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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der Schatten, 3. Geschichte vom kleinen Zauberer
Eingestellt am 28. 10. 2004 10:36


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Wasserlinse
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Der kleine Zauberer vom Stecklaswald

III. Der Schatten

Eines Tages wollte der kleine Zauberer seine Freundin, die kleine Hexe besuchen. Sie hatte ihn eingeladen, damals nach dem Schlamassel mit den Riesennüssen. *
„Du musst immer nur nach Norden gehen,
den großen Waldbeerlesberg kannst du nicht übersehen!“.
„Nach Norden? Wo ist Norden?“, hatte der kleine Zauberer gefragt.
Die kleine Hexe hatte laut gelacht:
„Wenn die Sonne gerade aufgeht,
und dein Schatten genau links von dir steht,
dann blickst du direkt nach Norden.“
„So einfach ist das“, hatte der kleine Zauberer sich damals gedacht.

So war er heute extra ganz früh am Morgen aufgestanden und zu einer kleinen Lichtung gelaufen.
Als die Sonne ihre ersten wärmenden Strahlen schickte, drehte er sich nun solange, bis sein Schatten genau links von ihm war.
„Aha, jetzt blicke ich also nach Norden!“
Den großen Waldbeerlesberg konnte er jedoch nicht entdecken.
Zu viele Bäumen versperrten ihm die Sicht. Doch das störte den kleinen Zauberer nicht.
„Also, auf geht´s! Immer der Nase nach!
Hallo! Kleine Hexe – ich komme!“ rief er fröhlich und lief geradewegs in den Wald hinein.

Bald standen die Bäume so dicht, dass er nur noch die Trampelpfade der Tiere benutzen konnte. Doch die schlängelten sich und änderten plötzlich die Richtung. So lief er mal nach rechts und dann wieder nach links.
An einer Weggabelung blieb er stehen.
„Verflixt! Wo ist mein Schatten?“ Er wedelte kräftig mit seinen Armen.
„Oh je! Was ist das denn? Mein Schatten ist ja ganz klein geworden.“ wunderte er sich.
„Und – Wie soll ich jetzt Norden finden?“, dachte er verzweifelt.
Nun wusste er nicht mehr, wohin er laufen sollte.

„Wenn die Bäume kleiner wären, könnte ich bestimmt den großen Berg sehen“, überlegte er und zückte seinen Zauberstab.
Aber halt! Er hatte ja der kleinen Hexe damals fest versprochen Tiere und Pflanzen nicht mehr zu verzaubern.
„Dann muss ich eben auf einen Baum klettern?“, stöhnte er und blickte nach oben.

· (Siehe Kapitel I. So ein Schlamassel)



„Uuuh! Diese Tannen sind aber sehr hoch!“
„Huch, was war denn das?“ Hoch oben in den Gipfeln hatte sich gerade etwas bewegt.
Freudig erkannte er einen buschigen braunen Schwanz – und gleich daneben noch einen.
„Hallo Eichkatzerl! Könnt ihr von dort oben den großen Berg sehen?“, rief er hinauf.
„Ja natürlich, kleiner Zauberer! Da vorne, ganz weit weg, ist ein riesiger Berg!“, riefen die beiden Eichhörnchen im Chor und zeigten nach Norden.
„Willst du etwa dorthin?“
„Ich möchte die kleine Hexe besuchen“, antwortete der kleine Zauberer. „Doch ich bin heute schon so weit gelaufen.“
Nachdenklich blickte er auf seine kleinen Füße, dachte an den langen Weg den er noch vor sich hatte und schon kam ihm eine Idee. Er zückte seinen Zauberstab:

„Abrakadabra Funkelstern,
große Füße hätt´ ich gern!“
Zisch! Zisch! Zisch! Leuchtend-gelbe Funken sprühten aus der Spitze seines Zauberstabes.

Der kleine Zauberer war mit sich zufrieden. Er sah nun so aus, wie ein kleiner Clown mit viel zu großen Schuhen.
„Hurra! Jetzt bin ich superschnell!“, dachte er und lief los.
Doch schon stolperte er über seine eigenen Riesenfüße und fiel auf seine kleine Stupsnase.
„Verflixt und zugenäht! So geht das nicht. Dazu brauche ich eben auch längere Beine“, überlegte er.

„Hokus pokus Glitzersteine!
wachsen sollen meine Beine!“
Zisch! Zisch! Zisch! Diesmal gab es viele himmelblaue Funken.

„Huch!“ Jetzt stieß der kleine Zauberer mit seinem Kopf an die Äste der Bäume. Wie auf Stelzen musste er nun mit seinen überlangen Beinen balancieren. Er wackelte hin und her, verlor er sein Gleichgewicht und konnte sich gerade noch an einem langen Ast festhalten.
„Autsch!“ Er hatte genau in eine dornige Hecke gegriffen. „Verflixt! So geht das auch nicht!“, schimpfte der kleine Zauberer wütend.

Die beiden Eichhörnchen hatten ihm dabei belustigt zugeschaut.
„Sollen wir dir helfen?“, fragten sie freundlich.
„Bah, wie könnt ihr mir helfen? Jetzt muss ich sehen, wie ich alles wieder zurückzaubere“, ärgerte sich der kleine Zauberer.
Rückzauber sind besonders schwer. Wenn alles wieder genau so sein soll wie zuvor muss der Zauberspruch Silbe für Silbe rückwärts aufgesagt werden, ohne sich zu verplappern.
„Kus-ho kus-po ...“, murmelte er ganz konzentriert.
Er durfte nicht daran denken, dass große Zauberer ihr Leben lang mit Spinnenbeinen oder Mäuseschwänzchen herumlaufen mussten, nur weil sie sich dabei versprochen hatten.
„Was nun?“ Müde setzte er sich auf einen Baumstumpf. Hinter ihm raschelte es. Ein Einhorn, weiß wie Schnee, stand plötzlich vor ihm.
„Oh! Oho! Hallo! - Ich wusste gar nicht, dass es hier in diesem Wald noch Einhörner gibt“, wunderte sich der kleine Zauberer.
„Hallo kleiner Zauberer“, grüßte das Einhorn freundlich.
„Wir sind sehr selten und verstecken uns vor Zweibeinern. Doch meine Freunde, die Eichhörnchen, haben mich gerufen“, erklärte das Einhorn. „Du willst zum großen Waldbeerlesberg? Du darfst auf mir reiten.“
Der kleine Zauberer freute sich.
„Wie schön ist es doch Freunde zu haben“, dachte er und nahm das Angebot dankbar an.

Wie von Geisterhand getragen huschte das Einhorn fast lautlos durch den Stecklaswald. Bald kamen sie am Fuße des Berges an.
Der kleine Zauberer machte große Augen. Noch nie hatte er so einen riesigen Berg gesehen.
Plötzlich fiel sein Blick auf seinen langen Schatten und er erschrak.
„Halt! Wir sind falsch!“, rief er verzweifelt.
Sofort blieb das Einhorn stehen.
„Vor dir, das ist der Waldbeerlesberg“, sagte es, „ganz gewiss.“
„Oh nein! Das muss ein anderer Berg sein“, meinte der kleine Zauberer ganz aufgeregt.
Das Einhorn schüttelte den Kopf. Seine lange, weiße Mähne flog hin und her.
„Wieso glaubst du das?“, fragte es und runzelte die Stirn.
„Der Schatten“, antwortete der kleine Zauberer.
„Schau nur, unser Schatten ...“
Das Einhorn verstand seine Aufregung nicht. „Ja und?“
„Aber die kleine Hexe hat doch gesagt: Der Berg ist im Norden.
Und wenn ich nach Norden schaue, ist mein Schatten links.
Also sind wir genau in die falsche Richtung gelaufen“, jammerte der kleine Zauberer.

Das Einhorn schüttelte wieder den Kopf.
„Vor dir ist Norden. Die Sonne wird bald untergehn,
deshalb kannst du den Schatten nun zu deiner Rechten sehn“, versuchte es ihn zu beruhigen.

Jetzt war der kleine Zauberer völlig durcheinander.
Mit seiner tiefen, dunklen Stimme erklärte das Einhorn:

„Im Osten geht die Sonne auf,
im Süden hält sie Mittagslauf,
im Westen will sie untergehn,
im Norden ist sie nie zu sehn.“
Damit verabschiedete sich das Einhorn und verschwand noch bevor sich der kleine Zauberer richtig bedanken konnte.

Verwirrt blickte der kleine Zauberer nach oben. Der Waldbeerlesberg war so riesig, dass er den Gipfel nicht erkennen konnte.
„Der Berg reicht ja bis zu den Wolken. Wie soll ich hier nur meine Freundin, die kleine Hexe finden?“, fragte er sich.
Sofort begann er mit dem Aufstieg. Doch er kam nur langsam voran.
„Uff! Ist das anstrengend.“ Er wischte sich den Schweiß von seiner Stirn und setzte er sich auf einen großen Stein.
„Pfüüiii!“ Ein lauter, schriller Pfiff ertönte. Der kleine Zauberer zuckte zusammen. Er sah gerade noch einen buschigen braunen Schwanz in einem Erdloch verschwinden.

„Hallo Eichkatzerl unter der Erde“, rief er.
Doch das Tier blieb verschwunden.
„Vielleicht war es ja gar kein Eichhörnchen“, überlegte der kleine Zauberer und er rief noch lauter:
„Hallo Erdlochratz! Wo wohnt die kleine Hexe?“
Blitzschnell erschien aus dem Loch ein hasenähnlicher Kopf mit kleinen runden Ohren.
„Ratz, hast du zu mir gesagt! Das ist doch unerhört!
Ich bin doch keine Ratte! Ich bin ein Murmeltier! Merk es dir!“, ertönte eine ärgerliche Stimme und sogleich war der Kopf wieder verschwunden.

Neugierig kam ein schwarzer Vogel angeflattert und ließ sich in der Nähe des kleinen Zauberers nieder. Er beäugte ihn misstrauisch.
„Komischer Rabe mit gelbem Schnabel und roten Beinen“, wunderte sich der kleine Zauberer. Im Stecklaswald waren alle Raben von Kopf bis Fuß kohlrabenschwarz.
„Hallo Rabe, kannst du mir bitte zeigen, wo die kleine Hexe wohnt?“, fragte er betont höflich.
„Krah, Krah! Ich bin eine Dohle – krah, krah kraaah!“ krächzte der Vogel beleidigt und flatterte davon.
Traurig blickte ihm der kleine Zauberer nach.
„Hmm! Und jetzt? Der Berg ist so riesig. Wo soll ich suchen?“
Ratlos schaute er sich um. Er hatte Hunger und Durst. Die Sonne färbte den Himmel schon rot. Bald würde sie untergehen. Er brauchte auch dringend einen Schlafplatz.

„Wusch!“ Eine kleine Staubwolke wurde neben ihm aufgewirbelt.
„Juchu Juheirassa! Wen haben wir denn da?“, rief die kleine Hexe voller Wiedersehensfreude. Sie ließ ihren Besen fallen und fiel ihm um den Hals.

„Wie hast du mich nur entdeckt?“, wunderte sich der kleine Zauberer.
„Die Dohle kam herbei geeilt
und brachte mir die Neuigkeit“, lächelte sie verschmitzt.
„Oh! Du siehst aber müde aus.
Komm, ich zeig dir mein Zuhaus`.“
Sie formte mit Zeigefinger und Daumen ein „0“, steckte die Finger in den Mund und stieß einen lauten Pfiff aus.
Kurz darauf kam eine Ziege den Berg herunter gesprungen. Sie hatte ein struppiges grau-weißes Fell, einen kleinen, spitzen Bart und zwei kleine Hörner. Die kleine Hexe kraulte ihr liebevoll den Kopf.
„Das ist Ziege Kraxi,
das allerbeste Bergtaxi“, lächelte sie und sagte zur Ziege:
„Sei so gut und saus!
bring meinen Freund zu mir nach haus!“

Erleichtert kletterte der kleine Zauberer auf die Bergziege und schon sprang sie los.
„Halt! Nicht so schnell!“, rief der kleine Zauberer und umklammerte ihren Hals. Er hatte wirklich große Mühe sich in ihrem zottigen Fell festzuhalten und schreckliche Angst herunterzufallen. „So ein Schüttelexpress“, dachte er und sehnte sich nach dem sanften Reiten auf dem Einhorn.

Endlich erreichten sie die Höhle, in der die kleine Hexe wohnte. Der kleine Zauberer lies er sich zitternd ins weiche Gras fallen. Ihm war speiübel, so durchgeschüttelt war er von diesem Ritt.
Die Ziege blieb stehen als warte sie auf etwas.
Langsam stand der kleine Zauberer wieder auf.
Da senkte die Ziege ihren Kopf und schubste ihn in die Seite.
Der kleine Zauberer stolperte.
„Hey! Was soll das?“, rief er zornig.

Die kleine Hexe hatte bereits am Höhleneingang auf die Beiden gewartet.
„Spinnenschiss und Schlangenbiss!
Weißt du nicht, was Sache ist?
Kraxi hat dich weit getragen.
Du sollst ihr nun `Danke` sagen“, sagte sie in gespielt ärgerlichem Ton. Schmunzelnd und reichte sie ihm eine Handvoll Maiskörner:
„Ich weiß, du hast es nur vergessen.
Hier, gib Kraxi was zu fressen.“
Der kleine Zauberer strich der Ziege übers struppige Fell und bedankte sich bei ihr.
Gierig fraß Kraxi aus seiner Hand.

Dann sah sich der kleine Zauberer um.
„Wunderschön ist es hier. So weit kann man schauen“, staunte er.
Die kleine Hexe lächelte und zeigte nach Süden.
„Schau! Dort, der kleine grüne Fleck
ist deine Heimat, ganz weit weg.“
Der kleine Zauberer schüttelte energisch den Kopf.
„Nein! Das kann nicht sein,
mein Stecklaswald ist nicht so klein“, widersprach er.
Die kleine Hexe kicherte.
„Was hast du dir nur vorgestellt?
So klein der Wald, so groß die Welt!“ Dabei zeichnete sie mit beiden Armen ein große Kugel in die Luft.
Doch der kleine Zauberer konnte es nicht glauben. Aber wohin er auch blickte, einen größeren Wald konnte er nirgends entdecken.

Dann reichte ihm die kleine Hexe eine Tonschale.
„Sicher hast du großen Durst. Möchtest du etwas Milch?“, fragte sie freundlich.
„Oh ja, gerne“, antwortete der kleine Zauberer. Er liebte Milch über alles und durstig war er auch.
Dankbar nahm er die Schale und trank einen kleinen Schluck.
„Bäh!“ In hohem Bogen spuckte er die Milch gleich wieder aus.
Er schüttelte sich und rieb sich mit dem Handrücken über den Mund.
Die kleine Hexe traute ihren Augen nicht.
„Fliegendreck und Drachengalle,
ich glaub du hast sie nicht mehr alle“, schimpfte sie los.
„Tollkirschsaft und Natterngift,
Was tust du da? Das macht man nicht!“, fauchte sie ihn wütend an.
Sie ballte ihre zarten Hände zu Fäusten und stampfte zornig mit dem Fuß.
Diese Milch war doch das Kostbarste was sie ihm anbieten konnte.
Und er wagte es, sie wieder auszuspucken!

Der kleine Zauberer verzog das Gesicht zu einer Grimasse.
„Igitt! Ekelhaft! Deine Milch schmeckt ja scheußlich“, sagte er.
„Wie kannst du mir nur so etwas anbieten?“
Er drehte ihr beleidigt den Rücken zu.

Zum ersten Male in ihrem Leben war die kleine Hexe sprachlos.
So entsetzt war sie über das Verhalten ihres Freundes.
Auch der kleine Zauberer war bestürzt. „Erst gibt sie mir diese abscheuliche Milch und dann mosert sie mich auch noch an“, dachte er.
Lange Zeit sprach keiner mehr ein Wort.
Die untergehende Sonne färbte den Himmel blutrot. Langsam wurde es immer dunkler.

„So kann es nicht weitergehen“, dachte die kleine Hexe betrübt.
„Vielleicht habe ich ihn zu sehr angeschnauzt.“

„So kann es nicht weitergehen“, dachte auch der kleine Zauberer.
„Habe ich sie durch das Spucken beleidigt?“, überlegte er.
Er drehte sich um und sah die kleine Hexe mit traurigen Augen an.

„Tut mir leid!“, sagten beide gleichzeitig, wie aus einem Munde.
„Wollen wir uns wieder vertragen?“, bat der kleine Zauberer.
„Wir wollen den Streit begraben“, antwortete die kleine Hexe und reichte ihm zur Versöhnung die Hand.
„Ich war so wütend – ei der Daus!
Die Milch von Kraxi spuckst du aus“, sagte sie entschuldigend.

„Ziegenmilch?“ Der kleine Zauberer staunte.
„Ich trinke so gerne die Milch der Kokosnuss. Doch die schmeckt völlig anders.“
„Was? Nüsse geben Milch?“, wunderte sich nun die kleine Hexe.
Da musste der kleine Zauberer lachen.
Doch die kleine Hexe sah ihn nachdenklich an. Sie erinnerte sich. An klaren Wintertagen konnte sie den grünen Stecklaswald in der Ferne erkennen. Plötzlich begriff sie. In der Heimat des kleinen Zauberers gab es niemals Schnee. Deshalb brauchte er auch keine Wintervorräte anzulegen.
Sie versuchte es ihm zu erklären:
„Der Winter ist drei Monde lang.
Hier ist alles vereist und verschneit.
Und leg ich keine Vorräte an,
gibt´s nichts zu futtern, weit und breit.“
„Das ist ja furchtbar“, meinte der kleine Zauberer.
„Nein! Oh nein! Ich liebe Schnee, ich liebe Eis!
Alles macht der Winter herrlich weiß!“
Sie führte den kleine Zauberer in ihre Höhle und zeigte ihm Käse und Butter, natürlich aus Ziegenmilch. Wie auf einer Girlande waren Pilze und Apfelringe zum Trocknen aufgehängt. In der hintersten Ecke lag Heu für Kraxi. Müde setzten sie sich auf die Strohbündel daneben.
„Ohne Milch würde ich im Winter verhungern!“, erklärte sie nun.
Der kleine Zauberer schämte sich, dass er die Milch ausgespuckt hatte.
Jetzt erst verstand er, warum die Ziegenmilch das Kostbarste war, was sie ihm anbieten konnte.
„Tut mir schrecklicht leid“, sagte er.
„Deine Welt ist so anders als meine.
Erzähle mir mehr von Winter und Schnee“, bat er.
Und die kleine Hexe erzählte und erzählte, bis ihm die Augen zufielen.
„Gute Nacht, träum schön!“, flüsterte sie und deckte ihn behutsam zu.

__________________
Wasserlinse

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Der Schatten, 3. Geschichte vom kleinen Zauberer
Veröffentlicht von Wasserlinse am 28. 10. 2004 10:36
Der kleine Zauberer vom Stecklaswald

III. Der Schatten

Eines Tages wollte der kleine Zauberer seine Freundin, die kleine Hexe(Komma) besuchen. Sie hatte ihn eingeladen, damals nach dem Schlamassel mit den Riesennüssen. *
„Du musst immer nur nach Norden gehen,
den großen Waldbeerlesberg kannst du nicht übersehen!“.
„Nach Norden? Wo ist Norden?“, hatte der kleine Zauberer gefragt.
Die kleine Hexe hatte laut gelacht:
„Wenn die Sonne gerade aufgeht,
und dein Schatten genau links von dir steht,
dann blickst du direkt nach Norden.“
„So einfach ist das(Ausrufezeichen oder Punkt)“, hatte der kleine Zauberer sich damals gedacht.

So war er heute extra ganz früh am Morgen aufgestanden und zu einer kleinen Lichtung gelaufen.
Als die Sonne ihre ersten wärmenden Strahlen schickte, drehte er sich nun solange, bis sein Schatten genau links von ihm war.
„Aha, jetzt blicke ich also nach Norden!“
Den großen Waldbeerlesberg konnte er jedoch nicht entdecken.
Zu viele Bäumen (Bäume) versperrten ihm die Sicht. Doch das störte den kleinen Zauberer nicht.
„Also, auf geht´s! Immer der Nase nach!
Hallo! Kleine Hexe – ich komme!“ rief er fröhlich und lief geradewegs in den Wald hinein.

Bald standen die Bäume so dicht, dass er nur noch die Trampelpfade der Tiere benutzen konnte. Doch die schlängelten sich und änderten plötzlich die Richtung. So lief er mal nach rechts und dann wieder nach links.
An einer Weggabelung blieb er stehen.
„Verflixt! Wo ist mein Schatten?“ Er wedelte kräftig mit seinen Armen.
„Oh je! Was ist das denn? Mein Schatten ist ja ganz klein geworden.“(Komma) wunderte er sich.
„Und – Wie soll ich jetzt Norden finden?“, dachte er verzweifelt.
Nun wusste er nicht mehr, wohin er laufen sollte.

„Wenn die Bäume kleiner wären, könnte ich bestimmt den großen Berg sehen(Komma)“, überlegte er und zückte seinen Zauberstab.
Aber halt! Er hatte ja der kleinen Hexe damals fest versprochen(Komma) Tiere und Pflanzen nicht mehr zu verzaubern.
„Dann muss ich eben auf einen Baum klettern?“, stöhnte er und blickte nach oben.

• (Siehe Kapitel I. So ein Schlamassel)



„Uuuh! Diese Tannen sind aber sehr hoch!“
„Huch, was war denn das?“ Hoch oben in den Gipfeln hatte sich gerade etwas bewegt.
Freudig erkannte er einen buschigen braunen Schwanz – und gleich daneben noch einen.
„Hallo Eichkatzerl! Könnt ihr von dort oben den großen Berg sehen?“, rief er hinauf.
„Ja natürlich, kleiner Zauberer! Da vorne, ganz weit weg, ist ein riesiger Berg!“, riefen die beiden Eichhörnchen im Chor und zeigten nach Norden.
„Willst du etwa dorthin?“
„Ich möchte die kleine Hexe besuchen(Punkt)“, antwortete der kleine Zauberer. „Doch ich bin heute schon so weit gelaufen.“
Nachdenklich blickte er auf seine kleinen Füße, dachte an den langen Weg(Komma) den er noch vor sich hatte und schon kam ihm eine Idee. Er zückte seinen Zauberstab:

„Abrakadabra Funkelstern,
große Füße hätt´ ich gern!“
Zisch! Zisch! Zisch! Leuchtend-gelbe Funken sprühten aus der Spitze seines Zauberstabes.

Der kleine Zauberer war mit sich zufrieden. Er sah nun so (überflüssig) aus,(kein Komma) wie ein kleiner Clown mit viel zu großen Schuhen.
„Hurra! Jetzt bin ich superschnell!“, dachte er und lief los.
Doch schon stolperte er über seine eigenen Riesenfüße und fiel auf seine kleine Stupsnase.
„Verflixt und zugenäht! So geht das nicht. Dazu brauche ich eben auch längere Beine(Punkt)“, überlegte er.

„Hokus pokus Glitzersteine!
wachsen sollen meine Beine!“
Zisch! Zisch! Zisch! Diesmal gab es viele himmelblaue Funken.

„Huch!“ Jetzt stieß der kleine Zauberer mit seinem Kopf an die Äste der Bäume. Wie auf Stelzen musste er nun mit seinen überlangen Beinen balancieren. Er wackelte hin und her, verlor er sein Gleichgewicht und konnte sich gerade noch an einem langen Ast festhalten.
„Autsch!“ Er hatte genau in eine dornige Hecke gegriffen. „Verflixt! So geht das auch nicht!“, schimpfte der kleine Zauberer wütend.

Die beiden Eichhörnchen hatten ihm dabei belustigt zugeschaut.
„Sollen wir dir helfen?“, fragten sie freundlich.
„Bah, wie könnt ihr mir helfen? Jetzt muss ich sehen, wie ich alles wieder zurückzaubere(Punkt)“, ärgerte sich der kleine Zauberer.
Rückzauber sind besonders schwer. Wenn alles wieder genau so sein soll wie zuvor muss der Zauberspruch Silbe für Silbe rückwärts aufgesagt werden, ohne sich zu verplappern.
„Kus-ho kus-po ...“, murmelte er ganz konzentriert.
Er durfte nicht daran denken, dass große Zauberer ihr Leben lang mit Spinnenbeinen oder Mäuseschwänzchen herumlaufen mussten, nur weil sie sich dabei versprochen hatten.
„Was nun?“ Müde setzte er sich auf einen Baumstumpf. Hinter ihm raschelte es. Ein Einhorn, weiß wie Schnee, stand plötzlich vor ihm.
„Oh! Oho! Hallo! - Ich wusste gar nicht, dass es hier in diesem Wald noch Einhörner gibt(Punkt)“, wunderte sich der kleine Zauberer.
„Hallo(Komma) kleiner Zauberer(Punkt)“, grüßte das Einhorn freundlich.
„Wir sind sehr selten und verstecken uns vor Zweibeinern. Doch meine Freunde, die Eichhörnchen, haben mich gerufen(Komma)“, erklärte das Einhorn. „Du willst zum großen Waldbeerlesberg? Du darfst auf mir reiten.“
Der kleine Zauberer freute sich.
„Wie schön ist es doch(Komma) Freunde zu haben(Punkt)“, dachte er und nahm das Angebot dankbar an.

Wie von Geisterhand getragen huschte das Einhorn fast lautlos durch den Stecklaswald. Bald kamen sie am Fuße des Berges an.
Der kleine Zauberer machte große Augen. Noch nie hatte er so einen riesigen Berg gesehen.
Plötzlich fiel sein Blick auf seinen langen Schatten und er erschrak.
„Halt! Wir sind falsch!“, rief er verzweifelt.
Sofort blieb das Einhorn stehen.
„Vor dir, das ist der Waldbeerlesberg(Komma)“, sagte es, „ganz gewiss.“
„Oh nein! Das muss ein anderer Berg sein(Punkt)“, meinte der kleine Zauberer ganz (überflüssig) aufgeregt.
Das Einhorn schüttelte den Kopf. Seine lange, weiße Mähne flog hin und her.
„Wieso glaubst du das?“, fragte es und runzelte die Stirn.
„Der Schatten(Punkt)“, antwortete der kleine Zauberer.
„Schau nur, unser Schatten ...“
Das Einhorn verstand seine Aufregung nicht. „Ja und?“
„Aber die kleine Hexe hat doch gesagt: Der Berg ist im Norden.
Und wenn ich nach Norden schaue, ist mein Schatten links.
Also sind wir genau in die falsche Richtung gelaufen(Ausrufezeichen)“, jammerte der kleine Zauberer.

Das Einhorn schüttelte wieder den Kopf.
„Vor dir ist Norden. Die Sonne wird bald untergehn,
deshalb kannst du den Schatten nun zu deiner Rechten sehn“, versuchte es ihn zu beruhigen.

Jetzt war der kleine Zauberer völlig durcheinander.
Mit seiner tiefen, dunklen Stimme erklärte das Einhorn:

„Im Osten geht die Sonne auf,
im Süden hält sie Mittagslauf,
im Westen will sie untergehn,
im Norden ist sie nie zu sehn.“
Damit verabschiedete sich das Einhorn und verschwand(Komma) noch bevor sich der kleine Zauberer richtig bedanken konnte.

Verwirrt blickte der kleine Zauberer nach oben. Der Waldbeerlesberg war so riesig, dass er den Gipfel nicht erkennen konnte.
„Der Berg reicht ja bis zu den Wolken. Wie soll ich hier nur meine Freundin, die kleine Hexe(Komma) finden?“, fragte er sich.
Sofort begann er mit dem Aufstieg. Doch er kam nur langsam voran.
„Uff! Ist das anstrengend.“ Er wischte sich den Schweiß von seiner Stirn und setzte er sich auf einen großen Stein.
„Pfüüiii!“ Ein lauter, schriller Pfiff ertönte. Der kleine Zauberer zuckte zusammen. Er sah gerade noch einen buschigen braunen Schwanz in einem Erdloch verschwinden.

„Hallo(Komma) Eichkatzerl unter der Erde“, rief er.
Doch das Tier blieb verschwunden.
„Vielleicht war es ja gar kein Eichhörnchen(Punkt)“, überlegte der kleine Zauberer und er rief noch lauter:
„Hallo(Komma) Erdlochratz! Wo wohnt die kleine Hexe?“
Blitzschnell erschien aus dem Loch ein hasenähnlicher Kopf mit kleinen runden Ohren.
„Ratz,(kein Komma) hast du zu mir gesagt! Das ist doch unerhört!
Ich bin doch keine Ratte! Ich bin ein Murmeltier! Merk es dir!“, ertönte eine ärgerliche Stimme und sogleich war der Kopf wieder verschwunden.

Neugierig kam ein schwarzer Vogel angeflattert und ließ sich in der Nähe des kleinen Zauberers nieder. Er beäugte ihn misstrauisch.
„Komischer Rabe mit gelbem Schnabel und roten Beinen(Punkt)“, wunderte sich der kleine Zauberer. Im Stecklaswald waren alle Raben von Kopf bis Fuß kohlrabenschwarz.
„Hallo Rabe, kannst du mir bitte zeigen, wo die kleine Hexe wohnt?“, fragte er betont höflich.
„Krah, Krah! Ich bin eine Dohle – krah, krah kraaah!“(Komma) krächzte der Vogel beleidigt und flatterte davon.
Traurig blickte ihm der kleine Zauberer nach.
„Hmm! Und jetzt? Der Berg ist so riesig. Wo soll ich suchen?“
Ratlos schaute er sich um. Er hatte Hunger und Durst. Die Sonne färbte den Himmel schon rot. Bald würde sie untergehen. Er brauchte auch dringend einen Schlafplatz.

„Wusch!“ Eine kleine Staubwolke wurde neben ihm aufgewirbelt.
„Juchu Juheirassa! Wen haben wir denn da?“, rief die kleine Hexe voller Wiedersehensfreude. Sie ließ ihren Besen fallen und fiel ihm um den Hals.

„Wie hast du mich nur entdeckt?“, wunderte sich der kleine Zauberer.
„Die Dohle kam herbei geeilt
und brachte mir die Neuigkeit(Punkt)“, lächelte sie verschmitzt.
„Oh! Du siehst aber müde aus.
Komm, ich zeig dir mein Zuhaus`.“
Sie formte mit Zeigefinger und Daumen ein „0“, steckte die Finger in den Mund und stieß einen lauten Pfiff aus.
Kurz darauf kam eine Ziege den Berg herunter gesprungen. Sie hatte ein struppiges(Komma) grau-weißes Fell, einen kleinen, spitzen Bart und zwei kleine Hörner. Die kleine Hexe kraulte ihr liebevoll den Kopf.
„Das ist Ziege Kraxi,
das allerbeste Bergtaxi(Punkt)“, lächelte sie und sagte zur Ziege:
„Sei so gut und saus!
bring (Bring) meinen Freund zu mir nach haus!“

Erleichtert kletterte der kleine Zauberer auf die Bergziege und schon sprang sie los.
„Halt! Nicht so schnell!“, rief der kleine Zauberer und umklammerte ihren Hals. Er hatte wirklich große Mühe(Komma) sich in ihrem zottigen Fell festzuhalten und schreckliche Angst(Komma) herunterzufallen. „So ein Schüttelexpress(Ausrufezeichen)“, dachte er und sehnte sich nach dem sanften Reiten auf dem Einhorn.

Endlich erreichten sie die Höhle, in der die kleine Hexe wohnte. Der kleine Zauberer lies (ließ) er (überflüssig) sich zitternd ins weiche Gras fallen. Ihm war speiübel, so durchgeschüttelt war er von diesem Ritt.
Die Ziege blieb stehen(Komma) als warte sie auf etwas.
Langsam stand der kleine Zauberer wieder auf.
Da senkte die Ziege ihren Kopf und schubste ihn in die Seite.
Der kleine Zauberer stolperte.
„Hey! Was soll das?“, rief er zornig.

Die kleine Hexe hatte bereits am Höhleneingang auf die Beiden (beiden) gewartet.
„Spinnenschiss und Schlangenbiss!
Weißt du nicht, was Sache ist?
Kraxi hat dich weit getragen.
Du sollst ihr nun `Danke` sagen(Punkt)“, sagte sie in gespielt ärgerlichem Ton. Schmunzelnd und (überflüssig) reichte sie ihm eine Handvoll Maiskörner:
„Ich weiß, du hast es nur vergessen.
Hier, gib Kraxi was zu fressen.“
Der kleine Zauberer strich der Ziege übers struppige Fell und bedankte sich bei ihr.
Gierig fraß Kraxi aus seiner Hand.

Dann sah sich der kleine Zauberer um.
„Wunderschön ist es hier. So weit kann man schauen(Ausrufezeichen)“, staunte er.
Die kleine Hexe lächelte und zeigte nach Süden.
„Schau! Dort, der kleine grüne Fleck
ist deine Heimat, ganz weit weg.“
Der kleine Zauberer schüttelte energisch den Kopf.
„Nein! Das kann nicht sein,
mein Stecklaswald ist nicht so klein(Punkt)“, widersprach er.
Die kleine Hexe kicherte.
„Was hast du dir nur vorgestellt?
So klein der Wald, so groß die Welt!“ Dabei zeichnete sie mit beiden Armen ein (eine) große Kugel in die Luft.
Doch der kleine Zauberer konnte es nicht glauben. Aber wohin er auch blickte, einen größeren Wald konnte er nirgends entdecken.

Dann reichte ihm die kleine Hexe eine Tonschale.
„Sicher hast du großen Durst. Möchtest du etwas Milch?“, fragte sie freundlich.
„Oh ja, gerne(Punkt)“, antwortete der kleine Zauberer. Er liebte Milch über alles und durstig war er auch.
Dankbar nahm er die Schale und trank einen kleinen Schluck.
„Bäh!“ In hohem Bogen spuckte er die Milch gleich wieder aus.
Er schüttelte sich und rieb sich mit dem Handrücken über den Mund.
Die kleine Hexe traute ihren Augen nicht.
„Fliegendreck und Drachengalle,
ich glaub du hast sie nicht mehr alle(Ausrufezeichen)“, schimpfte sie los.
„Tollkirschsaft und Natterngift,
Was tust du da? Das macht man nicht!“, fauchte sie ihn wütend an.
Sie ballte ihre zarten Hände zu Fäusten und stampfte zornig mit dem Fuß.
Diese Milch war doch das Kostbarste(Komma) was sie ihm anbieten konnte.
Und er wagte es, sie wieder auszuspucken!

Der kleine Zauberer verzog das Gesicht zu einer Grimasse.
„Igitt! Ekelhaft! Deine Milch schmeckt ja scheußlich(Punkt)“, sagte er.
„Wie kannst du mir nur so etwas anbieten?“
Er drehte ihr beleidigt den Rücken zu.

Zum ersten Male in ihrem Leben war die kleine Hexe sprachlos.
So entsetzt war sie über das Verhalten ihres Freundes.
Auch der kleine Zauberer war bestürzt. „Erst gibt sie mir diese abscheuliche Milch und dann mosert sie mich auch noch an(Punkt)“, dachte er.
Lange Zeit sprach keiner mehr ein Wort.
Die untergehende Sonne färbte den Himmel blutrot. Langsam wurde es immer dunkler.

„So kann es nicht weitergehen(Punkt)“, dachte die kleine Hexe betrübt.
„Vielleicht habe ich ihn zu sehr angeschnauzt.“

„So kann es nicht weitergehen(Punkt)“, dachte auch der kleine Zauberer.
„Habe ich sie durch das Spucken beleidigt?“, überlegte er.
Er drehte sich um und sah die kleine Hexe mit traurigen Augen an.

„Tut mir leid!“, sagten beide gleichzeitig, wie aus einem Munde.
„Wollen wir uns wieder vertragen?“, bat der kleine Zauberer.
„Wir wollen den Streit begraben(Punkt)“, antwortete die kleine Hexe und reichte ihm zur Versöhnung die Hand.
„Ich war so wütend – ei der Daus!
Die Milch von Kraxi spuckst du aus(Punkt)“, sagte sie entschuldigend.

„Ziegenmilch?“ Der kleine Zauberer staunte.
„Ich trinke so gerne die Milch der Kokosnuss. Doch die schmeckt völlig anders.“
„Was? Nüsse geben Milch?“, wunderte sich nun die kleine Hexe.
Da musste der kleine Zauberer lachen.
Doch die kleine Hexe sah ihn nachdenklich an. Sie erinnerte sich. An klaren Wintertagen konnte sie den grünen Stecklaswald in der Ferne erkennen. Plötzlich begriff sie. In der Heimat des kleinen Zauberers gab es niemals Schnee. Deshalb brauchte er auch keine Wintervorräte anzulegen.
Sie versuchte es ihm zu erklären:
„Der Winter ist drei Monde lang.
Hier ist alles vereist und verschneit.
Und leg ich keine Vorräte an,
gibt´s nichts zu futtern, weit und breit.“
„Das ist ja furchtbar(Ausrufezeichen)“, meinte der kleine Zauberer.
„Nein! Oh nein! Ich liebe Schnee, ich liebe Eis!
Alles macht der Winter herrlich weiß!“
Sie führte den kleine (kleinen) Zauberer in ihre Höhle und zeigte ihm Käse und Butter, natürlich aus Ziegenmilch. Wie auf einer Girlande waren Pilze und Apfelringe zum Trocknen aufgehängt. In der hintersten Ecke lag Heu für Kraxi. Müde setzten sie sich auf die Strohbündel daneben.
„Ohne Milch würde ich im Winter verhungern!“, erklärte sie nun.
Der kleine Zauberer schämte sich, dass er die Milch ausgespuckt hatte.
Jetzt erst verstand er, warum die Ziegenmilch das Kostbarste war, was sie ihm anbieten konnte.
„Tut mir schrecklicht leid(Punkt)“, sagte er.
„Deine Welt ist so anders als meine.
Erzähle mir mehr von Winter und Schnee(Punkt)“, bat er.
Und die kleine Hexe erzählte und erzählte, bis ihm die Augen zufielen.
„Gute Nacht, träum schön!“, flüsterte sie und deckte ihn behutsam zu.

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Wasserlinse

schön, dass es eine fortsetzung gibt. mir gefallen deine geschichten vom kleinen zauberer.
lg
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Old Icke

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