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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Schneeengel
Eingestellt am 24. 12. 2006 19:07


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mye
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Der Schneeengel

Nieselregen an Weihnachten, dachte Leo und sah aus dem Fenster. In seinem Blick eine Mischung aus Wehmut und dem unbĂ€ndigen FunkensprĂŒhen von kindlicher Hoffnung. Wieso kein Schnee, war sein letzter bewusster Gedanke, bevor er diesen ungleichen Blick ĂŒber die DĂ€cher und Baumwipfel gleiten und im grauen Tal eines bedeckten, eher herbsttypischen Himmels enden ließ.

Traditionen werden gerade an Heiligabend gepflegt. Ein prĂ€destinierter Tag, um sich in alljĂ€hrlicher Gewohnheit baden zu können, als wĂŒrde man die Zeit an jedem 24. Dezember wieder um ein Jahr zurĂŒck drehen. Caroline und Michael standen gemeinsam in der KĂŒche, das taten sie immer zu Weihnachten, und bereiteten das Abendessen fĂŒr die Familie vor, die, noch in den jeweils eigenen vier WĂ€nden, bereits in den Startlöchern stand. Jedes Jahr um vier Uhr am Nachmittag traf man sich dann und jedes Jahr um vier Uhr, plus minus fĂŒnf Minuten, klingelten sie wirklich: Opa und Oma Vernon, Tante Luise und Onkel Friedbert, Leos Ă€ltere Schwester Denise (diesmal mit kugelrundem Babybauch) und ihr Freund Daniel, der Gitarre spielen kann und seit Eintritt in die Familie zu Weihnachten - natĂŒrlich jedes Jahr aufs Neue, denn Traditionen mĂŒssen, wenn erst einmal eingefĂŒhrt, auch fortgefĂŒhrt werden - diverse festliche Lieder aus den Saiten zupft. Nur Onkel Helmut kommt immer zu spĂ€t... nun, auch eine Art Tradition.

Leo wand sich vom Fenster ab und ging zu einem klobigen Kleiderschrank auf der gegenĂŒberliegenden Seite. Aus der untersten Schublade, die eigentlich fĂŒr Socken vorgesehen war, im Laufe der Zeit aber einem anderen Zweck verschrieben wurde, nahm er ein Fotoalbum und schlug die erste Seite auf: Familienurlaub in den Bergen, allerdings im Juli, demnach war hier kein Schnee zu finden. Die folgenden sieben Seiten zeigten seinen achten Geburtstag, inzwischen schon drei Jahre her. Leo hat im Juni Geburtstag, so viel zu seiner Suche nach Schnee. Erst Seite fĂŒnfzehn brachte den gewĂŒnschten Erfolg. Seine Augen wurden grĂ¶ĂŸer und die Mundwinkel verzogen sich zu einem zarten LĂ€cheln. Besonders ein Foto besah er ganz genau. Darauf war er selbst, im Schnee liegend, die Arme und Beine wie die berĂŒhmte Skizze von Leonardo Da Vinci weit vom Körper gestreckt und ein breites Lachen auf dem Gesicht. Leos erster Schneeengel.

„Warum machst du so ein Gesicht?".
„Weihnachten ohne Schnee ist doof", sagte Leo und sah seiner Mutter ĂŒber die Schulter. Dann griff er behĂ€nde an ihr vorbei und schnappte sich ein StĂŒck rote Paprika.
„Das ist fĂŒr spĂ€ter", sagte sein Vater, verband die Worte aber mit einem Augenzwinkern und einem LĂ€cheln. Leo zwang sich zu einem GegenlĂ€cheln, aus reiner Höflichkeit versteht sich, denn nach Lachen war ihm nicht zumute. Er verließ die KĂŒche, nachdem ein zweites StĂŒck Paprika den Weg in seinen Mund gefunden hatte, und ging ins Wohnzimmer. Dort angekommen ließ er sich auf die schwarze Ledercouch fallen, nahm sich ein Kissen, das er sich auf den Schoß legte, und drĂŒckte die Neun auf der Fernbedienung. Noch bevor die Bildröhre von schwarz auf den Film „Die Geister, die ich rief" umschaltete, setzte der Ton ein und Bill Murray kam zu Wort. Leo hatte den Film schon zwei Mal gesehen... und davon mindestens einmal zu Weihnachten, dachte er und wechselte zu Kanal sieben. Dort sang ein Kinderchor, sauber aufgereiht in einer kleinen Kirche, eine klassische Variante von Jingle Bells. Das Lied hörte er sich noch bis zum Ende an, dann schaltete er den Fernseher wieder ab, legte sich auf den RĂŒcken, starrte an die weiße Zimmerdecke und stellte sich vor, dass sich daraus große Schneeflocken bilden und auf ihn niederrieseln wĂŒrden.

Drei Minuten vor vier. Die TĂŒrklingel riss Leo aus seinem kurzen Schlaf. Sein Blick war noch zur Zimmerdecke gerichtet, dann wanderte er unweigerlich zum Fenster. Aber der Regen hatte nur zugenommen.
„Was fĂŒr ein Dreckswetter", hörte er den ersten Gast sagen. Leo setzte sich auf, sah auf die Uhr und konnte nicht glauben, wem die Stimme zu gehören schien. Er lehnte sich zur Seite und sah zur WohnungstĂŒr. Und zwischen dem Rahmen stand tatsĂ€chlich Onkel Helmut. Der erste, fragte sich Leo im Stillen und stand auf. Unglaublich.
„Hey Kleiner".
„Hallo Onkel Helmut. Heute so pĂŒnktlich?", fragte Leo im Scherz und gab das erste hörbare Lachen an diesem Tag von sich.
„Ja, ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte", antwortete Helmut und zwinkerte ihm zu. Schon das zweite Zwinkern am heutigen Tag, erinnerte sich Leo an die Begegnung mit seinem Vater in der KĂŒche und musste auch ĂŒber diesen Gedanken heimlich schmunzeln. Onkel Helmut trat an ihn heran und flĂŒsterte ihm ins Ohr: „Nachher habe ich was fĂŒr dich... etwas ganz besonderes". Und das hatte er wirklich. Leo zumindest war schon etwas besser gelaunt.

Nach und nach fand sich die Familie zusammen und bald sass man vor einem prĂ€chtig geschmĂŒckten Weihnachtsbaum, der bis weit unter die Wohnzimmerdecke reichte und an dessen Spitze kein klassischer Weihnachtsstern prangte, sondern eine von Leos Schwester entworfene Eigenkonstruktion, die sie vor Jahren, die ihr wie Jahrhunderte erschienen, in der sechsten Klasse gebastelt hatte.
Hin und wieder wagte Leo einen Blick aus dem Fenster, eine eher autorisierte Vorgehensweise, und jedes Mal wurde er enttĂ€uscht. Er dachte an die Worte seines Onkels: etwas ganz besonderes... und hatte nicht die leiseste Ahnung, was er damit gemeint hatte. Dann nahm er ein quadratisch geschnittenes StĂŒck Schweinefleisch vom Raclette und dippte es in Honig-Senf-Sauce. Oma Frieda tat es ihm mit einem sachten Seitenhieb gleich und lachte beherzt. Die Stimmung an sich hĂ€tte nicht besser sein können. Dennoch... etwas wichtiges fehlt, fand Leo und sein Blick fixierte fĂŒr eine Weile starr den prasselnden Regen, der draußen wie ein nasser Vorhang im leichten Wind wehte.

Dann kam die Bescherung. Es war punkt sechs Uhr, auch ein ritualisierter Vorgang. Abwechselnd griff man sich die liebevoll verpackten Geschenke, die mit dem eigenen Namen versehen waren. Leo war der jĂŒngste im Bunde und konnte dementsprechend die meisten Pakete entpacken. Seine persönliche Laune stieg, aber ein kleiner Dorn blieb die gesamte Zeit ĂŒber stecken und ließ ihn immer wieder zaghaft nach draußen schauen.
Das letzte Paket war geöffnet, da wandte sich Onkel Helmut an ihn: „Komm mal kurz her, Leo". Die beiden verließen das Wohnzimmer und eine angeregte, aber friedliche Debatte ĂŒber die Frage, ab wann man einem Kind mitteilen sollte, dass es den Weihnachtsmann nicht wirklich gibt, fand zunĂ€chst ohne sie statt.
„Hier ist noch was fĂŒr dich. Etwas, dass du ganz sorgsam behandeln solltest", sagte Onkel Helmut und kramte in einem beige farbenen Stoffbeutel. Heraus zog er eine Glaskugel, die mit Kunstschnee gefĂŒllt war. Auch ein Miniaturhaus und einige TannenbĂ€ume befanden sich in dem glĂ€sernen GehĂ€use. Er reichte es Leo, der das Geschenk mit einem provisorischen „Dankeschön" entgegennahm, sich aber im selben Moment fragte, was daran so besonders sei. NatĂŒrlich nur rein gedanklich, er wollte seinen Onkel nicht krĂ€nken. Dann gingen sie wieder ins Wohnzimmer, gesellten sich zu der diskutierenden Runde und wĂ€hrend Onkel Helmut sofort einen Einstieg in das GesprĂ€ch fand, lehnte sich Leo zurĂŒck, warf einen Blick aus dem Fenster und sah dann enttĂ€uscht zu der Glaskugel mit dem Kunstschnee. In Gedanken verloren begann er, die Kugel in den HĂ€nden zu wiegen, bis er sie schließlich leicht hin und her bewegte. Der Kunstschnee stob in die Höhe und fiel dann wieder, legte sich auf das Dach des kleinen Hauses und auf die winzigen sattgrĂŒnen TannenbĂ€ume. Onkel Helmut beobachtete ihn heimlich aus dem Augenwinkel und ein zartes LĂ€cheln huschte wie ein Atemhauch ĂŒber sein Gesicht.
Leo sah auf. Die anderen unterhielten sich noch immer. Wieder sein geprobter Blick zum Fenster. Er wollte den Blick schon wieder abwenden, da wurde er aufmerksam. Das kann nicht sein, dachte er und stand auf. ZĂŒgig lief er zum Fenster, die anderen bemerkten ihn kaum. Nur Onkel Helmut sah ihm nach und das LĂ€cheln, das noch eben der VergĂ€nglichkeit eines Atemhauchs glich, manifestierte sich nun und ruhte selig auf seinem stoppeligen Gesicht.
„Es fĂ€ngt an", sagte Leo. Dann etwas lauter, mit ein wenig mehr Nachdruck: „Zu schneien. Schaut raus". Und das taten sie. Und tatsĂ€chlich segelten einzelne kleine Flocken an der Fensterscheibe vorbei. Etwas ganz besonderes, hallte es in Leos GedĂ€chtnis wider. Er sah auf die Glaskugel. Der Kunstschnee lag wieder ruhig auf dem Boden. DafĂŒr nahm der wirkliche, der echte Schneefall draußen, hier vor seinem Fenster, immer mehr zu.
Leo sah zu Onkel Helmut und erhielt sein drittes Augenzwinkern an diesem Tag.
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Arthrys
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Hallo mye,

durch die endlos langen SĂ€tze fĂ€llt es ein wenig schwer der Geschichte zu folgen. Es ist fĂŒr den Leser ermĂŒdend. Ein paar AbsĂ€tze mehr könnten, denke ich auch nicht schaden. Der Stoff erscheint mir ausbaufĂ€hig. Sollte sich also nicht nur auf die Weihnachtszeit beschrĂ€nken. Da steckt mehr drin.
Gruß

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mye
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hallo

danke fĂŒr die antwort... werd selbst nochmal drĂŒber gehen, denn das mit den langen sĂ€tzen ist wohle in generelles "problem" bei mir, obwohl ich den text einige male korrektur gelesen habe und mir ist es diesmal gar nciht so drastisch aufgefallen. mal schauen...

guten rutsch!
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HFleiss
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Der Schnee-Engel

Nein, es ist nicht die LĂ€nge der SĂ€tze, sondern ihre Überladenheit und damit SchwerfĂ€lligkeit.
Dieser Text verlangt eine sehr leichte Hand, damit er wirkt. Zuviel Unwichtiges wird angesprochen, und das tut weder der Handlung noch der Geschichte insgesamt gut. Ein paar sehr krÀftige Striche, und daraus könnte eine kleine, feine nachdenkliche Geschichte entstehen.

Viele GrĂŒĂŸe
Hanna

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