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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Seher
Eingestellt am 30. 06. 2002 19:56


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Lumumba saß mitten in seinem Kral und bat den nächsten herein. Es war eine Frau, die diesmal demütige Verbeugungen machte und ein Kleinkind auf ihrer Hüfte trug. „Was liegt an?“ wollte er wissen. Fatima hob an, um zu sprechen, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken, als sie im Hintergrund die Gestalt von Mongo erkannte. „Was tut er hier?“ lautete ihre kurze Frage, als sie mit dem Kinn leicht in seine Richtung wies. „Ich habe ihn als Hilfe angefordert, er soll mein Handwerk erlernen.“ Fatima schien es unangenehm zu sein, dass sie Mongo in ihrer Nähe wusste und mit einer Ausrede auf den Lippen war sie im Begriff wieder den Kral des Sehers zu verlassen. Der weise Mann schaute ihr nach und noch bevor sie aus dem Kral verschwand sagte er ihr: „Bleib und zeig ihm euer Kind!“ Fatima wurde es heiß und kalt und sie stand reglos zwischen Ausgang und Lumumba und wagte es nicht, sich umzudrehen. Es entstand ein Schweigen, welches peinlich für alle wurde und Mongo unterbrach es indem er das Kind auf ihrer Hüfte ansprach. Das Kleine freute sich, denn es ertrug die Stille nicht mehr.
Fatima setzte das Mädchen ab und sofort lief das Kind auf seinen Vater zu, der von der Vaterschaft nocht gar nichts wusste. Erst jetzt wagte Fatima es, sich umzudrehen und sie sah, wie Muanda ihm lachend in die Arme lief. Hitze stieg ihr bis in die Haarwurzeln und sie schämte sich unendlich. Sie brachte weder ein Wort heraus, noch wagte sie es, Mongo in die Augen zu sehen, dabei war es gerade das, was sie seinerzeit mit Vorliebe getan hatte, bei ihren heimlichen Treffen am Rande des Dschungels. Damals wohnte Mongo noch im Nachbarort; es war jetzt zwei Jahre her. Mongo sagte: „Ich wusste, dass du eines Tages hierher kommen wirst!“ Sie fand immer noch nicht ihre Sprache wieder und suchte sich die finsterste Stelle des Krals, um sich dort hinzukauern. Scheinbar teilnahmslos blickte sie vor sich hin und visierte eine Stelle des Lehmbodens an, die mit roter Farbe getränkt war. Es war die Stelle, an der die Hähne ihr Leben lassen mussten, weil Lumumba ihr Blut mit einem Kraut vermischte, dass den Kranken Kraft geben sollte. Mongo trat mit dem Kind an der Hand zu ihr her und begab sich ebenfalls in die Hocke. Schier endlos lange schaute er in ihr Gesicht, bis sie die Augen aufrichtete.

Erst jetzt bekam Mongo eine Antwort von ihr: „Warum wusstest du es?“ Ihre Stimme klang krächzend und war so leise, dass selbst Lumumba sie nicht verstehen konnte. „Ich sah es, Fatima, denn auch ich bin auf dem Weg ein Seher zu werden!“ „Dann weiß ich auch, dass du mir nie und nimmer gehören darfst, weil Seher frei sein müssen!“ Nun mischte sich Lumumba in ihr Gespräch ein:
„Ich sehe, Fatima, dass er immer nur mein Gehilfe sein wird und ich sehe euch zusammen in einem Kral und ich habe ihn hierher geholt, weil ich wusste, dass er zu dir gehört!“ Fatimas Augen füllten sich mit Freudentränen.

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