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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Versuch, sie im Bild festzuhalten
Eingestellt am 23. 11. 2009 17:06


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Bin leider kein begabter Maler. Kann es daher bei ihr nur mit diesen Schriftzeichen versuchen.
Sie hat nicht die geringste Ahnung, dass sie mir hier im CafĂ© Modell sitzt. Von ihr weiß ich vor allem, dass sie ungefĂ€hr fĂŒnfzig Jahre alt, Professorin und Einzelkind ist und neben anderen ein Buch mit dem Titel „Kinder brauchen Wurzeln und FlĂŒgel“ schrieb.
Könnte ich ein Portrait von ihr malen, wĂŒrde ich Ölfarben nehmen und nicht ihren Name unter das Bild setzen sondern dieser Buchtitel.
Von runden BrillenglĂ€sern wenig geschĂŒtzt, sieht sie mich mit unverhohlen neugierigen Augen an, wohlwollend und zugleich abschĂ€tzig amĂŒsiert, wie ĂŒberlegene Frauen eben auf MĂ€nner herabblicken, ohne auf sie herabblicken zu wollen. So gelingt es ihr auch, irgendwie zu mir aufzusehen.
Von diesen Blicken fĂŒhle ich mich immer noch ertappt? Ahne noch nicht einmal wobei. Vermutlich dabei, sie ertappen zu wollen? Doch weiß ich, welches Geheimnis ich in ihren Blicken suche? Manchmal ist es nur gut, nichts Genaueres zu wissen.
Ein Strahlenkranz nur wenig gebĂ€ndigter blonder Haare gibt ihrem Gesicht und ihrem LĂ€cheln jenen sanften Glanz, den ich bisher vor allem in offenen Kindergesichtern sah. Wahrscheinlich hat sie Probleme mit dem Altwerden, allerdings, ohne wirklich Angst vor dem Alter zu spĂŒren. WidersprĂŒchlich ist sie und zugleich eindeutig. Eben eindeutig widersprĂŒchlich. Was mich an diesem Gesicht reizt, lĂ€sst mich zugleich auf der Hut sein. Es verleiht meiner Fantasie FlĂŒgel und ungeheuere Sehnsucht nach Sicherheit.
„Das Land der Sehnsucht liegt zwischen Freiheit und Geborgenheit.“ sage ich leise. Sie nickt und zuckt kurz mit den Schultern.
Ihre Augen werden feucht. TrÀnen machen sich nicht auf den Weg.
FĂŒr Momente tanzen ihre Finger auf der Tischplatte. Und zum Takt der Finger bewegen sich ihre Augen ruckartig auf und ab und hin und her.
Mit dem HandrĂŒcken schiebt sie sich ein blonde StrĂ€hne aus dem Gesicht und sieht mich an. Nein, in mich hinein. Kein starrender Blick. Eher ein lockend annehmender.
Sie lĂ€chelt und bevor sie es sagt, ziehen sich ihre Lippen leicht nach oben zurĂŒck.
„Ich liebe es zu fliegen, zu schweben, zu schwingen
!“ Und ihre HĂ€nde werden zu FlĂŒgeln, wĂ€hrend ihre Augen zu strahlen beginnen, als schwebe sie bereits suchend ĂŒber einer kleinen Welt weit unter ihr.
Dann schimmern ihre Augen wieder feucht hinter der Brille. Sie lÀsst die linke Hand auf den Tisch fallen, legt die rechte liebevoll behutsam darauf und streichelt die linke.
„Bin nĂ€chste Woche wieder unterwegs. Vortragsreisen. Wien, Innsbruck, ZĂŒrich. Lerne hoffentlich ein paar spannende Leute kennen. Gelingt mir eigentlich immer
 “
Ihr Gesicht wirkt reisefertig. Erinnert an einen weit gereisten gepackten Koffer, der bereits in der GepÀckannahme wartet.
Mit den bloßen HĂ€nden wischt sie ein paar KrĂŒmel von der Marmorplatte des CafĂ©-Tisches, nimmt hastig einen Schluck aus dem Wasserglas.
„Ja“, sage ich. „Muss auch gehen. Habe gleich noch einen Termin. WĂŒrde dich gern bald wiedersehen.“
Sie nickt. Und in ihren Augen leuchtet bereits Wiedersehensfreude.
Schon halb stehend, deute ich an, mich noch einmal setzen zu wollen. Lege aber nur vorsichtig meine Rechte auf ihre linke Flughand, lasse sofort wieder los. Sie steht auf, ich helfe ihr in den Mantel.
Draußen vor dem CafĂ© werden wir uns, wie gewohnt, aus der Umarmung lösen und wissen, dass es diesmal noch lĂ€nger bis zu unserem nĂ€chsten Treffen dauern wird.

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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bluefin
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lieber kalli,

im gegensatz zum @nachtvogel sehe ich da leider nichts wirklich neues, sondern eher gar nichts - es wird nÀmlich nicht klar gemacht, was denn der grund sein könnte, warum eine (sehr gut beschriebene!) professorin und der typ, der erzÀhlt, ein wenig gestelzt nichts reden und glauben machen wollen, sie fÀnden einenader dennoch anziehend.

da fehlt mir ein wenig zu sehr die realitĂ€t. es wird nicht deutlich, warum die beiden gefallen aneinander finden könnten - weil sie "professorin" ist? weil er so gut aussieht? weil beide so wichtige "termine" haben?...*grĂŒbel*...nein, spannung entsteht bei dieser schilderung keine. jefenfalls keine, die zwischen den beiden langweilern spĂŒrbar wĂŒrde: wer ĂŒber verzicht nachdenkt oder schreibt, kommt nicht drumherum, zu erklĂ€ren, worauf.

tipp: dem leser besser begreiflich machen, warum die beiden sich nicht wirklich kĂŒssen oder miteinander in die kiste hĂŒpfen können...

nichts fĂŒr ungut und liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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Karl Feldkamp
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Lieber bluefin,
der "Maler" erlebt eine "gestandene" Professorin, in deren Gesicht und Buchtitel er das Kind entdeckt, das NĂ€he sucht. Gleichzeitig will die Frau aber frei sein.
Es entsteht also weniger Aktion dafĂŒr aber mehr innere Spannung, die m.E. keinen Sex oder keine dramtische Trennung benötigt.
Herzliche GrĂŒĂŸe
Karl
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Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

lieber @kalli,

von "innerer spannung" entdecke ich in dem stĂŒckerl leider gar nichts. wo hast du sie versteckt?

stell dir vor, ein buch wÀr sowas wie ein kondensator: die einbanddeckel unter erzÀhlstrom gesetzt und die spannung umso höher, je wirksamer das, was du als dielektrikum dazwischen gepackt hast.

bei der gegenstĂ€ndlichen versuchsanordnung ist entweder die batterie leer oder es herrscht plattenschluss - jedenfalls kommt kein zĂŒndfunke. im grunde genommen ziehst du doch schon mit dem einleitungssatz den stecker aus der dose, und die hĂŒpfburg bleibt schlaff.

tipp: plausibler zum ausdruck bringen, warum sich die partner anziehend finden sollten und was sie wirklich davon abhĂ€lt, ĂŒbereinander herzufallen. die "ich sag dir leise gar nichts"- und "mein terminkalender ist ja so voll"-nummern bringen nicht mal die kleinste sparlampe zum glimmen.

sei mir nicht böse, wenn ich's so unverblĂŒmt-bildlich sage, aber ich bin sicher, einer wie du, der's sprachlich ja draufhat, hĂ€lt's aus und nimmt es fĂŒr das, als was es gedacht ist: als wohlmeinende kritk am text.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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Karl Feldkamp
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Lieber Bluefin,
böse bin ich dir selbstverstĂ€ndlich nicht. Aber ich kenne ja deine Vorliebe fĂŒr Deftigeres. Das meine ich nicht abwertend.
Ich denke, das ist auch einfach eine Geschmacksfrage,
Manchmal mag ich halt auch leisere Töne.
Mit innerer Spannung habe ich jene im Ich-ErzÀhler gemeint. Er versucht, diese Frau an sich zu bindet, indem er sich ein Bild von der Prof., um wenigstens das festhalten zu können.
Herzliche GrĂŒĂŸe
Karl
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bluefin
Guest
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ach so, @kalli, du meinst, nur das lyrich stĂŒnde unter strom und die spannung fĂ€nde sich in dessen innerem?...*grĂŒbel*...da wĂŒsste der leser dann gern, was denn an dieser kurzsichtigen professorin, die mal ein buch ĂŒber irgendwas mit kindern geschrieben hat, so anziehend wĂ€re, dass es dem lyrich gleich die sprache verschlĂ€gt und er zuflucht zu leis gehauchten aphorismen suchen muss.

einen s. o. an sich zu binden klappt, wenn ĂŒberhaupt je, nur dann, wenn an dem einen etwas ist, was der andere nicht hat, aber braucht. ein bild allein langt da fĂŒr gewöhnlich nicht.

wenn es deine absicht war, darzustellen, dass dein lyrich hinter etwas ganz und gar unerreichbarem her wĂ€re und ihm deshalb nur ein foto von ihr im geldbeutel (oder im herzen oder in beidem) bliebe, dann gehörte das mĂ€del wirklich idealisiert und die gefĂŒhle des lyrich deutlicher gemacht. prĂ€potentes wie

quote:
So gelingt es ihr auch, irgendwie zu mir aufzusehen.
darf man ihm dann aber nicht in den sinn komen lassen, denn das implizierte ja, dass vielleicht doch etwas ginge.

ich empföhle fĂŒr den fortgang der geschichte ein treffen, in dem sich eine(r) der beiden erfraut (oder ermannt) und es darauf ankomen lĂ€sst. je nachdem können dann schlaue sprĂŒche ĂŒber "essen ohne abwasch?" resp. "bindungsangst!" folgen und die beiden erklĂ€ren.

so aber stochert der leser ein wenig im nebel herum, lieber @kalli, und weiß - trotz ĂŒberschrift - nichts rechtes mit dem text anzufangen.

liebe grĂŒĂŸe aus mĂŒnchen

bluefin

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