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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Stau
Eingestellt am 02. 12. 2013 14:19


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Wagner-Martinez
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2013

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Ein GeschĂ€ftsmann landete am Flughafen von Madrid. Er nahm sich ein Taxi und sagte zu dem Taxifahrer, wo er hinfahren solle. Auf dem Weg zu seinem Ziel gerieten sie in einen Stau. Mit gerunzelter Stirn schaute der GeschĂ€ftsmann angestrengt aus dem Auto. Aus dem Augenwinkel beobachtete er, wie der Taxifahrer anfing zu lĂ€cheln. Sichtlich irritiert und gereizt, dachte er sich, was das fĂŒr ein Idiot sei, der nicht einmal seine Schadenfreude verbergen könne, nur weil er jetzt mehr verdiene, durch das warten im Stau. Nach einem kurzen Moment löste sich der Stau.

Auf der weiteren Strecke gerieten sie erneut in einen Stau. Der GeschĂ€ftsmann fĂŒhlte sich provoziert, als er wieder bemerkte, dass das Grinsen des Taxifahrers jetzt noch breiter geworden war, und die anderen Autofahrer dabei kopfnickend freundlich anlĂ€chelte. In seiner Gereiztheit, was er wohl sich dabei denke, wollte er am liebsten aussteigen. Aber da er vom Taxifahrer abhĂ€ngig war, schluckte er seine mittlerweile vorhandene Wut herunter. Als er zwei Minuten spĂ€ter bereit war, ihm ein paar Dinge an dem Kopf zu werfen, bemerkte er, dass sich der Stau schon wieder aufgelöst hatte.

Nach weiteren 10 Minuten gerieten sie endgĂŒltig in einem Stau, der sich nicht zu bewegen schien. Der Taxifahrer vollen GlĂŒckes winkte sogar den Menschen zu und der GeschĂ€ftsmann konnte seine Wut nicht mehr fĂŒr sich behalten. Er legte sich ein paar Argumente zu Recht und fragt den Taxifahrer, mit wĂŒtender Stimme, warum er sich so freue. Glaubend der Antwort wissend, bereitete er sich seelisch auf einen Streit vor.

Der Taxifahrer fragte ihm, mit einer freundlichen Stimme, aber fĂŒr ihn provozierende Stimme, ob er die humorvolle Seite seiner Antwort hören wolle oder die philosophische.
Fast am Höhepunkt seiner Wut, dass er auch noch auf dem Arm genommen werde, antwortete er mit knirschender Stimme: „Beide."

„Dann fange ich mal mit der Humorvollen an. Wissen sie, es war nicht immer so, dass ich einem Stau mein LĂ€cheln schenken konnte. Auch ich habe mich frĂŒher aufgeregt, wenn ich in einen Stau reingefahren bin. Ich dachte, dass das typisch fĂŒr mich sei. Und so haderte ich mit mir selbst, war neidisch auf andere, und glaubte, mich auf dem Weg zu befinden, das Pech zu meinem Leben gehörte. Bis ich mich eines Tages fragte, wie es wohl den anderen gehen muss, die ebenfalls im Stau stehen. Denken sie genauso wie ich, sich auf dem gleichen Weg zu befinden. Das konnte nicht sein, weil viele meiner Freunde ebenfalls im Stau gestanden sind. Und sie sind alles andere als Pechvögel. Darauf hin wurde mir klar, dass im Stau zu stehen nichts mit Pech zu tun hat. Sondern, dass es zum Leben jedes Einzelnen gehört. Und das wurde zu meinem "kleinen GlĂŒck". Weil ich erkannte, dass egal, wie teuer oder schnell ein Auto auch sein möge, welches ich mir nie leisten werde, welchen Beruf die Menschen erlernt hĂ€tten, welches ich nie erlernen konnte, wie viel Geld sie auch hĂ€tten, was ich wohl nie haben werde oder welcher sozialen Schicht man angehört, wir, in einem Stau alle gleich sind, und somit sind alle so schnell wie ich." Beide lachen!

Jetzt wollte der GeschÀftsmann den zweiten Teil der Antwort ebenfalls wissen. Und sagte zu ihm, dass er bitte fortfahren solle.

„Aus dem Schlechten - der Stau - etwas Gutes fĂŒr mich zu machen - meine Sichtweise - verhalf mir, den Neid und das Pechvogeldasein zu besiegen. Erst danach fand ich den Platz, damit sich der gesunde Gedanke in mir entfalten konnte.
Denn wissen sie, obwohl ich das GefĂŒhl habe, in einer Zeit zu leben, die mir schnelllebig vorkommt und wir aneinander vorbeirasen, besonders ich als Taxifahrer, fĂŒhle ich mich in der Zeit gefangen, in der ich feststecke. Der Stau ist fĂŒr mich, der Moment, in dem meine Welt in Bewegung gerĂ€t. WĂ€hrend dieser Zeit fĂŒhle ich mich lebendig. Alles ist klar, und die Welt wirkt einfach in meinen Augen, weil ich mich als einen von denen sehe. Ich kann in der Zeit Dinge erschaffen, habe Platz fĂŒr meine TrĂ€ume, und wenn ich will, ist das der Ort, wo ich alles sagen und fĂŒhlen kann, als wĂ€hrend der ganzen anderen Zeit. Es ist der Moment, in dem wir uns alle im gleichen Rhythmus bewegen, obwohl wir stehen. Ich habe nicht das GefĂŒhl, fremd auf dieser Welt zu sein, sondern dazuzugehören. Diese harmonische Verbindung fĂŒhrt zu meinem LĂ€cheln. Und mit diesem LĂ€cheln, lĂ€sst sich nicht nur der Stau leichter aushalten, sondern ich bekommen das LĂ€cheln zurĂŒck. Sie brauchen nur in deren Gesichter zu schauen. FĂŒr mich ist es der Moment, in der die Ruhe eintritt, bevor wir uns alle wieder auf dem Weg der Wanderung machen, die ich die Gewohnheit des Lebens nenne. Und, wo meine Kampf von neuen beginnt.

Der GeschĂ€ftsmann bedankte sich, schwieg und dachte nach fĂŒr die restliche Fahrt, wĂ€hrend er lĂ€chelnd aus dem Fenster schaute. Als sie ankamen, gab der GeschĂ€ftsmann den Taxifahrer ein großes Trinkgeld. Er sagte zu ihm, dass das fĂŒr seine Weisheit sei, von den er jetzt hat kosten dĂŒrfen. Und vielleicht wĂŒrde er sich heute, auf seine Kosten, etwas mehr Zeit fĂŒr sich nehmen können.

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owm der nicht nur seine TrÀume trÀumt, sondern auch lebt.

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