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Leselupe.de > Ungereimtes
Der Träumer
Eingestellt am 17. 08. 2003 13:40


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

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Der Träumer

Der Schüler grübelt in Formeln
und freut sich auf die Pause.
Der Lehrer knickt ein Eselsohr,
markiert jede neue Flause.
Dem Strebenden stirbt der Finger ab.
Er verlernte den Blick nach unten.
Dem Faulen ist das Läuten schnurz.
Er denkt nur an brennende Lunten.

Und der Träumer stützt die Hand ins Kinn ...


Die Mutter streicht die Laken glatt,
und spart in engen Strümpfen.
Der Vater leckt seine Schwielenwunden,
ohne die Nase zu rümpfen.
Der Urahn schaut patriarchisch,
sprengte aber nie seinen Rahmen.
Das Kind unter seinen strengen Blicken,
versucht ihn grimassisch nachzuahmen.

Und der Träumer erkennt im Wünschen Sinn ...


Der Katholik beugt seine Knie,
und wartet so auf seinen Einen.
Der Jude zupft sich an der Locke,
arg bemüht, sich selbst zu einen.
Der Moslem ruft fordernd nach Ehre.
Mit Fleisch und Blut für Einigkeit!
Der Buddah hockt im Schneidersitz
und lächelt in die Ewigkeit.

Und den Träumer erfreut das Rund am Kreis ...


Der Realist ruft: "Alles Quatsch!",
und weint nachts in sein Kissen.
Der Idealist wundert sich empört,
dass wir nicht so wie er vermissen.
Der Weise aber kriecht ins Fass,
winkt Herrscher aus seinem Himmel.
Der Narr feixt Weisheit und wird geköpft.
Wie lachend rollt seine Kappenbimmel.

Und den Träumer freut, dass er nichts weiß ...


Der Fisch meint sich als Ursprung
und verfängt sich in einer Schlinge.
Der Affe plädiert für Neuanfang,
also, wenn's nach ihm jetzt ginge.
Der Vogel zwitschert unbeschwert,
dass nur der helle Tag was tauge.
Die Made, in der nächsten Nacht,
lutscht sich in sein totes Auge.

Und der Träumer schaut versonnen in die Höhe ...


Und der Nordwind,
der stöhnt klirrend.
Und der Südwind,
der schwitzt sirrend.
Und der Westwind,
besingt sich lobend.
Und der Ostwind,
der hört es tobend.

Und der Träumer genießt eine sanfte Böe ...


Die Winde streicheln die Berge,
fegen blank die Kronen,
nagen an den Felsen,
brutal und gierig, seit Jahrmillionen;
und sie reiben Stein an Stein,
der bis zum Mikrokorn verlischt,
bis der Letzte dieser Welt,
sich alte Berge aus den Augen wischt.

Der Träumer streckt die Glieder,
dreht sich um und schließt die Lider.
Er begnügt sich, ein glücklicher Idiot zu sein,
und schläft lächelnd hinter eig'nen Toren ein.

__________________
"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

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Bruno Bansen
Guest
Registriert: Not Yet

Träumer

Hi & guten Abend!

...schade, dieses Teil habe ich übersehen, aber es ist ja noch nicht zu spät.

Lieber Msrkus, das gefällt mir erheblich, sollte aber noch einer Endkontrolle deinerseits unterzogen werden. Als Sofortmaßnahme würde ich zettbeh, die "Träumerzeilen", also die letzte jeweils (9.) mit eienr Leerzeile von dem jeweiligen Verskörper trennen, was dann allerdings 2x Space zum nächsten Vers erfordert. Dann sollte in einem weiteren Arbeitsschritt es möglich sein, dein Versmuster aus dem 1. Vers auf die anderen zu übertragen, damit man glatter lesen kann.

Ich glaube, dann gewinnt die Sache überproportional an Klasse, so wie es jetzt dasteht, verliert's leider an Substanz.

Liebe Grüße

Bruno

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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

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Vieln Dank, Bruno, für deine "Layout-Vorschläge". Ich habe sie umgesetzt, zumal ich den Text zuerst genau so angeordnet hatte. Weiß auch nicht mehr, was mich dann geritten hat, es nicht zu machen.
Nun bin ich mal gespannt. Bisher hat "Der Träumer" noch nicht viel Kritik bekommen.
Mit literarischen Grüßen
Markus Veith
__________________
"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

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