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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Tod einer Frau
Eingestellt am 29. 07. 2012 11:08


Autor
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J├╝rgen Pfeiffer
Hobbydichter
Registriert: Jul 2012

Werke: 1
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Hannah schlief schlecht. Schon am Tag war es nicht immer leicht, ihren Gedankenspr├╝ngen zu folgen. Der Arzt sagte: \"Sie sucht etwas. Will vielleicht herausfinden, was unsere Welt zusammenh├Ąlt.\"

Und dieses Suchen, schien Hannah in ihrer Traumwelt fortzusetzen. Die Wogen ihrer Vergangenheit gingen hoch ├╝ber sie hinweg. Schlugen ein anderes Mal als wilde Brecher erbarmungslos ├╝ber ihr zusammen. Sp├╝lten ihr Schifflein fast bis zum n├Ąchtlichen Mond. Und schleuderten es schlie├člich zur├╝ck, gegen die Klippen ihres gehabten Lebens.

Boris lag neben ihr. Oft wach.

Was soll ich nur machen. Wenn ich sie wecke, bleibt sie immer noch einige Minuten unter dem Eindruck ihrer Reise zum Mond. Und wenn sie dann wieder einschl├Ąft, beginnt alles von vorne. Da kann nur der Doktor helfen.

\"Reden Sie mit ihr ...!\", lautete sein Vorschlag. \"Vielleicht tr├Ągt sie eine schwere innere Last.\"

Nun war Boris nat├╝rlich kein Seelenkr├Ąmer.

Vielleicht f├Ąnde ich bei mir was. Aber in einer weiblichen Seele ...? Das ist ganz unwiderruflich Doktorarbeit.

\"Welcher Felsbrocken liegt auf deiner Brust?\", begann Boris trotzdem eines Tages Hannah zu fragen.

\"Ich mache mir Sorgen um die Zukunft\", gestand Hannah ├Ąngstlich. \"Es ist alles so nebelig, dunstig, unheimlich und d├╝ster.\"

Boris verstand, was seine Frau sagte. Oft hatte er schon beobachtet, wie sie vor dem Zubettgehen in Panik vor dem Bett stand. So ÔÇô als f├╝rchte sie sich vor etwas Schlimmen, dass ihr dort passieren k├Ânnte.

In den folgenden Tagen war Hannah wie ausgewechselt. Keine Anzeichen einer Depression mehr. Bei Unterhaltungen auch keine Gedankenspr├╝nge. Und Nachts ÔÇô ruhiger, tiefer Atem. Kein Herumw├Ąlzen. Kein Aufstehen. Und kein Herumlaufen, w├Ąhrend einer hellen Mondnacht.

Sollte mein kurzes Gespr├Ąch mit meiner Frau dies alles schon bewirkt haben? Dann w├Ąre ich ja ein super geiler, unbezahlbarer, hochbegabter Frauenversteher. Vielleicht eine neue Gesch├Ąftsidee ...?

Doch dann geschah Unerwartetes. Tagelang hatte Hannah keinen Appetit. Sie verweigerte jeglich Nahrung. Und verlor so rapide an Gewicht, dass sich Boris ernsthaft Sorgen machte.

Da Hannah aber in der Vergangenheit schon ├Âfters solche Symptome gezeigt hatte, glaubte Boris, sie k├Ânnten abwarten. Ein falscher Glaube. Ein fataler Irrglaube.

Die Nacht deckte Hannah und Boris mit ihrem dunkeln Mantel zu. Der kommende Morgen fand die beiden leblos. Hannah noch ├╝ber Boris gebeugt, als h├Ątte sie die Absicht gehabt, sich mit einem letzten Kuss von ihrem Mann f├╝r immer zu verabschieden.

┬ę J├╝rgen Pfeiffer

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