Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92200
Momentan online:
335 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Der Schwur vom Dulsberg - ein satirisch-grotesker Krimi
Eingestellt am 26. 03. 2003 22:21


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
aboreas
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 16
Kommentare: 286
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Auszug:

( ...) Der ehemalige Rentner-Greifer geleitete Elschen in den Saal. Er schloss die T├╝r, sah seine Frau lange und eindringlich an. In diesen Sekunden wurde ihm klar, dass sein Ruhm nicht einfach nur am verblassen, sondern schon g├Ąnzlich verblichen war. Elschen, eher ├╝ber die k├Ârperliche Bl├Ąsse ihres Gatten erschrocken, strich ihm sanft ├╝ber das Haar. Irgendwie passte ihr R├╝di hierher. Ein ehrw├╝rdiger alter Mann in einem ehrw├╝rdigen alten Saal, der allerdings kurz vor der Restaurierung stand. Elschen erschrak. Hoffentlich verlangte nicht auch ihr Mann danach, restauriert zu werden.
Doch R├╝diger Reinpacker hatte dieses Verlangen nicht. Er war ein Mensch aus Fleisch und Knochen, kein Saal aus Stein und Stuck. Er war nicht Gegenstand eines Planes, nein, in ihm reiften Pl├Ąne. Und der Plan, der gerade Gestalt annahm, betraf Elschen. Denn auf ihre Hilfe war er jetzt angewiesen, die zu bekommen aber Schl├Ąue erforderte. Nachdem er sich gesammelt hatte, hauchte er ihr ins Ohr: „Elschen, mein Ferkelchen, mein zartes, s├╝├čes Ferkelchen...“ Er suchte in ihren Augen nach einer Reaktion. Wurde sie weich? Elschen erschauerte. Ferkelchen..! Wie lange war es her, dass R├╝di diesen Kosenamen gefl├╝stert hatte? Unendlich lange war es her. Im ├ťberschwang junger, unschuldiger Verliebtheit war der Name entstanden, damals, als beide noch nach dem Gemeinsamen in ihrer Sexualit├Ąt geforscht hatten. Ach, w├╝rde R├╝di doch mal wieder den grunzenden Lockruf aussto├čen, sie verf├╝hren zum Saugen an seiner strammen Zitze. Elschen seufzte schwer vor Verlangen. Aufmerksam beobachtete Reinpacker jede Regung seiner Frau, seines kleinen Ferkelchens. Dann sagte er: „Elschen, meine Liebste, willst du der rettende Engel meines Herzens sein?“ Elschens Augenlieder zuckten, die Pupillen weiteten sich vollends, ihre Handfl├Ąchen schwitzten, ihre K├Ârperhaltung verriet Demut. Reinpacker setzte nach: „Elschen, wenn ich dich so ansehe, dann sehe ich die perfekte Frau; ja, und sogar eine Journalistin, eine von der mutigsten Sorte, die an vorderster Front ihren Auftrag erf├╝llt.“ Elschen zuckte, wandt sich, f├╝hlte sich schwerelos wie ein Molch im Wasser. Dann wurde ihr hei├č wie einem Huhn auf dem Grill. Als Reinpacker bemerkte, dass sie rundherum in G├Ąnsehaut geh├╝llt war, war ihm klar, dass er gewonnen hatte. Nichts mehr auf dieser Welt w├╝rde sie ihm jetzt noch abschlagen k├Ânnen. Also erl├Ąuterte er seinen Plan. Danach sollte sie als Journalistin verkleidet Santa Fux aufsuchen, um Egon Brausewitz zu interviewen. Sie sollte Gebrechlichkeit vort├Ąuschen, die es erforderlich machen w├╝rde, einen Stuhl oder Schemel mit in die Zelle zu nehmen. Das war es, worauf es R├╝diger Reinpacker ankam. Der Superfl├╝chter sollte die M├Âglichkeit erhalten, das Geheimnis seiner Zelle zu l├╝ften. Mit einem geeigneten Gegenstand, der sich auf den Tisch stellen lie├če, um an das Fenster zu gelangen. Fragend sah Reinpacker in die gl├╝ckselig eingetr├╝bten Augen seines Elschens. Die nickte mit dem Kopf. Der Plan war beschlossene Sache.
Am n├Ąchsten Morgen griff Elschen nach dem erstbesten Holzschemel, der im Foyer des Hotels zu finden war. Dann suchte sie den Taxistand auf. „Nach Santa Fux bitte!“ Der Taxifahrer musterte sie kurz. Die Dame hatte einen Schemel dabei, das kam nicht alle Tage vor. Dann fuhr er los. Vor dem Gef├Ąngnis angekommen half er das kleine M├Âbelst├╝ck zum Tor zu tragen. Doch kaum hatte Elschen dem Pf├Ârtner einen guten Tag gew├╝nscht, da wurde ihr der Schemel abgenommen. Sie protestierte, zeterte und rang die H├Ąnde, doch es half nichts. Gegenst├Ąnde mitzunehmen sei unzul├Ąssig, beschied man ihr. Denn sitzen, das k├Ânne man im Gef├Ąngnis ohnehin, darauf sei man eingerichtet. Die Wachm├Ąnner hatten ein Grinsen auf den Gesichtern, als sie Elschen zum Direktor geleiteten.
Gef├Ąngnisdirektor Festhalter erwartete sie an der T├╝r. Eine Journalistin hatte man ihm angek├╝ndigt, eine von jenen weltlichen Gesch├Âpfen, die den magischen Schl├╝ssel zur ├ľffentlichkeit in ihren H├Ąnden hielten, unverzichtbar f├╝r die eigene Karriere. Festhalter war bereit dieses Tor zu ├Âffnen. Doch jetzt, da die Dame sein Augenlicht streifte, erschrak er und war mit jedem Schritt, den sie sich n├Ąherte, um so entt├Ąuschter. Journalistinnen hatten sich stets jung und knackig gezeigt, vorlaut zwar und oftmals aufdringlich, aber mit einem Hauch von Verf├╝hrung und Sinnlichkeit. Diese jedoch, die da mit schwerem Schritt auf ihn zustapfte und deren Gesicht eher dem einer Vogelscheuche glich als dem eines lebendigen Menschen, machte der sensiblen Seele des gelernten Psychologen Artur Festhalter Angst. Er bat Elschen Platz zu nehmen. Festhalter l├Ąchelte gepeinigt, als er fragte, f├╝r welche Zeitung sie arbeite. Dem braven Eschen wurde mulmig. Jetzt kam es darauf an. W├╝rde sie die Nerven behalten? Was hatte ihr der Rentner-Fuchs Reinpacker mit auf den Weg gegeben? Sie solle einen Dialekt gebrauchen. Auf diese Weise sei es selbst f├╝r einen Psychologen schwer, den Gespr├Ąchspartner zu durchschauen. Sie hob den Blick und sagte in einer undefinierbaren, selbst erfundenen Deutschvariante: „Ich bin vom Brandenburger Tageblatt. Unsere Leser sollen aus erster Hand erfahren, was es bedeutet, den gef├Ąhrlichsten Ausbrecher unseres Erdkreises zu bewachen. Sie m├╝ssen n├Ąmlich wissen, Herr Direktor Festhalter, in diesem Jahr wird bei uns in der Stadt erstmals das Konni-Adebauer-Banner vergeben, eine Auszeichnung f├╝r mutige K├Ąmpfer wider das Unrecht und das B├Âse. Damit soll der tapfere Einsatz f├╝r die Demokratie und den Rechtsstaat belohnt werden. Und Sie, verehrter Herr Direktor, stehen ganz oben auf unserer Liste. Und weil wir ├╝ber jeden Kandidaten eine ganzseitige Reportage ver├Âffentlichen, bin ich heute hier.“
Die Laune des Direktors wandelte sich schlagartig. Endlich mal eine Journalistin, die etwas von ihm wollte und nicht von diesem Brausewitz. Und hatte sie nicht gerade eben von einer Auszeichnung gesprochen? Das verhie├č Ruhm und Ehre. Wenn da nur nicht dieser verd├Ąchtige Gegenstand w├Ąre, dieses Banner. Das klang irgendwie kommunistisch... Und dann dieser Dialekt! Komisch, sehr komisch! Na ja, die Leute von dr├╝ben hatten halt ihre eigenen Gewohnheiten entwickelt. Das Leben in der DDR war schlie├člich kein Zuckerschlecken gewesen. Angesichts seiner Besucherin bedauerte Direktor Festhalter noch still die ostdeutsche ├ľffentlichkeit, die es offenbar mit Journalistinnen zu tun habe, die eher dem wandelnden Selbstportr├Ąt einer geschminkten Waschfrau glichen denn der jugendlich ├Ąsthetischen Vermenschlichung eines eleganten Sprachgebildes. Artur Festhalter atmete tief durch, seufzte kurz. Dann kn├Âpfte er sein Jackett auf und bot sich selbstbewusst spreizend dar.
Elschen befragte den Direktor nach seinen Lebensgewohnheiten, seinem Tagesablauf, seinen Empfindungen beim Anblick der bedauernswerten Gesch├Âpfe hier hinter den dicken Gittern und schlie├člich nach seiner Gesundheit. Es handelte sich um ein Interview, wie es sich Festhalter immer gew├╝nscht hatte. Ohne die ├╝blichen Nach- und Fangfragen kontern zu m├╝ssen, geriet er ├╝ber sich, sein Leben in Santa Fux, ├╝berhaupt ├╝ber sein Lebenswerk in fliederbl├╝tenhafte Verz├╝ckung. Und als Elschen ihm auch noch anbot, in Brandenburg einen Vortrag zu halten, sogar in Anwesenheit des Europa-Kanzlers, der die Schirmherrschaft ├╝ber die Bannervergabe ├╝bernommen habe, da legte Direktor Festhalter alle Hemmungen ab. Er sprang auf, intonierte die Nationalhymne, schwor dem Osten und Brandenburg ewige Treue und versicherte, jederzeit zur Verf├╝gung zu stehen.
Artur Festhalter breitete seine Weichteile offen vor Elschen aus. Und mit dem Instinkt und der Lebenserfahrung einer Siebzigj├Ąhrigen biss sie zu: „Und jetzt, verehrtester Direktor Festhalter, kommen wir zum H├Âhepunkt ihres gro├čartigen Lebens, der Bewachung des Superfl├╝chters Egon Brausewitz.“ Artur Festhalter sprang auf. „Stets zu Diensten!“, rief er. „Fein, dann wollen wir ihn aufsuchen, auf dass ich meinen Lesern dar├╝ber berichten kann. Ich werde das Bild eines verruchten Wolfes zeichnen, das ich Ihnen, seinem Beschw├Ârer und Meister, gegen├╝berstelle.“
Der Psychologe Artur Festhalter, gekitzelt an jeder Ver├Ąstelung seiner Empfindungen, marschierte ohne zu z├Âgern voraus. Elschen folgte ihm, allerdings - und das war wirklich ungew├Âhnlich - schleppte sie den mit Leder bezogenen Sessel mit, auf dem sie eben noch gesessen hatte. Niemand nahm Ansto├č an ihrer Plackerei mit dem schweren M├Âbelst├╝ck, das sie schon bald, nachdem sie die Kr├Ąfte verlie├čen, abwechselnd vor sich herschob oder hinter sich herzerrte, dabei scheppernd an Gitter, Gel├Ąnder und W├Ąnde sto├čend. Die W├Ąrter schwiegen, da sich die merkw├╝rdige Alte im Schlepptau des Gef├Ąngnisdirektors befand. Und die Gefangenen, die bei ge├Âffneten T├╝ren zusammenstr├Âmten, grinsten und tuschelten ├╝ber das ungew├Âhnliche Paar. Manche mutma├čten, der Direktor sei mit seiner Geliebten auf dem Weg zu einem Sch├Ąferst├╝ndchen, andere glaubten angesichts der bunt bemalten Dame an eine bevorstehende Zirkusnummer im Rahmen der Aktion „Knast und Kultur.“ Festhalter, der wie im Rausch vorauseilte, bemerkte erst kurz vor der Zellent├╝r seines ber├╝hmten Gefangenen, dass seine Begleiterin den Sessel mitf├╝hrte. Er stutzte. Irgendetwas stimmte hier nicht. Mit aufsteigendem Misstrauen beobachtete er, wie Elschen den Sessel die Treppe hinunter ins Kellergeschoss stie├č, kraftlos taumelnd, nach Luft japsend. „Hm!“ Nachdenklich kratzte sich Festhalter am Hinterkopf. Doch ein vern├╝nftiger, erhellender Gedanke wollte sich nicht einstellen, denn noch immer hatte ihn der Zustand tiefster Gl├╝ckseligkeit fest im Griff.
Direktor Festhalter lie├č die Zellent├╝r aufschlie├čen. H├Âflich wie er war, half er Elschen sogar, den Sessel in die Zelle zu bugsieren. Superfl├╝chter Egon Brausewitz l├Ąchelte seinen Besuchern entgegen. Er wirkte gel├Âst und zufrieden, ja heiter geradezu. Er stand auf, reichte die Hand zum Gru├č. „Ach wie nett, der Direktor pers├Ânlich“, sagte Egon, „da freut sich der brave S├╝nder. Willkommen in meinem kleinen Heim.“ Die unerwartete Freundlichkeit irritierte den Direktor. War der Superfl├╝chter nicht gestern noch zutiefst zerknirscht gewesen? Bei Gott! Ihm w├Ąre es jetzt lieber, der ungehobelte Brausewitz w├Ąre fluchend hochgefahren, h├Ątte getobt, randaliert und sich verweigert. Die Leviten h├Ątte er ihm lesen k├Ânnen, demonstrativ, vor den Augen dieser tapferen, zart besaiteten Journalistin. Gut h├Ątte er dagestanden, kraftvoll und mit der Entschlossenheit eines L├Âwenb├Ąndigers. Doch Artur Festhalter war ein guter Psychologe, so verstand er es, auch dieser Situation eine gute Seite abzugewinnen. Vielleicht, so ├╝berlegte er, w├Ąre es sogar von Vorteil, wenn Egon Brausewitz als Gel├Ąuterter dast├╝nde, als positives Resultat seiner, Festhalters, Psychologie.
Direktor Festhalter wandte sich unterk├╝hlt h├Âflich an Egon und sagte: „Ich erlaube mir, Ihnen eine Dame vorzustellen, eine Journalistin, die einige Fragen stellen m├Âchte. Ich bitte darum, ihr die geb├╝hrende Aufmerksamkeit zu schenken. Elschen reichte dem Superfl├╝chter die Hand. „Guten Tag, Deutschmann ist mein Name, Tamara Deutschmann, Journalistin des Brandenburger Mittagsblattes.“ Egon lie├č seinen Blick ├╝ber den Arm zum bunt bemalten Antlitz der Dame hinaufwandern. Dann nahm er den im Hintergrund stehenden Direktor in Augenschein. Es ging nichts Bedrohliches von ihnen aus. Allein der ihm bekannte Sessel aus dem Besucherzimmer des Direktors verstr├Âmte das Odem der Gefahr. Er passte nicht ins Bild, f├╝gte sich nicht in die Situation und wirkte sogar noch unwirklich, als Elschen schon auf ihm Platz genommen hatte. „Ich hoffe, Sie sitzen bequem“, sagte Egon in einem uneindeutigen Tonfall.“ Au weia! Der Superfl├╝chter machte ausgerechnet den Stuhl zum Thema. Elschen wurde nerv├Âs. H├Ąnderingend versuchte sie, den Gefangenen durch allerlei Gesten und Gefl├╝ster zu verstehen zu geben, den Mund zu halten. Eine ├╝berfl├╝ssige Furcht, denn der Direktor hatte gar nicht zugeh├Ârt. Seine Gedanken galten allein der ├ťberlegung, wie er bei der schnuckeligen Journalisten einen noch besseren Eindruck machen k├Ânnte. Doch mochte er sich einfach nicht entscheiden. Sollte er dem Gefangenen gegen├╝ber freundlich und f├╝rsorglich sein oder grob und zwingend? Achselzucken!
Nach einem Moment der Besinnung begann Elschen mit dem Interview. Sie fragte nach allerlei Pers├Ânlichem, nach Egons Jugend, seiner Herkunft, seinen Empfindungen auf der Flucht. Der Superfl├╝chter malte ihr in plakativen Pinselstrichen das Bild des verkannten K├╝nstlers mit trauriger Kindheit, des verkannten Genies mit ungewisser Zukunft, des Justizirrtums mit bitterem Ausgang, des B├╝rgers und Menschenfreundes mit sauberer Weste. Kommentarlos schrieb Elschen jedes Wort mit.
Elschen hatte den Direktor w├Ąhrend des Interviews nicht aus den Augenwinkeln gelassen. Sie war bem├╝ht, ihm durch allerlei verdeckte Gesten zu verstehen zu geben, dass sie unbeeindruckt bleibe von der salbungsvollen Selbstdarstellung des Superfl├╝chters. Irgendwann musste es dem Psychologen Festhalter aber zuviel geworden sein, denn er verabschiedete sich kurz, wollte lieber drau├čen im Gang als in der Zellent├╝r warten. Elschen beobachtete den Vorgang mit Misstrauen. Sie f├╝rchtete, dass der schw├╝le Nebel, der den Direktor eingelullt hatte, kondensieren k├Ânnte. Niemals w├╝rde es ihr dann gelingen, den Sessel in der Zelle zu vergessen. Es war an der Zeit, das Interview zu beenden. (...)

Weitere Textproben: Hier klicken

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um majissa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Stilsicher!

Lieber Aboreas,

R├╝diger Reinpacker, Egon Brausewitz, Festhalter!!! Herrlich! Ich bin gleicherma├čen entz├╝ckt und beeindruckt. Nach langer Zeit treffe ich hier mal wieder auf ein St├╝ck gute Literatur. Meines Erachtens d├╝rfte dir auf literarischem Gebiet so schnell nichts passieren. Garant daf├╝r sind der sichere Stil (keine Holperstellen, kein unn├Âtiges Abschweifen), die spritzigen Dialoge (du zeigst deine Figuren handelnd und ├╝berfrachtest sie nicht mit Geschw├Ątzigkeit) und nicht zuletzt die Konsequenz, mit der du jeden Erz├Ąhlstrang geschickt in die Handlung verwebst und gleichzeitig St├╝ck f├╝r St├╝ck die Spannung erh├Âhst. Deine Charaktere sind interessant und glaubw├╝rdig. Die Harmonie zwischen Autor, Text und Leser stimmt. Allein das Bild von Elschen, die, als w├Ąre es das Normalste der Welt, in einem Gef├Ąngnis einen Mordssessel hinter sich herschleift, war einfach zum Kringeln. Bis auf die Tatsache, da├č du uns hier nur einen Ausschnitt pr├Ąsentiert hast, habe ich nichts zu bem├Ąkeln. So, nun aber genug des Lobes...

Liebe Gr├╝sse
Majissa

Bearbeiten/Löschen    


aboreas
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 16
Kommentare: 286
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Ein artiges Dankesch├Ân

Hallo majissa.

Ich habe gar nicht mehr damit gerechnet, eine Antwort zu bekommen. Und dann eine so wohltuende...

Hab tausend Dank!!!

Entschuldigen muss ich mich dennoch. Ich habe deinen Beitrag schon vor Tagen gelesen, wollte auch immer antworten, habe mich aber mit allerlei anderen Dingen verzettelt.

Zum Text m├Âchte ich noch anmerken: Eigentlich ist es eine ├╝ber Jahre gewachsener Nonsens-Menge, die ich dann zu einem doch recht umfangreichen Roman verarbeitet habe - mit den ├╝blichen Schw├Ąchen, die sich halt so einstellen, wenn man von der ersten Umschlagzeile bis zur R├╝ckseite alles im Alleingang gemacht hat. Es ist eine kolossale Erfahrung, ein st├Ąndiger Lernprozess, ein ewiges Korrigieren eigener Fehleinsch├Ątzungen hinsichtlich der Dauer von Arbeitsabschnitten und der Qualit├Ąt ihrer Ausf├╝hrung.

Aufgrund deines Beitrages habe ich mit Hilfe des Profils deinen letzten Text angesehen. Und gewiss nicht der H├Âflichkeit halber kann ich dass Lob zur├╝ckgeben. Habe mich wirklich au├čerordentlich am├╝siert.

Lieber Gru├č. aboreas

Bearbeiten/Löschen    


majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um majissa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Aboreas,

das Ph├Ąnomen des ewigen Korrigierens kenne ich nur zu gut. Scheinbar kommt man damit nie zum Ende und st├Ąndig l├Ąuft man Gefahr, einen Text irgendwann kaputt zu korrigieren. Ich halte nicht viel davon, eine Geschichte gleich nach dem Schreiben zu posten, weil Abstand zum eigenen Werk eine gewisse Objektivit├Ąt schafft, die es einem noch mal erm├Âglicht, Schnitzer auszub├╝geln. Leider neige ich dazu, dieses Procedere so oft durchzuf├╝hren, da├č meine Beitr├Ąge aus der Schublade gar nicht mehr rauskommen. Das ist auch eine kolossale Erfahrung...

Noch ein Wort zu deiner Geschichte: Mir fiel gleich angenehm auf, da├č es keinen qualitativen Knick gab, der mir bei l├Ąngeren Texten sonst h├Ąufig begegnet. Meistens findet er sich in der Mitte, so als h├Ątte der Autor pl├Âtzlich Lust und Energie verloren. Zum Ende hin wirdÔÇÖs dann meistens wieder besser. Also ging ich davon aus, da├č du ├╝berlegt und besonnen arbeitest und auch nachbearbeitest. Bin gespannt auf dein n├Ąchstes Opus.

Danke ├╝brigens f├╝r dein Lob. Es hat mich gefreut.

Liebe Gr├╝sse
Majissa

Bearbeiten/Löschen    


aboreas
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 16
Kommentare: 286
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Majissa.

Wie es scheint, haben wir die gleichen Erfahrungen gemacht - und die gleichen Schlussfolgerungen gezogen.

Du sprichst vom Abstand zum eigenen Werk. Ich bin auch der Auffassung, dass man oft erst mit der gebotenen Distanz imstande ist, eigene Verse und Prosa zu optimieren - jedenfalls soweit es die individuellen M├Âglichkeiten zulassen.

Man ist oft durchdrungen von der eigenen Sprachmelodie; umzingelt von den sprachlichen Bildern, die man gerade entworfen hat; eingesponnen in die Handlungsstr├Ąnge, an denen man sich begeistert; getragen von dem Stolz ├╝ber die Leistung, die man gerade vollbracht hat. Alles nat├╝rliche Verhaltensmuster. Aber die Erfahrung (meine jedenfalls!) lehrt eben, dass man diesen Empfindungen misstrauen sollte, jedenfalls f├╝r den Augenblick.

Man schwebt regelrecht ├╝ber allen Klippen, eine Schwerelosigkeit, die aber den geneigten Leser nicht tragen will. Der wird sich unweigerlich sto├čen und schneiden an den Unebenheiten. Eine Erfahrung, die man selbst machen k├Ânnte, w├╝rde man einen gerade fertig gestellten Text f├╝r einige Tagee oder Wochen in die Schublade legen. Dann aber sollte er raus!!! Sonst wird er sauer. Wer will das schon?

Deine Bemerkung ├╝ber den von dir beobachteten „Knick“ in der Mitte eines Werkes finde ich sehr interessant. Dar├╝ber habe ich noch nie nachgedacht. Es ist wohl die Auswirkung eines psychologischen Ph├Ąnomens. Ja, ich denke, dass man einer Idee folgend ans Werk geht. Dann, mit der Entwicklung des Stoffes, wenn der Reiz der urspr├╝nglichen Idee verblasst, beginnt vielleicht eine Phase emotionsloser Textarbeit. Zum Schluss, dem Ziel so nah, kommt die Begeisterung zur├╝ck. Oder?

Man sollte dieses Muster vor Augen haben und stets seine Arbeitsweise ├╝berpr├╝fen. Wie hei├čt es doch so sch├Ân: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Man lernt eben nie aus.

Viele liebe Gr├╝├čte. aboreas

Bearbeiten/Löschen    


Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

Werke: 3
Kommentare: 2501
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Schakim eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo, arboreas!

Jetzt melde ich mich auch einmal bei Dir - nur kurz! Ich wusste ja nicht, dass Du so spannende Geschichten schreibst... Bin ganz zuf├Ąllig hierher gelangt, normalerweise halte ich mich eher bei den Gedichten auf, weil Kurzgeschichten mir zu lang sind, d.h. zu lang, um sie am Bildschirm zu lesen. F├╝r diese Literaturform habe ich doch noch lieber die Buchausgabe in den H├Ąnden, wo ich es mir in einem Sessel bequem machen kann...

Sende Dir viele Gr├╝sse!
Schakim
__________________
┬ž┬ž┬ž> In jeder Knospe zeigt sich ein kleines Wunder beim Aufbl├╝hen <┬ž┬ž┬ž

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!