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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Schneemann unter der Dusche
Eingestellt am 27. 09. 2017 16:25


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Buchhexe
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Der Schneemann unter der Dusche

Heute Morgen wurde ich von einem unmissverst├Ąndlichen Schrapsger├Ąusch geweckt. Das konnte nur ein Schneeschieber sein! Ich sprang in die Klamotten und tappte, noch nicht ganz Frau meiner Sinne, ins Erdgeschoss, wo mich schon der Blick durch die Milchglasscheibe der Haust├╝r ahnen lie├č, was mich da drau├čen erwarten w├╝rde. Vorsichtig ├Âffnete ich die T├╝r. Da fiel mir schon das kalte Wei├č entgegen. Eine kleine Sensation auf Helgoland. Der Schnee war ungef├Ąhr zwanzig Zentimeter hoch, an einigen Stellen sogar noch h├Âher, w├Ąhrend er anderswo v├Âllig fortgeweht war, wie zum Beispiel bei unseren Nachbarn.

Ich holte den Schneeschieber aus dem Keller, der noch vom Vormieter stammte, zog die Winterjacke an, stopfte die unfrisierten Haare unter die Kapuze und schn├Ąuzte noch mal schnell ins Tempo. Dann schippte ich mit den Nachbarn um die Wette (mit Ausnahme des Nachbarn mit dem weggewehten Schnee, Schande ├╝ber ihn)!

Bald rann der Schwei├č und das untrainierte Herz begann sich zu echauffieren. Doch irgendwann war auch das letzte Schneeh├Ąufchen beiseite geschoben und ich reif f├╝r ein Bad.

Dazu bietet sich auf Helgoland eine herrliche Gelegenheit, n├Ąmlich im beheizten Meerwasserschwimmbad, in dem du, unter freiem Himmel, das Felspanorama vor Augen, alle M├╝hsal des Tages vergessen kannst.

Nur heute war etwas anders als sonst. "Nanu", dachte ich, "sollte ich heute der einzige Badegast sein?" Ich schwamm gut gelaunt ins Freibecken hinaus und tats├Ąchlich hatte wohl au├čer mir niemand Lust auf Schwimmen im Schnee, trotz einer Wassertemperatur von achtundzwanzig Grad.

Inzwischen war die Sonne hervorgekommen und setzte die ungewohnte Schneelandschaft grandios ins Bild, in das auch der Bademeister ziemlich gut in seinen wei├čen Hosen und der dunklen Daunenjacke hineinpasste.

Er war gerade damit besch├Ąftigt, einen riesigen Schneeball noch gr├Â├čer zu rollen und es war offensichtlich, dass daraus ein Schneemann entstehen sollte.

Ich schaute dem H├╝ter des Bades ein wenig dabei zu, wie er sich in seiner dicken Jacke und mit Schal und Stiefeln bekleidet, mit dem gro├čen kalten Klumpen abm├╝hte, w├Ąhrend ich mich tr├Ąge durch das warme Wasser gleiten lie├č. Ich l├Ąchelte ihm aufmunternd zu, worauf er mir zurief:

"Der Schneemann kommt unter die Dusche!"

Ich lachte und schwamm noch ein paar Bahnen. Zwischendurch beobachtete ich immer wieder mit Erstaunen, wie sich in dem wei├čen Brocken eine Gestalt manifestierte, und zwar direkt unter der Dusche, die etwas verwaist dastand, wie eben eine Freilanddusche im Winter. Als eine Schwimmbadmitarbeiterin auftauchte, kam auf einmal Leben unter die segensreiche Einrichtung ├Âffentlicher K├Ârperhygiene. Zu zweit schafften sie es innerhalb von zehn Minuten, den ├╝brigen K├Ârper zu "erschaffen" und w├Ąhrend ich noch ein paar zus├Ątzliche Bahnen schwamm und mir der kalte Wind ins Gesicht blies, wurde ich reichlich f├╝r meine Geduld belohnt. Ich wurde Zeuge der Geburt eines stattlichen zwei Meter Mannes. Mit Tauchermaske, Schirmm├╝tze, Schal und Boxer Shorts, die wahrscheinlich aus der Kiste mit den vergessenen und nicht abgeholten Sachen stammten, stand er, l├Ąssig auf einen Besen gest├╝tzt, unter der Dusche und strahlte eine Autorit├Ąt aus, von der die echten Bademeister nur tr├Ąumen konnten.

Es bleibt nun zu hoffen, dass die Minustemperaturen noch eine Weile anhalten, damit der eisige Schwimmbadbewacher sich nicht zu dem verwandelt, wovon es hier schon genug gibt. Es sei denn, irgendein Schuft dreht heimlich die Dusche auf!

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DocSchneider
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