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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Welt entrissen
Eingestellt am 06. 12. 2001 20:10


Autor
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sturmwind
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

Werke: 25
Kommentare: 23
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~Nun, ich wei├č noch nicht genau, wie ich das hier jetzt machen soll. Muss ich ├╝berhaupt etwas vorwegschreiben? Hm, m├╝ssen tu ich es sicher nicht... . Wie dem auch sei, meine erste Geschichte die ich hier hin stelle. Kritik im Guten, wie im Schlechten auch, ist nat├╝rlich erw├╝nscht und auch bei ausf├╝hrlichen Fragen oder dergleichen steht meine Mailbox immer offen. So will ich mal nicht l├Ąnger "reden" und w├╝nsche viel Spa├č.
Auf das diese Geschichte auf Interesse st├Â├čt.~



Der Welt entrissen


Sie schritt auf das Wasser zu, kaltes Wasser, auf dessen aufgew├╝hlter Oberfl├Ąche sich die untergehende Sonne orange bis r├Âtlich spiegelte.

Im Wind flog ein Pergament umher und wurde durch die Luft gewirbelt, seine Ecken und Enden waren angesengt. Dann, f├╝r kurze Zeit, erstarb der Wind und das Blatt fiel herab. Es landete an einem kleinen Zweig und blieb dort h├Ąngen.
-Du wei├čt erst, wie wichtig dir etwas ist, wenn du zusiehst, wie es dir entrissen wird. Du wei├čt es erst dann... unwiderruflich entrissen. Man nahm sie mir, nahm sie einfach weg... entrissen... unwiderruflich. Wof├╝r... aus welchem Grund... warum? Entrissen... und ich sah einfach nur zu... verdammt dazu, verdammt dabei zuzusehen... wie sie sie mir entrissen... auf ewig. Jetzt wei├č ich, was mir wichtig war... jetzt wei├č ich, dass mir mein Leben nie etwas bedeutet hat. Entrissen... mein Herz herausgerissen... meine Lungen zerfetzt... mein Blut vergossen... weggegossen in den Schlamm... . Ohne sie, bin ich Nichts... war ich nie etwas.-
Der Wind wurde wieder heftiger und das Papier wurde hinfortgerissen, wurde aus der Welt gerissen.

Es war lediglich nur noch eine tief rote Kuppe, die von der Sonne am Horizont aufragte, wie ein Berg aus Feuer. Unter Wolken brach sich das Licht, von dunkel zu hell schimmerte es, wo der Himmel verdeckt blieb, wo die nahende Dunkelheit ├╝berschattet wurde.

Die Flammen schlugen weit in den Himmel der Nacht. Es brannte, das Haus stand in Flammen, loderndem Feuer. Sie schrie, schrie aus aller Kraft.
"Neeeeeeeein! Warum... h├Ârt auf...", die Stimme wurde von den Tr├Ąnen fast ertr├Ąnkt, doch br├╝llte sie weiter in der Hoffnung, es w├╝rde n├╝tzen, doch mit dem Wissen, dass es das gewiss nicht tat, "...h├Ârt doch auf... Bitte... aufh├Âren... ."

Kurz vor dem Wasser, wo die schwachen, gebrochenen Wellen, sich an das Ufer schleppten, verharrte sie, mit dem Blick auf den sterbenden Feuerball gerichtet, der ein letztes Licht in nachtumfangene Welt sandte. Tr├Ąnen rannen ├╝ber ihre verru├čten Wangen und eine geballte Faust presste sich st├Ąrker zusammen.

Sie drehte sich um und blickte zu dem kleinen M├Ądchen r├╝ber, wie es dort auf dem Boden sa├č, mit einer einfachen Puppe spielte und lachte. Ein sch├Ânes Lachen, das Lachen eines Kindes, wie es das Herz umschmeichelt. Sie beobachtete das M├Ądchen eine Weile und setzte dann ihre Arbeit fort.

Der Kopf fiel nach vorn und ihr Blick fiel auf das anschwemmende Wasser, dass kurz vor ihren F├╝├čen wieder ins Meer rann, zur├╝ckkehrte, wieder verschwand und sie fast ber├╝hrte.

Des kleinen Kindes Puppe zerriss, als es beim Spielen damit an einem Ast h├Ąngen blieb und dran zog. Es fing an zu weinen, das Weinen eines Kindes, wie es das Herz mit Tr├Ąnen f├╝llt. Sie ging zu dem M├Ądchen, nahm die Puppe und versprach ihr sie noch heute abend zu n├Ąhen, nahm sie auf dem Scho├č und wischte l├Ąchelnd die Tr├Ąnen von den kleinen, weichen Wangen.

K├╝hl wurden die Kn├Âchel vom Wasser umsp├╝lt und ein Zittern fuhr durch ihren K├Ârper, K├Ąlte kroch ihr durch die Beine in ihr Herz, w├Ąhrend endg├╝ltig ein letztes Mal die Sonne aufleuchtete und verschwand. Die Wolken blichen vollends aus und ergaben sich dem Grau der anr├╝ckenden Nacht.

Schwarz war das niedergebrannte Holz und noch immer stieg Rauch in den Morgen herauf, die klare Luft am Morgen. So stand sie da und kniete nieder, mit versengtem Haar und rotger├Ąnderten Augen, gereizt vom Qualm. Die Stimme war verstummt.

Bis zu den Knien war sie ins Wasser voran geschritten, noch immer den Blick nieder gerichtet. Zittern ergriff erneut und h├Ąftiger ihren K├Ârper, ihr Herz. Der Hauch der Nacht schlich um sie und wirbelte sanft mit ihren Haaren, w├Ąhrend mehr Tr├Ąnen den Ru├č wegwuschen.

"Sieh,... sieh her,", rief das M├Ądchen, als es lachend umherwirbelte, "ich tanze."
Sie lie├č f├╝r einen kurzen Moment die Arbeit niedersinken und sah her├╝ber, wo das Kind ├╝ber den Rasen Sprang und sich drehte. Kein Ton verlie├č sie, sie sah einfach nur zu, mit einem gl├╝cklichen L├Ącheln auf den Lippen, es war alles so perfekt.

Sie lie├č sich auf die Knie fallen, dass das Wasser nun bereits bis zu ihrer H├╝fte reichte und ihren Leib umschlang. Wellen schlugen um sie herum, spritzten das Nass bis zu ihren Schultern hinauf. Sie fror, doch sp├╝rte es nicht.

Je n├Ąher sie ging, desto hei├čer wurde es und desto weniger war es auszuhalten. Sie sah die offene T├╝r direkt vor sich, wie die Flammen nach drau├čen leckten und in den Abend hineintanzten. Es war zwecklos, denn als sie durch die T├╝r hinein eilen wollte, schlug ihr erneut die Feuerzunge entgegen, dass sie r├╝ckw├Ąrts stolperte und zu Boden st├╝rzte.

Ihre Faust raste nieder und immer wieder hieb sie auf das Wasser ein, schlug nach ihm, bis die Kraft ersch├Âpft schien und eine Tr├Ąnenflut ihr Gesicht str├Âmte.

Deutlich erkannte sie, wie der Balken niederkrachte, an dem die gr├Â├čere ├ľllampe hing. Sie kam nicht an die Gefangene in den Flammen heran, konnte sie nicht herausholen, so musste sie mit ansehen, wie die Lampe fiel, in die gierigen Flammen.

Weiterhin kraftlos, blickte sie nur auf das dunkler werdende Wasser, den sich verdunkelnden Himmel, dass er im Osten schon vollkommen schwarz erschien und f├╝hlte, wie scheinbar eisige Tr├Ąnen auf ihrem Gesicht hafteten.

Helfen, dass war es was sie wollte, so sprang sie gleich wieder auf und rannte los, wollte sie retten. Feuer, das war alles was sie jetzt noch sah und einen K├Ârper hinter diesem hei├čen Wall, der sich an die Wand kauerte.

Es war lediglich ein bl├Ąulicher, oder gar silberner, Schimmer, der sich im Westen am Horizont entlang zog, wo doch vor nicht all zu langer Zeit noch das Feuer ertrank, und sich auf dem Wasser reflektierte.

Rot und orange und gelb umschlang sie das hungrige Feuer, als das ├ľl aus der Lampe das Feuer neu entfachte, als es ihm mehr Nahrung gab. Sie schrie, die Gefangene schrie, dass sie es selbst hinter dieser neuen, st├Ąrkeren Wand h├Âren konnte und schluchzend, weinend, zur├╝cktaumelte. Die Flammen lie├čen ab von ihr, dass sie nicht wahrhaftig brannte, sondern leicht angeschlagen wurde.

"So,... so h├Ątte es nicht sein sollen, nicht so."
Die Wellen rauschten leise, summten ihr ewiges Lied.

Dieses Lachen, dieses fr├Âhliche Springen in der Sonne des Fr├╝hlings.
"Geh bitte ins Haus, Josiah, und entz├╝nde das Licht, es wird bald dunkel werden.", l├Ąchelte sie zu dem M├Ądchen her├╝ber und machte weiter mit ihrer Besch├Ąftigung. Nickend und gl├╝cklich dar├╝ber etwas tun zu d├╝rfen, lief Josiah zum Haus her├╝ber.

In einem Krampf aus Tr├Ąnen und Schock brach sie auf den Knien zusammen. Sie konnte den schreienden K├Ârper durch die H├Âlle tanzen sehen. Ihre Nerven, ihre Gedanken, ihre Trauer und die Hilflosigkeit, l├Ąhmten ihren K├Ârper, stattdessen konnte sie nur schreien, es herausbr├╝llen, als der tanzende Leib verstummte.
"Josiah!"

Sie riss den Kopf nach oben, starrte in die Nacht, die funkelnden Sterne im Westen und die dunklen Wolken im Norden. Ihre Stimme erklang laut und klar, doch von Wut ergriffen.
"Warum musste Josiah sterben?!"

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Sturmwind,

der Rupert hatte mich auf diesen Text aufmerksam gemacht, weil wir gerade in der Schreibwerksatt in meiner Poesie ├╝ber Stimmungen diskutierten.

Ja, in diesem Text kommt es noch deutlicher zutage. Eine verzehrende kraftvolle Stimmung und Melancholie. Ein Kampf und die Suche nach einem Ausweg, aber dann die ern├╝chtende Wahrheit am Ende.

Prima gelungen.

Gruss
Volkmar

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sturmwind
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

Werke: 25
Kommentare: 23
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Hallo

Danke, so was h├Ârt man nat├╝rlich gern.
Ich werde mich bem├╝hen, dass meine folgenden Geschichten auch Gefallen finden.
Zum einen schreibe ich zwar f├╝r mich, wenn ich Lust drauf habe oder wegen anderer Dinge, aber zum anderen schreibe ich auch, weil es gefallen soll, anregen soll, was auch immer man gerne alles mit einer Geschichte erreichen mag.
Und ehrgeizig mag ich wohl auch sein, denn besser will ich mit Bestimmtheit werden. Ich habe ja grade erst so richtig damit angefangen Geschichten zu schreiben und habe noch viel Zeit.

freundlich gr├╝├čend
sturmwind

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