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Leselupe.de > Gereimtes
Der Stein
Eingestellt am 01. 04. 2003 11:27


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Platoya
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Der Stein


Ein unbedeutend grauer Stein lag achtlos inmitten des Lebens,
l├Ąngst wurde er nicht mehr bemerkt,
sein Dasein schien vergebens.

Doch eines Tages, siehe da, ein Regen setzte ein. Ganz ungew├Âhnlich
heftig, von b├Ąrenstarker Wucht
rei├čt er den Stein mit einem Schwall hinab in eine Schlucht.

Wie ├╝berm├╝tig purzelt dieser, als er da kommt ins Rollen,
er hofft auf eine lange Reise, das verspricht des Donners Grollen.

Die Wolkenmassen rei├čen hin und wieder gro├če L├╝cken,
die krachend┬┤ Blitze freigeben.
Thor jauchzte vor Entz├╝cken.

Als w├╝rd┬┤ des Himmels dunstig┬┤ Grund in tausend St├╝cke gerissen.
Bald jedes Leben um sich bangt,
nur er wollt┬┤ dies Ereignis nicht missen.

Die Wassermassen schieben ihn als w├Ąre er ein Ball. Bewegung hei├čt das Zauberwort,
Rinnsale ├╝berall.

Er suhlt sich im Moraste, der ihn mit Leichtigkeit
schiebt vom verhassten Orte.
Der Stein ÔÇô er hofft, recht weit.

Nach G├╝ssen wie aus Wannen ward es langsam heller,
erneut schwemmt tr├Ąge er ein St├╝ck,
dann noch mal ganz kurz schneller.

Jetzt lag er ruhig auf weichem Gras, und machte sich recht schwer.
Von hier wollte er nie mehr weg
- nicht jetzt und nimmermehr.

`Oh Dank dir, Gott, wie gern ich hier mein Steinenleben friste.`
Denkt er, und ahnt nicht mal davon,
dass man ihn schon vermisste.

An jenem ├Âden Stra├čenrand ging suchend ein Blick umher,
einer von den vielen Menschen
w├╝nscht ihn sich wieder her.

Er hatte schlie├člich seinen Zweck, das war ihm nicht bekannt.
Wie sinnlos f├╝hlt┬┤ er sich seit Jahren an diesem Stra├čenrand.

Man sprach: er hielte Autos ab, die sonst die Hecke rammten.
`Soll das eines Stein┬┤ s Erf├╝llung sein? ihr Menschen,
ihr verdammten!?`

Von dieser Aufgabe befreit lag er nun voller Gl├╝ck
in jener Schlucht, stra├čabw├Ąrts weit
- nie wollte er zur├╝ck.

Selbst die Grashalme, feucht und matt, legten sich sehr bereit
nun unter seinen Bauch ganz brav ÔÇô
sie taten ihm fast leid.

Ein kleiner Vogel kitzelt ihm die harte Oberfl├Ąche,
nie durft┬┤ er etwas sch├Ânres sp├╝r┬┤n
- wie herrlich, diese Schw├Ąche.

Bald l├Ąsst der Sonne Helligkeit ihn gierig um sich blicken
- ein Baum, ein Strauch, begr├╝nte H├╝gel -
was k├Ânnt ihn mehr begl├╝cken!

Der Grillen Zirpen gleich begann mit unverhohlener Kraft.
Wie dankte er dem Donnergott
f├╝r diese G├Ânnerschaft.

Ein K├Ątzchen sch├Ąrfte seine Krallen an seinem festen R├╝cken,
selbst das war h├Âchstes Gl├╝ck f├╝r ihn
- er steinte voll Entz├╝cken.

Des duftig┬┤ Tagesende sank feucht herab wie Tau,
fast wie ein abendliches Bad
- geseift von einer Frau.

Wie f├╝hlte er sich frisch und rein, so glitt er in die Nacht hinein.
Die mild umh├╝llend┬┤ Finsternis, die friedlich ihn sah liegen
- Sein Gl├╝ck war so vollkommen jetzt, ihm war als k├Ânnt┬┤ er fliegen.

Leis┬┤ zog die Dunkelheit ihr Band ├╝ber die Lebensst├Ątte, ein Nachtfalter
glitt putzig aus auf unsres Steines Gl├Ątte.

Noch viele unbekannte G├Ąste suchten ihn nachts auf. Einige landeten neben ihn, andre flogen dreist obendrauf.

Die erste wohlbeh├╝t┬┤te Nacht, seit er sich kann erinnern. Schl├Ąfrig beginnt der neue Tag mit leichtem Nebelflimmern.

Das Morgenrot beginnt zu gl├╝hen, der Horizont zu brennen.
Das Gl├╝ck, das seine Form umspielt
- er kann es kaum benennen.

So viel verschiedne Vogelstimmen nahm er noch niemals wahr.
Soll das das Paradies hier sein? - er glaubt es ganz und gar.

Ein Hauch von Wind setzt z├Âgernd ein, so s├Ąuselnd wie ein Bach. Doch was war dieses Beben dort? - war┬┤n das gar Schritte ÔÇô ach!!!

Zwei gro├če Schuhe stapften da den Abhang schwer hinunter, ein Pfeifen, das ihm wohlbekannt, begleitet den Vorgang munter.

Was will der Mensch in diesem Reich, das nicht f├╝r ihn geschaffen! - zwei kn├Âcherne H├Ąnde umfassen den Stein, sie sind dessen einfachste Waffen. Welch Elend unser Stein erlebt in jeglichem Momende, ist unvorstellbar wohl f├╝r uns
- im Griffe dieser H├Ąnde.

Was soll er tun, sich tot stelln┬┤ jetzt, das w├╝rde ihm nichts n├╝tzen, der Mensch h├Ąlt ihn doch eh f├╝r tot, denn er sp├╝rt nicht sein Schwitzen. , Ist das nicht gemein, so machtlos zu sein?`
Denkt hilflos der Stein.

Tats├Ąchlich ÔÇô wird ihm jetzt bewusst, ward er schon sehr vermisst, er war ein recht erles┬┤ner Stein, der ziemlich selten ist. Warum hat er das nie gewusst?- das h├Ątte ihm gegeben, die Zuversicht, er sei doch Wer in sein belanglos` Leben.

Nun war es aber eh zu sp├Ąt, nie mehr kann er verzeihen, dass man ihm Dinge vorenthielt, die h├╝lfen zu gedeihen. Entt├Ąuscht von allen weltlich` Dingen liegt er jetzt wieder dort, wo niemand ihn beachtet hat - an seines Elends Ort.

Ganz gleich, wie man sich pl├Âtzlich m├╝ht, ihm Farbe ├╝bern R├╝cken zieht, es wird ihm nichts mehr gelten.
Fr├╝her h├Ątt┬┤ ihm das Spa├č gemacht, - damals-
als er noch nichts wusste von anderen Welten.

Das Schlimmste f├╝r ihn ist, dass er genossen bessre Sachen, die jetzt, wo er von ihnen wei├č, ihn endlos traurig machen.

Ab jetzt wird Sehnsucht sein Metier, die gute, alte, treue. Die, wenn man sie in sich tr├Ągt, einen stets verzehrt aufs Neue. Gleichwohl ist sie ein Gegenstand, der Sinn dem Leben gibt. Auch wenn sie aussichtslos erscheint, sch├Ân ist es wenn man liebt.

So trostlos wie das alles klingt, ist es dann aber nicht. Der Stein liegt wieder an dem Platz, wo er hat seine Pflicht.

Man kann es drehen wie man will:
Was ist von beiden schlimmer?
ÔÇô der Umstand, dass er Bessres sah, Liebe in sich tr├Ągt f├╝r immer?

Oder w├Ąr┬┤ es annehmbarer, von alldem nichts zu wissen?
F├╝rwahr! - es hat schon was f├╝r sich:
man kann dann nichts vermissen.







__________________
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Stoffel
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Hallo,

weisst Du, was toll w├Ąre...
und sicher eine ganz gro├če Bereicherung?
Wenn Du genau das, was Du eigentlich mit diesem langen Text aussagen m├Âchtest,
in einem h├Âchstens Zwei-Drei-Strophen, oder noch besser 5 Zeiler spiegelst.

Nur meine Meinung...
denn es w├Ąre das wert...

lG
Stofel

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Platoya
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Hallo Stoffel,

ich danke Dir f├╝r deinen Rat. Nur, habe ich diese kleine Geschichte bewusst in der Karegorie "Verschiedenes" ver├Âffentlicht, weil diese eben f├╝r ein Gedicht zu ausf├╝hrlich ist. Sollte ich die k├╝rzere Version in meinem Kopf zu meiner Zufriedenheit zurechtgedreht haben, werde ich sie unter demselben Namen erneut reinstellen. Das kann allerdings noch dauern; doch vergessen werde ich Deinen Tip nicht. Allerdings: auf einen F├╝nfzeiler werde ich es nicht reduzieren, das ist einfach nicht mein Ding, glaube ich.


Einen sch├Ânen Abend und liebe Gr├╝├če.

P.
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Stoffel
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Hallo Platoya,

ich meinte auch nur,
wenn es in einer kurzen Fassung f├╝r mich zu fassen w├Ąre, als Leser,
dann h├Ątte es sicher einen noch gr├Âsseren Effekt.
Ja, auch ich poste unter "Sonstiges",
wei├č schon , was meinst.

Ich honoriere es, ein Gef├╝hl in dieser Form wiederzugebn, denn ich selbst kann das nicht.
Vieleicht, so habe ich eben mal gedacht, sollte ich aber damit mal anfangen.

Kann sein, das es so ist, das ICH immer besser verstehe, wenn etwas kurz und knapp ist. Aber eben las ich das mal wieder und habe eine "Sch├Ânheit" entdeckt.
Was ganz neues f├╝r mich...danke.

lG
Stoffel

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Platoya
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Hallo Stoffel,

zuerst einmal danke ich Dir ganz lieb f├╝r deine Worte, denn die sagen mir, dass Du den Inhalt genauso erfasst hast, wie er gemeint ist. Vielleicht hast Du ja ├Ąhnliche Erfahrungen gemacht...
Es ist richtig, dass ich hier ein Gef├╝hl wiedergeben wollte, denn die Geschichte ist aufgrund einer Erfahrung in mir entstanden.
Du bist der Meinung, ein Gef├╝hl nicht ebenso wiedergeben zu k├Ânnen? ÔÇô das kann ich nicht finden. Nun, ich hatte bisher noch nicht die Zeit, alle Deine Gedichte zu lesen; bin aber zu der Erkenntnis gelangt, dass Du genau das sehr gut kannst, z.B. in deinem Gedicht ÔÇ×Bungee - JumpingÔÇť ist das Empfinden, welches Du vermitteln willst, unheimlich gut nachzuvollziehen.Ich f├╝hlte mich sofort an eine Alltagssituation erinnert... Also, untersch├Ątze Dich nicht, das hast Du nicht n├Âtig.

Liebe Gr├╝├če und ein sch├Ânes Osterfest.

Platoya

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Stoffel
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Lieben Dank zur├╝ck und Dir auch ein sch├Ânes Osterfest

lG
Stoffel

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