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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Termin
Eingestellt am 16. 01. 2014 10:37


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arielleira
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2014

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Ich starrte angespannt auf den Sekundenzeiger der alten, grauen Bahnhofsuhr. Wenn ich k├Ânnte w├╝rde ich ihn am liebsten anhalten. Die Zeit stoppen, zur├╝ck spulen zu dem Zeitpunkt an dem ich den Termin zu dem ich gerade fuhr absagen. Menschen mit versteinerten, gelangweilten und abwesenden Gesichtern eilten an mir vorbei, rempelten mich an und versuchten mich aus ihrer Laufrichtung zu dr├Ąngen. Doch ich blieb stehen, mitten in der Eingangshalle des K├Âlner Hauptbahnhofs. Zugegeben hatte ich mir einen denkbar schlechten Zeitpunkt ausgesucht um im Get├╝mmel w├Ąhrend der Rushhourer einfach stehen zu bleiben.

Ich wendete meinen Blick ab, blickte um mich herum auf der Suche nach einem aufmunterndes L├Ącheln, eine nette Geste oder ein freundliches Gesicht. Nichts. Nur ein grauer Haufen. Ich stiefelte zum Bahnsteig. In meinem Kopf schwirrten tausend Gedanken um ein und die gleiche Sache: Mein Termin. Verunsichert und nerv├Âs kramte ich oben am Bahnsteig in meiner Tasche nach meinen Zigaretten. Ich hatte sie schon stunden zuvor penibel genau gepackt, nicht wollte ich dem Zufall ├╝berlassen, nichts wollte ich vergessen.

Eigentlich hatte ich vor Wochen mit dem Rauchen aufgeh├Ârt. Das gef├╝hlt hundertste Mal. Das letzte Mal war ich ziemlich sicher endlich davon losgekommen zu sein doch ich habe es wieder nicht durch gezogen. Gierig zog ich ein paar Mal hintereinander an der Zigarette auf der Hoffnung der Qualm w├╝rde auch meine Gedanken vernebeln. Diesen Gefallen g├Ânnte er mir jedoch nicht. Ich malte mir alle nur erdenklichen Szenerien aus, legte mir S├Ątze parat, verinnerlichte mir meinen falschen Lebenslauf, meine erfunden Hobbies und Vorlieben.

Der Zug erhielt Einfahrt. Nun gab es kein Zur├╝ck mehr. Ich musste einsteigen. Ich hatte den Termin zugesagt und konnte ihn so kurzfristig auf keinen Fall absagen. Gleichzeitig wollte ich es auch nicht. Es reizte mich und ich brauchte das Geld. Ich war mit meiner Miete schon zwei Monate im Verzug und die n├Ąchsten Rechnungen w├╝rden auch in ein paar Tagen meinen Briefkasten erreichen. Ich stieg ein.

Beunruhigt und aufgel├Âst lie├č ich mich auf meinen Sitz am Fenster fallen. Die Bahn war voll. Hektisch unterhielt sich das P├Ąrchen welches mir gegen├╝ber sa├č lautstark ├╝ber Nichtigkeiten. Sie regte sich ├╝ber ihren Mitbewohner auf, da er nie den Toilettendeckel runter klappte. Wenn sie w├╝sste mit welch Problemen ich mich gerade rumschlage w├╝rde sie sich mit Sicherheit erschie├čen. Vielleicht w├╝rde eine wie sie sich auch nie in solch eine prek├Ąre Lage begeben. Ich tat es. Ob ich es bereuen w├╝rde dessen war ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Versunken in meine verstrickten Gedanken musterte ich die triste Landschaft. Die Zeit schien nicht verstreichen zu wollen.

Nach drei├čig endlos erscheinenden Minuten erreichte ich D├╝sseldorf. Ich redete mir gut zu, versuchte meinen Puls zu kontrollieren, einen klaren Gedanken zu fassen, mich zu konzentrieren. Aussichtslos. Meine Beine zitterten, nur mit M├╝he konnte ich in meinen Pumps auf dem unebenen Boden gerade aus laufen. Mein Herz pochte mir bis zum Hals als ich in das Taxi einstieg. Noch hatte ich eine M├Âglichkeit dem alten Herren am Steuer eine andere Adresse zu nennen. Die entsetzliche Musik die aus den l├Ąngst ├╝berholten Lautsprechern ert├Ânte raubte mir meinen letzten Nerv. ÔÇ×Da musst du jetzt durch!ÔÇť murmelte ich vor mich hin.

Ich ├╝berpr├╝fte mein Make-up, richtete meine Frisur zurecht, zupfte meinen Rock zurecht, ordnete meinen Tascheninhalt, las mir die belanglosen Posts in Facebook durch, kaute hektisch auf meinem Kaugummi und starrte apathisch zwischen den beiden Sitzen durch die Windschutzscheibe ins verregnete Grau. Meine Nervosit├Ąt brachte mich noch um. Ich war aufgeregter als vor meiner Abiturpr├╝fung. Nichts konnte mich nun mehr beruhigen. Nichts aufmuntern.

Der Taxifahrer stoppte abrupt.

ÔÇ×Wir sind da! 7,90 ÔéČ macht das. Brauchste ne Quittung?ÔÇť fragte er mich und drehte sich zu mir um.

ÔÇ×Das packste schon!ÔÇť f├╝gte er hinzu. Ihm schienen meine aufgeregten Bewegungen nicht entgangen zu sein. Ich reichte ihm einen zehn Euro Schein.

ÔÇ×Danke!ÔÇť, mehr brachte ich nicht heraus.

Unbeholfen stieg ich in meinem engen kurzen Bleistiftrock aus, schloss die T├╝r und st├Âckelte ├╝ber das Kopfsteinpflaster des Vorplatzes zur ├╝berdimensional gro├čen Eingangst├╝r des Hotels. Ich f├╝hlte mich wie versteinert, v├Âllig gef├╝hls- und emotionslos. Da war ich nun. Das Hotel wurde anscheinend erst vor kurzen auf den neusten Stand gebracht, sehr moderne Wandgestaltung und interessante Dekorationen schm├╝ckten den Eingangsbereich. Ich lief r├╝ber zur Bar und setzte mich ans Fenster an einen abgelegen Tisch.

Um mich abzulenken studierte ich die Getr├Ąnkekarte. Eine interessante Auswahl an Cocktails, Longdrinks, Bieren, Wein und Spirituosen. Ich hob meinen Kopf und da stand er. Er musste es sein. Die Bar war vollkommen leer und ich merkte in seiner Art mich anzusehen, dass er mich von meinen Fotos her auch erkannt. Sein dunkelbraunes Haar war glatt zur Seite gek├Ąmmt, seine braunen Augen l├Ąchelten m├╝de und in seinem perfekt passenden Anzug kam er auf mich zu.

ÔÇ×Du musst Alicia sein, oder?ÔÇť fragte er mich w├Ąhrenddessen er mich von oben bis unten musterte.

ÔÇ×Die bin ich!ÔÇť

ÔÇ×Sch├Ân dass es doch so spontan noch geklappt hat mit uns. Ich bin Klaus. Du kannst mich auch Klausi nennen wenn du magst. Wollen wir schnell das gesch├Ąftliche regeln bevor wir uns entspannt vergn├╝gen k├Ânnen?ÔÇť

Er reichte mir einen wei├čen Briefumschlag. Ich z├Ąhlte den Stapel aus f├╝nfzig Euroscheinen. Es stimmte. Soviel war also ein Abend in der Bar und Erotik auf dem Hotelzimmer mit mir wert. Ersch├╝ttert brachte mich diese Tatsache auf den Boden der Realit├Ąt zur├╝ck. Das war nun ab heute mein neues Leben, mein neuer Job, mein neues Geheimnis.

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