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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Versuch
Eingestellt am 05. 07. 2001 22:07


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Kyra
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Mar 2001

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Der Versuch

Ungeschickt schl├╝pfte Mona in den gr├╝nen OP Kittel, sie wickelte ihn um sich, als wollte sie sich verpuppen. Henning half ihr beim Zubinden. Vorher hatte sie, genau wie er, ihre N├Ągel geb├╝rstet und die H├Ąnde gewaschen. Der Wasserhahn wurde mit dem Ellenbogen bedient, er erinnerte sie an Spezialanfertigungen f├╝r Behinderte. Anschlie├čend kam das Desinfektionsmittel ├╝ber die H├Ąnde bis hinauf zu den Ellenbogen, dann der Kittel, ihr langes Haar wurde unter eine Papierhaube gesteckt, schlie├člich Mundschutz und Handschuhe. Dann war Mona steril. Sie war damit von der gew├Âhnlichen Welt abgeschnitten, durfte nichts mehr ber├╝hren au├čer einen anderen sterilen Menschen oder Gegenstand ÔÇô ihre Welt wurde damit sehr klein aber exklusiv.
Vertraut waren Mona nur die Ger├╝che des OPs, Hennings ganzer K├Ârper roch so, er war ein Teil der Klinik und trug diesen Geruch jeden Abend zu ihr ins Bett. Noch nie hatte sie vorher einen Mann gekannt, dessen Eigengeruch ein zarter Hauch von Desinfektionsmitteln zu sein schien. Seit sie Henning kannte, f├╝hlte Mona sich in jeder Praxis heimisch.
Mona wollte ihm heute bei einem Versuch am Schweineherzen zusehen. Sie hatte sich schon lange gew├╝nscht, Hennings geschickte H├Ąnde, die sie so an ihm liebte, einmal bei der Arbeit zu sehen.
Au├čer Henning waren zwei weitere ├ärzte und zwei Schwestern bei der Operation dabei. Es war eng um den Tisch. Henning hatte noch nichts zu tun, so hielt er die Unterarme von K├Ârper abgespreizt um steril zu bleiben - eine K├Ârperhaltung die sie gut an ihm kannte und die ihn etwas tuntig aussehen lie├č.
Die Narkose hatte bereits eingesetzt, Mona stand Henning gegen├╝ber und beobachtete, wie er den Brustkorb ├Âffnete. Das Schwein war bis auf die Operationsfl├Ąche und den Kopf ganz abgedeckt, Mona sah in das Schweinegesicht, der nach hinten gestreckte Kopf hatte alles Derbe verloren - seine stumme Sauberkeit, die Schl├Ąuche und Kan├╝len lie├čen ihn fast edel erscheinen.
Henning legte im weit gespreizten Brustkorb das Herz frei. Dann begann er langsam die Blutzufuhr der Hauptschlagader zu drosseln. Mona beobachtete wie das Herz begann, unregelm├Ą├čig zu schlagen, es flatterte unter Hennings H├Ąnden w├Ąhrend er konzentriert einen Monitor beobachtete. Mona f├╝hlte wie der Schwei├č ihrer H├Ąnde sich in den Spitzen ihrer Latexhandschuhe sammelte. Es war trotz der Klimaanlage sehr warm und sie war es nicht gew├Âhnt so lange stillzustehen.
Wenige Augenblicke sp├Ąter wurde die Verengung wieder ganz ge├Âffnet, aber das Herz fand trotz langem Zucken und Stolpern nicht in seinen Rhythmus zur├╝ck. Monas Mundschutz wurde langsam feucht, bei jedem Atemzug strich ihr das Papier ├╝ber den ge├Âffneten Mund. Sie trat mit den anderen vom Tisch zur├╝ck, ein Stromsto├č riss das Schwein in die H├Âhe, dann noch einer - schlie├člich ein letzter.
Henning zuckte die Achseln und trennte das schwach bebende Herz mit wenigen Schnitten aus dem warmen K├Ârper. Mona sah das Herz in seiner Hand, er sah es kurz an, dann lie├č er es achtlos in eine Nierenschale fallen, zog seinen Mundschutz aus und kam l├Ąchelnd zu ihr her├╝ber.

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

hall├Âchen altes haus;-)

kl├Ąr mich bitte auf: was ist das f├╝r ein versuch?
habe ich was ├╝berlesen? das kann gut sein, habe nur dr├╝bergelesen, wie ich zugebe. gibt es einen grund f├╝r diesen versuch? ich meine, eine rechtfertigung? herzkranke kinder retten oder irgendwas moralisch ganz supererhabenes?
liebe gr├╝sse
elsa

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loona
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2000

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Hi Kyra, hi ElsaLaska...

Ich hab's gestern schon mal gelesen und finde es klasse!

Zum Versuch: Ich fand, da├č es ein Versuch von Mona war, Henning als ganzen Menschen kennenzulernen und bin von der Trockenheit, mit der der liebe Henning gut getimt und ohne den winkenden Zaunpfahl, aber einer geh├Ârigen Portion Holzhammer am Schlu├č, demontiert wird, zutiefst angetan.

Das Ergebnis des Versuchs ist ungewi├č. So wie es mir auf den ersten Blick unvereinbar erscheint, so mu├č Mona jetzt versuchen, die neuen Eindr├╝cke mit dem alten Wissen um Henning in Einklang zu bringen. (Ich mu├č das ja nicht ;-) )

Es gr├╝├čt am Morgen...

loona
__________________
29.10.2002: Tsch├╝ss und vielleicht ein ander Mal in der Federgilde

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

hallo loona,

hey, GENAU! jetzt wo du das so toll erkl├Ąrt hast, sehe ich es auch! o.k. die idee gef├Ąllt mir, so wie loona sie darstellt.
aber entweder habe ich nicht genau gelesen (was m├Âglich ist) oder kyra hat das nicht deutlich genug gemacht. insbesondere hat mich der satz: sie f├╝hlt sich in allen praxen der welt zu hause oder so ├Ąhnlich auf die falsche f├Ąhrte gelockt. das bezieht sich zwar auf den duft, den henning ausstr├Âmt, wenn er nach hause kommt, jedoch signalisierte es mir auch, dass ihr das alles gar nicht so fremd ist... und ich hatte auch nicht den eindruck, dass mona zum ersten mal mit im op steht. kyra kann jetzt anfangen damit, was sie mag. vielleicht nochmal die jungfr├Ąulichkeit von monas erfahrung st├Ąrker betonen.

sehr sch├Ân.
gr├╝sse elsa

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loona
Wird mal Schriftsteller
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Entschuldige, Kyra, wenn ich mich nun noch mal melde und Du noch gar nicht zu Wort gekommen bist...
;-)


Hi ElsaLaska...

ich finde, es ist eine ausgesprochene Qualit├Ąt der Geschichte, dem Lesenden die notwendige Aufmerksamkeit abzufordern. So, wie man sich einen guten Film gerne zweimal anschaut oder schon mal bei einem Video zu einer bestimmten Szene zur├╝ckgespult hat, kann man gegebenefalls nochmal zur├╝ckscrollen. Ein "Verdeutlichen" h├Ątte zur Folge, da├č das Ende seine ├╝berraschende und wuchtige wirkung verliert, die es im ├ťbrigen auch durch eben jene feinsinnige, elegante Formulierung erlangt (und nicht durch gro├če Gesten und deutliche Worte).

Hier also nochmal einige Highlights, die zeigen, da├č alles drin ist, was hinein geh├Ârt...:

"Vertraut waren Mona nur die Ger├╝che des OPs"
"Mona wollte ihm heute bei einem Versuch am Schweineherzen zusehen. Sie hatte sich schon lange gew├╝nscht, Hennings geschickte H├Ąnde, die sie so an ihm liebte, einmal bei der Arbeit zu sehen."
"Mona sah das Herz in seiner Hand, er sah es kurz an, dann lie├č er es achtlos in eine Nierenschale fallen, zog seinen Mundschutz aus und kam l├Ąchelnd zu ihr her├╝ber."

(Nat├╝rlich funktioniert die Geschichte nur am St├╝ck... mit dem gew├Ąhlten Tempo und dem langsamen Spannungsbogen, der in Verwirrung und/oder Best├╝rzung endet - bei Mona und beim Lesenden)

Bevor ich aber Lobeshymnen noch und n├Âcher schreibe, verabschiede ich mich ins Wochenende (hoffentlich)

Mit Gru├č

loona
__________________
29.10.2002: Tsch├╝ss und vielleicht ein ander Mal in der Federgilde

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Kyra
Fast-Bestseller-Autor
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Hallo Elsa Hallo loona

Hallo Ihre Beiden,

loona hat v├Âllig Recht
Das Ergebnis des Versuchs ist ungewi├č. So wie es mir auf den ersten Blick unvereinbar erscheint, so mu├č Mona jetzt versuchen, die neuen Eindr├╝cke mit dem alten Wissen um Henning in Einklang zu bringen. (Ich mu├č das ja nicht ;-) )

Genau so ist es !!!


was das Technische angeht, mein Exex war Herzchirurg, diese Versuche am Schwein wurden vorgenommen um die Sp├Ątfolgen eine Infarktes zu untersuchen. Darum wird die Blutzufuhr gedrosselt und wieder ge├Âffnet, ein k├╝nstlicher Infarkt.
Eigentlich sollte das Schwein ├╝berleben und w├╝rde dann ein habes Jahr sp├Ąter wieder "ge├Âffnet" und untersucht.

Viele Gr├╝├če

Kyra

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