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Leselupe.de > Gereimtes
Der Stau - eine deutsche Urlaubsballade -
Eingestellt am 29. 07. 2003 12:50


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LuMen
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Der Stau
- eine deutsche Urlaubsballade
-
(Neufassung)


Heut┬┤ fehlt das Geld f├╝r Urlaubsgl├╝ck
am goldnen Strand in blauer Ferne!
Doch reisen will man dennoch gerne,
sei┬┤s nur die Autobahn ein St├╝ck!

Der Deutsche zeigt, er ist bescheiden.
Er zieht den G├╝rtel m├Ąchtig enge,
bricht tapfer alle alten Zw├Ąnge
und lernt, gewohnten Luxus meiden!

Nur eins erscheint ihm unverzichtbar:
Symbolisch f├╝r die Wohlstandszeiten
mu├č es ihn ├╝berall begleiten ÔÇô
geliebtes Auto, weithin sichtbar!

o-o-o-o-o-o-o-o-o

So setzt man sich in das Gef├Ąhrt,
ist auch der Weg zumeist versperrt!
Zur Autobahn reicht es noch grade,
der Opa schafft es mit dem Rade!

Sieh doch ! Da f├Ąhrt Familie M├╝ller
wie jedes Jahr mit einem Kn├╝ller:
Der neue BMW 08,
der fast 300 Sachen macht!

Man sp├╝rt die Kraft, wie er so bockt,
wenn wieder mal die Schlange stockt.
Herr M├╝ller schaltet hoch und runter,
die Schlange wird davon nicht munter!

Ganz platt ist schon der rechte Fu├č,
mit dem er st├Ąndig bremsen mu├č,
und an den Backen klebt der Schwei├č,
der Kopf ist rot, die Stirne hei├č!

Dann aber steh┬┤n die R├Ąder stille,
es fehlt der Weg, da n├╝tzt kein Wille!
Frau M├╝ller kurbelt an den Scheiben
und will den Mief nach drau├čen treiben.

Dort hat das Abgas sich verfl├╝chtigt,
der Schadstoffwert von selbst berichtigt,
und schon weht mit der frischen Luft
vom Acker her der Jaucheduft.

Die Sonne lacht durchs Schiebedach,
darunter macht das Radio Krach,
und zwischendurch erz├Ąhlt der Sprecher:
der Stau wird l├Ąnger noch und n├Âcher!

Herr Gro├čkotz greift zum Telefon.
F├╝r ihn geh├Ârt zum guten Ton
zu Haus aufs Komma anzusagen,
wie weit das Auto ihn getragen.

Die Nachbarn rechts und auch zur Linken
bedienen jetzt die Blecht├╝r-Klinken,
und vorn und hint┬┤ in gleichem Ma├če
ergie├čt das Volk sich auf die Stra├če.

Man r├Ąkelt sich in warmer Sonne,
und bald ist alles eitel Wonne!
Schon tr├Ąumt im Liegestuhl Frau Meier,
Frau Schulz br├Ąt auf dem Spoiler Eier,

und Onkel Franz dr├╝ckt gleich zwei Damen,
die ihm beim Skat dazwischen kamen -
dazu schl├Ągt einer seiner S├Âhne
auf der Gitarre schr├Ąge T├Âne!

Herr Kunz joggt durch die Wagenreihen
und kann sich freier Bahn erfreuen!
Frau Hinz l├Ą├čt unterm Autof├Âhn
sich Locken in die Haare dreh┬┤n.

Herr Dringlich hat im Wohnmobil
ein Trocken-Klo nebst Wasserspiel.
F├╝r Geld l├Ą├čt er dort Schlange steh┬┤n:
so kann ihm kein Gesch├Ąft entgeh┬┤n!

Die Oma flickt ein Schalke-Kissen -
in Dortmund hat man┬┤s j├╝ngst zerrissen -
und Kinder spielen brav im Sand
des Baubetriebs am Stra├čenrand.

Im Kombi auf den Liegesitzen
kommt Fred mit Lola schon ins Schwitzen.
Der Opa radelt grad vorbei,
ihn stoppte keine Polizei!

o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o-o

So geht ein sch├Âner Tag zu Ende,
am Himmel blinkt der Abendstern -
doch oftmals kommt die Schicksalswende
ganz unverhofft besonders gern!

Ein Trucker, schon in halbem Schlummer,
sieht nicht das Ende des Idylls!
Er rast hinein mit seinem Brummer -
und trank doch nur ein kleines Pils!

Das Urlaubsgl├╝ck - ein Haufen Tr├╝mmer.
Und aus dem Schrott ganz schnell entweicht
die Seele, die im Mondenschimmer
sich in ein bess┬┤res Jenseits fleucht.

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stemo
???
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Stau

Lieber LuMen
Gut gereimt, gen├╝sslich in Szene gesetzt, eine k├Âstliche Abfolge von Bildern, dann aber das Ende, das gef├Ąllt mir weniger, ist irgendwie auch nicht ganz logisch deine Aussage, dass sich die Seelen nach dem "Crash" in bessere Gefilde fleuchen, nachdem sie es vorher ja so sonnig und wonnig genossen haben, im Stau zu stecken. Ausserdem scheint mir etwas irref├╝hrend, dass der Trucker "das Ende der Idylle" nicht sieht. Du meintest doch damit den Anfang des Staus, oder nicht?
W├Ąre es in deinem Beispiel nicht treffender, wenn sich der Stau ├╝ber h├Âhere M├Ąchte von selbst aufl├Âst und die "Urlauber" sich traurig aus den Augen verlieren?
(Ich glaub, da gibt es aber schon so eine Geschichte von Julio Cortazar, bin mir aber nicht sicher)
Liebe Gr├╝sse! stemo
__________________
stemo

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Herr M├╝ller
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Wenn Du schon so ein schr├Âckliches Ende schreibst LuMen, dann konsequent mit den o-o-o-o-o-o sein


Das Urlaubsgl├╝ck - ein Haufen Tr├╝mmer.
Und aus dem Schrott ganz schnell entweicht
die Seele, die im Mondenschimmer
sich in ein bess┬┤res Jenseits fleucht

o
|
o
|
o
__________________
Wer das Wort sucht, wird den Reim ernten.

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LuMen
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"Achtung! Das Stauende liegt in einer Kurve!"

Hallo stemo,

ich danke Dir f├╝r deine konstruktive Kritik! Mit dem "Ende" des Staus hat es - jedenfalls nach den Radioansagen (s. o.) - seine Richtigkeit, dort brausen, zumindest in Deutschland, die Laster so oft hinein. ├ťber das "bessere Jenseits" kann man nat├╝rlich ernsthaft streiten. Aber so ernsthaft wollte ich in meiner Satire gar nicht sein. Im Vergleich zu dem verbleibenden Tr├╝mmerfeld d├╝rfte das Jenseits allerdings, so hoffe ich, der bessere Teil sein.

So gesehen, lieber Herr M├╝ller, ist das Ende dann gar nicht so "schr├Âcklich" (oder bin ich da zu zynisch?).

Euch beiden herzliche Gr├╝├če
LuMen

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Bruno Bansen
Guest
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Fest-Wochen

"...dann in ein bess'res Jenseits fleucht" oder
"in's bess're Jenseits dann entfleucht"

Da "...entfleucht = entfliegen" hei├čt, kann es nicht "sich...fleucht" hei├čen. Das w├Ąre verkehrt.

Ansonsten, wenn man sich durchgek├Ąmpft hat, wirklich sehr komisch aber nur f├╝r Vortrag auf Satire-Festwochen geeignet. Wenn ich mal sowas Langes schreibe, mache ich mir einen Sport draus, alles an Aussage drin zu lassen, aber um die H├Ąlfte einzudampfen. Es geht!

Lieber Lutz, viele Gr├╝├če
undn gute Nacht

Bruno

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LuMen
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was da alles kreucht und fleucht...?

Hallo Bruno,

vielen Dank f├╝r Deinen Kommentar und Deine ethymologischen Bem├╝hungen! Ich glaube allerdings, da├č Du mit dem "fleuchen" irrst. Fleuchen ist eine altert├╝mliche Form f├╝r fliehen, fl├╝chten (s. Gro├čer Duden ). Danach m├╝├čte auch die intransitive Form m├Âglich sein. F├╝r "fliegt" steht in der Poesie veraltet manchmal noch "fleugt" ( Infinitiv also fleugen).
Eine andere Frage ist es, ob man solche veralteten Formen ├╝berhaupt noch verwenden sollte. Bei Gedichten pa├čt es aber manchmal gut.

Herzliche Gr├╝├če
LuMen

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