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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Tod eines Clowns
Eingestellt am 09. 11. 2004 11:05


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Badfinger
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2004

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DER TOD EINES CLOWNS


Ich sah ihn in der Straße stehen, sah seine Augen im Weiß der Maske und konnte nicht verstehen, was geschah. Ich erinnere mich noch an jenen Tag, da ich den Clown sterben sah. Es war ein heißer Sommertag und ich zerrte an der Hand meiner Mutter, wĂ€hrend sie versuchte die Auslagen des ModegeschĂ€ftes zu betrachten. Es war alles so verwirrend. Sahen die Leute nicht was ich sah?

Er stand dort, von einer Traube Kindern umringt, die ihn anspukten, da er sich nicht rĂŒhrte. Ich konnte es nicht fassen. Mit meinen sieben oder acht Jahren, schien ich zu verstehen, dass dies ein Zeichen der bösen Welt war, die mich dort erwartete, wo Mutter und Vater nicht um mich wachten. So sah ich also hinĂŒber zu dem Clown, dem Gesicht, mit dem gezwungenen LĂ€cheln und der Knollennase, deren lustiger Charme gebrochen war, als eines der Kinder damit begann gegen das Schienbein des Clowns zu treten.

Ich wusste, ein Clown war genauso wie der Weihnachtsmann, ein Erwachsener. Wie konnten sie ihn schlagen, treten und bespucken? Was hatte er getan?

Ich riss mich von meiner Mutter los. Sie sah mir nach, glaube ich, aber dann war ihr Interesse schon wieder verschwunden. Wahrscheinlich, weil sie dachte, da ist ein Clown, der mich ablenken wĂŒrde. Unser Leben war auch nicht so sicher wie ich immer glaubte, und jetzt da ich hier in der Kneipe sitze und mich an den Clown erinnere, der an diesem Tag starb, dessen Mission des Lachens mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen getreten wurde, rinnen mir die TrĂ€nen ĂŒber die Wangen. FĂŒr mich war jener Sommertag das dunkle Erwachen und der Zeitpunkt, da ich begriff, dass Andere glĂŒcklich zu machen, Aufopferung bedeutete.

So war ich also hingerannt und stand dennoch weit ab von den bösen Kindern. Was hatte der Clown in ihnen zum Erwachen gebracht? Die Maske, deren Weiß im Sommerlicht fasst glĂŒhte, schien niemals mit dem LĂ€cheln aufzuhören, doch ich sah, dass der Clown schon lĂ€ngst des LĂ€chelns nicht mehr fĂ€hig war. Sie spuckten ihn an, rissen an den Luftballons, deren FĂ€den lustlos auf und ab zuckten. Der Clown bewegte sich nicht und schien dort wie eine Figur in Stein gehauen zu verharren.

„Was soll das!?“, schrie ich. Die Kinder beachteten mich nicht. Genauso die vorbeistolzierenden Passanten. Da lief ein alter Herr mit Brille an mir vorbei, der mich kurz anlĂ€chelte. Wie war das zu verstehen? Sahen sie nicht, dass der Clown starb? Ich konnte es spĂŒren, wie seine lustige Ader versiegte! Seine TrĂ€nen hatte er wohl jeden Abend im dunklen KĂ€mmerlein vergossen. Das durfte nicht sein!

Ich zwĂ€ngte mich durch den Pulk der Raufbolde. Vor dem Clown postierte ich mich und alles was geschah, schien so verrĂŒckt, dass mir mit jedem Gedanken an jenem Tag, nur noch mehr TrĂ€nen ĂŒber die Wangen rinnen. Das Bier in meinen HĂ€nden vermag mich nicht mehr zu befreien. Ich weiß, es ist vorbei.

Einer der Raufbolde, ein Rotschopf, mit einer Schramme ĂŒber der Nase, begann sich nun auf mich zu stĂŒrzen. Mit erhobenen FĂ€usten, einem Mike Tyson markierend, kam er auf mich zu.

„Hey, willst paar auf die Fresse?“ Ich verzog keine Miene.

Die Kinder bildeten noch immer einen Halbkreis. Manche lachten, andere krakelten, und vereinzelt sah ich Verwunderung in den Gesichtern geschrieben.

„Lass ihn in Ruhe, er ist ein Clown!“, beharrte ich.

Kichern folgte und dann der erste Schlag. Ich wich aus, so gut ich konnte, doch traf mich der Hieb am Kinn. Ich schrie nicht, sondern versuchte zu lĂ€cheln. Plötzlich kam mir die Idee, dass ich dem Clown nur zeigen musste, wie man lĂ€chelt, da mit er wieder den Mut dazu aufbrachte. Erneut holte der Rotschopf aus, dieses Mal lachte ich lauthals, als seine Faust die andere Wange streifte. Der Schmerz schien bedeutungslos. Ich war niemals einer dieser Racker gewesen, die auf Schulhöfen austeilten. Vielmehr der unscheinbare Junge in der Menge. Doch an diesem Tag, bekam ich das erste Mal richtig Dresche. Wenn ich bedenke, dass ich lachte und kicherte mit jedem Schlag, kann ich nur noch mĂŒde grinsen.

Andere begannen an diesem Spiel Gefallen zu finden und halfen mir blaue Veilchen auf die Haut zu zaubern. Das ging jedoch nicht mehr lange, denn dann plötzlich sackte der Clown hinter mir zusammen. Er atmete schnell und auf den Wangen sah ich TrĂ€nen, die das Weiß der Maske schwĂ€chten, bis die lederne Haut des Alten darunter durchschimmerte.

Die Kinder hielten inne, denn
 Der Clown, er sagte etwas, dass ich nie richtig verstand. Ich will glauben dass er mir dankte, will hoffen, dass ich wirklich verstand, was er fĂŒhlte. Wenn nicht, dann bin auch ich bald ein Clown, der stirbt. Vielleicht schon morgen, denn das Lachen hat in dieser Welt kaum noch Platz.

Die Worte waren vielleicht: Danke fĂŒr den Spaß, den wir hatten. Oder einfach: Auf Wiedersehen 


Ich weiß es nicht. Nur dass er dennoch, als das Klopfen seines Herzens sich der Stille des Todes fĂŒgte, lĂ€chelte. Seine Hand mit den Luftballons erschlaffte und sie zogen davon, in die Welt hinaus. Vielleicht, so hoffte ich irgendwie, wĂŒrden andere Clowns auf dieser Welt dadurch wissen, dass einer seine Mission beendet hatte.

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BeAngeled
???
Registriert: Aug 2004

Werke: 5
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Sprachlich finde ich die Geschichte wirklich stark ĂŒberarbeitungsbedĂŒrftig - einige Formulierungen passen gar nicht, was bei dem guten Ansatz eigentlich schade ist.

und der Knollennase, deren lustiger Charme gebrochen war, als eines der Kinder damit begann gegen das Schienbein des Clowns zu treten.
Was hat die Nase unmittelbar mit dem Tritt gegen das Schienbein zu tun?

Genauso die vorbeistolzierenden Passanten. Da lief ein alter Herr mit Brille an mir vorbei ...
Stolziert oder lĂ€uft er? Warum sollten die Passanten ĂŒberhaupt stolzieren? Wenn man sieht, wie Jemand geschlagen oder bespuckt wird, verdrĂŒckt man sich entweder ganz schnell oder aber greift ein.

und vereinzelt sah ich Verwunderung in den Gesichtern geschrieben.
"in die Gesichter geschrieben" oder "in den Gesichtern stehen"

Seine Hand mit den Luftballons erschlaffte und sie zogen davon, in die Welt hinaus.
Fliegen Luftballons nicht eher, als dass sie ziehen?

Der Unterschied zwischen "dass" und "das" sollte zudem bekannt sein - wenn man eben jenes "dass" durch dieses, jenes oder welches ersetzen kann, wird es nur mit einem "s" geschrieben.
Mag sein, dass ich pingelig bin, aber ich empfinde es beim Lesen als störend, stĂ€ndig ĂŒber darĂŒber zu stolpern.

Gruß, BA
__________________
Well do you ever get the feeling,
that the story’s too damn real and in the present tense? (J. T.)

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