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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Weg
Eingestellt am 27. 04. 2003 16:25


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BlueEyed
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Der Weg

Es war Vollmond. Bronka stieg die Stufen hinauf. Sie war nun bei 98. Ein anstrengender Weg, aber das merkte sie nicht einmal, ging sie doch fast wie in Trance ‚Äď h√∂her und immer h√∂her.
Was war geschehn? H√§tte sie wissen m√ľssen dass das ganze so endet? Vorsehung ‚Äď gibt es so was? Sie war sich sicher, ja! Alle Zeichen deuteten darauf hin. Sie steuerte seit l√§ngerem auf die Katastrophe, unf√§hig vern√ľnftig zu handeln.
137. Sie machte eine Verschnaufpause. Die schwere Last machte ihr zu schaffen ‚Äď so viele Gedanken kreisten in ihr umher - sie hatte Zeit, niemand ahnte dass sie hier war.
Wie k√∂nnte sie ihr Gewissen erleichtern? Wird sie je wieder ruhig schlafen k√∂nnen? Diese sanften H√§nde, die z√§rtlichen K√ľsse, das wird sie nie vergessen. Und nun das‚Ķ Wie konnte sie das tun?
Sie ging weiter. Im Kopf die Erinnerung an die vergangenen Monate. Sie hatte ihn in einem Caf√© kennen gelernt. Nicht zuf√§llig, ganz und gar nicht. Sie hatte herausgefunden, dass er sich dort mit Vorliebe aufhielt. Im Vorbeigehen sch√ľttete sie ihm die Cola √ľber die Hose ‚Äď sie kamen ins Gespr√§ch. Er war sogar nett. Das machte ihr Vorhaben leichter, angenehmer.
Sie verabredeten sich immer wieder, verbrachten nette Abende, sahen sich schlie√ülich regelm√§ssig und kamen sich n√§her. Sich zu verlieben geh√∂rte nicht zu ihrem Plan ‚Äď und dennoch ‚Äď ‚Ä¶‚Ķ
Dass dieser verdammte Aufzug ausgerechnet heute kaputt gehen musste! Sie kam langsam ins Schwitzen. Sollte sie vielleicht aufgeben? Einfach weglaufen? Noch ist nichts passiert. Nein, es gab kein zur√ľck mehr, er w√ľrde sich fragen‚Ķ er w√ľrde sie fragen‚Ķ
Sie hatte aufgeh√∂rt die Stufen zu z√§hlen, staunte nur noch √ľber sich selbst. Wozu der Mensch in extremen Situationen f√§hig war? Und welche Kr√§fte sie entwickelt hatte‚Ķ
Ihr R√ľcken tat weh, sie war gleich am Ziel.
Alles war bis ins kleinste Detail geplant. Sie waren essen, dann noch ein Gläschen Wein bei ihm zu Hause im Hochhaus. Ungesehen konnte sie ihm das Schlafmittel ins Glas mischen. Sein Testament hat er vor einigen Wochen zu ihren Gunsten geändert. Sie tat damals so als wolle sie das nicht, als wäre es ihr unangenehm an den Fall der Fälle zu denken….
Dabei konnte sie das Geld gut gebrauchen. Sie war v√∂llig ruiniert. Die Leute von der privaten Kreditgesellschaft sa√üen ihr im Nacken, und √ľberhaupt, sie hatte sich ein paar nette Jahre im Luxus verdient. Und was sollte er in seinem Alter mit dem vielen Geld anfangen? Zu schade es mit ins Grab zu nehmen.
Sie war ganz oben angekommen. √Ėffnete die T√ľr und trat nach drau√üen. Nun zog sie den schweren, leblosen K√∂rper hinter sich her. Alles w√ľrde aussehen wie Selbstmord. Sie w√ľrde ihn an den Rand setzen und dann nur noch ein kleiner Stupser und ihre Geldsorgen w√ľrden sich in Luft aufl√∂sen, alle W√ľnsche wahr werden.
Die letzten Meter fielen ihr besonders schwer. ‚ÄěNun jetzt aber‚Äú, dachte sie. ‚ÄěHast die ganzen Treppen geschaft, wirst wohl nicht die letzten Meter aufgeben‚Ķ‚Äú
Ihr wurde schwindelig von der Anstrengung. Sie platzierte seinen K√∂rper am Rand und setzte sich einen Moment neben ihn. Den Kopf an seine Schulter gelehnt. Wie friedlich, was f√ľr ein sch√∂nes Gef√ľhl. Er war ein Mann der ihr dieses intensive Gef√ľhl geben konnte gebraucht und geliebt zu werden, vielleicht der einzige Mann der das konnte. Konnte sie das tun?
Gab es noch ein Weg zur√ľck? Sie k√∂nnte ihn einfach liegen lassen und weglaufen. Das Ganze als Schlafwandeln aufdecken und einfach seine ‚Äď ihre Liebe weiter genie√üen. Was war schon Geld?
Sie hatte sich entschieden.
Z√§rtlich streichelte sie √ľber seine Wangen. Ein letzter Kuss, dann w√ľrde es geschehn. Pl√∂tzlich sp√ľrte sie dass sich seine Lippen bewegten. ‚ÄěLiebste‚Äú, sagte er. Das Schlafmittel verlor seine Wirkung. Seine Arme umschlangen sie‚ĶEr war noch leicht benommen, sein K√∂rper wankte schwer‚Ķ ‚ÄěLiebster‚Ķ warte, nein‚Ķ.‚Äú
Sie konnte nichts mehr sagen, im Hals ein Kloß, ihr Körper auf einmal schwerelos. Sie sah seine Augen, weit aufgerissen sein Mund zu einem Schrei verzerrt. Sie machte die Augen zu und gab sich dem freien Fall hin…

__________________
Nur wer träumt ist frei (E.W. Heine)

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Rote Socke
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Hallo Blue,
w√§hrend den ersten beiden Abs√§tzen wollte ich das Lesen abbrechen. Habe es dann zum Gl√ľck doch nicht getan. Die Geschichte gef√§llt mir. Nur der Einstieg ist nicht so mein Ding gewesen. Na ja, warte mal ab wie das andere Leser sehen.
Im Mittelteil sind auch so einige Lesehemmnisse f√ľr mich. Aber trotzdem, die Story hat etwas Besonderes.
Ich werde sie später einfach nochmal lesen.

Schönen Gruss
Socke

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BlueEyed
Autorenanwärter
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Hallo Socke,
erstmal sch√∂nen Dank f√ľr die erste offizielle Kritik. W√§re dankbar f√ľr weitere Details bez√ľglich der Lesehemmnisse, so als "Frischling" kann man ja noch ne Menge dazulernen ;-)
Diese Geschichte war eigentlich nur ein kleiner "Spass-schreibwettberb" unter Freunden. Ich war einfach mal neugierig, wie es auf andere wirkt. F√ľr konstruktive Kritik bin ich immer dankbar.
Gruss
Blue
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Zefira
???
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Hallo BlueEyed und Socke,

auch mir hat die Geschichte an sich gut gefallen. Der Plot ist gut ausgedacht und das Ende ausgezeichnet formuliert. Mir fehlt aber der Background; ich kann mir die Personen nicht recht vorstellen.

Offenbar ist "er" doch schon ein √§lterer Herr, w√§hrend Bronka gesund und gut bei Kr√§ften sein mu√ü, um ihn all die Stufen hinaufzutragen... dann diese Berechnung, da√ü sogar das Kennenlernen im Caf√© von ihr geplant war, sie also schon vorher recht gut √ľber ihn Bescheid gewu√üt haben mu√ü... also, mir fehlt ein wenig die Charakterisierung der beiden und eine Vertiefung der Beziehung, die zwischen ihnen bestanden hat.

Ihre "Hingabe an den freien Fall" - da√ü sie, mit anderen Worten, gemeinsam mit ihm in den Tod geht - k√§me noch um einiges st√§rker, wenn sich der Leser schon im Mittelteil richtig in sie einf√ľhlen k√∂nnte.

Mir scheint, die Geschichte hat noch eine Menge Potential.
Wäre schade, es nicht voll auszuschöpfen.

Lieben Gruß,
Zefira

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Arno1808
Guest
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Hallo BlueEyed

ich schließe mich an - eine gute Geschichte.
Wie wäre es mit ein bisschen Textarbeit? Erste Anstöße dazu habe ich Dir einmal in den Text geschrieben.

Es war Vollmond.
Welche Relevanz hat das im Hinblick auf die Tatsache, dass sie sich offensichtlich im Inneren eines Geb√§udes befindet? (Siehe im letzten Drittel: ‚ √Ėffnete die T√ľr und trat nach drau√üen …‘
Bronka stieg die Stufen hinauf. Sie war nun bei 98. Ein anstrengender Weg, aber das merkte sie nicht einmal, ging sie doch fast wie in Trance Рhöher und immer höher.
Was war geschehn? H√§tte sie wissen m√ľssenKomma dass das gGanze so endet?
Nat√ľrlich h√§tte sie es wissen m√ľssen, denn sie hat es geplant!
Vorsehung – gibt es so was? Sie war sich sicher, ja! Alle Zeichen deuteten darauf hin.
Was hat es mit Vorsehung zu tun, wenn sie alles von Anfang an geplant hat?
Sie steuerte seit l√§ngerem auf die Katastrophe zu, unf√§higKomma vern√ľnftig zu handeln.
137.
Ich frage mich, wie sie es schafft, bei den tiefgehenden Gedanken, die sie sich macht, auch noch die Stufen zu zählen?
Sie machte eine Verschnaufpause. Die schwere Last machte Wiederholung ihr zu schaffen – so viele Gedanken kreisten in ihr umher - Punktsie hatte Zeit, niemand ahnteKomma dass sie hier war.
Wie k√∂nnte sie ihr Gewissen erleichtern? Wird W√ľrde sie je wieder ruhig schlafen k√∂nnen? Diese sanften H√§nde, die z√§rtlichen K√ľsse, das wird k√∂nntesie nie vergessen. Und nun das… Wie konnte sie das tun?
Sie ging weiter. Im Kopf wo sonst? die Erinnerung an die vergangenen Monate. Sie hatte ihn in einem Caf√© kennen gelernt. Nicht zuf√§llig, ganz und gar nicht. Sie hatte Wiederholung herausgefunden, dass er sich dort mit Vorliebe aufhielt. Im Vorbeigehen sch√ľttete sie ihm die Cola √ľber die Hose – sie kamen ins Gespr√§ch. Er war sogar wieso sogar? nett. Das machte ihr Vorhaben leichter, angenehmer.
Sie verabredeten sich immer wieder, verbrachten nette Abende, sahen sich schlie√ülich regelm√§ssig Du erw√§hntest schon, dass sie sich immer wieder sahen und kamen sich n√§her. Sich zu verlieben geh√∂rte nicht zu ihrem Plan – und dennoch – ……
Dass dieser verdammte Aufzug ausgerechnet heute kaputt gehen musste! Sie kam langsam ins Schwitzen. Sollte sie vielleicht aufgeben? Einfach weglaufen? Noch ist war nichts passiert. Nein, es gab kein zur√ľck mehr, er w√ľrde sich fragen… er w√ľrde sie fragen…
Sie hatte aufgeh√∂rt die Stufen zu z√§hlen, staunte nur noch √ľber sich selbst. Wozu der Mensch in extremen Situationen f√§hig war? Und welche Kr√§fte sie entwickelt hatte…
Ihr R√ľcken tat weh, doch sie war gleich am Ziel.
Alles war bis ins kleinste Detail geplant. Sie waren essen, dann noch ein Gl√§schen Wein bei ihm Punkt zu Hause im Hochhaus. Ungesehen konnte sie ihm das Schlafmittel ins Glas mischen. Sein Testament hat er vor einigen Wochen zu ihren Gunsten ge√§ndert. Sie tat damals so Komma als wolle sie das nicht, als w√§re es ihr unangenehm an den Fall der F√§lle zu denken….
Dabei konnte sie das Geld gut gebrauchen. Sie war v√∂llig ruiniert. Die Leute von der privaten Kreditgesellschaft sa√üen ihr im Nacken, und √ľberhaupt, sie hatte sich ein paar nette Jahre im Luxus verdient. Und was sollte er in seinem Alter mit dem vielen Geld anfangen? Zu schade Komma es mit ins Grab zu nehmen.
Sie war ganz oben angekommen. √Ėffnete die T√ľr und trat nach drau√üen. Nun zog sie den schweren, leblosen K√∂rper hinter sich her. Alles w√ľrde aussehen wie Selbstmord. Sie w√ľrde ihn an den Rand setzen und dann nur noch ein kleiner Stupser und ihre Geldsorgen w√ľrden sich in Luft aufl√∂sen, alle W√ľnsche wahr werden.
Die letzten Meter fielen ihr besonders schwer. „Nun jetzt aber“, dachte sie. „Hast die ganzen Treppen geschaft, wirst wohl nicht die auf den letzten Metern aufgeben…“
Ihr wurde schwindelig von der Anstrengung. Sie platzierte seinen Körper am Rand und setzte sich einen Moment neben ihn. Den Kopf an seine Schulter gelehnt.
Sitzt er ganz alleine am Rand? Ohnmächtig und doch so standhaft, dass sie ihren Kopf an ihn lehnen kann?
Wie friedlich, was f√ľr ein sch√∂nes Gef√ľhl. Er war ein Mann Komma der ihr dieses intensive Gef√ľhl geben konnte Kommagebraucht und geliebt zu werden, Punkt vielleicht der einzige Mann Komma der das konnte. Konnte Wiederholungsie das tun?
Gab es noch ein Weg zur√ľck? Sie k√∂nnte ihn einfach liegen lassen und weglaufen. Das Ganze als Schlafwandeln aufdecken Wieso sollte sie es ‚aufdecken?‘ und einfach seine – ihre Liebe weiter genie√üen. Was war schon Geld?
Aber Sie hatte sich entschieden.
Z√§rtlich streichelte sie √ľber seine Wangen. Ein letzter Kuss, dann w√ľrde es geschehn. Pl√∂tzlich sp√ľrte sie Kommadass sich seine Lippen bewegten. „Liebste“, sagte er. Das Schlafmittel verlor seine Wirkung. Seine Arme umschlangen sie…Er war noch leicht benommen, sein K√∂rper wankte schwer… „Liebster… warte, nein….“
Sie konnte nichts mehr sagen, im Hals ein Klo√ü, ihr K√∂rper auf einmal schwerelos. Sie sah seine Augen, weit aufgerissen Komma sein Mund zu einem Schrei verzerrt. Sie machte die Augen zu und gab sich dem freien Fall hin…


Gruß

Arno

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Blue,
ich habe einige Vorschl√§ge eingebaut. Aber ob Du die gebrauchen kannst, musst Du selbst entscheiden. Es besteht keine Verpflichtung Vorschl√§ge zu √ľbernehmen. Es sind nur Anregungen, die betreffenden Stellen nochmal zu √ľberdenken. Ich bin auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Wie gesagt, die Geschichte gef√§llt mir.
Und weiterhin viel Spass in der Lupe.
Gruss Socke



Es war Vollmond und Bronka stieg die Stufen hinauf. Sie war nun bei 98 angelangt. Ein anstrengender Weg, aber das sp√ľrte sie kaum, weil sie doch fast wie in Trance – h√∂her und immer h√∂her stieg.
Was war geschehn? H√§tte sie wissen m√ľssen, dass das Ganze so endet? Vorsehung – gibt es so was? Ja, sie war sich sicher, denn alle Zeichen deuteten darauf hin. Sie steuerte seit einiger Zeit auf die Katastrophe zu, war unf√§hig vern√ľnftig zu handeln.
137. Sie legte eine Verschnaufpause ein. Die schwere Last machte ihr zu schaffen – und so viele Gedanken kreisten in ihr umher. Sie hatte Zeit, niemand ahnte dass sie hier war.
Wie k√∂nnte sie ihr Gewissen erleichtern? Wird sie denn je wieder ruhig schlafen k√∂nnen? Seine sanften H√§nde, seine z√§rtlichen K√ľsse, all das wollte sie nie vergessen. Und nun das… Wie konnte sie das tun?
Sie ging weiter und trug im Kopf die Erinnerungen an die vergangenen Monate. Sie hatte ihn in einem Caf√© kennen gelernt. Nicht zuf√§llig, ganz und gar nicht. Sie hatte herausgefunden, dass er sich dort mit Vorliebe aufhielt. Im Vorbeigehen sch√ľttete sie ihm die Cola √ľber die Hose – sie kamen ins Gespr√§ch. Er war sogar nett. Das machte ihr Vorhaben leichter, angenehmer.
Sie verabredeten sich immer wieder, verbrachten nette Abende, sahen sich bald regelm√§√üig und kamen sich n√§her. Sich zu verlieben geh√∂rte nicht zu ihrem Plan – und dennoch – ……
Dass dieser verdammte Aufzug ausgerechnet heute kaputt gehen musste! Sie kam langsam ins Schwitzen. Sollte sie vielleicht aufgeben? Einfach weglaufen? Noch ist nichts passiert. Nein, es gab kein zur√ľck mehr, denn er w√ľrde sich fragen… er w√ľrde sie fragen…
Sie hatte aufgeh√∂rt h√∂rte auf die Stufen zu z√§hlen, staunte nur noch √ľber sich selbst und dar√ľber, wozu der Mensch in extremen Situationen f√§hig war, und welche Kr√§fte sie daf√ľr entwickelte hatte
Ihr R√ľcken tat weh, sie war gleich am Ziel.
Alles war bis ins kleinste Detail geplant. Sie waren Essen, dann noch ein Gl√§schen Wein bei ihm zu Hause im Hochhaus. Ungesehen Unbemerkt konnte sie ihm das Schlafmittel ins Glas mischen. Sein Testament hatte er vor einigen Wochen zu ihren Gunsten ge√§ndert. Sie tat damals so als wolle sie das nicht, als w√§re es ihr unangenehm an den Fall der F√§lle zu denken….
Dabei konnte sie das Geld gut gebrauchen. Sie war v√∂llig ruiniert. Die Leute von der privaten Kreditgesellschaft sa√üen ihr im Nacken, und √ľberhaupt, sie hatte sich ein paar nette Jahre im Luxus verdient. Und was sollte er in seinem Alter mit dem vielen Geld anfangen? Zu schade, es mit ins Grab zu nehmen.
Sie war ganz oben angekommen. √Ėffnete die T√ľr und trat nach drau√üen. Nun zog sie den schweren, leblosen K√∂rper hinter sich her. Alles w√ľrde aussehen wie Selbstmord. Sie w√ľrde ihn an den Rand setzen und dann nur noch ein kleiner Stupser und ihre Geldsorgen w√ľrden sich in Luft aufl√∂sen, alle W√ľnsche wahr werden.
Die letzten Meter fielen ihr besonders schwer. „Nun jetzt aber“, dachte sie. „Hast die ganzen Treppen geschafft, wirst wohl nicht die letzten Meter aufgeben…“
Ihr wurde schwindelig von der Anstrengung. Sie platzierte seinen K√∂rper am Rand und setzte sich einen Moment neben ihn. Den Kopf an seine Schulter gelehnt. Wie friedlich, was f√ľr ein sch√∂nes Gef√ľhl. Er war ein Mann, der ihr dieses intensive Gef√ľhl geben konnte gebraucht und geliebt zu werden, vielleicht der einzige Mann der das konnte. Konnte Durfte sie das jetzt wirklich tun? Gab es noch ein Weg zur√ľck? Sie k√∂nnte ihn einfach liegen lassen und weglaufen. Das Ganze als Schlafwandeln aufdecken und einfach seine – ihre Liebe weiter genie√üen. Was war schon Geld?
Sie hatte sich entschieden.
Z√§rtlich streichelte sie √ľber seine Wangen. Ein letzter Kuss, dann w√ľrde es geschehn. Pl√∂tzlich sp√ľrte sie dass sich seine Lippen bewegten. „Liebste“, sagte er. Das Schlafmittel verlor seine Wirkung. Seine Arme umschlangen sie…Er war noch leicht benommen, sein K√∂rper wankte schwer… „Liebster… warte, nein….“
Sie konnte nichts mehr sagen, im Hals ein Klo√ü, ihr K√∂rper auf einmal schwerelos. Sie sah seine Augen, weit aufgerissen sein Mund zu einem Schrei verzerrt. Sie machte die Augen zu und gab sich dem freien Fall hin…

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