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Der Weg zum Thriller-Autor
Eingestellt am 01. 04. 2009 09:01


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Hedwig Storch
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2005

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Dieser Pfad ist steinig, aber gangbar. Ein Wegbereiter ist Brian Moore. Sein Roman "Mangans Verm├Ąchtnis" kann geradezu als Tourenf├╝hrer dienen. Das Rezept scheint einfach.

New York anno 1978. M├Âchtegern-Poet und Journalist Jamie Mangan meint, er stamme von dem irischen Dichter James Clarence Mangan (1803 - 1849) ab. Also macht er sich auf, ├╝ber den Gro├čen Teich nach Ireland und sucht dort. Was er findet, ist ern├╝chternd. Es geht aber hier in diesem Kurzbeitrag nicht um Geschichten, sondern um eine Technik - die der Erzeugung der Lese-Spannung und des Nervenkitzels.

Im Roman auffindbare Thriller-Ingredienzien sind zum Beispiel
1.) Der mystische Touch
Jamie sieht nicht nur dem richtigen Dichter auf der Daguerreotypie aus dem Jahr 1846 t├Ąuschend ├Ąhnlich, sondern findet auch unter seinen irischen Verwandten weitere Doppelg├Ąnger des 1849 verstorbenen Poeten Mangan.
2.) Der finale Paukenschlag
Das haarstr├Ąubende Romanende mit dem enttarnten Kindersch├Ąnder will heutzutage - 30 Jahre nach dem ersten Erscheinen dieses Buches - nicht das Nervenkitzel erzeugen. Doch der Thriller-Autor mu├č den Bogen spannen und vor allem ├╝ber den langen Text hinweg gespannt halten, auch im Hinblick auf das
3.) Happyend
Gl├╝ckliches Ende mu├č vermutlich sein. Dem Leser wird es dann warm ums Herz. Brian Moore macht das so: Die Ehefrau l├Ąuft Jamie davon. Dr├╝ben in Irland findet der Held eine viel j├╝ngere, viel h├╝bschere - das 18j├Ąhrige sexy girl Kathleen. Der Leser hofft, Jamie wird die reizende Kindfrau mit nach Nordamerika nehmen. Aber - und das macht den richtigen Thriller aus - das Happyend kommt ganz anders. Hintergr├╝ndig wurde es am Romananfang knapp vorbereitet und paarhundert Seiten sp├Ąter wieder aufgenommen. Doch es wird nichts plump ausgesprochen. Vielmehr mu├č der Leser nach dem letztendlichen Zuklappen des Buches nachdenken, um in den Genu├č jenes gl├╝cklichen Endes zu kommen. Apropos sexy.
4.) Geschlechtsverkehr
und zwar mehrmals kurz hintereinanderweg - mu├č haarklein beschrieben werden; manchmal krude, aber immerhin doch ├╝berwiegend angels├Ąchsisch sachlich-sauber.
5.) Der Titel
darf nicht blo├č eindeutig sein. In unserem Fall ist er mindestens zweideutig. Einmal hinterl├Ą├čt der Poet Mangan einen Sumpf und die zweite Hinterlassenschaft, die von Jamies Vater (der ja auch Mangan hei├čt), das kommt ganz am Schlu├č heraus, kann hier nicht verraten werden. Sonst lesen Sie wom├Âglich das sch├Âne Buch nicht.
6.) Die poetische Prosa
Geschickt flicht Brian Moore Verse von T. S. Eliot (1888 - 1965) und James Clarence Mangan in die Handlung ein. Der M├Âchtegern-Dichter Jamie zitiert diese, Kathleen singt diese... Damit wird James Clarence Mangan auf einen Sockel gehoben, damit sich der Leser so richtig berauschen kann. Darauf folgt aber der Bildersturm: Vielleicht war der gro├če Ire blo├č ein Nationalist. Alles in Zweifel ziehen ist die Devise.

Der irische Autor Brian Moore wurde am 25. August 1921 in Belfast geboren und starb am 10. Januar 1999 in Malibu (Kalifornien).

Brian Moore: Mangans Verm├Ąchtnis. Eine irische Familiengeschichte. Roman
Aus dem Englischen von Bernhard Robben. 448 Seiten. Diogenes, Z├╝rich 1999, ISBN 3-257-23285-3

Hedwig 4/2009

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Hedwig

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