatur", ohne auf dessen verdutztes Gesicht einzugehen. "Montag in einer Woche können Sie ihn abholen", sagte der Mann.
"Vielen Dank. Kann ein Roboter sich eigentlich erinnern?"
"Das kommt darauf an, wie er programmiert ist."
"Dann löschen Sie sein Erinnerungsvermögen."
"Wie Sie wollen", sagte der Mechaniker, der sich über die Wünsche seiner Kunden schon lange nicht mehr wunderte.

Zufrieden pfeifend machte Joshua sich auf den Weg nach Hause. Eine Woche würde Tamara ihm alleine gehören.
Und dann würde sie den Roboter vielleicht gar nicht mehr abholen wollen.


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