Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
82 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Der Tod is ein meister der Liebe
Eingestellt am 02. 07. 2003 05:22


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Tabasco
gesperrt
???

Registriert: Mar 2001

Werke: 53
Kommentare: 60
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Der Tod ist ein Meister der Liebe


1.

Und plötzlich war da nichts mehr, was ich hÀtte atmen können. Alles schien mir gleich. Doch mocht ich stets Luftunterschiede, zwischen abends, morgens, warm und weich. Jetzt war alles Funken dessen, was Genuss versprochen hatte, lÀhmte mich, vergas mich schweigend, in eingestaubter HÀngematte. Und immer hoffte ich auf Sommer, die Matte aus dem Schrank zu kramen, sie aufzuhÀngen zwischen BÀumen, zu denen auch die Vögel kamen, um vor der Hitze Schatten zu suchen.
Noch bevor ich diesen Suchtgedanken zu sehr auf mich wirken lies, sah ich mich, wie ich auch jenen zur HĂ€ngematte im Wandschrank stieß, ohne einen Blick zu riskieren, wie viele meiner kleinen WĂŒnsche bereits im Schrank vor sich hinvegetieren. Fragt sich was noch nötig ist, damit ich dem ein Ende setze oder wunderlicher Weise vielleicht auch neue Dinge schĂ€tze, die ich bisher noch nicht sah.


2.

Wie theatralisch, wie trĂ€nendrĂŒsen-drĂŒckend, in Selbstmitleid zerfließend. Und das ohne jene Form von Schuld, sich schuldlos selbst erschießend. ZurĂŒck bleibt „ich“, bleibt „du“ und sonst noch wer. Und beide vermissen wir ihn sehr. Wenn der Pfarrer dann die Worte spricht, werden wir uns erstmals sehen, wie werden erste Worte wechseln und werden versuchen es zu verstehen. Wir telefonieren hin und wieder, verziert in unsere Trauer gehĂŒllt und reden weiter ĂŒber das Sterben, das meistens unsre GesprĂ€che erfĂŒllt, zwischen unbegabtem Schweigen.
Nach ein paar Wochen kommst du zum Kaffee vorbei und wir versuchen’s einmal anders, lachen, albern, Blicke tauschen. FĂŒhlt komisch, doch ich kann das! Ein erster Kuss, eine Nacht bei mir, eine bei dir und öffentliches Outen. Und plötzlich findet jeder gut, was wir machen, dass wir uns lieben und dass wir uns trauten, es zuzugeben.
FĂŒr uns beide zĂ€hlt eigentlich nur, dass wir uns gefunden haben, dass der Lauf der Dinge so ist wie er ist. Und schweigend denken wir im Innern, „Danke dass du gestorben bist“.


3.

Noch vor 4 Wochen dachte ich nicht, dass ich mich so vergessen kann, und nicht nur mich, nein auch den Mann, den ich einst liebte, immer noch liebe und frage mich nun, ob es auch richtig ist, was wir hier tun. Ist es nicht vielleicht auch so, dass wir uns in TrĂ€ume saugen, uns gegenseitig Liebe schenken, um noch nicht daran zu glauben, dass er niemals wieder kommt? Doch Angst, dass er uns niederbombt, wenn er nur wĂŒsste, wie ich dich kĂŒsste. Und wĂ€re GlĂŒck nur Illusion, genieß ich es und kenn es schon, aus lĂ€ngst vergangnen Tagen, als ich und er auch glĂŒcklich waren, so wie wir beide hier im Jetzt.


4.

Der Tod ist nicht schwierig, man kann ihn erklÀren. Ist man geboren, versucht man zu wehren, was jeden von uns ereilen wird.
Ein Mensch der lebt, er sinnt, er spinnt, er klammert sich, an irgendwas, kennt Liebe und Hass, weiß dies und das und jede Erinnerung, die ihn einst prĂ€gte, wird mit ihm sterben, wenn er nichts sĂ€hte, was nach ihm noch vom Nutzen ist.
Der Tod hat viele Eigenschaften. Verantwortung ist keine davon, selbst dann nicht, wenn Kinder ins Leben gekomm’, denn am Ende ist niemand des anderen Licht und wenn du gelebt hast, vergisst man dich nicht. Es gibt keine Lebenserhaltungspflicht. Und Schicht fĂŒr Schicht wĂ€chst Generation aus dem was nur ein Leben war. Es werden viele, verkettet, umwoben, vernetzend, verwirrend, doch eines ist klar: Sind hinter und vor dir bereits alle weg, sind irgendwo anders schon Neulinge da. In einigen wirst du wen wiedererkennen, andere wirst du neu kennenlernen, noch fremde Personen werde PlĂ€tze einnehmen, von denen du dachtest, dass sie ewig leer wĂ€ren. An einem bedeutungslosen Tag wirst du selbst dann an der Reihe sein, wirst alles vergessen und schlĂ€fst wieder ein, als hĂ€ttest du nichts gesehen, als wĂ€re zwischen Geburt und Tod nie etwas geschehen.


5.

Ich habe mal eine Geschichte gelesen, von Menschen die sich auch nach dem Tod liebten, die sich in ihrer Zweisamkeit in einem neuen Leben wiegten, mit nichts gewesnem zu vergleichen.
Es war bestimmt ein MĂ€rchen, doch möchte ich dem gern glauben schenken. Ich möchte, dass die Wege des Todes mein Schicksal ebenso mĂ€rchenhaft lenken. Vielleicht fehlt mir der nötige Glaube, mit dem ich Geisterhand erlaube, mich Ă€hnlich besegnen, doch vorerst mĂŒsst ich erst einmal dem Menschen fĂŒr ewige Liebe begegnen. Letztendlich stellt sich dann die Frage, ob es falsch ist wenn ich sage, dass erst jemand sterben muss, fĂŒr einen erst gemeinten Kuss, der uns dann zusammenfĂŒhrt, und zuckersĂŒĂŸer Wolkentaumel die Trauer um den Verstorbenen schnĂŒrt. Bis dahin bleibt mir nur das Warten, denn morden kann ich nicht. Wie lange kann ein Mensch denn warten, bevor er an Einsamkeit zerbricht? Wenn Änderung nicht sichtlich wird und ich mich selbst nicht mehr ertrage, bin ich vielleicht der Todesfall mit Amors Liebesgabe, fĂŒr glĂŒckerfĂŒllte Paare. Solche die ich Lebenszeit stets mit Neid betrachtet habe.


Tabasco © 2003



__________________
LĂŒg

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe/r Tabasco


Warum schreibst du im Titel „is“ ohne t und „meister“ klein?

Überhaupt hab ich das gefĂŒhl, dass der text zwar sehr poetisch ist, aber doch eher in die rubrik „tagebuch“ passt.
Trotzdem. Ich hab ihn gelesen, obwohl das nicht immer leicht war.

Irgendwie find ich den Text schön und er berĂŒhrt mich. Die Gedanken sprechen mich an. Manche Bilder, die du zauberst, gehen mitten ins Herz.
Aber ich weiß nicht, ob die fehler, die darin vorkommen, absichtlich sind oder nachlĂ€ssig. Ich zĂ€hl dir mal ein paar stellen auf, die mich irritiert haben und auch vom inhalt abgelenkt haben, bzw. es mir schwer gemacht haben, mich auf den inhalt zu konzentrieren.


Doch mocht
Jetzt war alles Funken dessen...
vergas mich
lies
FĂŒhlt komisch
wenn er nichts sÀhte
mit dem ich Geisterhand erlaube, mich Àhnlich besegnen,
fĂŒr einen erst gemeinten Kuss,
Solche die ich Lebenszeit stets mit Neid betrachtet habe.

Ja. Das wars vorerst von
Der k.

Bearbeiten/Löschen    


lapismont
Foren-Redakteur
HĂ€ufig gelesener Autor

Registriert: Jul 2001

Werke: 215
Kommentare: 7574
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um lapismont eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Tabasco,

die K. hat scho Recht - es ist nicht so recht richtig im Poesie Forum.
Tagebuch - ich glaube es ist in Kurzgeschichten besser aufgehoben.
Wer sagt denn, das es persönlich ist?

Ich glaube, sÀte statt sÀhte in 4. wÀre korrekt?
Und Gewesenem wĂŒrde ich gross schreiben.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Experimentelle Lyrik Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!