Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92211
Momentan online:
71 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Urg
Eingestellt am 23. 04. 2001 20:49


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Norbert Hilgers
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

Werke: 23
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Nicht das ich jemals vorher an einen dieser Plagegeister geglaubt hÀtte, mir wÀren einfach nur diese albernen Trickfilme wie Pumuckel eingefallen.
Also um es gleich vorweg zu sagen, diese kleinen Biester sind böse, und ich meine nicht nur lÀstig, sondern richtig abgrundtief böse.
Der Urg stand morgens plötzlich grinsend auf meiner Seifenablage wĂ€hrend ich mich rasierte. Da ich mich bis jetzt erfolgreich gegen die idiotensichere Doppelklingenstrategie der Multirasieries erfolgreich gewĂ€hrt hatte, schnitt ich mir vor Schreck mit der alten Rotbart rostfrei fast die Kehle durch. „ Bravo“, meinte der Urg, allerdings eher beilĂ€ufig, da er den Mund voll von meinem Blut hatte. BehĂ€nde war er mir von der Ablage an den Hals gesprungen und hatte sich schmatzend an ihm festgesaugt. Mit einem reflexartigen Griff packte ich ihn wie eine zu große Zecke, und schleuderte ihn in den Arzneischrank, wo er zwischen Asperin und einer Tube Zinksalbe aufschlug.
„Kriegst mich nicht tot“, hörte ich eine feine Fistelstimme triumphierend krĂ€hen. Da Alkohol, Drogen oder auch zuviel Sex in dieser Nacht auszuschließen waren, war ich entweder verrĂŒckt geworden, oder diese beknackten Typen hatten vielleicht doch recht.
„Haltung bewahren“, dachte ich, „Finger an die Stirn, Augen schließen.OOOOOHHHHHHMMMM, Mist“. Die Zinksalbe traf mich zwischen rechtem und linkem Auge. Ziemlich genau in der Mitte.
Mit meiner transzendenten Selbstbeherrschung war es dahin. „Na warte, ist ja nicht so das ich nichts drauf hĂ€tte, zwei Jahre Bund können ja nicht umsonst gewesen sein“. Das dreckige Lachen aus der Rotkreuzkiste erweckte ungeahnte Gewaltphantasien in mir. Mit einem Ruck riss ich die lĂ€cherliche BlĂŒmchengardine von dem Glassteinfenster. Schnell zusammengefaltet und um die Stirn gebunden. Rambo lĂ€sst GrĂŒĂŸen.
Es hatte doch ein wenig zu lange gedauert. Pillendosen, Tablettenröhrchen, Tuben sowie mehrere Flaschen mit Medizin regneten auf mich herab. Eiskalte Wut ist ein schlechter Begleiter. Der Spiegel hatte den ungezielten Wurf mit der ToilettenbĂŒrste jedenfalls nicht ĂŒberlebt. Aber immerhin lagen einige spitze Glasscherben auf den Fliesen verteilt. Nur schneller sein als diese hĂ€ssliche Heimsuchung. Ein schmerzhaftes Stechen im linken Unterschenkel belehrte mich das GrĂ¶ĂŸe nicht gleich Schnelligkeit ist. Vorsichtig sah ich hinunter. Das ekelhafte grĂŒne Ding klebte saugend an meinem Bein. Es sah aus wie eine Mischung zwischen einer Eidechse und einer Barbiepuppe. Das Schmatzen klang wie „urg, urg, urg“. WĂ€hrend es trank hatte ich den Eindruck das es immer dicker wurde. „Hau ab“, rief ich sinnloser Weise.
Ich packte mir eine besonders spitze Spiegelscherbe und versuchte in das Ekel hineinzustechen. „ Kriegst mich nicht tot“, krĂ€hte das Biest zum zweiten Mal, und war weg bevor ich mir einen krĂ€ftigen Hieb ins Bein verpasste. Mir kam in den Sinn das die beknackten Typen scheinbar doch recht hatten.
Ich kam mir ziemlich perforiert vor und das nicht nur körperlich. Mein Gehirn schien irgendwie durchlöchert und konnte keine klare Strategie entwickeln. Hing vielleicht mit dem Blutverlust zusammen.
„Nimm Dich zusammen Mann. Wo ist es?. Irgendwo ist meine Chance“.
Blitzlicht! Das könnte klappen. Irgendwie hab ich mich dann vorsichtig dem Alaunstift auf der Ablage genÀhert und ihn unauffÀllig an mich genommen.
Ich bĂŒckte mich und zog ihn einmal durch meinen Wunde am Knöchel.
Dickes klebriges Blut blieb an ihm hÀngen.
Als nÀchstes habe ich ihn in eine Ecke geworfen und gewartet. Hat auch nicht lange gedauert. Zufriedenes Saugen und LutschgerÀusche sagten mir das mein Plan klappen könnte.
Plötzlich ging das Nuckeln in kurzatmiges Stöhnen und Keuchen ĂŒber. Und dann Ruhe.
Ich hab noch zehn Minuten gewartet und mich vorsichtig der Ecke genĂ€hert wo eben noch die SchmatzgerĂ€usche herkamen. Hinter einem Putzeimer hat er gelegen. Mit zwei Fingern habe ich ihn genommen und geschĂŒttelt. Erst als ich sicher war das er tot ist, habe ich ihn genauer untersucht. Er fĂŒhlte sich an wie eine Blutwurst, und so etwas Ă€hnliches war er auch. Nachdem er Mengen von meinem Lebenssaft getrunken hatte war ihm der Alaunstift zur Blutstillung nicht so sehr bekommen.
Das Blut in seinem Magen war sofort geronnen und hatte ihn umgebracht.
Rotbart rostfrei hat mir dann geholfen ihn in kleine Scheiben zu schneiden. Ich spĂŒlte seine Reste dann die Toilette hinunter.
Nachher habe ich alles sauber gemacht. Zum Schluss rief ich einen von den beknackten Typen an und habe ihm die ganze Sache erzÀhlt.
Er hat mich wÀhrend dessen weder unterbrochen noch ein einziges beilÀufiges Wort gesagt, aber als ich zu Ende war einen Lachanfall bekommen.
Etwas enttĂ€uscht habe ich dann meine Meinung ĂŒber die Weisheit von den beknackten Typen revidiert.









__________________
Norbert Hilgers

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!