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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Tag an dem ich Bob Marley traff.
Eingestellt am 13. 09. 2001 17:43


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nemo
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Registriert: Aug 2001

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Der Tag an dem ich Bob Marley traff.

Es ist jetzt schon ein paar Jahre , oder besser gesagt Jahrzehnte her, aber ich errinere mich an diesen Tag, als sei es erst gestern gewesen.
Ich war auf Jamaika und es war verdammt heiß und verdammt schwĂŒl.
Ein Wetter, daß mir als typischer MitteleuropĂ€er doch etwas zusetzte.
Ich war dort mit meiner damaligen Freundin. Ich hatte ich Sie im Zustand geistiger Umnachtung, ich war stockbesoffen und scharf wie eine geladene Pistole, zu einem Wochentrip nach Jamaika eingeladen.
Sie war gerade erst Achtzehn geworden und hatte den Körper einer jungen Göttin. Sie hieß, glaube ich, Mona, aber sicher bin ich mir da nicht. Ich hatte sie vor kurzem erst in einer Bar kennengelernt wo Sie kellnerte und es war Geilheit auf den ersten Blick.
Es war also ein verdammt heißer und schwĂŒler Tag.
Ich hatte mich mit Mona, oder wie immer sie auch hieß, lautstark gestritten.
Sie warf mir vor mich kaum um sie zu kĂŒmmern, sie nur fĂŒrs Bett mitgenommen zu haben.
Ich hatte keine Lust mich auf irgendwelche Diskussionen einzulassen, so verließ ich das Zimmer und knallte die TĂŒr hinter mir zu.
Ich stampfte wutentbrannt durch die Hotellobby und setzte mich in einen der Touristenbusse nach Kingston.
Die Luft war so dick, dass man sie hÀtte in Scheiben schneiden können um damit Brote zu belegen.
Um mich herum deutsche fette Touristen, die soviel Schweiß aussonderten, dass mir alleine von dem Anblick schlecht wurde. Fette englische Touristen, dessen Haut die Farbe der Mars OberflĂ€sche angenommen hatte, wenn sie nicht gerade in großen Fetzen abfiel.
Ich bemerkte ein junges PĂ€rchen, dass turtelte und mit Ihren Finger Knoten bildeten, wie es nur Verliebte machen.
Ich verfluchte innerlich Mona.
WĂ€hrend der Fahrt öffnete ich das Fenster und genoss den Wind der mein Gesicht kĂŒhlte und den penetranten Schweißgeruch aus meinem Gesichtsfeld wehte.
Der Bus hielt in Downtown, Kingston und man gab uns zu verstehen, dass wir spĂ€testens um Sieben wieder am Treffpunkt sein sollten, wenn wir nicht mit dem Taxi zurĂŒck ins Hotel wollen.
Ich trennte mich von dem Rest der Gruppe und ging durch das geschÀftige Treiben in den Strassen.
Ich genehmigte mir einige Patties, eine Jamaikanische SpezialitĂ€t, die aus einem Teig-Röllchen mit einer verdammt scharfen FleischfĂŒllung bestand.
Ich hatte mir vorgenommen nach Port Royal, die alte Piratenfestung, zu wandern, um mir dort eine kleine gemĂŒtliche Kneipe zu suchen wo ich mich in ruhe betrinken konnte.
Ich ging vorbei an Victorias Garden und verweilte einen Augenblick um mir eine einheimische Tanztruppe anzusehen. Eine der TĂ€nzerinnen hatte es mir angetan. Sie trug nur einen Lendenschurz aus Korbgeflecht voller bunter Perlen die im Rhythmus der Musik
hĂŒpften. Sie hatte einen festen schwarzen Arsch und BrĂŒste wie Melonen, festgeschnĂŒrt in einem Bikini, der aussah als könnte er das Gewicht nur mit mĂŒhe halten.
Ich stellte mir vor wie es wÀre auf diesen weichen Bergen zu liegen, warm und geborgen wie im Schoss meiner Mutter.
Ich spĂŒrte, dass ich leicht erregt war und zog es vor weiter zu gehen.
Da ich keinen Stadtplan besaß, und meine Ortskenntnisse noch von dem halbherzigen durchblĂ€ttern des ReisefĂŒhrers stammte, den Mona mir im Flugzeug in die Hand drĂŒckte, verlief ich mich und landete in einem dieser Stadteile, von denen der Reiseleiter uns so eindringlich gewarnt hatte.
Vor mir eröffnete sich nun das wahre Gesicht Jamaikas, fernab von Hotelsuiten und TouristengeschÀfte.
Weiße Blechbaracken standen an beiden Seiten der Strasse, wo einige Kinder spielten. Sie trugen alte, abgetragene Kleider und kletterten an der Karosserie eines alten Wagens herum.
Ich zog mein Hemd aus und knotete es an meinen HĂŒften zusammen, da die Hitze mir zu schaffen machte.
Die Kinder starrten mich neugierig an und ich ging langsam auf sie zu und lÀchelte freundlich. Ich kramte aus meiner Hosentasche ein Packung Kaugummis hervor.
Eine Flut von HĂ€nde streckte sich mir entgegen und ich versuchte die Kaugummis gerecht zu verteilen. Als der Chorus der Kinderstimmen etwas leiser wurde vernahm ich hinter einigen der Baracken, das Typische GerĂ€usch eines Fußballspiels.
Es ist schon seltsam, aber egal in welchem Land gespielt, und welche Sprache auf dem Feld gesprochen wird, ein Fußballspiel hat eine unverwechselbare GerĂ€uschkulisse, die jeder der öfter mal gegen ein Ball tritt sofort wieder erkannt.
Ich bahnte mir den Weg durch die primitiven Blechbehausungen und erblickte hinter einem Berg aus altem Schrott einen Fußballplatz.
Eigentlich war es nur ein StĂŒck plattgetretener Rasen auf dem zwei behelfsmĂ€ĂŸige Tore standen.
Keine Linien, keine Netze aber ein Ball, ein paar Jungs und eine Leidenschaft, und das genĂŒgte um mein Herz höher schlagen zu lassen.
Ich nÀherte mich dem Bolzplatz und beobachtete das Spiel.
Ich weiß nicht wie lange ich bewegungslos und wie hypnotisiert das stand.
Einer der Jungs schien mich bemerkt zu haben und trabte in meine Richtung.
Er war recht klein und dĂŒnn aber ich konnte das Spiel seiner Muskeln unter der schwarzen Haut sehen.
Er hatte lange schwarze Rastalocken und trug eine alte Adidas Hose.
„Hey guy !!“ rief er.
Ich drehte mich um, um zu sehen ob er mit jemanden anderen redete, aber da war nur ich.
„Yeah, I mean you !!” sagte er und lĂ€chelte unverschĂ€mt freundlich.
Ich zeigte mit dem Finger auf meine Brust und sah ihn fragend an.
Er nickte nur und sein LĂ€cheln wurde noch breiter.
„Oh yes...Sir.“ stotterte ich.
„Not Sir, just Bobby !!“ sagte er und streckte mir seine Hand entgegen.
„Where you from ?“ fragte er diesmal ernst
„I’m from Germany. antwortete ich
„Oh, Germany...“
Es hörte sich an wie jöörmaahny und diesmal musste ich grinsen.
„You have some good Player ! No artist but good guys !” sagte er.
Ich spielte damals in der dritten Mannschaft von Rot-Weiss Essen in der Kreisliga.
Ich hatte zwar schon Anfragen von höherklassigen Mannschaften, mir fehlte allerdings die Lust drei bis viermal die Woche zu trainieren, so dass ich es vorzog im Fussball Keller ein wenig zu kicken.
Ich war ein Typischer Straßenfußballer, der in seiner Kindheit mehr Zeit mit dem Leder als mit SchulbĂŒchern verbrachte.
Ich war ein feiner Techniker, mit gutem Auge und einem linke Hammer, allerdings war ich nicht der schnellste und ziemlich Lauffaul.
Ich wurde also einem Team zugewiesen und Bobby, der in meiner Mannschaft war, klopfte mir auf die Schulter.
Anfangs war ich ziemlich nervös und erlaubte mir einige FehlpĂ€sse, doch nach und nach wuchs mein Selbstvertrauen und damit mein Fußballerisches Können.
Ich drehte auf und schlug Flanken die Punkt genau auf den Fuß meiner Mitspieler landeten, dribbelte meine Gegner gekonnt aus und spielte DoppelpĂ€sse durch die Abwehr.
Ich lief, schwitzte und war glĂŒcklich.
Nachdem wir eine gute Stunde gespielt hatten, wurde mir signalisiert, dass das nĂ€chste Tor entscheiden wĂŒrde.
Mein Mitspieler, ein schwarzer Muskelberg, den alle nur King nannten, spitzelte den Ball von dem Fuß des Gegners, verharrte und sah mich in eine LĂŒcke starten.
Mit einem FußspitzengefĂŒhl, dass man Ihm niemals zugetraute hĂ€tte spielte er mir den Ball
genau in den Lauf. Ich legte ihn mir vor, an einem Gegenspieler vorbei und sprintete, meine letzten Kraftreserven nutzend, Richtung Tor.
Ich keuchte wie ein alter Asthmatischer Hund und meine Lunge schien bei jedem Atemzug explodieren zu wollen.
Nur noch ein Spieler stand zwischen mir und dem Tor.
Ich tÀuschte rechts an und er ging einen Schritt mit.
Ich spielte mit dem rechten Fuß den Ball zwischen seine Beine doch er reagierte Blitzschnell und schob die Beine zusammen.
Er berĂŒhrte den Ball mit der Hacke und legte Ihn mir genau Links in den Lauf.
Ich hörte Ihn noch fluchen und trat mit voller Wucht Vollspann gegen den Ball.
Im ersten Augenblick, dachte ich er wĂŒrde am Tor vorbeifliegen doch wie in Zeitlupe drehte sich das Leder noch in den Winkel. Mein Atem stockte.
Der Torwart musste sich verdammt lang machen.
Er sprang, griff ĂŒber, streckte den Arm und mit den Fingerspitzen kam er an den Ball.
Doch der Schuss war zu feste und er konnte Ihn nicht von seiner Flugbahn ablenken und
der Ball landete im Tor.
Ich fiel auf die Knie, riss die Arme in die Höhe und auf einmal lag ich unter einem Berg
jubelnder Jamaikaner.
Noch Minuten spÀter, lag ich am Boden, immer noch Luft ringend , als eine schwarzer Hand sich nach mir streckte.
Ich ergriff sie und Bobby half mir wieder auf die Beine und legte mir seinen Arm um die Schultern.
„It was a great Shoot !! C’mon now guy, let’s smoke some Ganja !” sagte er und schenkte mir noch einmal sein einzigartiges LĂ€cheln.
Wir tranken gekĂŒhlten Tee und rauchten Grass, dass mir schwindelig wurde.
Bobby kramte seine Gitarre raus und fing an zu spielen und zu singen.
Ich war dermaßen dicht, dass ich nur noch die Musik wahrnahm.
SpĂ€ter erfuhr ich von King, dass Bobby eigentlich Bob Marley heiße und der angesagteste Reggae Musiker der Stadt sei. Ich konnte mit dem Begriff Reggae nicht all zu viel anfangen, nahm es aber mit einem Bewunderungsnicken zu Kenntnis.
Als ich wieder einigermaßen klar denken konnte, blickte ich auf meine Uhr.
Es war schon kurz nach Sechs, also Zeit sich auf den Weg zu machen.
Ich bedankte mich bei Bobby, fĂŒr den netten Nachmittag.
Er zwinkerte mir kurz zu und sagte : „Football is Friendship !!“
Er lehnte sich zurĂŒck in seinen Korbstuhl und zog genĂŒsslich an seinem Joint.


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:nemo

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