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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Sommermann
Eingestellt am 09. 07. 1999 00:00


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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

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DER SOMMERMANN
Er schreckte auf, der nachrichtenank├╝ndigende Pieps des Radios hatte ihn geweckt. Er war auf dem Balkon in der Sonne eingeschlafen. Sein T-Shirt klebte an seinem K├Ârper. Er lauschte auf die Stimme des Nachrichtensprechers, es gab nichts, au├čer den ├╝blichen Toten und sonstigen Weltkatastrophen. "Different day, same shit" dachte er und wollte gerade wieder in seine Traumwelt fliehen, als ihn das Ende des Wetterberichts aufschrecken lie├č: "...mit -2 bis +3 Grad weiterhin k├╝hl." "Ja spinn' ich denn?" "Wir haben August mit Hochsommerwetter und der labert so eine Schei├če, ist der Typ denn total bekifft?" Nur um sich selbst zu beruhigen schaltete er den Fernseher ein, den Nachrichtenkanal: ein Bericht ├╝ber einen Flugzeugabsturz, eine Revolution in einer Bananenrepublik, dann ... ein Bericht ├╝ber das Vorweihnachtsgesch├Ąft. Sein Blut begann zu pulsieren, Hitz e schwallte in ihm auf, das konnte doch nicht wahr sein. Er st├╝rmte zur├╝ck auf den Balkon: friedliche Sommerstille, seine Geranien bl├╝hten noch, er war also nicht verr├╝ckt! Gott sei Dank! Aber wie kam es dann zu diesen absurden Nachrichten. Er schl├╝pfte in seine italienischen Slipper und verlie├č ohne Socken und Jacke das Haus, um vielleicht so etwas zu erfahren. Auf der menschenleeren Stra├če wandte er sich Richtung Supermarkt. Die Gegend war wie ausgestorben. Sonst waren die Stra├čen sonntags nachmittags voll von Spazierg├Ąngern und Fahrradfahrern, die ihren freien Nachmittag genossen, doch heute, keine Seele.
Das Supermarkt-Schaufenster gab ihm den Rest. Schokoladenweihnachtsm├Ąnner, Lebkuchen und andere saisonbedingte Waren wurden dort ausgestellt. Wie von Sinnen rannte er ├╝ber die leere Stra├če, ein St├╝ck die von kahlen B├Ąumen ges├Ąumte Allee entlang, auf das n├Ą chste Haus zu. Dort klingelte er Sturm, bis ihm eine ├Ąltere Frau in langer Hose und mit einer dicken Strickjacke bekleidet die T├╝r ├Âffnete: "Ja bitte?" "Welche Jahreszeit haben wir?" best├╝rmte er die verst├Ârte Alte. "Winter mein Herr,... sie holen sich ja den Tod in ihren d├╝nnen Sachen, gehen sie lieber nach Hause und ziehen sich w├Ąrmer an." Die T├╝re schlo├č sich vor seiner Nase. Die Frau fand diesen verwirrten ├ťberraschungsauftritt wohl unheimlich und wollte lieber nicht riskieren, da├č er am Ende noch in ihrer Wohnung landete.
"Ihr seid ja alle wahnsinnig!", schrie er das Haus an, "wir haben 30 Grad im Schatten, es ist hei├č, es ist verdammt noch mal Sommer, ihr Idioten, ihr total kranken Psychopathen!"
Sie fanden ihn am Montag Morgen zwei Stra├čen von seiner Wohnung entfernt. Er lag zusammengekr├╝mmt auf dem B├╝rgersteig. Seine nackten Arme waren ganz blau und seine offenen, starrenden Augen waren vom Nachtfrost befroren. Als sie bei der Autopsie seine starre linke Hand unter lautem Knacken ├Âffneten, fanden sie darin eine Geranienbl├╝te.


(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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