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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Weg
Eingestellt am 07. 01. 2001 23:09


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kio
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2000

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Ich bin heute morgen um 4:00 aufgestanden, hatte vorher alte TrĂ€ume weggetrĂ€umt, danach alles schön sauber aufgerĂ€umt. Wie man eine Wohnung eben aufrĂ€umt, um danach zu verreisen. Ist die Kaffeemaschine auch aus, die Heizung richtig eingestellt, habe ich mein Ticket? Ja, alles,... wie immer, in Ordnung. Es ist ein seltsames GefĂŒhl, wegzufahren. Das Ziel der Reise ist meist bekannt, doch dazwischen liegt der Weg. Mein Ziel steht auf dem Ticket, doch heute ist mir ein wenig bange vor dem Weg und das Ziel ist bekannt, doch nicht vertraut. Ich gehe in den Morgen, es ist Winter, kalt, dunkel, mich fröstelt ein wenig. Ich suche das GesprĂ€ch mit dem Taxifahrer, denn ich fĂŒhle mich allein. Es ist beruhigend, auch im Hinblick auf die Reise, die vor mir liegt, ein unbefangenes GesprĂ€ch fĂŒhren zu können. Ich stehe vor den Gleisen, die Freude und Erregung vor der Reise wird immer mehr. Bahnhöfe: Seit meiner frĂŒhesten Jugend bekomme ich in Bahnhöfen GĂ€nsehaut. Manche gehen zu den kalten Gleisen, um sie zu spĂŒren, weil sie ihre letzte Reise antreten wollen. Drumherum gibt es Leben, pures Leben, mit Abschied, Trauer, aber auch mit Ankunft, Freude. Doch heute möchte ich an meinem Abfahrtsort zunĂ€chst nur ĂŒber den Weg nachdenken. Ich taste nach meinem Bildband von Manray, er ist mein Begleiter. Seine Perspektive beruhigt mich, sie ist mir vertraut und doch wĂŒnsche ich mir, ganz heimlich, eines Tages meine eigene Perspektive entwickeln zu können. Kaum ein Mensch im Zug, ich bin ganz allein, möchte Manray jetzt auch noch nicht herausholen. Es fĂ€ngt an, zu regnen, der Regen schmiert schrĂ€ge Schlieren ĂŒber das Fenster. Eine Weile beobachte ich das unregelmĂ€ĂŸige Muster der Regenschlieren, es ist ein Tanz,"... wie der Regen sich hinwegschmiert ĂŒber das schmutzige Zugfenster..." und ich wĂŒrde gerne wissen, wie hier Regen, Schwerkraft und Bewegung des Zuges zusammenwirken. Draußen alles dunkel und ruhig. Das FahrtgerĂ€usch schlĂ€fert mich ein, es sind unruhige TrĂ€ume. Umsteigen: Die KĂ€lte macht mich langsam wach, die Menschen interessieren mich, ich beobachte sie, versuche bei manchen zu ergrĂŒnden, warum sie jetzt hier und nicht woanders sind. NatĂŒrlich werde ich es nie ergrĂŒnden, wie auch. Der Zug fĂ€hrt wieder an, es entwickelt sich ein nettes GesprĂ€ch mit einer Mitreisenden, doch bin ich auch wieder froh, als sie aussteigt und ich mit meinen Gedanken alleine bin. Manray bleibt heute unbeachtet, ich fĂŒhle mich zu schwer, um ihm meine Aufmerksamkeit widmen zu können. Die Ankunft: Das Leben ist wieder um mich, warum eigentlich nicht in mir? Das Hotel liegt gleich um die Ecke. Eine nette Dame am Empfang; es sieht alles sauber aus. Das Hotelzimmer: Freundlich, alles vorhanden...Dusche, TV, weiße, unschuldige WĂ€sche. Hier soll es passieren? Der Blick aus dem Hotelzimmer: Gleise, das leuchtende Rot einer Bahngleisampel blendet mich, ich hör' das Rattern eines einfahrenden Zuges, das Signal fĂŒr einen abfahrenden Zug und weiß, ich bin angekommen, ...bin ich angekommen? Der Weg ist beendet...zunĂ€chst...doch schon in der nĂ€chsten Sekunde geht er weiter, mein Weg....zur Ankunft...wie immer, wie bei jedem....
__________________
so einfach, wie möglich, aber nicht einfacher. A. Einstein

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Neziri
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2000

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Orientierungslosigkeit?
Zumindest ist es das, was mir diese Kurzgeschichte vermittelt. Vielleicht auch ein wenig Angst vor der Ungewissheit dessen, was da auf einen zu kommt, auf dem Weg, der vielleicht das Leben ist, auf dem man wandelt, der jedoch seltsam von der eigenen Existenz getrennt ist. Das vermittelt die Geschichte mir.


__________________
Aslan Neziri
'Beware the fury of a patient man.' (John Dryden)

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Andrea
???
Registriert: Aug 2000

Werke: 21
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4 von10 Punkten

Wieso bringt sich dein Ich um? Zumindest lese ich das aus deinem Text heraus. Naja, im Prinzip wĂ€ren die GrĂŒnde auch eher unwichtig, wenn denn die GefĂŒhlswelt des potentiellen Selbstmord-Ichs ĂŒbertragen wĂŒrde.

Ich schÀtze mal, die kurzen SÀtze (entweder gleich kurze HauptsÀtze oder eine Satzreihe, deren einzelne Teile auch nicht gerade lang sind), viele davon mit Ich beginnend, sollen die Einsamkeit, Verwirrung und den Kampf, seinen Weg durchzustehen beschreiben. Bei mir wirkt es allerdings sehr steif und ungelenk. Der sprachliche Schliff fehlt mir einfach.

Ach, und wer, was oder wo ist Manray?
__________________
Andrea Rohmert

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kio
AutorenanwÀrter
Registriert: Oct 2000

Werke: 19
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Sicher hast du schon mal was von Emmanuel Radnitsky gehört. Ein Photograph, Dadaist und Surrealist. Er hat sich " Man Ray" genannt. Ich finde seine Photos absolut gigantisch und faszinierend. "Violin d'ingres", aber auch "ÚvÚlateur" sind meine absoluten Highlights. Aber auch sein Portrait von Jean Cocteau finde ich sehr interessant.
Sicher, mein Stil ist ungeschliffen, aber wÀre er geschliffen....aus welcher Richtung auch immer, wÀre es nicht mein Stil.
__________________
so einfach, wie möglich, aber nicht einfacher. A. Einstein

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Yamiko
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo

Du hast es genau erfasst, und ich war dort in deiner geschichte und konnte alles genauso sehen. Nichts ist ungeschliffen, alles pefekt, so ein quatsch von wegen ungeschliffen! Wenn es dir darauf ankam den leser in sie zu versetzen, dann hast du es wirklich geschafft...

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loona
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2000

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Kommentare: 402
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Re: 4 von10 Punkten

quote:
UrsprĂŒnglich veröffentlicht von Andrea
Wieso bringt sich dein Ich um? Zumindest lese ich das aus deinem Text heraus. Naja, im Prinzip wĂ€ren die GrĂŒnde auch eher unwichtig, wenn denn die GefĂŒhlswelt des potentiellen Selbstmord-Ichs ĂŒbertragen wĂŒrde.

Ich schÀtze mal, die kurzen SÀtze (entweder gleich kurze HauptsÀtze oder eine Satzreihe, deren einzelne Teile auch nicht gerade lang sind), viele davon mit Ich beginnend, sollen die Einsamkeit, Verwirrung und den Kampf, seinen Weg durchzustehen beschreiben. Bei mir wirkt es allerdings sehr steif und ungelenk. Der sprachliche Schliff fehlt mir einfach.


Als ob eine Geschichte in Punkten zu erfassen wÀre?

Hi Andrea, erstmal...

Also ich habe dem Text nicht entnommen, daß die Protagonistin sich umbringt. Es ist nur eine Interpretation von einigen möglichen. Und das macht die Geschichte fĂŒr mich schön: meine eigenen Ideen und Gedanken finden Raum, ich kann meine eigene Sichtweise entwickeln und bekomme sie nicht tafelfertig serviert.

Um mit den Worten eines Kollegen zu sprechen: die meistgehaßte Frage des Malers ist: was haben Sie sich bei dem Bild gedacht? Viel interessanter ist doch das Statement: das habe ich darin gesehen...

Insofern ist Deine Interpretation natĂŒrlich ein interessantes Feedback, ebenso, wie die AusfĂŒhrungen zur Schreibtechnik... Allerdings glaube ich (diskutierender weise ), daß die Reihung der SĂ€tze eher instinktiv war, ebenso KĂŒrze und wiederkehrende Momente/Worte... Vielleicht ein Ansatzpunkt, der Geschichte ebenso (und nicht analysierend) zu begegnen?

Es grĂŒĂŸt

loona

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