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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Stein
Eingestellt am 12. 12. 2006 22:59


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schio
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2006

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Der Stein

Da lag es nun, das Meer. Eingeschlafen. silbrig gl├Ąnzend lag es da, wie in Trance. Nur seine Wellenlippen leckten fast unmerklich nippend Sandk├Ârner vom Strand. Und dieser schien in eine Art von Schlaf zu liegen, und auch die Luft befand sich in einer mystischen Ruhe. Auf dem Strand ein gro├čer schwarzer Stein, den nur Wesen aus einer anderen Welt hier zur├╝ckgelassen haben konnten, so wenig passte er hierher. Beim genauen Hinsehen, konnte man Strukturen an dem sonst v├Âllig glatten Stein entdecken. Lie├če man seinen Blick l├Ąnger auf ihnen verweilen, so konnte man bemerken, dass diese aus Wellen und Locken schwarzen Haares bestanden, das zu einem nackten Frauenk├Ârper geh├Ârte, der mit dem Stein verschmolzen schien - als w├╝rde der Stein dem Eingeweihten schamverstohlen seine Weiblichkeit anvertrauen - und ihn gab es, diesen Eingeweihten, wie sonst konnte ein Mensch aus dem Nichts auftauchen. Er kam langsamen, fast ehrfurchtsvollenvollen Schrittes von irgendwoher, direkt auf den Stein zu, dem weiblichen, denn er hatte all diese beschriebenen Dinge ohne M├╝he wahrgenommen, wohl mehr mit seinen inneren Sinnen, denn mit den bekannten . Er lenkte seine Schritte eigentlich nur deshalb zum Stein, weil es ihn zu ihr zog, dieser in den Stein flie├čenden schwarzhaarigen Sch├Ânheit. Ihr Haar durchzog ein zeitweilig br├Ąunlicher Schimmer, der einen winzigen Augeblick Haar und Stein unterschied. Ihr K├Ârper schien sph├Ąrische Energie zu trinken und unersch├Âpflich Licht zu senden, als h├Ątte sich die innere Tiefe auf die Haut gelegt. Den Stein hatte das Meer in Jahrmillionen weisen Wirkens f├╝r diesen Augenblick geformt, und nur f├╝r diesen fraulichen Leib ward er so geschaffen, mit liebevollen , auch zornigen Wellen.
Er war nun schon nah bei ihr, sein ganzes Wesen war unbewusst zielgerichtet, wie ferngesteuert. Bei ihr angelangt, beugte er sich zu ihr nieder und k├╝sste sie wie ehedem der Prinz das Schneewittchen gek├╝sst hatte. Der Unterschied war nur, dass sie, obwohl die Augen geschlossen, nicht schlief, und er es wusste. Machen in der Regel die meisten Menschen beim inniglichen Kuss, die Augen zu, so ├Âffnete sie die ihren und schaute in seine offenen Seelenfenster, anders konnte man beider Augen nicht nennen, sahen sie nicht nur das Spiegelbild im Auge des Anderen. Nein. Tiefer - viel tiefer erwachten und fanden Dinge statt, die sie nicht zu verstehen suchten, wissend, dass diese aus ihrer vergessenen Heimat kamen, um sie zu f├╝hren. Ihrer beider Leben im Hier, waren nur nachgeahmte Mosaiksteine aus dem Lebensbild, das sich in ihrem wahren zu Hause befand, in einer anderen Dimension.
Mit einer nie erlebten federleichten Hingabe liebten beide sich. Die Luft nahm teil am Liebesspiel, streichelte ihre K├Ârper. Das Meer begann im Rhythmus ihrer K├Ârper zu wogen, kaum merklich f├╝r das Auge, so sanft, bis auf den Grund. Und der Himmel k├╝hlte die hitzigen Leiber mit willkommenem Nieselregen ab.
Als sie sich trennten, schauten sie einander in die Augen und tranken und lasen und lasen und tranken. Die ihren von einem unergr├╝ndlichem Schwarzbraun, in dem fast unmerklich von Zeit zu Zeit goldene Sterne vergehend aufblitzten. Seinen Augen waren, als h├Ątten sich Meer mit Himmel und Wald mit Flur verm├Ąhlt. Ihre Verbindung blieb auch dann noch bestehen, als beider Augen schon wieder Weltliches schauten.
Er verschwand, wie er gekommen, im Nichts, mit einer Leere in sich, die sich als heilige F├╝lle in seinem Innersten ausbreitete.
Der Stein lag da, als h├Ątte es sie nie gegeben, er sie nie getragen, nichts von ihr gewusst Beim genauen Hinsehen jedoch, konnte man sehen, dass er um ein kleines gr├Â├čer war, als zuvor.

┬ę schio ÔÇô 29.04.06

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Ich komme nicht dahinter, wo ich aufh├Âre und die Anderen anfangen. (William Blake)

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