Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
93 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Rosengarten
Eingestellt am 07. 07. 2007 22:35


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Medusa
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2007

Werke: 1
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Medusa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Langsam erhob er sich. Er wusste nicht, wo er sich befand. Sein linker Arm schmerzte ÔÇô ein langer blutiger Streifen zog sich an seinem Bizeps entlang. Um ihn herum herrschte modrige Dunkelheit. Doch auch ohne es zu sehen sp├╝rte er, dass er sich in einer nicht allzu gro├čen H├Âhle befand. Er hatte keine Ahnung, wie er hierher gelangt war. Seine letzte Erinnerung zeigte ihm einen Kampf auf Leben und Tod. Ein Messer, dass sich direkt auf sein Herz zu bewegte.
Tastend streckte er die rechte Hand aus und wagte einen vorsichtigen Schritt vorw├Ąrts. Sein Fu├č verursachte ein leises, schmatzendes Ger├Ąusch, als er sich auf den leicht schlammigen Grund senkte. Eine Haarstr├Ąhne legte sich auf seine Wange und hinterlie├č eine feuchte Spur, als er sie beiseite strich. Er wagte einen weiteren Schritt. Mit den Fingerspitzen ber├╝hrte er eine raue Felswand. Endlich eine M├Âglichkeit sich zu orientieren. Langsam tastete er sich Schritt f├╝r Schritt vor, bis sich die Textur der Wand pl├Âtzlich ├Ąnderte. Hier hatte jemand den Fels bearbeitet. Er fuhr mit den Fingerspitzen ├╝ber die glatte Fl├Ąche, bis er einen senkrechten feinen Riss erreichte. Kaum wahrnehmbar, doch f├╝r seine angespannten Sinne ├╝berdeutlich, drangen Licht und Luft durch diesen Spalt. Als er seine Hand nach oben gleiten lie├č, ert├Ânte ein schabendes Ger├Ąusch. Etwas unter seiner Hand hatte sich bewegt. Stein kratzte ├╝ber Stein, als sich der Riss erstaunlich rasch verbreiterte. Ein hohes Tor schob sich auf und enth├╝llte den Blick auf eine bl├╝hende Landschaft.
Einige Sekunden lang war er geblendet von dem grellen Tageslicht. Sanfte H├╝gel in sattem Gr├╝n zogen sich hin, so weit er sehen konnte. Sie waren bedeckt von zarten Blumen, die in allen Regenbogenfarben leuchteten. Er hatte der Sch├Ânheit der Natur nur selten Aufmerksamkeit geschenkt, dennoch war er sich sicher, dass er Gew├Ąchse dieser filigranen Vollkommenheit nie zuvor gesehen hatte. Weder B├Ąume noch B├╝sche durchbrachen die klare Linie des Horizonts. Ein Weg, kaum mehr als ein Pfad, f├╝hrte zwischen den sanften H├╝geln hindurch und entschwand schlie├člich seinen Blicken. Das Blau des Himmels war makellos, weder gest├Ârt durch Wolken, noch durch die Sonne oder andere Himmelsk├Ârper. Vollkommene Stille lag ├╝ber dem in einen Mantel aus warmer Luft geh├╝llten Panorama.
Wie von selbst setzte er einen Fu├č vor den anderen, bis er die H├Âhle verlassen hatte und sich auf dem Pfad befand. Als er sich umwandte, um einen Blick zur├╝ck zu werfen, sah er nichts weiter als gr├╝ne H├╝gel. Im selben Moment verschwand auch seine Erinnerung an das dunkle Felsenverlies. Es war, als h├Ątte nie etwas anderes als diese Ebene existiert.

Er wusste nicht, wie lange er dem Weg schon gefolgt war. Die ewig gleichf├Ârmige Landschaft wirkte einlullend in ihrer Perfektion. Vielleicht waren Stunden vergangen, vielleicht Wochen, Monate oder nur Minuten. Hatte es in seinem Leben je etwas anderes als diesen Pfad gegeben? Seine Augen glitten ├╝ber den Horizont, registrierten eine Unregelm├Ą├čigkeit. Eine winzige Erhebung, dort wo der Pfad den Himmel ber├╝hrte. Er setzte seinen Weg fort, unf├Ąhig den Blick abzuwenden. Zun├Ąchst noch unf├Ârmig offenbarte sich das Gebilde aus gr├Â├čerer N├Ąhe als ein von einem ├╝ppigen Garten umgebener Turm. Zun├Ąchst ein besch├Ąmender Makel der unendlichen Weite, jetzt eine Vision aus blendend wei├čem Marmor. Seine Augen begannen zu tr├Ąnen, teils wegen des glei├čenden, gespiegelten Lichtes, teils um die Vollkommenheit jenes Bauwerks zu leugnen. Den Fu├č des Turms zierten Kletterrosen, rankten herauf bis zu einer H├Âhe von fast zwei Metern. Das dunkle Rot ihrer Bl├╝ten, das in den Schatten fast schwarz wirkte, fand sich in den Rosenb├╝schen und -b├Ąumen des Gartens wieder. Wie in Trance schritt er weiter, den Pfad entlang, auf den Turm zu. Je n├Ąher er kam, desto mehr Einzelheiten des Gartens offenbarten sich ihm. Die B├╝sche bildeten lange Hecken, die sich zu einem regelrechten Labyrinth vereinten. Nicht ein Zweig war geknickt, nicht ein Blatt lag am Boden, nicht ein Grashalm durchdrang die dunkelbraune Erde. Wenige Meter vor dem Garten erreichte er das Ende des Pfades. Er z├Âgerte einen Moment bevor er den n├Ąchsten Schritt wagte. Ihm war, als w├Ąre er sein Leben lang dem schmalen Weg gefolgt und es ├Ąngstigte ihn nun diesen zu verlassen.
Um ihn herum erhoben sich die Rosenhecken. Lange Zeit irrte er umher. Wann immer er glaubte, einen Weg zum Turm gefunden zu haben, wurde ihm dieser von undurchdringlichen B├╝schen versperrt. Einige Male war er sicher, dass sich eine L├╝cke nur Sekunden zuvor geschlossen hatte. Lange, dornenbewehrte Ranken erschienen lebendiger als gew├Âhnlich und fanden sich von einem Augenblick zum anderen vor seinen F├╝├čen wieder, wenn er nicht genau auf seinen Weg achtete. Obgleich der Garten nicht besonders gro├č war, lief er nun schon seit Stunden ohne dem Turm n├Ąher gekommen zu sein. Seit einiger Zeit hinterlie├č er abgerissene Bl├Ątter um seinen Weg zu kennzeichnen, war jedoch bisher keiner seiner Markierungen begegnet, trotz des sicheren Gef├╝hls im Kreis zu laufen. Nur langsam stiegen Bedenken aus den Tiefen seines Unterbewusstseins auf. Ungeachtet der F├╝lle der Bl├╝ten war nicht ein Hauch von Duft wahrzunehmen. Die vollkommene Stille an diesem Ort. Kein Vogelgezwitscher, nicht einmal das Summen eines Insekts war zu h├Âren. Kaum hatte er diese Gedanken formuliert, da erreichte er einen Durchgang in einer der Hecken, der ihn n├Ąher zum Turm zu f├╝hren schien. Er durchschritt eine Art Torbogen, ├╝ber und ├╝ber bedeckt mit Rosenbl├╝ten. Auf der anderen Seite ├Âffneten sich die Hecken zu einem nahezu runden Platz, an dessen gegen├╝berliegendem Ende ein Weg direkt zu dem marmornen Turm f├╝hrte. Der Boden war bedeckt von wei├čen Kieselsteinen, so sauber, als l├Ągen sie erst seit einigen Minuten hier. Doch er bemerkte weder den Boden, noch den Weg zum Turm. Sein Blick wurde gefesselt von der Frau die in der Mitte des Platzes stand.
Sie war perfekt, wie alles in dieser Welt. Ihre Haut war makellos und so hell, dass sie fast durchscheinend wirkte. Ihre glatten, ebenholzfarbenen Haare reichten bis weit auf ihren R├╝cken. Sie trug ein dunkelrotes Kleid, bodenlang und mit schlichten Ornamenten Ton in Ton bestickt. Ihr Blick war nach unten gerichtet, auf eine Rose die sie in ihrer Hand hielt. Sein Fu├č verursachte ein knirschendes Ger├Ąusch, als er sich auf die Steine des Platzes senkte. Sie verharrte vollkommen ruhig, nur die Lider ihrer Augen schnellten nach oben und gaben ihn ihrem Blick preis. Unf├Ąhig sich zu bewegen oder etwas zu sagen starrte er sie an. Minuten vergingen. Er versank in ihren Augen, die von einem so tiefen Braun waren, dass sie fast schwarz wirkten. Ohne ein Wort zu sagen kam sie langsam auf ihn zu. Ihre Schritte waren so leicht, dass sie nicht das geringste Ger├Ąusch verursachten. Langsam streckte sie ihre rechte Hand, in der sie noch immer die Rose hielt, nach ihm aus und strich mit den zarten Bl├╝tenbl├Ąttern ├╝ber seine Wange. Ein Schauer jagte ihm ├╝ber den R├╝cken. Er schluckte trocken, unf├Ąhig sich zu r├╝hren oder auch nur zu blinzeln. Sie kam n├Ąher, war nun nur noch wenige Zentimeter von ihm entfernt. Erneut strich sie mit der Rose ├╝ber sein Gesicht, doch dieses Mal sp├╝rte er nicht die weichen Bl├Ątter der Bl├╝te, sondern die Dornen, die unbarmherzig ├╝ber seine Haut kratzten. Er sp├╝rte einen stechenden Schmerz, als einer von ihnen seine Haut durchdrang und ein Blutstropfen hervorquoll.

Augenblicklich kehrte der Schmerz in seinen linken Arm zur├╝ck. Er sp├╝rte das getrocknete Blut auf seinem Bizeps, das Brennen der immer noch offenen Wunde, welches bis in die Schulter hin ausstrahlte. Scharf sog er die Luft ein, ├╝berw├Ąltigt von den pl├Âtzlichen Qualen. Er w├╝rgte, als er sich des fauligen Verwesungsgeruchs bewusst wurde. Nur m├╝hsam konnte er seinen Magen beruhigen und sich zwingen weiter zu atmen. Die pl├Âtzliche schw├╝le Hitze schien ihn zu Boden dr├╝cken zu wollen und in dem grauen Himmel strahlte eine erbarmungslose Sonne. Die wei├čen Kiesel unter seinen F├╝├čen waren zu scharfkantigen, von graugr├╝nen Algen ├╝berzogenen Steinen geworden, die sich schmerzhaft durch die d├╝nnen Sohlen seiner Schuhe bohrten. Wo zuvor Rosenb├╝sche standen ragten nun tote B├Ąume in mitten von Sumpf-Blutaugen und dreibl├Ąttrigem Fieberklee auf. Die meisten Pflanzen hatte er nie zuvor gesehen; monstr├Âse Zerrbilder der zuvor herrschenden Sch├Ânheit. Der Torfboden hatte sich zu einem t├╝ckischen Sumpf gewandelt und entlie├č seine ├╝blen Gase in gro├čen Blasen an die Oberfl├Ąche.
Sein Blick glitt zur├╝ck zu der Frau, die sich einen Schritt von ihm entfernt hatte. Ihre Sch├Ânheit war geblieben, doch wurde sie ├╝berschattet von der Grausamkeit, die sie ausstrahlte. Vollkommen ruhig und majest├Ątisch stand sie inmitten der ├╝berw├Ąltigenden Abscheulichkeit. Ihre kalten Augen ruhten auf ihm und registrierten jede seiner Bewegungen, jeden Anflug von Schw├Ąche. Pl├Âtzlicher Schmerz durchzuckte sein rechtes Bein. Er schaute an sich herab und erblickte eine dicke, dornenbewehrte Ranke, die sich um seinen rechten Kn├Âchel wand. Weitere folgten ihr und umschlagen seine Beine und seinen Rumpf. Gepeinigt st├Âhnte er auf, als seine Kleidung zerriss und seine Haut durchbohrt wurde. Nacktes Entsetzen stand in seinen Augen. Sie warf den Kopf in den Nacken und ihr grausames Lachen erf├╝llte die Luft. Die Ranken legten sich enger um seinen K├Ârper, fesselten seine Arme und gruben ihre Dornen unnachgiebig in sein Fleisch. Ob der Qualen schreiend wand er sich hin und her, versuchte vergeblich freizukommen. Doch all seine M├╝hen f├╝hrten nur dazu, dass seine Wunden weiter aufrissen und das Blut ├╝ber seinen K├Ârper str├Âmte. ├ťberlegen blickte sie auf ihn herab und l├Ąchelte kalt. Sie trat einen Schritt n├Ąher und fuhr mit einem Fingernagel ├╝ber seine Wange. Mit der anderen Hand ergriff sie eine der Ranken und riss sie ihm quer ├╝ber die Brust. F├╝r einen Moment glaubte er das Bewusstsein zu verlieren, doch diese Gnade wurde ihm nicht gew├Ąhrt. Sie sah wie seine Augen sich tr├╝bten und lie├č von ihm ab. ÔÇ×Nein, so schnell wirst du nicht sterben.ÔÇť fl├╝sterte sie und beim Klang ihre Stimme schienen sich Eiskristalle in seinem Blut zu bilden. Die um ihn geschlungenen Ranken dr├╝ckten noch einmal zu und zogen sich dann zur├╝ck. Er sackte st├Âhnend zu Boden und blieb liegen, kurz davor die Besinnung zu verlieren. Die Schmerzen verblassten zu einem dumpfen Pochen. Nur schemenhaft nahm er wahr, wie sie sich ihm erneut n├Ąherte. Mit der Spitze ihres Schuhs hob sie sein Gesicht so weit aus dem Dreck, dass er zu ihr aufsehen musste. Er blinzelte mehrfach um gegen die Sonne etwas erkennen zu k├Ânnen und erblasste, als er die Grausamkeit in ihrem Gesicht erblickte. Er begriff, dass er diesen Tag nicht ├╝berleben w├╝rde. Dann sank er in die erl├Âsende Schw├Ąrze, die seinen Qualen ein Ende bereitete.

Mit dem Fu├č rollte sie ihn auf den R├╝cken, die spitzen Steine bohrten sich schmerzhaft in seine geschundene Haut. Pl├Âtzlich traf ein Schwall eiskalten Wassers sein Gesicht. Als er sich prustend zwang die Augen zu ├Âffnen und sie anzuschauen, erblickte er einen nunmehr leeren Krug in ihrer Hand - er wusste nicht, seit wann er sich schon dort befand. Durch die K├Ąlte wieder voll bei Bewusstsein, kehrten augenblicklich auch die Schmerzen in ihrer ganzen Intensit├Ąt zur├╝ck. Er beobachtete die Frau, wie sie bed├Ąchtig das t├Ânerne Gef├Ą├č zu Boden stellte und hinter sich griff. Als sie sich wieder zu ihm umwandte, hielten ihre H├Ąnde einen langen Holzspeer, der in einer Eisenspitze mit einem Widerhaken endete. Sie richtete die Spitze auf sein Herz. Ein Zittern lief durch seinen K├Ârper. Ein letztes Mal sammelte er all seine Kraft, um dem t├Âdlichen Sto├č zu entgehen. In dem Moment, als die Spitze geradewegs auf seine Brust zuschoss, warf er sich zur Seite. Seine Schulter brannte wie Feuer, als seine Haut von dem Metall zerrissen wurde. Er sprang auf, ergriff eine der Ranken, die ihm zuvor so qu├Ąlende Schmerzen bereitet hatten, ohne R├╝cksicht darauf zu nehmen, dass sich die Dornen tief in seine H├Ąnde bohrten. Mit einem Schrei st├╝rzte er sich auf die Frau und presste die Ranke mit seiner ganzen Kraft um ihren schlanken Hals. Versp├Ątet begriff sie was geschah und sank mit einen R├Âcheln auf die Knie. Blut trat aus ihrem Mund und ihre Augen starrten blicklos in die Ferne, als sie zu Boden fiel. In dem Moment, als ihr K├Ârper diesen ber├╝hrte, zerfiel sie zu Staub und mir ihr die Pflanzen und alles andere um sie herum. An der Stelle, an der zuvor der Turm gestanden hatte, tat sich ein glei├čendes Licht auf. Ohne zu zaudern ging er hinein und verschwand.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!