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Leselupe.de > Ungereimtes
Der Seufzer des Souffleurs
Eingestellt am 24. 08. 2004 18:29


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Vera-Lena
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Der Seufzer des Souffleurs

Ein ganzes Volk in die Statisterie
gezwungen,
das StĂŒck getarnt
als Mitspieltheater,
das Publikum bar jeder Anteilnahme,
die MĂŒnzen zĂ€hlend in der hohlen Hand,
die Hauptdarsteller mit
aufgeschminktem LĂ€cheln,
und jetzt : “das Leid, das Leid, das Leid, das Leid.“
Und kein deus ex machina.




__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Zeder
Administrator
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Das Publikum in die Statisterie gezwungen,
bar jeder Anteilnahme,
die MĂŒnzen zĂ€hlend in der hohlen Hand.

Das StĂŒck getarnt als Mitspieltheater,
die Hauptdarsteller mit aufgeschminktem LĂ€cheln
und jetzt : “Das Leid, das Leid, das Leid, das Leid.“

Und kein deus ex machina.
--------

Liebe Vera-Lena,

ich weiß, ich nehme dir einen Teil weg - es ist auch nur mein (Lese-)Vorschlag.
Ein gekonnt suggestiver Text!

Viele liebe GrĂŒĂŸe von Zeder



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Montgelas
???
Registriert: May 2004

Werke: 1
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liebe vera-lena,

der vorschlag von zeder ist bedenkenswert,
weil er konsequent in den
"theaterbildern" bleibt.
ein wirklich tiefgrĂŒndiger text
ist dir da gelungen. wenn ich mal
mehr muse habe, komme ich unbedingt
darauf zurĂŒck.

bravo, da capo !

montgelas

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Vera-Lena
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Liebe Zeder,

danke fĂŒr Deine Auseinandersetzung mit dem Text. Allerdings ist das BĂŒhnenvolk in die Statisterie gezwungen, und nicht das Publikum. Dieser Unterscheid ist von Bedeutung.
Denen, die da eigentlich agieren sollten, bleibt kein Spielraum, keine Heldenrolle, kein lÀngerer Text, sie stehen am Rande.
Das Publikum sind die Zuschauer, die angeblich aufgefordert sind mitzuspielen und das Geschehen, den Schluss des letzten Aktes angeblich beeinflussen könnten.

Diese beiden Dinge wollte ich im Text drin haben.

Ich wollte, dass man sich zwei Ebenen vorstellt: Die BĂŒhne und den Zuschauerraum.

Es freut mich, dass Dich der Text anspricht.
Liebe GrĂŒĂŸe von Vera-Lena
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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Lieber Montgelas,

auch mein Text bleibt konsequent in den "Theaterbildern".
Beim Theater heißt es sogar "Volk" bei Schlillers "Wilhelm Tell" zB, und wenn der Regisseur wĂŒnscht, dass die Statisten sich mit Lauten bemerkbar machen, dann bittet er um "Volksgemurmel" und die Schauspieler sprechen dann das Wort: "Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber" natĂŒrlich nicht gemeinsam in einem Rhythmus, weil man dieses Wort im Publikum nicht verstehen kann.
Aber in meinem Text ist das Wort "Volk" dann noch doppeldeutig zu verstehen.
Danke fĂŒr Dein Lob
Liebe GrĂŒĂŸe von Vera-Lena
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Montgelas
???
Registriert: May 2004

Werke: 1
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gedankensplitter


Im antiken Theater kam tatsĂ€chlich bei völlig ausweglosen Situationen ganz ĂŒberraschend ein Gott aus der Theatermaschine, einer kranĂ€hnlichen Flugmaschine, die plötzlich auf die BĂŒhne schwebte. Dieser konnte dann in die Geschicke der Menschen eingreifen und sie ganz nach Belieben retten oder verdammen.
(aus dem netz)


liebe vera-lena,

dein souffleur verleiht mit seinem seufzer seiner verzweiflung ausdruck, dass die mechanik des "deus ex machina" offenbar versagt.
das volk in die statisterie gezwungen ohne jeglichen aktionsradius, das publikum schaut, greift nicht ein in das geschehen, kennt nur zu gut das "mitspieltheater" als phrase oder ist auch nicht wirklich am schicksal des "volkes" interessiert. die hauptdarsteller, allesamt "geschminkt", maskiert schmettern den text in den raum: "des Leides...,

diesen text habe ich fĂŒr mich dreimal deuten können.

- er bildet tatsÀchliches theater ab.
das publikum hat teuer bezahlt, die statisterie,
will endlich den bĂŒhnenraum betreten,
nach dem die hauptdarsteller ihren text gesprochen haben,
aber die technik versagt, „deus ex machina“ senkt sich nicht hernieder. der souffleur verzweifelt, weil weit und breit kein kran zusehen...
die vorstellung droht an dieser techn. panne zu platzen.

- er spiegelt eine aktuelle gesellschaftliche realitÀt, wie wir sie derzeit kennen. die betroffenen (statisten) haben keinen handlungspielraum, die voyeure(publikum)
neugierig und befremdet, denken ĂŒberhaupt nicht daran ins geschehen einzugreifen. wĂ€hrend im osten tausende auf die strasse gehen, wird hier im westen ĂŒber tv ruhig und distanziert, das eigene geld zĂ€hlend , zugeschaut.
nahezu verhöhnend heucheln die hauptdarsteller(journalisten, politiker, pfarrer u.a. diverse) mitleid.

und niemand da der korrigiert, partei ergreift, seufzt der souffleur.

- die frage nach einem aktiven gott, der das publikum aus seinem desinteresse herausreißt, dem volk seinen platz gewĂ€hrt und heuchler jedweder art in die schranken weist, lĂ€sst deinen mitfĂŒhlenden "souffleur" seufzen.
in dieser sehweise verliert dein text seinen aktuellen bezug zwar nicht, weist aber weit ins allgemeine unserer menschl. existenz hinaus.
antigone und iphigenie, die zwei schwestern der humanitÀt und wahrhaftigkeit, hatten immer hilfe in ihren göttern. der moderne mensch stattdessen zur statisterie verurteilt, als publikum bestochen, imaginiert sich hauptdarsteller, deren heuchelnde monotonie nur von fern an das antike theater erinnern. nirgendwo katharsis.
beckett regiert allerorten.

aber hoffnung auf verÀnderung ist immer dort,
wo gedanken in handlungen sich niederschlagen.
einen text zu schreiben, der sehr dicht eine zustandsbeschreibung allgemeiner menschl. existenz ausdrĂŒckt und damit in lesern nachdenken auslöst
ist eine solche handlung,

die hoffen lÀsst,

meint

montgelas


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