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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Sandmann
Eingestellt am 10. 04. 2011 16:25


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DocSchneider
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Er sah das Meer und den Strand, so wie jeden Abend. Sie sa├čen mit diesem Blick im Restaurant und warteten auf das Abendessen, auch so wie jeden Abend.

Aber heute war es anders, und das sp├╝rte er.

Er hatte keine Lust mehr, immer nur zu sitzen. Er wollte aufstehen, weglaufen, zum Strand hin, ├╝ber den Sand rennen, sich dabei anstrengen m├╝ssen, um nicht darin zu versinken... dann endlich den festeren Boden sp├╝ren, um seine F├╝├če vom Meer umsp├╝len zu lassen. Vor allen Dingen aber wollte er im Sand liegen, sich darin w├Ąlzen und eingraben k├Ânnen, ihn ├╝berall verteilen ....

Er konzentrierte sich auf die Speisekarte.

Was stand da? Ein Gedicht? Das war auch anders, das hatte er noch nie gesehen. Ein sch├Ânes Gedicht, er las es langsam f├╝r sich:

Ich will mit Dir ans Meer fahren
und will Deine Stimme h├Âren,
die als Echo
am Ufer zur├╝ckbleiben wird f├╝r lange.

Du wirst Muscheln sammeln
und Dein Haar ordnen,
in dem der Wind endet.

Ich will Deinen ├ťbermut tanzen sehen
auf den Wellen
und dabei sein,
wenn Du den Abend mit Deinen Augen entz├╝ndest ...


Er kannte den Verfasser namens Walter Helmut Fritz nicht, aber der Text ber├╝hrte ihn. W├╝rde er jemals so etwas erleben ? Mit einer Frau? Er wusste es nicht. Er hielt sich f├╝r zu jung, aber mit sechzehn Jahren sehnte er sich doch nach einer Freundin.

Schlie├člich kam das Essen. Seine Eltern f├╝hrten eine lebhafte Unterhaltung, aber er beteiligte sich nicht daran. Seine Gedanken schweiften ab. Er sah eine junge Frau, die ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammenband, die ihr Gesicht in die Sonne hielt, die Muscheln sammelte. Sie beugte sich zu ihm herunter... halt, das war ja schon wieder falsch. Er war mit ihr auf gleicher Augenh├Âhe und sie blickten sich an. Und dann k├╝ssten sie sich.

Pl├Âtzlich legte er sein Besteck nieder und sagte zu seinen Eltern: " Ich gehe morgen nicht an unseren Strand."

Die Eltern schwiegen verbl├╝fft. Schlie├člich fand die Mutter als Erste die Sprache wieder: " Aber wo willst Du denn hin ? Wir machen es doch schon seit zehn Jahren so. Wir m├╝ssen dahin!" Er warf ihr einen b├Âsen Blick zu. "Nein, ich gehe nicht. Ich will an den anderen Strand, wo alle sind. Wenn ihr nicht mitkommt, werde ich es alleine schaffen."

Der Vater erwiderte: " Wie willst Du das bewerkstelligen ohne ..." . Erschrocken hielt er inne und schlug sich auf den Mund.

Der Sohn schwieg. Er musste jetzt hier weg. Er war kein kleines Kind mehr. Er wollte nicht immerzu bemuttert werden.

Er fuhr langsam mit seinem Rollstuhl aus dem Restaurant in Richtung Promenade. Die Sonne war noch da. Er hielt ihr sein Gesicht entgegen, sp├╝rte ihre W├Ąrme und hielt die Augen geschlossen. Morgen w├╝rde er ihn versuchen, den Besuch am anderen Strand.
Was hatte Mark Twain gesagt ?

In zwanzig Jahren wirst Du mehr entt├Ąuscht sein ├╝ber die Dinge, die Du nicht getan hast als ├╝ber die Dinge, die Du getan hast.
Also l├Âse die Knoten, laufe aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit Deinen Segeln. Erforsche Tr├Ąume.

Ja, das w├╝rde er morgen machen.


Version vom 10. 04. 2011 16:25

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