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Leselupe.de > Kurzprosa
Der Weg
Eingestellt am 26. 08. 2005 15:09


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Kraftgeber
Wird mal Schriftsteller
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Jetzt noch mal in einem anderen Forum. Das Ding passt sicher besser zu 'Kurzprosa'. Vielleicht ist das auch nicht so wichtig. Ich w├╝rde mich ├╝ber R├╝ckmeldung freuen. Verbesserungsvorschl├Ąge, Kritik, Fragen, alles sehr willkommen.

Danke,
J├Ârg

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Der Weg

An einem sonnigen Nachmittag gingen sie Hand in Hand diese Allee entlang. Sie w├Ąren gerne mittendurch gegangen, beschattet von den lieben B├Ąumen mit ihren k├╝hlenden Kronen - so, wie es die Leute fr├╝her taten, als hier wohl nur ein paar Pferdefuhrwerke und Kutschen fuhren. Heutzutage hatte man den Baumweg f├╝r den Autoverkehr ger├╝stet. Neuer Asphalt, strenge Markierungen, alles tipp-topp. Einige B├Ąume hatten eine Art Glitzerr├Âckchen um, der das Scheinwerferlicht diffus reflektierte. Das war, um den Rehen den Sprung ├╝ber die Stra├če zu vergraulen - zumindest dann, wenn sich ein Auto n├Ąherte. Die Beiden waren auf den kombinierten Fahrrad/Fussg├Ąngerweg verbannt, der neben der Allee vorbei f├╝hrte. Aber hier war es auch sch├Ân. Sie gingen langsam nebeneinander her. Ihren Rhythmus hatten sie gefunden, schon ziemlich bald, als sie losgegangen waren.

"Ich gehe gern mit Dir", sagte er und schaute dabei auf die Lerche, die ├╝ber dem Feld ihr Lied sang.
"Ich gehe auch gerne mit Dir", antwortete sie, Auch sie schaute nun zum Feld hin├╝ber. Die Lerche war aber schon niedergegangen und das machte sie ohne Gesang. Das Korn verdeckte ihren Landeplatz.
"Wie weit willst Du gehen?" fragte er.
"Wir k├Ânnten sehr weit gehen, wenn wir wollen" Sie schaute an den B├Ąumen entlang. Aus dieser Perspektive erkannte man deutlich, wie gerade sie einmal gepflanzt wurden. Man sah jetzt auch , dass der Weg langsam anstieg.
Er schaute sie nun an. "Aber wenn wir zu weit gehen?"
"Ich glaube, solange wir im Rhythmus bleiben, k├Ânnen wir nicht zu weit gehen."
"Weisst Du denn, wohin uns der Weg f├╝hrt?"
"Nein. M├Âchtest Du zur├╝ck?"
"Nein, wir sind jetzt schon so weit gekommen"
"Ja, das sind wir. Leicht war es nicht"
"Nein, leicht war es nicht. Aber als wir erst mal auf den Weg gemacht haben, ging"s doch ganz gut, oder?"
"Ja, jetzt m├╝ssen wir nur noch den h├Âchsten Punkt erreichen"
Er blieb abrupt stehen. "Sollen wir wirklich so weit gehen?"
Sie antwortete nicht. Stattdessen dr├╝ckte sie seine Hand etwas fester und ging voraus. Ein kleiner, ausgetrockneter Graben trennte den Radweg vom Feld. Sie l├Ąchelten sich an und machten einen grossen Schritt. Das Kornfeld verschlang sie vollst├Ąndig, als sie sich niederlegten.

Die Lerche beschwerte sich lautstark ├╝ber die St├Ârung. Auf der Allee fuhr z├╝gig ein Auto vorbei. Beim Fahren bemerkte man die Steigung nicht.
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petrasmiles
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Man kann sich von der Vordergr├╝ndigkeit des 'gemeinsamen Weges' als abgenutzter Metapher abschrecken lassen, und sieht etwas scheinbar Bekanntes.
Man kann die seit der Industrialisierung immer wieder als Thema bem├╝hte Gegens├Ątzlichkeit von Natur und Technik, zwischen denen der Mensch zu pendeln scheint, sehen, und denken, das ist nicht neu.
Aber dann nimmt man sich als eiliger und vorschnell urteilender Leser das Vergn├╝gen an einer wirklich empfindsamen Darstellung einer allt├Ąglichen Szene. Ich sitze als Beifahrer in jenem Auto und sehe das harmonisch sich bewegende Paar, das sich schliesslich an den H├Ąnden fasst und aus meinem Blickfeld verschwindet, und ich blicke auf den Fahrer, der in Gedanken schon am Ziel ist, und am Ziel schon beim n├Ąchsten ist, und ich frage mich, was w├Ąre wohl anders, wenn wir so gegangen w├Ąren?
Meine Meinung? Eine feine Speise, die man nicht herunterschlingen darf - und von der ich mir mehr w├╝nsche.
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Nein, meine Punkte kriegt Ihr nicht ... ! Gegen Bevormundung durch Punktabzug f├╝r Gutwerter!

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