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Leselupe.de > Gereimtes
Der Troll
Eingestellt am 14. 02. 2010 18:38


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viktor
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2007

Werke: 117
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Der Troll

In einer sanften Sommernacht
gezeugt - als Kind der Liebe -
war ihm die Sonne zugedacht,
die Schönheit wÀr durch ihn erwacht
in ungeheurer BlĂŒtenpracht,
auf dass sie ewig bliebe.

Doch seine Taufe war der Krieg
der unerlösten VÀter.
Nur den VerrÀtern bleibt der Sieg,
sodass sein Herz in Fesseln schwieg,
bevor sein Lied zum Himmel stieg
in freien, klaren Äther.

Das Lied ertrank in Bitternis
und erdenkalter Schwere.
Sein Herz fand keinen Kompromiss
und nach dem letzten Schlangenbiss
versteckte er sich als Narziss
vor seiner dunklen Leere.

So zog er lÀchelnd durch das Land
und liebte es, zu sprechen -
brillant, charmant und elegant,
doch es war SĂ€ure im Krokant,
denn nichts war ihm so amĂŒsant,
als Menschen zu zerbrechen.

Version vom 14. 02. 2010 18:38

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
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Hallo,Victor,

das ist Dir ausgezeichnet gelungen. Die Psychologen sind der Meinung, dass man genau das, was man in der Kindheit durchlitten hat als Erwachsener wieder an andere Menschen weitergibt.

Das gefĂ€llt mir sehr gut, wie Du beschreibst, auf welche Weise sich so etwas entwickelt. Wie unschuldsvoll und einzigartig schön der Mensch auf die Welt kommt und auf welche Weise er dann innerlich zugrunde geht, wenn er Erlebtes nicht verarbeiten kann. Welche Hilfen er sich macht, um ĂŒberhaupt ĂŒberleben zu können, und wie Du erst am Schluss "die Katze aus dem Sack" lĂ€sst, nĂ€mlich dass er nicht anders kann, als das Erlebte nun höchstselbst zu produzieren.

Chapeau!

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Paloma
???
Registriert: Aug 2002

Werke: 40
Kommentare: 461
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Hallo Victor,

wunderbar beschrieben vom unschuldigen Kind, dem die Welt offen stehen sollte, bis hin zum Monster, dessen grĂ¶ĂŸte Lust es ist, andere Menschen fertigzumachen ... und dennoch kann er eigentlich nichts dafĂŒr.

Hat mich sehr beeindruckt. Vielen Dank.

Liebe GrĂŒĂŸe
Paloma
__________________
Plot - POV - Pointe

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nokixe
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Viktor,
dein Gedicht ist von technischer Seite her perfekt aufgebaut und hat eine sehr interessante, fĂŒr mich ungewöhnliche Struktur: vierhebiger Jambus (1, 3, 4, 5. Z) und dreihebiger Jambus (2., 6. Z) auf weibliche Kadenzen endend. Tadellos! Von inhaltlicher Seite her bin ich mir aber nicht so ganz sicher, ob ich alles richtig verstanden habe.

1.Str: Geburt des Kindes, dem großen Chancen bevorstĂŒnden. Die Strophe hört sich fast romantisch an.
Aus der 2. Str. lese ich heraus, dass es mehrere AnwĂ€rter auf die Vaterschaft gab, was dem Gedicht gleich humorvolle, fast satirische ZĂŒge verleiht. Es geht also eher um eine Satire, und die 1. Str. soll nur durch die Idylle tĂ€uschen, damit ich in der 2. Str. ĂŒberrascht werde.
Was ich in der 2. Str. nicht verstehe: wen meinst du mit VerrĂ€ter? Du gehst in dem Gedicht darauf nicht weiter ein und lĂ€sst mich als Leser ziemlich verwirrt zurĂŒck.
Klar geht aus der 2. Str hervor., dass das Kind durch diese Vaterschafts-Quereleien negativ beeinflusst wurde. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein kleines Kind (sagen wir bis 1 Jahr alt, weil im ĂŒblichen Taufalter) kaum solche Spannungen wahrnehmen kann. Und ich kann mir auch sehr schwer vorstellen, dass eine Mutter es zulassen wĂŒrde, dass das Kind eine solche Situation in seiner Kindheit ertragen muss. Also entweder habe ich die 2. Str. nicht richtig verstanden, oder diese Strophe ist nicht ganz plastisch dargestellt. Sorry.
Aber gut, dass Kind wurde sauer.

3. Str.: Und wanderte mit dieser Bitternis bis ins Erwachsenenalter, und sang sein Liedchen, das voller Melancholie und Selbstmitleid war. In dieser Str. werden die Charaktereigenschaften des Kindes, mitunter inzwischen einer erwachsenen Person, gezeigt: Mangel an Kompromissbereitschaft und Verletzlichkeit.

4.Str. Conclusio: Aufgrund der vorher gezeigten HintergrĂŒnde zeigt nun die inzwischen erwachsene Person
die Neigung, seine eigene Bitternis den anderen Menschen heimzuzahlen. Dein Gedicht hat (in meinen Augen) einen Anflug von Humor in der 2. Str., der aber schnell verschwindet und so wird es in der 4. Str traurig, verbittert, sarkastisch.
Außerdem vermisse ich eine Verbindung zwischen der 3. U. 4. Str. Denn ich nehme an, wenn sich jemand verkriecht (3.Str), benötigt man eine lĂ€ngere Zeitspanne, bevor man weiter ziehen kann.

Deswegen hĂ€tte ich einen Vorschlag fĂŒr die 4. Str.:
"Danach zog er flink durch das Land."

Naja, lasse es dir durch den Kopf gehen.

Das Gedicht hat mir bis auf ein paar Sequenzen sehr gefallen.
Davon zeugt die LĂ€nge meines Kommis. ;-)

LG Nokixe

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