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Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Weg ins Unendliche
Eingestellt am 18. 09. 2007 09:52


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Janno
Hobbydichter
Registriert: Aug 2007

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Eine lange Stra├če erstreckte sich vor meinen F├╝├čen. Der Asphalt f├╝hlte sich weder kalt noch warm an. Selbst die Luft schien weder K├Ąlte noch W├Ąrme zu besitzen. Am Stra├čenrand war nicht ein Grashalm, geschweige denn ein kleiner Baum zu sehen. Nur eine endlose Sandlandschaft, die durch diese eine Stra├če gespalten wurde. Es erinnerte mich ein bisschen an eine W├╝ste, in der man bei jedem Schritt auf einen Tropfen Wasser hoffte. Doch hier versp├╝rte ich weder Ersch├Âpfung, noch Hunger oder Durst. Ich schaute in den wolkenlosen Himmel. Keine Sonne die mich blendete, kein Mond, der wie ein wachendes Auge auf mich herunter blickte. Ich lauschte in die einsame Stille, doch alles, was ich vernahm, waren die Stimmen, die in meinem Kopf umherschwirrten. Sie sagten mir, ich solle weiter die Stra├če heruntergehen. Sie sagten, ich w├╝rde bald an mein Ziel kommen.
Also setzte ich mich in Bewegung und tat langsam und vorsichtig einen Fu├č vor den anderen. Ich sp├╝rte jedoch keinen Widerstand des Bodens, sondern es f├╝hlte sich an, als w├╝rde ich diesen gar nicht ber├╝hren - als w├╝rde ich schweben. Ich strauchelte und dachte, ich f├╝rde auf den rissigen Asphalt st├╝rzen, doch ich konnte mich fangen.
Erschrocken blieb ich einen kurzen Augenblick stehen und verharrte auf der Stelle. Ich blickte ├╝ber meine Schulter. Auch hinter mir teilte diese endlos scheinende Stra├če die W├╝ste in zwei Teile.
"Wo bin ich hier? Wie komme ich hierher?" fragte ich leise. Jedoch wurde mir schnell bewusst, dass ich auf diese Fragen keine Antworten erhalten w├╝rde. Pl├Âtzlich sp├╝rte ich einen stechenden Schmerz in meiner Brust, welcher mich zu Boden riss. Es war das Gef├╝hl einer glei├čenden Klinge, ein Fleischermesser, welches sich ruckartig in meinen Brustkorb bohrte.
Der Schmerz war nahezu unertr├Ąglich. Ich schrie und rechnete damit, dass meine Stimme ein Echo durch die Luft wirbeln w├╝rde. Doch es blieb still. So schnell und pl├Âtzlich dieser Schmerz auch kam, so schnell verflog er wieder. Es war, als ob er gar nicht da gewesen w├Ąre, als sei er nur ein Produkt meiner Fantasie. Ich rappelte mich wieder auf und ging weiter Richtung Nirgendwo.
Ich sah, wie Sand ├╝ber die Stra├če wehte, doch konnte ich nicht einen einzigen Windhauch sp├╝ren. Es schien, als w├╝rde die Welt stillstehen. Zeit w├╝rde keine Rolle mehr spielen. Doch es kam mir vor wie mehrere Stunden, bevor ich endlich etwas sah, womit ich nicht mehr rechnete. Trotz meines z├╝gigen Tempos schien es, als w├╝rde ich auf der Stelle treten. Jeder Meter sah aus wie der andere. Doch pl├Âtzlich hatte eine besondere Sache meine volle Aufmerksamkeit. Ein Stra├čenschild prangte auf der rechten Seite des Weges.
Ich trat n├Ąher an das Schild heran. Es stand schief, als w├Ąre es von einem Auto angefahren worden. Auf einem langen, leicht br├╝chigem Pfahl aus Holz steckte ein ovalf├Ârmiges St├╝ck Metall. Bedeckt wurde es von etwas abgebl├Ątterter wei├čer Farbe. In der Mitte stand in gro├čen schwarzen Lettern das Wort "FREIHEIT" geschrieben. Ich wusste nicht, was es bedeuten sollte, also schenkte ich dem Schild keine weitere Beachtung und ging weiter. Nach ein paar Schritten, blickte ich ein weiteres Mal ├╝ber meine Schulter, doch das Schild war verschwunden.
Gab es dieses Schild nur in meiner Einbildung? War es ein Erzeugnis meiner Fantasie?
All das waren Fragen, die mir niemand beantworten konnte. Und so blieb ich ├╝ber all das im Unklaren.
Nun f├╝hlte ich etwas, was schlimmer war, als der Schmerz, den ich in meiner Brust sp├╝rte. Ich versp├╝rte Angst - pure Angst.
Pl├Âtzlich zuckte ein Blitz ├╝ber den Himmel, gefolgt von einem gewaltigen Donnergrollen. Jedoch erschrak ich nicht, sondern schaute einfach in den Himmel, der noch immer strahlend blau war und nicht, wie ich angenommen hatte, mit Gewitterwolken ├╝berzogen. Unbeeindruckt wanderte ich weiter den Weg herunter. Ich war nicht ersch├Âpft, doch war ich ├Ąngstlich vor dem, was vielleicht noch passieren k├Ânnte.
"VERLIEREN", sagte eine hektisch wirkende Stimme in meinem Kopf. Ich kniff die Augen zusammen und hielt mir mit den H├Ąnden die Ohren zu, blieb jedoch nicht stehen. "VERLIEREN" sagte sie ein weiteres Mal. Doch sollte es nicht alles gewesen sein, was ich zu h├Âren bekam. "DADDY" dr├Âhnte eine Kinderstimme in meinen Ohren. Ich ├Âffnete meine Augen, doch ich sah noch immer nicht mehr, als die Unendlichkeit der W├╝stenstra├če.
Ich war zwar nicht ersch├Âpft, dennoch setzte ich mich mitten auf die Stra├če und schloss die Augen, um einen klaren Gedanken fassen zu k├Ânnen, doch es wollte mir einfach nicht gelingen. Ein Gewirr von Stimmen schwirrten mir durch den Kopf. "SCHAFFEN", "SINKT" und "ZUR├ťCKHOLEN" waren nur einige W├Ârter von denen, die ich verstehen konnte. Mir wurde fast schwindelig. Wie aus heiterem Himmel verstummten diese Stimmen, die mich um den Verstand bringen sollten, abrupt. Ich ├Âffnete langsam die Augen und sah in der Ferne Rauch aufsteigen.
Ich erhob mich und ging dem entgegen, was mich in dieser Landschaft wie magisch anzog. Ich hatte das Gef├╝hl, als seien Stunden vergangen, als ich die Quelle des Rauches erreichte. Er stieg aus einem Schornstein auf, der auf einem alten Haus angebracht war. Ich kannte dieses Haus. Ich erkannte es an der Birke rechts neben dem K├╝chenfenster und an den Tulpen neben dem Haupteingang. Meilenweit war kein Grashalm oder sonst irgendwelche Pflanzen zu erkennen, doch hier wuchsen sie in H├╝lle und F├╝lle.
Das Haus, das wie aus einem Bilderbuch wirkte, war mein Elternhaus. Es war das Haus, in dem ich aufgewachsen bin und es stand mitten in der Leere der W├╝ste. In dieser trostlosen Landschaft wirkte es verloren und ein wenig befremdlich, war es doch sonst von Nachbarh├Ąusern umgeben.
Aus dem Augenwinkel meinte ich erkannt zu haben, wie meine Mutter in einem der Fenster erschien. Ich schaute etwas genauer und angestrengt und tats├Ąchlich war sie es. Sie hatte ihre langen braunen Haare zu einem Dutt geformt, wie sie es fr├╝her immer getan hatte, als sie uns in der K├╝che das Essen machte. Sie winkte mir zu und hatte dieses unverwechselbare L├Ącheln in ihrem Gesicht. "Mum?" fragte ich leise. Sie antwortete nicht, sondern winkte mir noch immer zu. Ich ging etwas n├Ąher an das Fenster neben der Haust├╝r, hinter dem sie stand. Nun brach sie ihr Schweigen: "Komm herein, mein Sohn. Ich warte nun schon so lange auf dich. Ich habe dir Muffins mit Zitronenglasur gebacken. Alles ist so, wie du es magst."
Ich blickte ihr in die Augen, die trotz ihres L├Ąchelns traurig aussahen. "Mommy, du bist...", sagte ich und brach pl├Âtzlich den Satz ab. Was ging hier nur vor? Es konnte nicht meine Mutter sein, denn diese ist bereits seit vielen Jahren an Krebs gestorben. Ich fuhr sie an: "Du bist nicht meine Mutter! Meine Mutter ist TOT!"
Kaum hatte ich den Satz beendet verformte sich ihr Gesicht zu einer h├Ąsslichen Fratze. Ihre Haut schien zu verbrennen, wurde sie doch pl├Âtzlich schwarz und spr├Âde wie verbranntes Papier. Ich sah, wie das Haus unter lautem Get├Âse auseinanderbrach. Die Bruchst├╝cke fielen jedoch nicht zu Boden, sondern wurden in den Himmel gezogen. Ich h├Ârte die Gestalt in dem Haus nur noch einen Satz sagen, bis mich ein glei├čendes Licht blendete: "Wir sehen uns wieder."

Ich ├Âffnete langsam meine Augen und rechnete damit, wieder auf der Stra├če, die die W├╝ste zerteilte, aufzuwachen. Doch ich blickte direkt in die Augen eines kleinen M├Ądchens. Es war meine f├╝nfj├Ąhrige Tochter Cynthia. "Daddy, die haben dich wieder heile gemacht", prustete sie heraus und strahlte ├╝ber ihr ganzes Gesicht. Ich sah mich um und sah wei├če W├Ąnde. An einer Wand hing ein Bild, das eine Vase mit Obst zeigte. Ich lag in einem Bett, welches mit einem wei├čen Laken bezogen war. Auch die Bettw├Ąsche war in dezentem Wei├č gehalten. Zu meiner Rechten war ein gro├čes Fenster, wodurch ich den blauen Himmel sehen konnte. Eine gro├če Wolke, die die Form eines Hasenkopfes hatte, schwebte durch die Luft und ich war froh, wieder mehr sehen zu k├Ânnen, als nur das unendliche Blau.
Ich versuchte mich aufzurichten, doch der rei├čende Schmerz in meinem Nacken und meiner Brust hinderten mich daran. Nun trat noch eine Frau in mein Blickfeld, welche sich ├╝ber mein Gesicht beugte und sagte: "Schatz? Tobin, wie f├╝hlst du dich?"
Es war meine Frau Liz. Ich wollte ihr antworten, dass mir noch etwas schwindelig war und ich Durst h├Ątte, doch ich brachte kein einziges Wort heraus. Mein Hals war wie zugeschn├╝rt.
Auch das Atmen fiel mir schwer. Ich nickte ihr lediglich zu, um ihr zu zeigen, dass alles in Ordnung war.
Ich nahm alle Kraft zusammen und fragte Liz, was passiert sei. Sie schickte Cynthia f├╝r einen kurzen Moment aus dem Zimmer, sah mich betroffen an und erkl├Ąrte mir, was geschehen war: "Du hattest einen Autounfall. Ein Reisebus hat dich auf der Autobahn gestreift und du bist...", Liz hielt inne.
Ich bemerkte, wie ihr eine Tr├Ąne ├╝ber die Wange lief und sie sich zusammenriss, nicht zu weinen. Dennoch schaffte sie es nicht, ihren Emotionen standzuhalten.
Sie Sie drehte ihren Kopf zur Seite und wischte sich mit einem Taschentuch die Tr├Ąnen aus dem Gesicht, bevor sie fortfuhr: "Du bist gegen die Leitplanke geknallt und hast dich mit dem Wagen ├╝berschlagen. Die ├ärzte und der Notfallhubschrauber waren sofort zur Stelle. Du hast Gl├╝ck gehabt, dass sie dich noch aus dem Auto bekommen haben. Du hast Gl├╝ck, dass es alles so schnell ging. Es hatte sich ein gro├čer Glassplitter in deinen Brustkorb gebohrt, der nicht leicht zu entfernen war. H├Ątte man ihn rausgezogen, w├Ąrst du..." Liz hielt einen weiteren Moment inne, um sich ihre Tr├Ąnen zu verkeifen, indem sie sich auf die Unterlippe biss. "Du w├Ąrst auf der Stelle verblutet, wenn sie ihn einfach so gezogen h├Ątten. Sie musste ihn heraus operieren. Du h├Ąttest den Eingriff fast nicht ├╝berlebt."
Geschockt von der erdr├╝ckenden Ehrlichkeit ihrer Erkl├Ąrungen rann mir eine Tr├Ąne die Wange entlang. Mir wurde schlagartig klar, dass ich fast gestorben w├Ąre und meine Familie nie wiedergesehen h├Ątte. Der Gedanke, das Cynthia ohne ihren Vater aufgewachsen w├Ąre, war f├╝r mich unertr├Ąglich.

Ich musste noch einige Zeit im Krankenhaus bleiben, bis ich wieder vollst├Ąndig genesen war. Mein gesamter Aufenthalt im betrug vier Wochen. Liz und Cynthia kamen mich jeden Tag besuchen und meine Fortschritte, wieder richtig und gleichm├Ą├čig zu atmen wurden von Tag zu Tag besser. Anfangs war ich noch etwas wackelig auf den Beinen, doch auch dieses Problem bekam ich schnell in den Griff. Ich bin sicher, dass ich meine Mutter irgendwann wiedersehen und ein weiteres Mal am Ende der W├╝stenstra├če stehen werde, doch all das liegt noch in sehr weiter Ferne.

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