Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92221
Momentan online:
717 Gäste und 18 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Der Schwerkranke.
Eingestellt am 21. 05. 2003 17:11


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
pleistoneun
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 173
Kommentare: 57
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um pleistoneun eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Er entschloss sich, dem Rat seines Apothekers nachzukommen und griff nach dem P√§ckchen schnell wirkenden, fiebersenkenden Tee f√ľr √úbergewichtige. Als Wundermittel zur Restabilisierung der Gesundheit √úbergewichtiger wurde dieser Spezialtee gehandelt. Er sollte zwar scheu√ülich schmecken, aber seine Wirkung nicht verfehlen.

Er br√ľhte Wasser auf, entfaltete den Beipackzettel und versuchte den Inhalt zu verstehen, der ihm aber aufgrund der kleinen Schriftgr√∂√üe und komplizierten W√∂rter unzug√§nglich blieb. √úberfordert und angestrengt st√ľtzte er dabei seinen schweren Kopf auf. Als √úbergewichtigen bereiteten ihm besonders die Blicke der Passanten Probleme. Sie gafften ihn an, als w√§re er schwer krank, naja, der Begriff "schwer krank" ist nicht mal unp√§sslich. Er war 164 kg schwer und krank.

Der fertige Tee spiegelte sein verzagtes Gesicht. Er begann r√ľckw√§rts zu z√§hlen und vereinbarte mit sich selbst, dass bei Null ein kr√§ftiger, erster Schluck folgen sollte. Drei - zwei - eins - null ..... z√∂gernd f√ľhrte er die Tasse zum Mund und der stark bittere Geruch des Tees stieg ihm in die Nase und l√∂ste √úbelkeit aus. Angewidert wandte er sich von der Tasse ab. Er begann zu schwitzen. Unbeherrscht wischte er sich den Schwei√ü von der Stirn. Ein zweiter Anlauf. Diesmal aber. Er sch√ľttete sich den gr√§sslichen Tee in seine Kehle, worauf sich augenblicklich starker Schwei√üausbruch und massiver Brechreiz einstellte. Schwitzend und vom Ekel des Tees erregt, stemmte er sich aus dem Sessel, um im K√ľhlschrank schnell Essbares aufzusp√ľren, um den widerlichen Geschmack loszuwerden. Das noch verpackte, rohe Hackfleisch und die Neige der Rotweinflasche schienen f√ľr eine schnelle Geschmacksver√§nderung geeignet. Mit blo√üen H√§nden stopfte er sich das Faschierte in dem Mund und nahm hastig immer wieder einen ordentlichen Schluck dazwischen aus der Flasche.

Gest√§rkt und betrunken lie√ü er sich im Wohnzimmersofa mit einer gro√üen Tafel Schokolade und einer frischen Flasche Wein nieder, falls dieser Ekel erregende Geschmack wiederkehren sollte. Als Vorsichtsnahme riss er die Schokolade schon mal auf und verleibte sie sich mit gro√üem Appetit ein. Nachdem auch der Wein getrunken war und die Verpackung der Schokolade nur noch ein zusammengeballtes Kn√§uel in einer Ecke des Wohnzimmers war, schluchzte er laut auf und erkannte, dass er wieder schwach geworden war. Er hatte nichts erreicht, keine Ernsthaftigkeit gezeigt und die Leute werden sich weiter √ľber ihn lustig machen. Dar√ľber war er zutiefst bek√ľmmert.

Mit gro√üer M√ľhe wuchtete er sich an diesem Abend noch ein letztes Mal aus seinem Sofa, um Essensnachschub und vielleicht ein paar Dosen Bier zu holen, denn das w√§ren seine emotionalen St√ľtzen, wenn er sich traurig die Urlaubsfotos aus fr√ľhen Zeiten anschaute, in denen Fettleibigkeit noch keine S√ľnde war.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo pleistoneun,

darf man f√ľr ein wort eine 9 vergeben?
egal, f√ľr das faschierte gibts eine, kann es schon nicht mehr √§ndern. vielleicht geh√∂rt es ja woanders noch zum allt√§glichen sprachgebrauch, aber bei uns gibt es nicht mal mehr in gastst√§tten ein faschiertes steak auf der karte, sondern maximal hackbr√§tchen, wenn nicht gleich klops.

zum text:

laß den vorletzten abschnitt weg, der verlauf ist eh klar.
und die pointe st√§rker herausarbeiten z.b. ein r√ľckw√§rtsgehen in den urlaubsbildern, und pl√∂tzlich tauchen immer mehr ebenfalls √ľbergewichtige personen auf, die sich im laufe der jahre und des zunehmenden k√∂rperumfanges auch immer mehr zur√ľckgezogen haben...


gr√ľ√üe

rainer (der auf "alte" worte steht)
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

Bearbeiten/Löschen    


pleistoneun
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 173
Kommentare: 57
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um pleistoneun eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ja, den vorletzten Absatz k√∂nnte man weg lassen, aber ich denke, je ausf√ľhrlicher eine Situation beschrieben wird, desto st√§rker wirken Wendungen in den Texten. Freut mich, wenn dir alte, fr√ľher gebr√§uchliche Ausdr√ľcke gefallen.

Bearbeiten/Löschen    


kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

lieber rainer

faschiertes ist ein ganz einfacher schlichter begriff im österreichischen. findest du in jedem normalen wirtshaus auf der speisekarte. hier dreht man etwas durch die faschiermaschine, und nicht durch den fleischwolf.

lieber pleistoneun

mit deinen texten bin ich erst dann bereit, mich auseinanderzusetzen, wenn du das gleiche auch mal mit anderen als deinen eigenen tust. betonen möchte ich, dass es mir dabei nicht um MEINE werke geht, sondern das ganz allgemein gesagt ist. es ist ein geben und nehmen hier. wenn ich feedback will, muss ich auch bereit sein, welches zu geben.

die k.

Bearbeiten/Löschen    


Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zefira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo alle,

mir gefällt der vorletzte Absatz, zumindest der erste Satz dieses Absatzes sollte stehenbleiben! Aber ich gebe Rainer insoweit recht, als die Pointe noch ein wenig besser herausgearbeitet werden könnte.

Da und dort ist es ein wenig unklar formuliert, ich habe die Stellen mal herausgesucht:

Er entschloss sich, dem Rat seines Apothekers nachzukommen und griff nach dem P√§ckchen schnell wirkenden, fiebersenkenden Tee f√ľr √úbergewichtige. Als Wundermittel zur Restabilisierung der Gesundheit √úbergewichtiger wurde dieser Spezialtee gehandelt. (Hier sagst du in zwei S√§tzen zweimal dasselbe, das kann man zusammenfassen. Etwa: ‚ÄěEr entschloss sich, dem Rat seines Apothekers nachzukommen und griff nach dem Teep√§ckchen. Es war ein Spezialtee, der als Wundermittel zur blitzschnellen Wiederherstellung erkrankter √úbergewichtiger galt.‚Äú ‚Ķ oder so.) Er sollte zwar scheu√ülich schmecken, aber seine Wirkung nicht verfehlen.

Er br√ľhte Wasser auf, (Moment ‚Äď man br√ľht nicht Wasser auf, sondern den Tee. Also: Er setzte Wasser auf, oder er machte Wasser hei√ü ‚Ķ) entfaltete den Beipackzettel und versuchte den Inhalt zu verstehen, der ihm aber aufgrund der kleinen Schriftgr√∂√üe und komplizierten W√∂rter unzug√§nglich blieb. √úberfordert und angestrengt st√ľtzte er dabei seinen schweren Kopf auf. (Klasse die Stelle ‚Äď man fragt sich, ob vielleicht das √úbergewicht vom schweren Kopf kommt und eigentlich ist der Arme, vom Kopf abgesehen, durchaus schlank ‚Ķ) Als √úbergewichtigen bereiteten ihm besonders die Blicke der Passanten Probleme. Sie gafften ihn an, als w√§re er schwer krank, naja, der Begriff "schwer krank" ist nicht mal unp√§sslich. (‚ÄěUnp√§√ülich‚Äú ist zwar eigentlich verkehrt, weil es ‚Äěkrank‚Äú bedeutet, aber insoweit ist es eigentlich schon wieder p√§√ülich! ) Er war 164 kg schwer und krank.

Der fertige Tee spiegelte sein verzagtes Gesicht. (Toll formuliert) Er begann r√ľckw√§rts zu z√§hlen und vereinbarte mit sich selbst, dass bei Null ein kr√§ftiger, erster Schluck folgen sollte. Drei - zwei - eins - null ..... z√∂gernd f√ľhrte er die Tasse zum Mund und der stark bittere Geruch des Tees stieg ihm in die Nase und l√∂ste √úbelkeit aus. Angewidert wandte er sich von der Tasse ab. (Er sollte sie erst hinstellen) Er begann zu schwitzen. Unbeherrscht wischte er sich den Schwei√ü von der Stirn. Ein zweiter Anlauf. Diesmal aber. Er sch√ľttete sich den gr√§sslichen Tee in seine Kehle, worauf sich augenblicklich starker Schwei√üausbruch und massiver Brechreiz einstellte. Schwitzend und vom Ekel des Tees erregt, (nein, nein, nicht erregt vom Ekel des Tees, der Tee ekelt sich ja nicht ‚Ķ besser ‚Äěschwitzend und aufgew√ľhlt vom Ekel‚Äú, da√ü es vom Tee kommt, ist eh klar) stemmte er sich aus dem Sessel, um im K√ľhlschrank schnell Essbares aufzusp√ľren, um den widerlichen Geschmack loszuwerden. (Zwei Nebens√§tze mit ‚Äěum‚Äú hintereinander, solltest Du anders formulieren) Das noch verpackte, rohe Hackfleisch und die Neige der Rotweinflasche schienen f√ľr eine schnelle Geschmacksver√§nderung geeignet. Mit blo√üen H√§nden stopfte er sich das Faschierte in dem Mund und nahm hastig immer wieder einen ordentlichen Schluck dazwischen aus der Flasche. (urks)

Gest√§rkt und betrunken (Moment ‚Äď betrunken von der ‚ÄěNeige der Rotweinflasche‚Äú? Dann sollte die Flasche vorher mindestens halb voll sein, und das w√§re dann keine ‚ÄěNeige‚Äú) lie√ü er sich im Wohnzimmersofa mit einer gro√üen Tafel Schokolade und einer frischen Flasche Wein nieder, falls dieser Ekel erregende Geschmack wiederkehren sollte. (Super) Als Vorsichtsnahme riss er die Schokolade schon mal auf und verleibte sie sich mit gro√üem Appetit ein. Nachdem auch der Wein getrunken war und die Verpackung der Schokolade nur noch ein zusammengeballtes Kn√§uel in einer Ecke des Wohnzimmers war, schluchzte er laut auf und erkannte, dass er wieder schwach geworden war. ("Schluchzte er auf und erkannte" ist nicht ganz korrekt, es m√ľ√üte ja genau umgekehrt passieren ... ich w√ľrde die "Erkenntnis" √ľberhaupt streichen: "... schluchzte er laut auf. Wieder war er schwach geworden. Er hatte nichts erreicht etc.")Er hatte nichts erreicht, keine Ernsthaftigkeit gezeigt und die Leute werden sich weiter √ľber ihn lustig machen. Dar√ľber war er zutiefst bek√ľmmert. (Diesen letzten Satz w√ľrde ich allerdings streichen.)

Mit gro√üer M√ľhe wuchtete er sich an diesem Abend noch ein letztes Mal aus seinem Sofa, um Essensnachschub und vielleicht ein paar Dosen Bier zu holen, denn das w√§ren seine emotionalen St√ľtzen, wenn er sich traurig die Urlaubsfotos aus fr√ľhen Zeiten anschaute, in denen Fettleibigkeit noch keine S√ľnde war. (Also das finde ich herrlich ‚Äď andere Dicke gucken sich die alten Urlaubsfotos an, auf denen sie noch schlank sind ‚Ķ)

lG, Zefira
(auf Kohlsuppendiät )

Bearbeiten/Löschen    


pleistoneun
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 173
Kommentare: 57
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um pleistoneun eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hey, ich habs dir versprochen, werd mir die nächsten Texte vornehmen.

Bearbeiten/Löschen    


pleistoneun
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 173
Kommentare: 57
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um pleistoneun eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Uff, so viel Feedback. Zefira: deine Anmerkungen sind stellenweise mehr als berechtigt, doch habe ich manche Stellen (...vom Ekel des Tees erregt...--> er wirkte also Ekel erregend!) so belassen. Schon lustig, zu sehen, wie viele Schwachstellen ein so kurzer Text haben kann *g. Andererseits bin ich ja auch nur ein verformtes Formulierungsopfer meines Faches. Verdreht und verschachtelt dr√§ngen sich immer mehr W√∂rter in S√§tze, die eigentlich ganz kurz und pr√§gnant mehr Aussagekraft h√§tten. Ich bem√ľhe mich um Pr√§gnanz - die ich selbst bevorzuge.

Danke aber nochmal f√ľr die Ausf√ľhrlichkeit der Kritik.

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!