Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
183 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Schatz der Wüste
Eingestellt am 02. 12. 2001 00:25


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das Haus lag am Rande der Wüste.
Damals, als seine Familie sich hier ansiedelte, war das Land fruchtbar und grün. Sein Vater ging oft mit ihm zum nahegelegenen See. Dort erzählte er ihm von seiner Liebe zum Land und sie ging in ihn über. Die Jahre vergingen. Er lernte die Äcker zu bestellen und die Ernte einzubringen. Die Eltern verstarben und er heiratete eine fleißige Frau. Sie war seine große Liebe und schenkte ihm zwei Söhne. Er war ein glücklicher Mann. Oft ging er mit seinen Söhnen zum See und erzählte ihnen von den Wundern der Natur.
„Das hier", sagte er, "ist unsere Oase. Das Paradies auf Erden."
Bis die Trockenheit kam. Es waren schwere Jahre, aber er vertraute auf Gott.
„Glaub mir Frau, es werden auch wieder bessere Jahre kommen."
Die Jahre vergingen, der Regen blieb aus. Aus dem See war ein morastiger Tümpel geworden. Die Ernte reichte kaum noch aus, die Familie zu ernähren. Bitterkeit fraß sich in die Seele des Mannes. Erst verfluchte er das Land, dann
seinen Gott. Sein Hass machte auch vor der Familie nicht halt. Er sprach kaum noch mit ihnen, und wenn, endete es immer in Streitereien. Früh morgens verließ er das Haus, wanderte umher und beklagte sein Leid. Alle hatten Schuld. Gott, das Land und seine Familie. Das hatte er nicht
verdient. Frau und Kinder fürchteten sich vor seinen Wutausbrüchen. Die Wüste um ihn herum, hatte sich in
ihm breit gemacht. Eines Abends klopfte es an der Tür. Der Mann öffnete und blickte in das alte Gesicht eines Fremden.
„Wir haben nichts. Können uns selber kaum ernähren. Such dir eine andere Bleibe."
„Warte", antwortete der Fremde. „Gewähre mir Einlass und ich schenke dir ein wertvolles Geheimnis."
„Nun gut! Tritt ein und sei unser Gast. Wo kommst du her, Fremder?"
„Aus der Wüste."
„Was hast du dort gesucht?"
„Ich suche nichts in der Wüste. Ich finde."
„Du findest in der Wüste?! Was in Gottes Namen gedenkst du dort zu finden?"
„Mich", antwortete er.
„Die Sonne scheint dir das Gehirn ausgebrannt zu haben, Wüstenwanderer! Wie dem auch sei. Du hast gegessen und getrunken und dein Nachtlager ist bereitet. Erzähl mir nun von deinem wertvollen Geheimnis."
"Wie du willst. Ich habe fünf bis sechs Tage nördlich von hier einen Schatz entdeckt."
"Einen Schatz!"
"Ja. Millionen kristallklarer Diamanten. Ein Wunder!"
"Und warum hast du den Schatz nicht in Besitz genommen?"
"All meine Reichtümer ruhen in mir. Ich brauche Nichts. Nimm du ihn."
Nachdem der Alte ihm den Weg beschrieben hatte, legten sie sich schlafen. Bis auf den Mann. Ruhelos ging er vor seinem Haus auf und ab. In seinen Gedankenbildern sah er sich. Reich. Einen Palast, Bedienstete, Frauen. Am Anfang noch mit seinen Gewissensbissen kämpfend, wurde er sich sehr schnell bewusst, dass er den Schatz für sich allein wollte. Sollte seine Familie doch sehen, wie sie zurecht kommt. Er ging in die Vorratskammer, nahm Proviant und Wasser und
machte sich auf den Weg.
Fünf endlose Tage marschierte er durch die Wüste. Lachend, wenn er an den Wüstenwanderer dachte, der dieser Einöde etwas abgewinnen konnte. Kreischend vor Freude, wenn er an seinen zukünftigen Reichtum dachte. Am Ende des fünften Tages sah er sie. Vor ihm lag eine Oase. Tausende von Palmen neigten sich im Wind. Es schien, als wollten sie ihn begrüßen. Grasgrün lächelte ihm das Land zu. Und inmitten der Oase ein See.
"Hier muss es sein", dachte der Mann.
Voller Vorfreude rannte er in das grüne Paradies und fing an zu suchen. Unter jedem Grashalm, jeder Palme grub er mit seinen Händen. Nichts. Es wurde dunkel.
"Morgen! Morgen werde ich dich finden", rief er und fiel in einen tiefen Schlaf.
Am nächsten Morgen weckten ihn die ersten Sonnenstrahlen. Er stand auf und blickte um sich.
"Nein! Oh nein!"
Seine Schreie wurden von der Wüste verschluckt.
Vor ihm lag der See und die Sonne zauberte Millionen kristallklarer Diamanten auf die Oberfläche.

Ich hatte diese Geschichte schon einmal unter Fantasy gespeichert. War wohl nicht der richtige Platz.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
ja

es ist nicht leicht, zu dieser gut geschriebenen geschichte etwas zu sagen. aber ich glaube, daß derartige diamanten nur von leuten gesehen werden können, die inneren reichtum besitzen. wer geldgierig ist, sagt nicht diamanten zu dem sonnentanz auf dem wasser, sondern nutzloses geflimmer. aber mach mal so weiter. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

So ist es. Den meisten Menschen ist der Blick auf (in)das "Wesen"tliche verlorengegangen. Es sind die Oberfläche,
die das Leben dirigiert. Schade.
Lieben Dank für deine Worte. Gruß Otto

Bearbeiten/Löschen    


ingridmaus
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

Werke: 2
Kommentare: 74
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Eine schoene Parabel, die zurueckfuehrt zum Wesentlichen.
Ich haette sie mir nur etwas ausfuehrlicher gewuenscht - und vielleicht kann der Mann einen Namen kriegen?
__________________
Never wake a sleeping dragon!

Bearbeiten/Löschen    


McFire
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

Werke: 4
Kommentare: 28
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um McFire eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Schatz der Wüste

Nicht nur eine schöne Parabel, auch prima den passenden Stil eingehalten. So einfach ist das ja wohl auch nicht.

Was mich ein bissel stört: Da es eine Parabel für uns "heutige" ist, hätt ich gern anklingen, daß uns gerade heute das SEHEN von inneren Schätzen mit den gemeinsten Tricks aberzogen wird.

Aber, nun ja, wahrscheinlich ginge das dann ins "Überfrachten"......

Bearbeiten/Löschen    


Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Ingridmaus,lieber McFire

vielen Dank für´s Gedankenteilen. Dem Mann einen Namen geben. Das hätte bedeutet, ihn namentlich geographisch in eine Weltecke zu setzen. Lag nicht in meinem Sinn. Die äußere und innere Wüste liegt direkt vor(in) uns. Also lieber keinen Namen.
Aberziehen von inneren Schätzen. Ein interessantes Thema. Fängt in unseren eigenen vier Wänden an. In unserer Oase. Danke für den Gedankenanstoss.

Liebe Grüße Otto

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!