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Der Terrorismus hat denen, die ihn bekämpfen schon längst seine Logik aufgezwungen
Eingestellt am 19. 12. 2011 08:50


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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Rezension zu:

Yishai Sarid, Limassol, Piper 2011, ISBN 978-3-492-27242-1

Dieser Roman des ehemaligen Nachrichtenoffiziers der israelischen Armee und heutigen Rechtsanwaltes Yishai Sarid führt den von der ersten Seite an gebannten Leser hinein in eine Welt, in der der Terror und die Gewalt alltäglich geworden sind. In einer im Verlauf des Buches immer bedrückender werdenden Geschichte begleitet er seine Protagonisten einen Sommer lang von Jerusalem über Tel Aviv bis nach Limassol auf Zypern.

Der ich - erzählende israelische Geheimdienstler ist seit Jahren auf die Aufdeckung von Selbstmordattentaten spezialisiert. Seine Schilderungen des Innenlebens des israelischen Geheimdienstapparates, die Verhöre und die verzweifelten Versuche von ihm und seinen Kollegen, sich nicht der Gewalt ihrer Gegner anzupassen ("Für Juden gelten Menschenrechte", sagt sein orthodox-gläubiger Chef einmal), sind harter Tobak. Und dennoch haben sie immer wieder keine andere Möglichkeit, wollen sie Attentate verhindern. Das, was vor Jahren vielleicht als "Szenario der tickenden Bombe" als Ausnahme zeitweise die Folterdebatte unter den Juristen nach 9/11 bestimmte, in Israel ist das alltägliche Normalität. Und das vorliegende Buch ist ein literarisches Zeugnis von der einzigen Demokratie im Nahen Osten und seiner reichen Kultur. Das Ausmaß an Korruption, an Gewalt und Verzweiflung ist hier auch nicht größer als etwa in anderen westlichen Ländern.

Unser Erzähler erhält eines Tages einen Geheimauftrag. Über die Schriftstellerin Daphna soll er einen Kontakt herstellen zu einem todkranken Dichter im Gazastreifen, dessen Sohn wahrscheinlich einen verheerenden Anschlag plant. Er gibt sich aus als Investmentbanker, der für ein eigenes Buch bei Daphna sozusagen Stunden in Literatur nehmen will. Mit jedem Besuch bei ihr fühlt er sich zu der beeindruckenden Schriftstellerin näher hingezogen und gerät über seinen Auftrag mehr und mehr in Zweifel. Dennoch gelingt es ihm, das Vertrauen des alten Dichters zu erschleichen, der seinem radikalen Sohn vorschwärmt, endlich habe er einmal einen Juden kennen gelernt, dem man vertrauen könne, was die israelischen Geheimdienstler in der Abhörzentrale zu Lachstürmen hinreißt. Als die Handlung sich im zypriotischen Limassol zuspitzt, steht der Erzähler vor der schwersten Entscheidung seines Lebens....

Eine der wichtigsten Botschaften des Buches ist, dass der Terrorismus denen, die ihn bekämpfen schon längst seine Logik aufgezwungen hat. Doch es gab auch andere Zeiten, die vor allen Daphna immer wieder beschwört und die sich wie Strahl der Hoffnung auf eine andere Zukunft durch das Buch ziehen. Zeiten, in denen Israelis nach Gaza an den Strand fahren konnten oder palästinensische Dichter in Tel Aviv Lesungen veranstalteten. "Eines Tages fallen die Zäune, und wir werden vereint sein", sagt Daphna zum Ich-Erzähler, was auf diesen nicht ohne Eindruck bleibt.

Übrigens auch nicht auf den von diesem Buch beeindruckten Rezensenten.

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