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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Weiher
Eingestellt am 02. 08. 2002 18:20


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Norbert Hilgers
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2000

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mit der Suche nach Tim r├╝ckten Ereignisse in mein Bewusstsein zur├╝ck, die ich schon wie vergessene Akten in einer alten Schublade w├Ąhnte. Nach einem lautstarken Streit mit Ellen, meiner Frau, war er ohne das wir es merkten davongelaufen. Uns viel es erst Stunden sp├Ąter auf, da wir uns jeder in den entferntesten Winkel des Ferienhauses zur├╝ckgezogen hatte und Tim bei dem jeweils Anderen glaubten.
Da ich ganz in der N├Ąhe geboren und aufgewachsen war, kannte ich mich gut in der Umgebung aus und wir hatten schnell alle m├Âglichen Verstecke und Winkel abgesucht ohne auch den geringsten Hinweis auf den Verbleib unseres Sohnes zu entdecken.
Seltsamer Weise fielen erst jetzt meine Gedanken auf den Ort, an den zu erinnern mir fast physische Schmerzen bereitete. „Wir m├╝ssen zum Dunkenweiher”, meine Stimme klang so bestimmt, da├č Ellen, die ohnehin schon ganz blass vor Sorge war, zu zittern begann.“ Was zum Teufel ist der Dunkenweiher”, entgegnete sie mit schon fast hysterischem Unterton. “Der Dunkenweiher ist ein alter Dorfteich, der eigentlich schon verlandeter sein m├╝sste. Der Ort ist im letzten Jahr vom Tagebau geschluckt worden, aber vielleicht ist der Teich, der etwas au├čerhalb lag, noch vorhanden.
Es geht aber keine Gefahr mehr von ihm aus, im letzten Herbst war er nur noch knapp einen halben Meter tief.” Ellen schien die Aussage zuerst zu beruhigen, aber Sie, die eine Art siebten Sinn f├╝r mein Stimmungen besa├č ehe ich mir selbst dar├╝ber klar wurde, erkannte sofort das da noch etwas anderes war was mich besch├Ąftigte.
“ Da ist doch noch was”, bohrte Sie sofort nach, w├Ąhrend wir den Weg in Richtung Weiher einschlugen. Ich durchforstete mein Ged├Ąchtnis und sammelte die Bruchst├╝cke dessen auf, welches ich noch ├╝ber den Weiher zusammen bekam.“ Den Dunkenweiher, hat man zwischen dem 16 und 17. Jahrhunderts als Gerichtsweiher genutzt. Wie ich glaube, stand dort fr├╝her die Richtereiche an dem man die zum Tod verurteilten aufgeh├Ąngt hat. In dem Weiher, so erz├Ąhlte man, wurden so genannten Wasserproben an vermeintlichen Hexen durchgef├╝hrt.” Ellens Gesichtausdruck verriet mir das sie keine Vorstellung von dem hatte wovon ich sprach.“ Die Wasserprobe bedeutet, da├č die Opfer mit den Daumen an die gegen├╝berliegenden Zehen gefesselt und an ein Seil gebunden, ins Wasser hinabgelassen wurden .Wenn der K├Ârper unter Wasser sank, so galt die Angeklagte als unschuldig. Meistens sind die Frauen dabei jedoch ertrunken.”
“Wie kam man den auf den Quatsch”, warf Ellen erbost ein.“ Ganz einfach, man hat geglaubt, da├č der Teufel im Wasser mit der Hexe war und ihr Untersinken verhinderte oder dass Hexen sehr leicht sein mussten, um fliegen zu k├Ânnen und daher nicht untergehen konnten.
“Das erkl├Ąrt warum man als Hexe fr├╝her besser eine Bogen um den Teich gemacht hat”, meinte Ellen. „Aber warum denkst du da├č Tim ausgerechnet dahin gelaufen ist, und wenn schon , der T├╝mpel ist doch wahrscheinlich l├Ąngst ausgetrocknet. Der Grundwasserspiegel hier in der Gegend ist doch in den letzten Monaten durch die Pumpen vom Tagebau um fast einen Meter gefallen. Au├čerdem ist Tim schon fast acht und schwimmt wie ein Seeotter.“
“Ich wei├č Ellen, aber das ist es nicht. Ich ringe mit mir wie, und ob ich dir diese alten Geschichte erz├Ąhlen soll!” Ellen sah mich mit diesem Blick an der mir keine weitere Wahl erlaubte.“ Also gut, eine Erz├Ąhlung mit denen wir Kinder vom Weiher ferngehalten wurden, besagte, da├č zwei allein stehende Frauen der Hexerei bezichtigt wurden und mit ihnen eine Wasserprobe im Dunkenweiher durchgef├╝hrt wurde”, erkl├Ąrte ich. ” Warum sind sie der Hexerei bezichtigt worden sind”, warf Ellen ein.“ Als Kind wusste ich es nicht, wei├čt du ich war noch keine zehn und vieles was nicht f├╝r jugendliche Ohren bestimmt war, wurde nur unter vorgehaltener Hand getuschelt. Aber ich habe Dir doch erz├Ąhlt, da├č ich vor einigen Monaten den alten K├╝ster Paul Struder im Altenheim besucht habe. Wir kamen auf die die Zeit zu sprechen als wir noch T├╝r an T├╝r gewohnt haben. Struder hatte sich als selbsternannter Dorfchronist bet├Ątigt und was noch an Wissen ├╝ber das Dorf zu finden war aufgeschrieben. Au├čerdem hatte er Zugang zu den alten Kirchenb├╝chern. Ich habe einiges kopiert und zu Hause durchgesehen. Also ich glaube, da├č die beiden Frauen ein sagen wir mal au├čerordentlich inniges Verh├Ąltnis miteinander gepflegt haben. Da sie zu dem wohl besondere Sch├Ânheiten gewesen sein sollen, sind sie vermutlich von eifers├╝chtigen M├Ąnnern, die bei Ihnen nicht landen konnten denunziert worden.” Ellens betroffener Gesichtausdruck erzeugte in mir, ohne das sie einen Vorwurf aussprach, so etwas wie m├Ąnnliche Mitverantwortung ohne eigenes zutun.
“Was wurde aus den Frauen, sind sie ertrunken? oder wurden Sie als Hexen verbrannt?”, fragte sie.“ Das ist ja gerade das Merkw├╝rdige, als man sie an H├Ąnden und F├╝├čen gefesselt in den Teich hinablie├č, gingen Sie wohl sofort, zum Missfallen einiger Dorfbewohner, unter. Als man jedoch die Stricke herauszog waren sie leer. Der ganze Teich wurde mit Stangen nach den beiden Frauen abgesucht aber Sie wurden nie aufgefunden.” „Und nur der Verdacht, da├č die beiden Frauen lesbisch waren hat gen├╝gt sie zu denunzieren.“ “Sicherlich, aber es gab da noch etwas welches erschwerend dazu beigetragen hat.” „Und was war es, waren sie die Hebammen des Dorfes, oder waren Sie heilkundig und besa├čen sie irgend welche Mittelchen gegen Impotenz die dann irgendwann auch nicht mehr geholfen heben?”, meinte Ellen sp├Âttig.
“ Nein nichts dergleichen, es war, die beiden hatten einen Sohn!” In Ellens Gesicht spiegelte sich Verbl├╝ffung. “Keinen leiblichen “, meinte ich unn├Âtigerweise, “es mu├č wohl ein Findelkind gewesen sein, jedenfalls haben sie ihn ohne Vater aufgezogen.”„ Irgendwie verstehe ich nur Bahnhof, was hat das Kind mit Hexerei zu tun?”, fragte Ellen weiter. „Es war das einzige Kind im Dorf, es gab nur wenige Familien die Ihre Kinder gro├č bekamen. Epidemien, herumlungernde S├Âldnergruppen die Kinder als menschlichen Nachschub gestohlen haben, Hunger. Keiner g├Ânnte diesen Frauen das Gl├╝ck ein gesundes Kind gro├č zu ziehen. Kurzum sp├Ąter wurde immer wieder behauptet, da├č merkw├╝rdige Dinge in der N├Ąhe des Weihers gesehen wurden.“ „Was meinst du mit merkw├╝rdigen Dingen?“, Ellen war an einem Holunderstrauch stehen geblieben und sah mir fragend in die Augen.“ Einige Dorfbewohner behaupteten, sie, die beiden Frauen, in der N├Ąhe des Weihers noch Jahre nach ihrem Tod gesehen zu haben.“„Geistergeschichten, um kleine Kinder zu erschrecken“, entgegnete Ellen geringsch├Ątzend.
Wir schwiegen gedankenverloren w├Ąhrend wir eine Lichtung ├╝berquerten.“ Was wurde aus ihm?” fragte Ellen weiter.“ Soweit ich wei├č, wurde er von der Familie gro├čgezogen, aus der die Denunzianten kamen aber er hat wahrscheinlich seine Ziehm├╝tter nie vergessen.” „Jetzt ergehst du dich aber in Mutma├čungen”, Ellen sch├╝ttelte unwillig den Kopf.“ Wie kommst Du ├╝berhaupt darauf, da├č Tim den weiten Weg bis hin zum Weiher gelaufen ist, ich denke wir sollten umdrehen und uns in der N├Ąhe des Hauses umsehen. Vielleicht sitzt er jetzt l├Ąngst schon in seinen geliebten Gameboy vertieft vor dem Schuppen.“„ Sie haben ihn gerufen “, entgegnete ich. Ellens Blick lie├č v├Âlliges Unverst├Ąndnis erkennen. “Sie, die beiden Frauen haben ihn gerufen und er ist ihren Stimmen gefolgt.” „ H├Âr auf solchen Schwachsinn zu reden, du machst mir Angst.”„Glaub mir ich wei├č es, ich kenne ihre Stimmen. Mach dir um Tim keine Gedanken, es geht ihm gut.” Ich wu├čte selbst nicht woher ich die Sicherheit nahm. “Wo ist er, wo ist dieser verdammte Teich?” Ellens Fingern├Ągel hatten sich tief in meinen Arm gegraben.“ Dort vorn, h├Ârst du ihn?” Tims, durch dichtes Buschwerk ged├Ąmpftes Lachen drang zu uns her├╝ber.
Ellen riss sich von mir los und lief in Richtung der Stimme. Ich folgte ihr und fand Sie am ehemaligen Ufer des Weihers. Sie hielt sich zitternd am Ast einer Weide fest und beobachtete das eigenartige Schauspiel welches sich uns wenige Meter entfernt bot. Tim sa├č inmitten von frischem gr├╝nen Gras, da├č sich gebildet hatte, nachdem das Wasser zur├╝ckgewichen war. Ihm gegen├╝ber stand eine in ein Wollegewand gekleidete strohblonde Frau vielleicht Anfang 30. Eine zweite mit langen dunklen Haaren stand neben einem Baum und pfiff. Der Junge, der die Augen mit einem Tuch verbunden hatte, versuchte jetzt dem Pfiff zu folgen und stakelte auf seinen d├╝rren Beinen auf sie zu.
“ Tim”, Ellen schrie seinen Namen voller Erregung und ihre Stimme ├╝berschlug sich fast als sie ihn aufforderte sofort zu ihr zu kommen. Beide Frauen sahen augenblicklich in unsere Richtung. Ihre eben noch deutlich sichtbaren Umrisse verschleierten sich, und innerhalb weniger Augenblicke schien nur noch ein unsteter Nebel ├╝ber dem nur noch pf├╝tzengro├čen Weiher zu liegen. “Nein”, ich hielt Ellen an beiden Oberarmen, und sch├╝ttelte sie bis ich den Eindruck hatte, da├č sie wieder ansprechbar wurde.“ Keine Sorge, sie spielen nur.” Meine Worte schienen an Einfluss zu gewinnen.“ Woher wei├čt Du das alles, woher wusstest du das Tim hier war, woher wei├čt du das ihm nichts passiert?”, fragte sie ohne den Blick von unserem Sohn abzuwenden. “Tim wird in drei Tagen acht und das Kind das die Beiden gro├čgezogen haben war ebenfalls kurz vor dem achten Geburtstag als sie verschwanden. ├ťber all die Jahre habe ich es vergessen, verdr├Ąngt und es sp├Ąter f├╝r Phantastereien gehalten. Ich habe mich hier fr├╝her oft herumgetrieben und eines Tages kamen diese beiden Frauen. Ich habe hier stundenlang mit ihnen gespielt und hier die tollste Zeit meiner Kindheit verbracht.
Aber als ich acht Jahre wurde verschwanden sie und mit ihnen ein wichtiger Teil meiner Kindheit. Ich habe wochenlang verzweifelt nach Ihnen gesucht, doch sie nie wieder gesehen.
Mit Paul Struder habe ich das erste Mal ├╝berhaupt ├╝ber meine Erlebnisse sprechen k├Ânnen und er hat mir erz├Ąhlt, da├č auch mein Vater als Kind immer wieder von Zuhause verschwand und keiner wu├čte wo er in dieser Zeit geblieben war. Ich habe ihn noch gefragt ob er sich an den Namen der Frauen erinnern k├Ânne, aber er meinte diese seien aufgrund dessen das beide unverheiratet waren, nicht in den Kirchenb├╝chern festgehalten worden. An den Namen des Jungen jedoch konnte er sich sehr gut erinnern. Die Familie die ihn aufgenommen hatte hie├č Hinmann und das Kind hat auch diesen Namen bekommen. Verstehst du aus Hinmann wurde im Laufe der Jahre Hindermann. Unser Familienname. Und Tim wird der letzte sein, der diese Bekanntschaft machen darf. Der Weiher wird im noch dieses Jahr weggebaggert.“
Unser Sohn hatte sich das Tuch von den Augen gezogen und winkte uns freudig zu. .La├č Ihnen ein letztes Mal die Freude.“ Ellens Augen spiegelten ihre innere Zerrissenheit wieder.
“ Setz dich, mach dir kein Sorgen. Er ist in besten H├Ąnden.” Wir lie├čen uns am Rand des Weihers nieder und warteten.
Tim stapfte unterdessen am Ufer herum und rief nach seinen Freundinnen. Dann, als wenn sich ein Puzzles aus tausend Schmetterlingen zusammenf├╝gt, waren sie wieder da.
Sie wagten einen scheuen Blick in unsere Richtung und wendeten sich wieder Tim zu, der hocherfreut ├╝ber ihre Anwesenheit auf sie zulief. Ellen sah nicht die versteckte Handbewegung mit der ich einen stillen Gru├č in Richtung der Drei schickte und sie sah auch nicht das kurze Nicken des Erkennens das von der Dunkelhaarigen kam und bei mir ein wohliges Fr├Âsteln in der Nackengegend ausl├Âste.

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Norbert Hilgers

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Zefira
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Icch lese die Geschichte jetzt schon zum zweitenmal, und beide Male funktioniert sie irgendwie nicht.
Der Plot gibt was her, aber der Text selbst l├Ą├čt mich kalt, die Sorge um das Kind wird nicht f├╝hlbar. Die Vorgeschichte des Weihers wird im Gespr├Ąch zwischen dem Porotagonisten und der Frau vermittelt, in einer f├╝r mein Empfinden geschraubten Sprache. Der Dialog geht hin und her, ohne da├č das eigentliche Geschehen, die Suche nach dem Kind, bildhaft wird.
"Also gut, eine Erz├Ąhlung mit denen wir Kinder vom Weiher ferngehalten wurden, besagte, da├č zwei allein stehende Frauen der Hexerei bezichtigt wurden und mit ihnen eine Wasserprobe im Dunkenweiher durchgef├╝hrt wurde..."
Das ist erstens grammatikalisch falsch ("eine Erz├Ąhlung mit denen...") und zweitens redet in Wirklichkeit kein Mensch so.
Schwierig, wie man so etwas l├Âst, aber ich halte es f├╝r keine gute Entscheidung, da├č der Protagonist seiner Frau die ganze Exposition hopplahopp w├Ąhrend der Suche erz├Ąhlt. Vielleicht w├╝rde es sich lohnen, die Frau ├╝berhaupt wegzulassen und die Vorgeschichte nur in die Gedanken des Vaters zu verlegen. Jedenfalls bitte nicht so ein Verlauf, in dem die ├Ąu├čere Handlung immer m├╝hsam hinter der Vorgeschichte herhinkt.

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