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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Tod trennt nur zwei Welten
Eingestellt am 14. 09. 2001 00:52


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Frederick
Hobbydichter
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Fast ger├Ąuschlos glitt der letzte Nachtzug aus der Halle. Der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann. Er hatte sich eine Zigarette angez├╝ndet und starrte dem Zug nach, dessen rote Schlusslichter rasch kleiner wurden.
Aus einem schmalen Fenster, im hinteren Waggon des Zuges, winkte eine Frau ihm zu, bis sich ihre Konturen in der Finsternis verabschiedet hatte. Es war seine Tochter Clara, die sich von ihrem Vater Alfred unter Tr├Ąnen verabschiedet hatte. Er sp├╝hrte noch immer Claras innige Umarmung. Als seine Tr├Ąnen getrocknet waren, schweiften seine Augen vom Bahnsteig ab. Mit jedem erneuten Zigarettenzug genoss er den Geschmack des Todes, jedoch schien es ihm nicht zu ber├╝hren. Er war ger├╝stet f├╝r sein vorhersehbares Schicksal.
Seine schmalen Lippen pressten sich ein letztes Mal an den schwammigen Zigarettenfilter, bevor er den glimmenden Stummel auf den Bahnsteig schnippste. Eigentlich hatte sich Alfred das Rauchen vor vier Jahren abgew├Âhnt. Als jedoch seine Frau Anna zu Beginn des Jahres an den Folgen ihres t├╝ckischen Krebsleiden verstarb, verlor seinen Kampf um Leben, Sucht und Liebe. Seitdem ver├Ąnderte er sich zusehens zu Schlechten. Sein Haar war zerzaust. Ihm wuchs ein ungepflegter grauer Vollbart und seine Finger begannen sich vom Rauchen gelblich zu verf├Ąrben. Mit gesenktem Kopf verlie├č er die Bahnstation und schlurft mit seinem k├╝nstlichen H├╝ftgelenk durch nasskalte Stra├čen zu seine behaglichen Zweiraumwohnung.
"Hier soll ich mich nun auf meine letzten Tage `rumqu├Ąlen!?", dachte er.
Seit Annas Tod f├╝hlte sich Alfred krank und schwach. Doch er vertraute sich niemandem an. Doch mit seinen ├ängsten und Sorgen wollte er niemand anderen bel├Ąstigen.
Bis in den fr├╝hen Morgenstunden verharrte er in Gedanken. Immer wieder begab er sich zum K├╝chenfenster und blickte mit m├╝den Augen geradewegs auf den anliegenden Friedhof, wo er Anna die letzte Ehre erwiesen hatte.Inmitten emporragenden Eichen erinnert nur noch ein wei├čer Marmorstein an ein verg├Ąngliches Leben und unvergessliche Erinnerungen. Zwischen zwei wachenden Engelsgestalten zierten farbenpr├Ąchtige Blumenkr├Ąnze das Grab. Alfred Blicke versetzten ihn in l├Ąngst vergangene Zeiten. Als er seiner Frau das letzte Geleit gab, schwor er vor ihrem hellen Kiefersarg, ihr auf allen Wegen zu folgen. So wie damals, als sie zu st├╝rmischer Kriegszeit vor den Traualtar traten und sich das Ja-Wort gaben. Mit traurigen Augen starrte er auf den Ort der Ruhe und Besinnlichkeit. Unverdrossen hatter er damals f├╝r das Vaterland gek├Ąmpft. Er hatte schon oft in die Augen des Totes gestarrt, dennoch schlossen sich seine Augen einst nicht. Doch nun gab er aus freiem Herzen auf. Ein Wiederspruch, mit dem er selbst nicht klar kam. Geistesgegenw├Ąrtig ├Âffnete Alfred die K├╝chenschublade und zog ein blankes Messer heraus. Die spitze Messerklinge setzte er sich auf seine vom Atler gezeichnete Haut und dr├╝ckte sie leicht gegen die Brust. Eine Hemmung qu├Ąlte ihn.Pl├Âtzlich schob sich eine Quellwolke vor die Sonne. Alfred blickte zum klaren Himmel auf und nahm blass die Mondsichel am Firmament wahr. Da bemerkte er erneut, dass alles kommt und geht. Mit jedem Anfang folgt ein Ende - und sein Ende sollte mit dem heutigen Tag beschlossen sein. Alfred zerrte die Bibel aus seinem B├╝cherregal und zog den heiligen, in Gold gefassten Seiten einen handgeschriebenen Brief heraus. Es war sein Abschiedsbrief, den er nur wenige Tage nach Annas Tod in tiefster Trauer verfasst hatte. Er nahm den Brief, steckte ihn in ein wei├čes Kuvert und adressierte ihn an Clara. M├╝hsam st├╝tzte er sich vom K├╝chenstuhl auf, h├╝llte sich in seinen schwarzen Cordmantel und zog sich seinen Filzhut tief ins Gesicht. Gedankenlos schritt er zum Briefkasten; in seiner Hand eine rote Rose. Er warf den Brief in den Schlitz und folgte dem unwegsamen Pfad, bis hin zum menschenleeren Friedhof. Schweren Herzens durchschritt er das Eisen geschmiedete Gottestor.Schweigend kniete sich Alfred vor Annas Grabstein und strich mit zitternder Handfl├Ąche den gelben Bl├╝tenstaub von ihrem goldgravierten Namenszug. Er legte die langstielige Rose nieder. Sie galt als Symbol der ewigen Liebe. Mit geschlossenen Augen hielt er innere Zwiegespr├Ąche mit der Frau, mit der er f├╝nfzig Jahre verheiratet war. Alfred st├╝tzte sich am Grabstein auf und seufzte unter Tr├Ąnen: "Ich bin gleich bei dir!"
Fest zu seinem Vorhaben entschlossen, warf er ein Seil ├╝ber den Ast einer nebenstehender Eiche, die Annas Grabst├Ątte Schatten spendete. Alfred stieg auf einen losen Baumstumpf, legte sich die geformte Schlinge um den Hals und warf ein letzten Blick auf die Welt im irdischen Reich. Ein L├Ącheln umspielte seine Lippen. Er streckte seine Fu├čspitzen und stie├č mit aller Kraft den lockeren Baumstumpf um. Die Schlinge zog sich zu. Lautlos strampelte er mit seinen Beinen, bevor sein K├Ârper leblos am Strang baumelte.

Als Clara am n├Ąchsten Morgen den Abschiedsbrief unge├Âffnet in ihrer Hand hielt, ahnte sie Schlimmes. Ein Wechselbad der Gef├╝hle durchschoss ihren schm├Ąchtigen K├Ârper. Mit zitternden H├Ąnden ├Âffnete sie den Umschlag und entfaltete den Brief. Doch bevor sie zu lesen begann, schellte das Telefon im Korridor. Clara legte Alfreds Zeilen beiseite und nahm den H├Ârer ab. "Hier bei Maier." Eine be├Ąngstigenden Stille - doch dann meldete sich der Teilnehmer. "Hier spricht die Kriminalpolizei! Ich muss Ihnen eine traurige Nachricht ├╝bermitteln ..." Clara unterbrach ihn und seufzte: "Ich hab`s vermutet! Sie brauchen nicht weiter zu sprechen. Ich m├Âchte es von ihm pers├Ânlich erfahren!" Sie legte den H├Ârer auf, nahm den Brief und las gefasst seine Abschiedsworte:

Meine liebste Clara,
es lautet: In guten und in schlechten Zeiten -
bis das der Tod uns scheidet!
Jedoch ist eine Trennung nur von kurzer Dauer!
Ich werde jetzt, wenn Du diese Zeilen lie├čt,
bei Mutter sein und ihr beiseite stehen.
Bitte respektiere meine Entscheidung - Du musst es!
Ich werde immer bei Dir sein!
In ewiger Liebe - Dein Vater Alfred

Clara faltete den Brief zusammen. Tr├Ąnen der Trauer kullerten ihr ├╝ber die Wangen. Benommen ging sie zum Fenster
und blickte mit feuchten Augen dem wolkenvergangenen Himmel
entgegen. Dabei fl├╝sterte sie l├Ąchelnd: "Gott sei mit Euch!"
__________________
Frederick

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flammarion
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erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. ja, lieber frederick, das k├Ânnte eine sehr anr├╝hrende geschichte sein, wenn dir nicht so viele fehler unterlaufen w├Ąren. du verwechselst gern die f├Ąlle, dadurch verliert dein text an wirkung. auch k├Ânnte die sache noch ein klein wenig gestrafft werden, oder, wenn es ein schmalzkanten sein soll, etwas gestreckt. woher hat der mann eigentlich so pl├Âtzlich die langstielige rose und sp├Ąter den strick? nu ja. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Frederick
Hobbydichter
Registriert: Sep 2001

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Hallo flammarion, Danke f├╝r deine Kritik.
Habe gleich nochmal mein Text ├╝berarbeitet.

mfg
__________________
Frederick

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Ralph Ronneberger
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Hallo Frederick,

das ist nun schon die vierte oder f├╝nfte Kurzgeschichte (meine eigene inbegriffen) mit diesem mir wohlbekannten "Nachtzug-Anfang". (Die AAA l├Ą├čt gr├╝├čen) Es ist schon erstaunlich, welch unterschiedliche Geschichten sich aus diesem vorgegebenem Anfang entwickeln k├Ânnen. Eine Frage: Ist dieser Text schon von deinem Studienbetreuer durchgesehen worden? Wahrscheinlich nicht, denn sonst w├Ąren die bereits von flammarion genannten grammatikalischen Schnitzer nicht mehr drin. Sie hat meines Erachtens Recht, wenn sie meint, da├č dies eine anr├╝hrende Geschichte sein k├Ânnte. Ich m├Âchte mal die erw├Ąhnten grammatikalischen Fehler beiseite lassen und ein wenig auf Inhalt und Form eingehen.
Ein alter Mann, der durch den Verlust seiner Frau keinen Sinn im Leben mehr sieht, w├Ąhlt den Freitod, und Du begleitest ihn auf seinem Weg und schilderst seine Gedanken. Das ist OK. Was mir aufgefallen ist, das sind die stilistischen Mittel, die Du anwendest. Mir sind es ehrlich gesagt zu viele Klischees, die den Text oft schw├╝lstig erscheinen lassen. Manches m├╝├čte vielleicht auch klarer ausgedr├╝ckt oder erkl├Ąrt werden. Hier ein paar Beispiele.

"..., winkte eine Frau ihm zu, bis sich ihre Konturen in der Finsternis verabschiedet hatte. Es war seine Tochter Clara.."
das Wort verabschiedet erscheint mir unpassend. "aufl├Âsten", "verschwammen" oder so ├Ąhnlich h├Ątte mir besser gefallen.
"Mit jedem erneuten Zigarettenzug genoss er den Geschmack des Todes..." klingt zu aufgesetzt. Und das Wort "erneut" w├Ąre ganz ├╝berfl├╝ssig.,
"Mit gesenktem Kopf verlie├č er die Bahnstation und schlurfte mit seinem k├╝nstlichen H├╝ftgelenk durch nasskalte Stra├čen zu seine behaglichen Zweiraumwohnung."
Also: ich habe noch niemanden mit dem H├╝ftgelenk schlurfen sehen, h├Âchstens mit den F├╝├čen. La├č die H├╝fte weg, der Mann ist gestraft genug. Und bei der Stimmung, in der er ist, wird er wahrscheinlich auch seine Wohnung nicht gerade behaglich finden.
Vorschlag: Mit gesenktem Kopf verlie├č er die Bahnstation und schlurfte durch nasskalte Stra├čen zu seiner ihm l├Ąngst trist gewordenen Zweiraumwohnung. (Iss auch nicht optimal, aber vielleicht merkst Du, was ich meine)
"Unverdrossen hatte er damals f├╝r das Vaterland gek├Ąmpft. Er hatte schon oft in die Augen des Totes gestarrt, dennoch schlossen sich seine Augen einst nicht." Also dazu f├Ąllt mir nichts ein. Das ist einfach nur unertr├Ąglich.
Dies mag gen├╝gen. Mein Rat: Versuch so zu schreiben, wie es dir in den Sinn kommt, mit eigenen und auch einfachen Worten. Suche nicht krampfhaft nach einem Pathos, der hier in dieser Geschichte unecht, aufgesetzt und verkrampft wirkt. Das von dir gew├Ąhlte Thema ist nicht so ganz einfach zu bew├Ąltigen. Versuch es doch erst mal mit etwas leichterer Kost.

Gru├č Ralph


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Frederick
Hobbydichter
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Hallo Ralph

Vielen Dank f├╝r Deine Kritik!
Auf Deine Frage: Ob die Geschichte schon durchgesehen wurde? Ja, wurde sie!
Ich habe den Text absichtlich in der lupe ver├Âffentlicht um zu sehen wie die Kritik ausf├Ąllt. Man sollt sich also nicht zuuu sicher sein, dass alle Fehler von der AAA gefunden wurden.
Aber ansonsten bin ich mit allem sehr zufrieden.

Ich habe Deine Beispiele/Ratschlag ├╝berdacht und ich muss Dir recht geben. Ich werde sie in meinen n├Ąchsten Texten ber├╝cksichtigen.


MAN LERNT NIE AUS

Frederick
__________________
Frederick

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