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Leselupe.de > Gereimtes
Der Tod am Morgen
Eingestellt am 02. 12. 2001 01:42


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Illusions
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2001

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Mark erwachte aus dem Schlaf. Er hatte nur wenig geschlafen, seine JĂĽngste hatte ihn gegen 2 Uhr morgens unsanft aus dem Schlaf gerissen. Feli war ein sehr nettes Kind. Abgesehen davon dass sie nicht recht schlafen wollte, war sie ein ausserordenlich liebes und sanftes Kind.
Mark liebte seine Kinder. Martin war schulreif, 6 Jahre alt. Feli fast 3 Jahre alt. Er liebte seine Kinder ĂĽber alles!
Carmen, seine Ehefrau, war eine Perle. Eine Perle, die nur er gefunden hatte. Sie war eine perfekte Mutter und Hausfrau, er liebte sie. Er liebte sie mehr als alles andere auf der Welt. Vor drei Wochen hatten sie zusammen vor dem Fernseher verbracht, als sie ganz beiläufig erwähnte: „Dann haben wir bald drei Racker!“.
Mark war wie erstarrt. Was? Wie? Noch ein Kind?
Carmen lächelte und strich sich leicht und liebevoll über ihren Unterleib. Sie himmelte ihren Mann an.
„Es ist wahr.... wir bekommen noch ein Baby!“
Mark war ausser sich! Er fiel ihr fast ungestĂĽm um den Hals und gab ihr einen Riesenschmatzer.
„Carmen!“
„Gott! Ich freue mich so!
Mark war überglücklich, als er dies von Carmen erfuhr. Noch ein Baby! Gott, er hatte sich immer eine grosse Familie gewünscht! Jetzt war es soweit! Obwohl die Ärzte sagten, dass Carmen Schwierigkeiten haben könnte bei einer erneuten Schwangerschaft...dennoch...
Mark freute sich!
Noch ein Baby! Wie war das wundervoll! Noch so einen Wurm in Händen zu halten, was Carmens und sein Nachwuchs war! Er umarmte nochmals seine Frau und küsste sie zärtlich.
„Schatz.... das ist das schönste Geschenk, was du mir machen konntest...!“
Die Umarmung wollte nicht enden.
Mark wollte feiern! Eine Flasche Champagner stand noch unten im Keller, die holte er freudig aus den Tiefen des Kellers.
„Soll ich denn?“ Carmen war etwas skeptisch.
Und doch nippte sie an dem dargebotenem Glas, schaute Mark mit liebevollen Augen an und sagte: „Ich liebe dich....“
„Mark´s Antwort war wie immer: „Ich liebe dich doch auch.......... mehr als du ahnst....“
Mark und Carmen waren glĂĽcklich. sie liebten sich. Ein neues Leben wĂĽrde das Licht der Welt erblicken! Gott... wie glĂĽcklich sie waren!

Mark war noch mĂĽde. Felicitas hatte ihn heute gegen 5 Uhr geweckt. Sie hatte schlecht geschlafen. Er liebte Feli ĂĽber alles, sie war seine Tochter, nicht immer leicht zu ertragen, aber dennoch liebte er sie, auch wenn sie ihn schon manches Mal um den Schlaf gebrachte hatte.
Mark machte Frühstück. Wenn er schon einmal wach war, konnte er auch Frühstück machen. Martin war wach und machte sich für die Schule fertig, Feli schlief noch. Gott sei Dank, sie brauchte ihren Schlaf. Carmen war noch nicht wach. War ja auch klar, er hatte die Wecker abgestellt, damit seine Frau etwas länger schlafen konnte. Feli würde nicht vor 11 Uhr wach werden. Er versorgte Martin mit seinem Lunchpaket für die Schule. Mark hatte es eigentlich eilig in die Firma zu kommen, dann stand Carmen plötzlich in der Tür.
„Schatz....“
Mark sah seine Frau in der KĂĽchentĂĽre stehen. Sie war ziemlich verschlafen, aber sie wollte sich noch von Martin verabschieden. Ein flĂĽchtiger Kuss streifte dessen Wange, dann begab sich Martin zum Schulbus.
Mark sah seiner Frau in die Augen. Ihren blauen Augen strahlten ihn an.
„Ich muss los... Schatz... eine Bespechung ist angesagt um 10 Uhr. Da muss ich mich noch vorbereiten....“
Carmen nickte Mark zu.
„Ich weiss, Schatz... hast du gestern Abend schon erwähnt, dass du heute einen wichtigen Termin hast. Ich räume gleich hier auf... geh dich anziehen....“
Mark war froh, dass Carmen dies sagte. Er kleidete sich hastig an und eilte die Treppe hinunter in den Flur. Carmen stand wieder in der Küchentüre und lächelte ihn an. Dieses Lächeln verzauberte ihn immer wieder aufs Neue. Mark beugte sich noch sanft zu seiner Frau um ihr einen Kuss auf die Lippen zu hauchen.
„Ich liebe dich...“
Carmen´s liebevoller Blick traf den seinen.
„Deine Krawatte sitzt etwas schief... ich binde sie dir noch schnell...“ Mit flinken geschickten Fingern band ihm Carmen die Krawatte um. Ihre Blicken trafen sich wieder.
Mark musste sich von Carmens Blick losreissen, sonst würde er sich heillos verspäten. Er schnappte seinen Aktenkoffer, der im Gang stand und verschwand durch die Haustüre. Carmen folgte ihm zur Türe und winkte noch einmal zum Abschied.
„Machs gut, mein Schatz!“ waren ihre letzten Worte, die Mark vernahm. Er musste zur U-Bahn. Sein Zug ging um 7.24 Uhr. Er brauchte nicht lange um zur Wall Street zu gelangen. Die Fahrt dauerte ungefähr 10 Minuten. Mark hetzte die Stufen hinauf von der U-Bahn zu dem Platz vor dem World Trade Center. Um diese morgentliche Stunde war hier viel los. Viele Menschen strömten aus dem U-Bahnaufgang und verteilten sich auf einzelne Gebäude hier, die die Strassen säumten.
Mark hatte es nicht weit bis zum Nordturm des World Trade Centers. Wenige Minuten Gehzeit trennte ihn von seiner Arbeitsstätte. Er betrat den Haupteingang des Nordturms und begab sich zu den Fahrstühlen.
Er musste nicht lange warten. Der Aufzug kam innerhalb von einer Minute in der Eingangshalle an. Mit mehreren Angestellten des Centers betrat er den Lift. Jeder drĂĽckte ein anderes Stockwerk.
Mark musste bis in den 105. Stock, seine Firma hatte dort ihr Domizil. Der Aufzug hielt in einigen Stockwerken, die Angestellten, die in diesem Gebäude arbeiteten strömten allmählich aus dem Aufzug. Mark war der Letzte, der sich im Aufzug befand. 105. Stock. Er war angekommen. Er betrat die Flure seiner Computerfirma. Hier war er fast wie zu Hause. Mark liebte seinen Beruf, für diese Firma gab er alles.
Seinen Arbeitsplatz in einem der geräumigen Eckbüros liebte er schon sehr. Die Aussicht hier war einmalig. Nach Norden und Osten hatte er einen guten Blick über die Stadt New York. Diesen Blick genoss er jeden Morgen.
Mark betrat sein BĂĽro. Hier war alles so wie er es gestern verlassen hatte, nur die Abfalleimer waren geleert worden. Als Mark sich an seinen Arbeitsplatz setzte, kam ihm Carmen in den Sinn, ihr Bild stand neben dem Computer. Liebevoll betrachtete er das Antlitz seiner Gattin auf dem Bild, dann widmete er sich seiner Arbeit.
Mark arbeitete schnell und präzise, das verhalf ihm schnell zu einem Posten als Abteilungsleiter. Seine Mitarbeiter waren in einem Grossraumbüro untergebracht, das an sein Büro grenzte. Er kannte alle Mitarbeiter, ihre Schwächen und ihre Stärken. Er war ein guter Menschenkenner, deswegen und auch wegen seines Wissens über Computertechnik hatte ihm diesen Posten verschafft, den er gerne ausübte. Er war sowohl mit der Organisation betraut worden, als auch mit seinem technischen Wissen inovativ tätig werden zu können.
Mark rief als Erstes seine Email Box auf. Es waren manche ausländische Korrespondenzen zu tätigen, als er sich ins Büro begab um bei einigen Mitarbeitern nachzufragen, wie es denn so liefe. Er schlenderte durch die Reihen der einzelnen Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter.
Es war 8.28 Uhr, als eine unbeschreibliche ErschĂĽtterung das World Trade Center zum Wanken brachte.
Mark war gerade dabei einige Daten bei Mrs. Finn zu ĂĽberprĂĽfen, als diese von ihrem Stuhl emporschnelle und sich an Mark klammerte.
Ein ohrenbetäubender Knall folgte sekundenschnell dieser Erschütterung.
Die Angestellten schrien. Das Gemäuer wurde erschüttert von einer Art Explosion. Keiner wusste was passiert war.
Mark bewahrte Ruhe. Er wusste nicht was geschehen war, er wusste nur, dass er einen kĂĽhlen Kopf bewahren musste.
Viele seiner Untergebenen rannten zu den Fenstern um etwas sehen zu können. Rauch umwallte das World Trade Center.
„Was ist denn bloss passiert?“ durchfuhr es Mark. Auch er begab sich zu einem der Fenster und blickte hinaus. Rauchschwaden zogen an den Fenstern vorbei, er konnte sich das nicht erklären. Was war denn passiert? Ein Erdbeben? Nein....das konnte nicht sein. Diese schwarzen dicken Rauchschwaden, die er sehen konnte, sprachen nicht für ein Erdbeben. Es musste eine Explosion gegeben haben in den unteren Stockwerken.
„Raus hier!“ schrie Mark, der ahnte, dass etwas Schreckliches passiert sein musste.
„Zu den Nottreppen, alle.... schnell!“ schrie er.
Jeder Mitarbeiter konnte spüren, dass hier etwas Schreckliches passiert sein musste. Einige rannten zu den Nottreppen, andere verharrten wie hypnotiert an ihren Arbeitsplätzen, konnten sich nicht bewegen. Glas zersplitterte, die Fenster barsten. Schreie wurden laut.
Es wurde heiss hier. Rauch quoll aus Ritzen, die nie zuvor vorhanden waren, benahmen einem den Atem. Dichter, beissender Qualm erfüllte das Grossraumbüro. Risse in den Wänden machten sich breit, man konnte förmlich sehen, wie sich Spalten im Beton bildeten.
„RAUS HIER!“ schrie Mark, er sah Mrs. Finn, die immer noch an einen der Fenster stand und weinte.
„Ich will raus hier!“ kreischte sie, als Mark zu ihr gelangen wollte.
„Ich sehe es! Unter uns ist alles zerstört! Wir kommen nicht mehr raus hier! Helft uns!“ schrie Mrs. Finn hysterisch.
„Wir haben keine Chance mehr!“ ihr Kreischen ging in ein Geheule über. Mark konnte nicht zu ihr ihr gelangen, der beissende Rauch benahm ihm den Atem. Er musste schnellstmöglich zu den Nottreppen gelangen. Das war seine letzte Rettung.
„Mrs. Finn! Kommen Sie! Wir müssen weg hier!“ hustend zog er sich zurück. Musste sich zurückziehen, sonst wäre er von diesen Rauchdämpfen erstickt worden.
Mrs. Finn weinte vor sich hin, sah, dass das World Trade Center in der Höhe des neunzigsten Stockwerks bis zum hundertsten Stockwerk vollkommen zerstört worden war. Sie war wie von Sinnen.
Mark versuchte noch vom Eingang der Nottreppe aus, sie zum Handeln zu bewegen. Vergebens. Mrs. Finn war nicht mehr Herr ihrer Sinne. Plötzlich zersplitterte das Glas vor ihren Augen, spickte Mrs. Finns Gesicht und ihren Körper mit kleinen Glassplittern. Benommen wankte sie nach hinten. Wie in Trance, was für eine Kraft sie weitertrieb, konnte Mark nicht erklären, Mrs. Finn stolperte wieder auf das zerborstene Fenster zu, lehnte sich hinaus.
„HELFT MIR!“ schrie sie hinaus in den blauen Morgen. Niemand konnte sie hören. Dafür waren sie zu hoch.
Weinkrämpfe liessen Mrs. Finns Körper erbeben. Sie war wie von Sinnen.
„Ich will nicht sterben!“ schrie sie hinaus, Tränen vermischt mit Blut rannen über ihre Wangen. Mark schrie in den Qualm hinein, der seine Sicht einschränkte.
„Mrs. Finn! Kommen sie! KOMMEN SIE! WIR MÜSSEN RAUS HIER!“
Sie hörte nicht. Sie beugte sich über die Fenstereinfassung. Wie in Zeitlupe sah Mark, was nun geschah.
Mrs. Finn liess sich fallen. Unendlich langsam kippte ihr Körper nach vorne und verschwand vor Marks Augen.
„Gott, Mrs. Finn!“
„...... Ich konnte ihr nicht mehr helfen.....“

Mark sah diese schreckliche Szene noch vor seinem geistigen Auge, versuchte dies so schnell wie möglich zu verarbeiten, bevor er die Nottreppe hinunterhetzte.
„Gott.... wie furchtbar....“ durchfuhr es ihn.
Mehrere Angestellte rannten die Nottreppe hinunter, die sich im Inneren des Gebäudes nach unten wand. Vor ihm war Mrs. Hopper, eine Angestellte seiner Firma. Schnell und zügig ging seine Sachbearbeiterin vor ihm die Stufen hinunter. Auch hier war der dichte Rauch bereits eingedrungen, machte das Atmen schwer. Die Gruppe der Angestellten vor ihm kam ins stocken.
„Was war jetzt?“ durchfuhr es Mark.
Er bahnte sich durch die Angestellten einen Weg nach vorne. Er hustete stark, der Rauch quoll in beissenden Schwaden empor aus dem Loch, das nun vor seinen FĂĽssen klaffte.
Die Leute um ihn herum schrien vor Verzweiflung. Die Treppe vor ihm war wie abgeschnitten, ein grosses Loch, aus dem dichter Rauch quoll, lag vor ihm.
„Wir kommen nicht weiter! Wir werden sterben....“ Hilflose Rufe waren zu hören. Einige der Personen drehten sich um und liefen die Treppen wieder hinauf.
„Bleibt hier, dort oben werdet ihr ersticken! Wir müssen weiter hinunter!“
Mark liess sich seine Angst nicht anmerken. Irgendwie musste es eine Möglichkeit geben, hier durch den Schacht der Nottreppen hinunterzugelangen. Nur Wie? Er musste handeln und zwar schnell.
So schnell er konnte rannte er zurĂĽck in das GrossraumbĂĽro seiner Firma. Er wusste, dass Mr. Finch ein begeisterter Bergsteiger war. Ein Seil hatte diesem einmal das Leben gerettet in den Anden. Dieses bewahrte er in seinem Schreibtisch auf und hĂĽtete es wie seinen Augapfel. Das brauchte er jetzt.
Mark hetzte durch den dichter werdenden Rauch an Mr. Finch´s Arbeitsplatz. Gott sei Dank musste dieser das hier nicht miterleben, Mr. Finch befand sich auf den Seychellen im Urlaub.
Mark riss einige Schubladen von Mr. Finchs Schreibtisch auf, er wusste nicht, wo sich das Seil befand. Der beissende Rauch erfüllte die Luft des Büros. Mark musste immer wieder husten, was seine Suchaktion beeinträchtigte. Er suchte weiter.

******
Carmen war gerade am FrĂĽhstĂĽcken. Ein Glas frischgepresser Orangensaft stand vor ihr, zwei Marmeladentoasts lagen vor ihr auf dem Teller. GenĂĽsslich trank sie den Orangensaft, den Mark ihr bereitet hatte.
Mark.... ihr Mann war ein Juwel! So liebevoll und verständnisvoll konnte selten ein Mann sein. Sie seufze tief, denn ihre Gefühle für Mark waren überwältigend. Liebe.... konnte man nicht beschreiben, sie war einfach da. Allein der Gedanke an Mark liess Carmen ihre Augen schliessen und sie spürte dieses warmes Gefühl in ihr. Unbeschreiblich.
Carmen öffnete wieder ihre Augen und nahm einen Schluck Orangensaft zu sich. Dieser schmeckte einfach göttlich! Ein Bissen von ihrem Marmeladentoast spendete ihr Kraft, genussvoll verspeiste sie ihren ersten Toast.
Sie sah die Nachrichten, die gerade im Fernsehen liefen. Es war nichts Besonderes los, die Börsenwerte interessierten sie eigentlich noch nie. Mit halben Auge und Ohr verfolgte sie die Nachrichten.
Carmen genoss ihr FrĂĽhstĂĽck. Sie fĂĽhlte sich wundervoll.... sie wĂĽrde wieder ein Baby bekommen! Sie freute sich so sehr auf das Baby, denn es war ein Kind der Liebe. Wie die Zwei anderen auch.
„Wir unterbrechen unsere Nachrichten wegen einer Sondersendung....“ konnte Carmen im Hintergrund wahrnehmen.
„Was war denn wieder passiert?“ dachte Carmen. „Wieder die Israelis, die in den Gazastreifen eingefallen sind und die Palästinenser beschossen haben?“
„Die werden nie Ruhe geben....“
Carmens Überlegungen wurden jäh unterbrochen.
„Ein Flugzeug ist in das World Trade Center geflogen.... ein schrecklicher Unfall hat sich ereignet...“
Carmen erstarrte.
„WAS???“
Sie sah auf die grauenvollen Bilder, die gesendet wurden. Das World Trade Center wies ein riesiges Loch auf, dort wo sich das neunzigste Stockwerk befand. Bis hin zum hundertsten Stockwerk war auf einer Seite des Gebäudes die Fassade durchstossen worden. Dichter schwarzgrauer Qualm umwaberte das World Trade Center.
„Gott!!!! Mark!!!!!“ Carmen konnte an nichts anderes mehr denken. Wie gebannt sass sie vor dem kleinen Fernseher in die Küche und konnte sich das Geschehene nicht erklären. Sie hatte Angst. Angst um Mark.
„Gott!!! Raus da!“ waren ihre ersten Gedanken. Sie zitterte am ganzen Leib.
„Mark!“
Sie wusste, dass ihr Mann im 105. Stock arbeitete.
„Renn` Mark!“ waren ihre einzigen Gedanken. Instinktiv wusste Carmen, dass sich hier eine Katastrophe anbahnen würde.
„Gott!!!“ Carmens nahm nichts mehr war. Sie sah nur noch gebannt auf die Bilder, die das
Fernsehen bot.
„Das kann doch nicht wahr sein!“ dieser Gedanke war der Einzige, den Carmen klar denken konnte, ihre Angst liess sie keuchend auf den Bildschirm starren.
„MARK!!!!“ Carmen schrie den Namen ihres Mannes.

*******

Mark fand das Seil in der unteren Schublade von Mr. Finch´s Schreibtisch. Es war fein säuberlich zusammengerollt. Der dichte Qualm reizte ihn immer wieder zum Husten. Quälender Hustenreiz verfolgte ihn die Nottreppe hinunter bis an das klaffende Loch. Nur wenige Angestellte des Centers waren noch anwesend. Mrs. Hopper sass auf einer der unteren Stufen der Treppe und weinte bitterlich. Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen, resignierte.
„Mark suchte nach einer Möglichkeit, das Seil anzubringen. Das Einzigste was einigermassen Halt bot, war das Treppengeländer. Aber wo sollte er das Seil anbringen?
Flammen schlugen ihm aus dem Loch unter ihm entgegen.
„Wie sollte man jemals durch diese Flammen gelangen?“ durchfuhr es ihm.
„Egal..... ich muss es versuchen.... sonst sterben wir hier!“
Mark´s Gedanken spielten verrückt. Er sah sich schon brennen in den Flammen unter ihm.
NEIN! Er musste diese Gedanken aus seinem Gehirn vertreiben. Es MUSSTE eine Möglichkeit geben, durch den Rauch und die Flammen zu gelangen! Es waren ca. 10 Stockwerke, die zu überbrücken waren. Das musste zu schaffen sein!
Mark vertäute das Seil an eine der Streben des Geländers, die sich etwas oberhalb des Loches vor ihm befanden.
Wenn man schnell war, konnte es klappen!
„Mrs. Hopper!“ Mark sprach seine Angestellte an.
Mrs. Hopper sah ihn mit ungläubigen Augen an.
„Ich werde das Seil hinunterlassen, sie werden sich schnell hinunterhangeln an diesem Seil, verstanden?“
Mrs. Hopper starrte Mark an.
Sie schĂĽttelte ihren Kopf.
„Ich kann nicht....“
Mark packte sie am Arm und zerrte sie zu dem Loch unter ihnen.
„Oh doch, sie können!“
„Das ist die einzige Chance, die wir haben! Wir müssen weiter hinunter!“
Mrs. Hopper sah in die Flammen unter ihr. Sie hustete stark, der Rauch war zu stark.
„Sie wollen doch nicht sagen, dass ich durch dieses Flammenmeer durchmuss?“ sie begann hysterisch zu lachen an.
Mark schlug ihr hart ins Gesicht.
„ SIE WERDEN JETZT AN DIESEM VERDAMMTEN SEIL NACH UNTEN KLETTERN, VERSTANDEN?
Marks Stimme ĂĽberschlug sich.
Mrs. Hopper starrte ihn an. Ungläubig schaute sie in das rauchende Loch unter ihr. Flammen schlugen fast bis zu ihr hoch.
Mark erklärte in kurzen Worten Mrs. Hopper was er vor hatte.
„Mrs. Hopper, ich möchte dass sie sich an diesem Seil hinablassen.“
Mrs. Hopper sah ihn an, als ob er verrückt geworden wäre.
„Ich soll mich durch diese Hitze und Flammen abseilen? Keiner weiss was unter uns ist!“
Mark konnte Mrs. Hopper irgendwie verstehen, auch er wĂĽrde stutzig werden, wenn jemand soetwas von ihm verlangen wĂĽrde.
„Mrs. Hopper....“
„Claire... nennen Sie mich Claire....“ unterbrach sie ihn.
„Okay Claire...... wenn ich das Seil den Nottreppenschacht hinunterlasse, dann muss alles sehr schnell gehen. Wir müssen durch die Flammen unter uns durch. Ich weiss nicht, wie lange das Seil den Flammen standhalten wird, aber wir haben keine andere Möglichkeit. Wir MÜSSEN in die unteren Stockwerke gelangen, hier haben wir keine Chance zu überleben!“
Claire wusste, dass Mark Recht hatte.
„Mr. Stretten....“
„Scheissen Sie auf Mr. Stretten........ ich heisse Mark..... wo wir schon bei den Vornamen sind. Claire... das ist unsere einzige Chance diesem Inferno zu entfliehen!“
Eine leichte Explosion unter ihnen liess beide zurückweichen. Flammen und Rauch schlugen ihnen ins Gesicht, die Hitze wurde langsam unerträglich.
„Das ist doch hirnrissig!“ Claire musste wieder husten.
„Wie sollen wir wissen, dass wir dort unten irgendwo ankommen werden? Vorher sind wir doch verbrannt!“ Claire presste ihre Hände vor ihrem Mund um den Hustenreiz zu unterdrücken, was ihr nur schwer gelang.
„Das ist doch jetzt egal, Claire! Entweder wir beide versuchen durch diese Flammen zu gelangen oder wir ersticken hier!“
Claire sah Mark in die Augen.
Er hatte Recht.
„Okay...“
Mark erklärte Claire seinen Plan. Wenn das Seil erst einmal nach unten hing, dann musste alles sehr schnell gehen. Zuerst würde Claire sich abseilen, dann Mark, der ihr unmittelbar folgen würde.
„Wird das Seil halten, Mark?“ Claire sah in zweifelnd an.
„Ich weiss es nicht Claire... ich hoffe es....“ Marks Augen bargen eine gewisse Hoffnungslosigkeit, aber auch einen starken Willen zu überleben.
Claire richtete sich auf so gut es ging.
„Gut... versuchen wir es, eine andere Möglichkeit haben wir nicht.“
„Ich werde nun das Seil hinunterlassen, Claire.... halten Sie sich bereit.“
Claire sah wie Mark das Seil in das klaffende Loch unter ihnen warf.
„LOS!“
Claire griff nach dem Seil und liess sich daran hinab. Schnell glitt das Seil durch ihre Hände. Die wahnsinnige Hitze um sie herum benahm ihr den Atem. Hitze und Feuer waren um sie, sie spürte, wie ihre Haut versengte. Unbeschreiblicher Schmerz erfüllte ihren Körper. Das Seil..... sie musste raus hier aus dieser Hölle!
Claire konnte nicht mehr, sie liess das Seil los. Schreiend fiel sie in die Tiefe. Der Schmerz ihres verbrannten Körpers liess sie fast bewusstlos werden, dann schlug sie auf etwas Festem auf. Weitere Schmerzen durchzuckten ihren Körper. Sie keuchte heftig vor Schmerz und Schock.
Ein Körper fiel hart neben ihr zu Boden. Es war Mark. Die Reste des Seils verpufften fast vor ihren Augen.
Auch Mark hatte sich schlimmste Verbrennungen zugezogen, aber sein eiserner Wille zum Ăśberleben liess ihn mĂĽhsam aufstehen.
Beide befanden sich nun unter dem Flammenherd. Sie hatten es geschafft.
„Claire? Alles okay?“ erkundigte sich Mark.
Claire wollte einfach nur liegenbleiben wo sie war. Sie war zu schwach um sich zu bewegen.
„CLAIRE! Was ist mit Ihnen?“
Flammen schlugen aus dem Loch des Nottreppensystems ĂĽber ihnen. Hier war der beissende Rauch nicht so stark wie in den oberen Etagen.
„Claire verdammt! Wir müssen weiter!“ Mark versuchte Claire weiterzuzerren. Claire konnte sich nicht mehr bewegen, auch wenn sie wollte, ihre Muskeln bewegten sich nicht mehr. Hilflos sah sie Mark in seine Augen, eine Träne löste sich aus ihrem Auge, floss über ihre Wange wie in Zeitlupe. Weitere Tränen folgten.
„Mark...“
„Was ist Claire?“ Mark erkannte, dass hier etwas nicht stimmte.
„Ich kann mich nicht bewegen....“
Mark sah Claire an. Sie lag verdreht auf dem Boden. Ihre Beine schienen gebrochen zu sein, den Aufprall aus grosser Höhe hatten ihre Beine nicht standhalten können.
MĂĽhsam versuchte sie ihren Kopf zu drehen. Es gelang Claire nicht.
„Mark... ich werde sterben, ich weiss es....“
Mark presste seine Lippen aufeinander. Das war nicht fair! Claire.... Gott! Wie konnte er ihr nur helfen?
„Gehen Sie nach unten, Mark....“ Claires Stimme brach. Sie keuchte noch einmal, dann war es zu Ende. Claire war tot. Vermutlich war ihr Rückgrat gebrochen. Mark wusste es nicht.
Er stand vor Claires Leiche und weinte. Er hätte sie retten wollen, verdammt! Er konnte nicht wissen, dass Claire das Seil zu früh losgelassen hatte... aus Schmerz und Angst. Nun lag sie vor ihm. Tot.
Gott.... wenn du da bist, dann hilf mir!
Tränen der Hilflosigkeit sammelten sich in Marks Augen, liefen über seine Wangen.
„Gott? Was soll ich tun?“ waren seine Gedanken, als er neben der Leiche von Claire kniete. Diese verdammte Hitze war fast nicht mehr zu ertragen. Ein instinktiver Gedanke trieb ihn weiter. Er musste weiter... weiter nach unten um zu überleben.
MĂĽhsam hetzte er weiter die Nottreppe hinunter so schnell er konnte. Seine Haut spannte und brannte vor Schmerzen aber er musste weiter. Wie betrunken lief er die Stufen hinunter.

„Hilfe...!“
Ein Hilfeschrei drang an sein Ohr. Er sah auf die Wände vor ihm. 85. ster Stock war auf den Wänden zu sehen. Ein Blick zur Seite durch eine Türe liess ihn anhalten. Hier war ein weiteres Grossraumbüro. Dieses Stockwerk war total zerstört. Dennoch hörte er Hilferufe.
Mark konnte nicht weitergehen, er musste herausfinden, wer da um Hilfe schrie. Auch hier in diesem Stockwerk waren die Rauchschwaden eingedrungen. Trümmerteile des Gebäudes waren hier eingebrochen und übersähten das Büro. Weiter hinten konnte Mark einen Mann ausmachen, der am Boden lag. Betonbruchstücke hatten diesen Mann fast unter sich begraben. Sein Oberkörper war zu sehen, nicht aber seine Beine.
„Helft mir!“ schrie dieser, seine Angst und seine Schmerzen liessen dessen Stimme erzittern, resigniert, denn er konnte sich kaum noch bewegen.
Mark sah auf Anhieb, dass er hier nicht helfen konnte. Solche Trümmerteile des Gebäudes konnte er nicht bewegen. Er sah diesen Mann und wusste, er musste ihn zurücklassen. Er konnte ihm nicht helfen.
Traurig begab er sich wieder zu den Nottreppen, hetzte weiter nach unten, versuchte seine Schmerzen zu unterdrĂĽcken um nicht stehenzubleiben, er musste einfach weiter nach unten!
Die Brandwunden schmerzten so sehr, dass er fast ohnmächtig wurde.
Plötzlich konnte Mark einen gedämpften Knall wahrnehmen. Das Gebäude erzitterte leicht. Die Wände schwankten leicht. Erneut konnte er das Zersplittern von Glas hören. Irgendetwas musste geschehen sein. Eine weitere Explosion?

******

Carmen sass wie gebannt am Küchentisch und konnte es noch immer nicht begreifen, wie ein Flugzeug in das World Trade Center steuern konnte. Wie war das möglich bei der heutigen Technik?
Plötzlich kam ein weiteres Flugzeug in den Blickfeld der Kamera. Carmen konnte die Kurve sehen, die dieses Flugzeug beschrieb. Mit ungeheurer Geschwindigkeit steuerte dieses Flugzeug auf den Südturm des World Trade Centers zu. Wie gelähmt sass Carmen vor dem Bildschirm. Sie stiess einen Schrei aus, als sie die folgenden Bilder im CNN sah. Ein weiteres Fluzeug krachte in den Südturm des World Trade Centers. DAS war kein Zufall mehr! Das war ein kalt berechnetes Attentat! Diese Gedanken schossen ihr wie ein Messerstich in ihre Gedanken. Das war so ungeheuerlich!
Begreifen konnte sie dies nicht, nicht jetzt. Wie erstarrt verfolgte sie die Bilder auf dem Bildschirm vor ihr. Das was sie sah, war so unvorstellbar....
Carmen schüttelte ihren Kopf wie in Trance, gefangen von den Bildern die sie sah. Tränen rannen über ihr Gesicht, sie nahm es nicht einmal wahr. Gebannt verfolgte sie die Bilder, die über den Bildschirm flimmerten. Der Nordturm des World Trade Centers brannte, ebenso nun der Südturm.
„Gott! Das konnte nicht wahr sein!“
„Sie versuchte sich vage vorzustellen, wie es den Menschen im World Trade Center ergehen musste. Was war mit den Menschen, die in den obersten Stockwerken gefangen waren? Wie Mark.....
Carmen dachte diesem Gedanken nicht zu Ende, sie wusste instinktiv, dass es fast unmöglich war aus dem 105. Stock zu fliehen.... Mark....... oh Gott!
Sie betete.... musste beten.... ihre Angst war so überwältigend, dass sie fast ihren Verstand verlor. Mark vor Augen betete sie zu Gott, was sollte sie tun?
„Ja natürlich! Sie musste wissen, was mit Mark los war! Eilig begab sie sich zum Telefon und wählte Marks Handynummer.

********

Mark schleppte sich gerade am Geländer entlang, als er einen ohrenbetäubenden Lärm über sich hören konnte. Dumpfe Aufprallgeräusche, wie als ob Beton auf Beton stürzen würde, waren zu hören. Ein Blick in die Büroräume, an denen er gerade vorbei kam, liess ihn erstarren. Die Decke dieses Stockwerks drohte einzustürzen! Risse waren zu sehen, die sich langsam bildeten und immer grösser wurden.
„Gott! Das Gebäude wird einstürzen!“ Mark sah entsetzt auf das Geschehen.
Plötzlich klingelte sein Handy. Mark zuckte zusammen vor Schreck. Dieses Klingeln erschien ihn sehr weit weg, der Schock, den die massiven Verbrennungen nach sich zogen beeinträchtigten sein Wahrnehmungsvermögen. Keuchend hielt er sich nahe der offenen Feuerschutztüre an das Geländer und griff zu seinem Gürtel, wo seitlich sein Handy angebracht war.
„Carmen....?
„MARK!!!! Gott sei Dank! Du lebst....“
Mark konnte die unendliche Erleichterung seiner Frau in ihrer Stimme hören.
„Wo bist du Mark? Ich habe hier Todesängste ausgestanden!“
Marks Stimme wurde schleppend.
„Carmen... Schatz... ich bin jetzt auf Etage 84....“ er keuchte.
„Ich bin stark verletzt.... aber ich schaffe das schon.... nur noch ein paar Stockwerke, dann bin ich draussen. Hier wird alles einstürzen, ich weiss nicht ob ich es schnell genug schaffe... ich liebe dich Carmen... bis in alle Ewigkeit....“ dann beendete Mark das Gespräch.
Genau in diesem Augenblick krachte unweit neben ihm in diesem Büro die Decke herunter. Staub und Schutt folgten den Betontrümmern. Mark hustete sich die Lunge aus dem Leib. Er konnte durch die geöffnete Feuerschutztüre erkennen, wie die Decke in sich zusammenfiel. Der Boden wurde erschüttert, aber das Stockwerk hielt.
Staub und Qualm legte sich ĂĽber Marks Brandwunden, er spĂĽrte es kaum mehr, der Schock liess ihn kaum noch Schmerzen spĂĽren. Mit der Decke krachten auch die Flammen tiefer. Feuerherde machten dieses Stockwerk binnen Sekunden zu einem Flammenmeer. Eine total verkohlte Leiche krachte durch die Decke und landete fĂĽnf Meter neben Mark auf dem Boden, wo diese auseinanderbrach. Weitere Leichenteile fielen durch die einstĂĽrzende Decke, die entweder total verkohlt waren oder grotesk wirkend in die Flammen fielen. Mark musste seinen Blick abwenden. Ăśbelkeit stieg in ihm hoch.
Er musste weiter! Er konnte hier nicht verharren und mitansehen, wie alles einstĂĽrzen wĂĽrde.
Mühsam stützte er sich auf das Geländer und hetzte so schnell er es vermochte die Nottreppe hinunter.
„Schneller!“ Mark trieb sich zur Eile an. Er konnte nicht einmal mehr sagen, in welchem Stockwerk er sich befand, er ging einfach weiter die Treppen hinunter, die sich im Zickzack nach unten schlängelten. Er traf einen bewusstlosen Mann auf der Notreppe, er lag einfach so auf den Treppenstufen. Mark versuchte diesen Mann aufzurichten, aber dieser reagierte nicht. Verwundert stellte Mark fest, als er diesen Körper in die Höhe zerren wollte, dass dessen Kopf seltsam zur Seite gekippt war. Dieser Mann war nicht bewusstlos, er war tot!
„Scheisse! Wahrscheinlich ist er gefallen in der Panik...“
Mark liess den leblosen Körper wieder auf die Stufen gleiten, er konnte sich nicht mit Toten belasten.
Weiter... er musste weiter...
Unendlich langsam kam er sich vor. Er MUSSTE es schaffen!
„In welchem Stockwerk bin ich eigentlich?“ durchfuhr es Mark. Er wusste es nicht. Er hatte Probleme sich zu konzentrieren. Beim nächsten Stockwerk achte ich darauf. Er konnte nicht sagen, ob er gleich die Zahlen wargenommen hatte, oder ob das schon ein paar Stockwerke her war, jedenfalls befand er sich nun auf Stockwerk 57.
„Die Stufen würden wohl nie enden....“ Mark drehte bald durch. Er sah nur noch Stufen. Immer die selben Stufen. Er kam nicht vorwärts! Er ging auf der Stelle!
Mark blieb kurz stehen. Atmete kurz durch, soweit er es noch vermochte.
„Ruhig bleiben, das ist eine Täuschung, Mark...“ Mark nahm sich zusammen. Er musste weiter!
Er hetzte weiter nach unten.
Plötzlich erzitterte das Gebäude. Mark konnte sich das nicht erklären. Weit oberhalb von ihm gab es Erschütterungen. Ein Grollen war zu hören was schnell näher kam. Eine Druckwelle erreichte Mark, die von oben kam, führte Staubpartikel mit sich und auch die Hitze. Die Wände vibrierten.
„Was passiert denn jetzt?“ war Marks letzter Gedanke als er in die Tiefe gerissen wurde. Er nahm nur noch wahr, dass sich die Welt um ihn herum aufzulösen schien. Dann war es dunkel um ihn.

*******

Carmen hatte den Hörer ihres schnurlosen Telefons neben sich am Frühstückstisch liegen. CNN zeigte diese grausamen Bilder. Beide Türme des World Trade Centers standen in Flammen. Der Nachrichtensprecher war geschockt, das konnte man deutlich erkennen. Spekulationen über die Verursacher dieses Anschlages wurden laut. Rauch umhüllte das World Trade Center, beide Türme standen in Flammen. Die Kamera schwenkte nach oben. Carmens Augen weiteten sich angsterfüllt.
„Oh Gott!!! NEIN!!!!!!“
Die oberen Stockwerke des Nordturms des World Trade Centers gaben den Massen nach, krachten zuerst unendlich langsam in die darunterliegenden Stockwerke. Stockwerk um Stockwerk wurde eliminiert, die Katastrophe war nicht mehr aufzuhalten. Das World Trade Center stürzte ein. Unmengen von Staub machten sich auf den Strassen breit. Die Menschen liefen um ihr Leben, die sich in der Nähe des Gebäudes aufhielten. Schreie, überall waren Schreie zu hören.
Carmen zitterte am ganzen Leib. Sie war wie gelähmt. Sie weinte tonlose Tränen, konnte nur verstört auf den Bildschirm starren und begriff nicht, was passiert war. Sie wusste, es war kein Film, aber sie wünschte sich, dass es ein Film sei. Minuten vergingen in dieser Starre. Der Südturm stürzte ein. Sie sah es nicht einmal mehr, die Tränen benahmen ihre Sicht. Weinkrämpfe liessen Carmen erstarren.
„MARK!!!“ sie schrie ihren unsagbaren Schmerz hinaus.
Das Handy... das Handy! Sie zitterte so stark, dass sie die Tasten nicht mehr bedienen konnte.
Sie versuchte sich die Tränen aus den Augen zu wischen. Sie musste Mark errreichen! Irgendwie!
Sie tippte seine Handynummer.
Nichts.
Wieder versuchte sie es.
Nichts.
Und noch einmal.
Nichts.
Stille, nur das Tuten war zu hören. Nach zehn Klingeltönen schaltete sich die Mailbox ein.
„Sie sind verbunden mit der Mailbox von Mark Stetten....“
Carmen zitterte am ganzen Leib. Ihre Finger umschlossen den tragbaren Hörer.
„Mark.....MARK!!!!!!“ ihr Schrei verhallte in der Küche als sie bewusstlos zu Boden glitt.


Nachwort

Diese Geschichte habe ich verfasst in dem Angedenken an die Opfer, die bei dem schrecklichen Anschlag auf das World Trade Centers ums Leben gekommen sind. Helfer wie auch Angestellte sind bei diesem Terrorakt zu Tode gekommen.
Solche Bilder kann man nur schwer verarbeiten.
Die einzige Möglichkeit, die mir blieb ist die Tatsache, dass ich meine Gedanken aufschreibe. Nur so kann ich mich damit auseinandersetzen.
Tränen waren die Begleiter dieser Geschichte und auch das Lied....

Only Time...... von Enya....

(c) Sabine Buchmann 2001

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