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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Sommer . . . und du
Eingestellt am 17. 08. 2001 13:06


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Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

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Susan und Kyle sa├čen am fr├╝hen Morgen dieses Wochenendes, das sie gemeinsam an dem Ufer ihres Lieblingsflusses verbrachten, auf ihren zusammengerollten Schlafs├Ącken, knabberten an den ├ťberresten ihres Abendessens, Rippchen, mehr verbrannt als gebraten, und lauschten schweigend den Ger├Ąuschen der Natur und dem Fl├╝stern und Murmeln des Wassers. Das Schweigen lag zwischen ihnen, dehnte sich aus und wirkte doch beruhigend. Es war nicht das Schweigen das man unbedingt brechen wollte weil es peinlich war, sondern ein Schweigen das Vertrauen und Geborgenheit vermittelte. Es ist so ruhig hier, dachte Susan und schloss einen langen Moment die Augen. Sie genoss diese Stille. Weit weg von jeglicher Zivilisation wie es schien. Eingeh├╝llt in einem zart gesponnenen Kokon des Friedens und der Ruhe. Nichts schien hier noch wichtig zu sein. Sorgen, Probleme, schwerwiegende Entscheidungen die gef├Ąllt werden mussten, und verschiedene ├ťberlegungen die sie in ihrem Hinterkopf mitgenommen hatte; hier verblassten sie zu ihren wahren Werten die sie in Wirklichkeit waren. Zu einem nichtssagendem Schein. Trivial, durchsichtig und fadenscheinig.
Ein sanfter, warmer Wind kam von S├╝den und fl├╝sterte hinter ihr in den Bl├Ąttern der B├Ąume. Er raunte ihr leise seine Geschichten von der Freiheit und den weiten Unendlichkeiten die er bereist hatte, ins Ohr.
Lange Minuten sa├č sie nur da, betrachtete versonnen die Nebelfetzen, die, von den ersten Strahlen der Sonne beschienen, rot und golden, wie der sichtbar gewordene Atem des Flusses weich ├╝ber dem Wasser hingen, und lie├č ihre Gedanken treiben.
Ger├Ąuschlos, beinahe wie eine Geistererscheinung, tauchten nacheinander vier Reiher aus dem Nebel auf. Ihr wei├čes Federkleid verschmolz nahezu v├Âllig mit dem Dunst, der ├╝ber dem Wasser hing. Mit seltsam anmutenden, h├Âlzernen Schritten staksten sie den Fluss entlang und senkten hin und wieder die K├Âpfe, um nach Nahrung zu suchen. Susan hielt den Atem an. Die scheuen Tiere schienen sie entweder nicht zu bemerken, oder einfach zu ignorieren. Nach wenigen Augenblicken waren sie wieder im Dunst verschwunden; lautlos, nur ein gelegentliches Klappern der Schn├Ąbel verriet ihr, dass sie nicht getr├Ąumt hatte. Sie r├╝ckte n├Ąher an Kyle und die W├Ąrme seines K├Ârpers h├╝llte sie augenblicklich ein und ein sanftes Kribbeln kroch ├╝ber ihren R├╝cken. Sie schmiegte sich eng an ihn. Eine Weile sa├čen sie schweigsam nebeneinander, genossen nur die N├Ąhe des anderen, ohne den Blick vom Fluss zu nehmen. Schlie├člich dr├╝ckte sich Susan noch enger an Kyle und legte ihren Arm unter der Decke um seine Taille. Sie seufzte leicht. Ein leises Ausatmen, dem sanften Schnurren einer Katze, die ihre Zufriedenheit verriet, nicht un├Ąhnlich.
"Ich habe noch nie ein Bild von so vollkommener Harmonie gesehen", fl├╝sterte Susan. Sie f├╝rchtete die Stille des Morgens mit ihrer Stimme zu st├Âren.
"Hmmh", stimmte ihr Kyle zu. "Dieses Bild kann man nicht fotografieren oder malen, man kann es nicht erkl├Ąren oder beschreiben; man muss es einfach erleben."
Er wandte leicht den Kopf und der Duft von Susans Haar stieg ihm in die Nase, vertraut und doch bet├Ârend. Sie sah heute genauso zerknautscht aus wie damals, als er sie das erste Mal gesehen hatte. Kyle musste unwillk├╝rlich l├Ącheln. So verletzlich sie am Morgen auch wirkte: klein, schmal, und beinahe zerbrechlich, schien sie im Laufe des Tages ├╝ber sich selbst hinauszuwachsen.
"Bist du manchmal einsam?" fragte sie, z├Âgernd, jedes Wort abw├Ągend. Sie wollte ihm nicht zu nahe treten oder ihn verletzen indem sie an alten Wunden r├╝hrte, und sah zu der breitgef├Ącherten Weide die vor ihnen stand, nahe am Ufer, und ihre Zweige tief herunter h├Ąngen lie├č, so dass sie beinahe das Wasser ber├╝hrten. Eine gro├če Wasseramsel sa├č auf einem dieser Zweige und wippte verschlafen tr├Ąllernd auf und ab.
"Sind wir nicht alle manchmal einsam?" antwortete Kyle, steckte die rechte Hand unter der Decke hervor, zupfte sich einen langen Grashalm aus und kaute nachdenklich darauf herum. Ohne dass es ihm bewusst wurde, strich seine linke Hand ├╝ber Susans Taille, zog sanfte Kreise und streichelte sie z├Ąrtlich. "Wie sollte ich einsam sein? Ich habe mein Leben, ich habe meine Welt, ich habe mich selbst. Ich habe mehr als die meisten Menschen." Er f├╝hlte den sanften Druck von Susans Arm an seinem K├Ârper, lehnte sich ein wenig zur├╝ck und folgte ihrem Blick.
Susan l├Ąchelte wehm├╝tig. Ein zitterndes Beben stieg in ihrer Brust hoch und sie bog den Kopf zur├╝ck, sah in den heller werdenden Morgen und dem Himmel ├╝ber ihr, in dem die Sterne l├Ąngst verblasst waren und das Grau der D├Ąmmerung dem strahlenden Blau des neuen Tages gewichen war.
"Komm", sagte sie und erhob sich von dem Baumstamm. Ihre Hand hielt die seine fest umschlossen ohne loszulassen und sie zog ihn hinter sich her. Die Decken rutschten zu Boden und blieben unbeachtet liegen.
Susan f├╝hrte Kyle zu ihrem Zelt, schloss sorgf├Ąltig den Rei├čverschluss und kniete sich ihm gegen├╝ber hin. Sie legte ihre H├Ąnde in die seinen und sah ihm in die Augen. Endlos lange wie ihr schien, sahen sie einander nur an.
"Du bist so wundersch├Ân", murmelte Kyle.
"K├╝ss mich endlich, dummer Junge", fl├╝sterte Susan, hob ihre Arme und legte sie um seinen Nacken. Behutsam dr├╝ckte er seinen Mund auf ihre Lippen, staunte ├╝ber ihre zarte Weichheit und kostete den s├╝├čen Geschmack der Liebe.
Ihr Busen dr├╝ckte sachte gegen seine Brust und er konnte ihre Erregung sp├╝ren, die wie eine hei├če Woge ├╝ber ihr zusammenschlug. Sie dr├╝ckte ihn heftiger an sich, ├Âffnete den Mund und lie├č ihre Zunge ihn erforschen, saugte an seinen Lippen und presste ihn fester und fester an sich. Ihre Finger verkrallten sich in seinen Haaren und ihr K├Ârper schien mit seinem Eins werden zu wollen. Seine H├Ąnde waren ├╝berall, schienen sich zu verdoppeln und verdreifachen. Er streichelte sie. Zitternd suchend und verlangend nehmend. Wie ein junges Raubtier, das nach langem Hungern endlich einen blutigen Happen Fleisch zwischen seine Z├Ąhne bekommt. Susan genoss diese Vorstellung. Ihr K├Ârper fieberte nach seiner Leidenschaft und ihre Haut brannte von seinen Ber├╝hrungen. Aus zaghaft gefl├╝sterten Worten wurden Versprechungen, aus hastig gemurmelten W├╝nschen wurden Forderungen, und aus dargebotenen Sehns├╝chten wurde - endlich - grenzenloses Verlangen, dass ├╝ber sie hinweg sp├╝lte wie eine riesige Woge aus reiner Sinnlichkeit.
Die Leidenschaft riss die beiden hinab in den Strudel aus gegenseitigem Nehmen und Geben, aus Streicheln und Kratzen, aus K├╝ssen und Bei├čen. Ihre verschlungenen K├Ârper k├Ąmpften miteinander und l├Âsten sich, fielen wieder ├╝bereinander her, verlangten und verschlangen einander; und sie liebten sich mit der Urgewalt der Verzweiflung, die wei├č, dass es vielleicht kein Morgen mehr gibt. Die Erde schien zu beben und das kleine Zelt verwandelte sich in einen brodelnden, kochenden Ofen aus Hitze und Glut.
Lange noch, nachdem die beiden in einem berauschenden Gipfel zu ihrem H├Âhepunkt gefunden hatten, lagen sie ineinander verkn├Ąuelt, schwitzend und keuchend da und lauschten dem Dr├Âhnen ihres Bluts in den Adern und dem wilden Schlag ihres Herzens. Ein Moment in dem die Seele blo├č zu liegen schien, so weit und so offen. Verletzlich wie der junge Morgen.
"Du bist meine G├Âttin ..." fl├╝sterte Kyle in die weiche feuchte Haut zwischen Susans Br├╝sten und seine H├Ąnde w├╝hlten in ihrem Haar.
"Psst, nicht sprechen, nicht jetzt. Sei einfach bei mir. Sei einfach in mir. Sei einfach ein Teil von mir." Susan schlang ihre Arme und Beine um seinen K├Ârper und wand sich z├Ąrtlich unter ihm. Ihre H├Ąnde suchten und fanden, streichelten und forderten, reizten und verlangten; und sie wiederholten ihr lustvolles Spiel der Liebe. Diesmal aber wesentlich langsamer, intensiver und bewusster, bis sie die Leidenschaft f├╝reinander wieder mit seinem wilden Strudel in ihre uners├Ąttlichen Tiefen riss.
Sp├Ąter, sehr viel sp├Ąter, die Sonne war l├Ąngst ├╝ber die Wipfel der B├Ąume am Fluss gestiegen und w├Ąrmte das kleine Zelt unangenehm auf, l├Âsten sie sich, rollten ├╝ber den Boden, lachten und balgten miteinander. Sie k├╝ssten und streichelten sich, gl├╝cklich einander zu haben, neckten sich und spielten wie zwei kleine K├Ątzchen. Susan konnte sich nicht erinnern, jemals so ausgelassen und fr├Âhlich, innerlich so frei gewesen zu sein.

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