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Leselupe.de > Science Fiction
Der Würfelplanet
Eingestellt am 13. 07. 2003 21:46


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putorius
Hobbydichter
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Der Würfelplanet

Twoxx betrachtete zufrieden nickend seine Aufzeichnungen. Eine innere Stimme sagte ihm, dass er nach all den Jahren des Forschens kurz vor einem entscheidenden Durchbruch stand. Lag sie nun greifbar vor ihm, die Antwort auf die Frage nach der Identität jener Wesen, die seit Jahrhunderten oben auf dem mächtigen Berg wohnten? Doch bevor er loszog dies zu prüfen, wollte er noch mit dem Häuptling über sein Vorhaben reden.
Der Weg dorthin war kalt, windig und eisig. Das normale Wetter dieses Planeten begleitete ihn die breite Hauptstraße hinunter bis hin zum weit angelegten Vorplatz des imposanten Palastes, der völlig aus makellosen Eiswürfeln erbaut worden war. Man war auf dem Würfelplaneten stolz auf die seit Generationen überlieferte Tradition der Eiswürfelproduktion und in diesem Palast hatte sie ihre Vollendung erreicht. Sogar fernab dieses Planeten waren Eiswürfel dieser Planetenbewohner begehrt und geschätzt. Die Fremden Wesen auf jenem mächtigen Nebelberg behaupteten das zumindest und huldigten den Kuboliden in ganz besonderer Weise, indem sie für jede monatliche Eiswürfelproduktion ein göttlich geweihtes Artefakt gaben. Mehr noch, die Fremden, die auf Grund ihrer Freigiebigkeit auf die Anrede „Die Freunde" bestanden, drohten gar mit Gotteszorn wenn die Lieferungen von Seiten der Kuboliden ausbleiben sollten.
Twoxx durchschritt unbehelligt die großen Pforten des Palastes, denn er war ein häufig und gerne gesehener Gast im Regierungsbezirk. Doch er war jedes mal aufs neue ehrfürchtig berührt, wenn er mit weichen Knien die langen Eiskorridore durchschritt, in denen die göttlichen Gaben stolz zur Schau gestellt wurden. Hier entfaltete sich der gesamte Reichtum der Kuboliden, denn der Häuptling schmückte sich allzu gern mit den Artefakten. Hier standen sie in Regalen, dort auf Podesten, woanders auch in eigens für sie ins Eis gearbeiteten Wandnischen. Aber es gab auch noch einen geheimen Keller, in dem noch das lagerte, was in den Regierungsgebäuden keinen Platz gefunden hatte.
Endlich hatte Twoxx das Herz des Palastes erreicht und stand im Torbogen, der in den Thronsaal führte. Kaum war er eingetreten, nahmen Menge und Qualität der göttlichen Gaben zu. Die meisten waren schlicht gearbeitet, aber es gab auch aus komplexen Formen gefertigte Statuetten mit geheimnisvollen Runen und nicht zuletzt auch solche Gaben, die süßen Geruch verströmten. Der Häuptling selbst saß auf seinem Thron und winkte Twoxx milde lächelnd näher. Er trug eine silberne Krone, die auf seinem breiten würfelförmigen Körper saß. Er musterte ihn wie immer lange und still. „Weiser Twoxx. Ich bin der festen Überzeugung, dass dein Besuch auch dieses mal in Zusammenhang mit den Freunden auf dem Berg steht."
Twoxx hatte die Stufen, die zum Thron führten erreicht und sank an deren Fuß in die Hocke. „Wie immer ist Eure Weisheit grenzenlos, werter Häuptling. In der Tat habe ich eine Methode ersonnen, mit deren Hilfe ich den wahren Charakter der Freunde zu ergründen vermag." Er blickte erwartungsvoll zu seinem Regenten empor.
„Nicht, dass ich deinen Forscherdrang bremsen wollte, werter Magier Twoxx, doch verstehe nicht den dauernden Zweifel, den Ihr in den Absichten der Freunde zu erkennen glaubt. Seit sie vor Jahrzehnten hier auf dem Berg gelandet sind, geht es uns besser als jemals zuvor in unserer abwechslungsreichen Geschichte. Dieser Weltwürfel ist vom Schicksal auserkoren worden. Auf anderen Weltwürfeln gibt es kein Eis und es sollte und immer mit Stolz erfüllen, unseren Teil zur erhaltung des traditionellen Eiswürfelbaus beizutragen. Es kann auch kein Zufall sein, dass gerade unser Land in diesem engen Kontakt mit den Göttern steht, denn nirgends sind die Würfel quadratischer, würfelförmiger und glatter. Auch das Geschick meiner Untertanen verdient Lob, schaffen sie es doch, einen Würfel in zwanzig Tagen herzustellen."
„Was haltet Ihr von dem Teil der Vereinbarung mit dem Gotteszorn?"
„Das zeigt nur, wie sehr sie – und vermutlich die anderen Weltwürfel – unsere Arbeit schätzen. Wir liefern ihnen die Würfel und erhalten zum Dank die göttlichen Gaben."
„Ihr habt recht, Häuptling, aber dennoch werde ich noch heute zu einer Expedition auf den mächtigen Nebelberg aufbrechen." Er zog eine quadratische Eistafel hervor, die von innen heraus dunkelblau zu leuchten schien. „Ich werde die Freunde auf dem Berg bitten, uns eine Grußbotschaft in diese von mir magisch veränderte Eistafel zu ritzen. Diese Handschrift werde ich analysieren und aus ihr den Charakter der Freunde ablesen. Habe ich die Schrift, kann ich in die Seele blicken."
„Magier Twoxx", entgegnete ihm der Häuptling mit bedauerndem Unterton, „Wir wissen ja nicht einmal, ob die Freunde überhaupt Hände haben. Nie hat jemand einen der Freunde zu Gesicht bekommen. Womöglich sind sie gar nicht würfelförmig wie wir."
„Die Gestalt des Äußeren ist unerheblich. Wir wissen, dass die Planeten Kanten haben, die Sonnen rund sind. Aber dennoch kreisen sie alle umeinander, ohne sich zu stören. Vielleicht sind die Freunde kugelförmig, aber in jedem Falle haben sie Hände, um diese Artefakte zu schaffen."
„Nun denn", begann der Häuptling mit einem Zögern, „also muß ich einsehen, dass ich es nicht vermag, dich von deinem Vorhaben abzuhalten. Ziehe daher unter dem Schutz der Götter, auf dass du dein Ziel erreichen und gesund wieder heimkehren mögest." Damit war die Audienz beendet und Twoxx machte sich sofort auf den Weg.

Am zehnten Tag seiner Reise war Twoxx mit seinen Kräften am Ende. Der lange Weg von der Kuboidenhauptstadt bis hierher hatte Spuren an ihm hinterlassen. Er hatte schon beinahe die Hälfte des Wegs zum Gipfel des mächtigen Nebelberges erreicht und kletterte in den Wolken, die den Gipfel des Berges immer verhüllten. Die Eiswinde, die in dieser Höhe tosend umpeitschten waren um ein Vielfaches heftiger als alles, was er bisher erlebt hatte und die Kälte stach mit tausend Nadeln durch seinen dichten grauen Pelz. Und so bewegte er sich mehr tastend als sehend Schritt um Schritt vorwärts, immer mit der dunklen Ahnung, es könnte der letzte sein. Schon seit zwei Tagen kletterte er durch die weiße Nacht der Wolken, einem nicht existierenden Pfad folgend, in die noch nie von einem Kuboliden erklommenen Höhen des heiligen Berges. Das donnernde Toben des Orkans hatte seine Sinne zudem benebelt, und gerade, als er vor Erschöpfung zusammengebrochen wäre, glaubte er, in dem Tosen der Winde eine Stimme erkannt zu haben. Je mehr er sich darauf konzentrierte, umso deutlicher wurde sie. Sie schrie ihm zu, ohne dabei aggressiv zu wirken, denn sie erinnerte vielmehr an die gütige Wärme eines Großvaters. „Halte durch! Halte durch!" Diesen Satz wiederholte sie gleich einem Mantra wieder und wieder.
Twoxx stützte sich an einem Felsvorsprung ab und rief mit letzter Kraft ins weiße Nichts. „Wer bist du? Wer spricht zu mir?"
„Halte durch!"
„Antworte Twoxx, dem Magier, körperlose Stimme!"
„Halte durch!"
der Kuboliden-Magier rappelte sich auf und sammelte alle ihm noch verbliebenen Kraftreserven zusammen, um diesen Berg endlich zu erklimmen. Steine wichen seinen Tritten aus, rutschten zur Seite, stürzten durch den Sturm unhörbar in die Tiefe. Er krabbelte inzwischen auf allen Vieren. „Wer bist du? Antworte!"
Die Stimme hielt inne. „Ach vergiss es. Du wirst es ja doch nicht auf den Gipfel schaffen. Du bist ein Kubolide."
„Ach ja?" Twoxx stieß die Faust in die Luft. „Höre mir gut zu, Stimme. Ich bin Twoxx, der Magier. Niemand zweifelt an mir oder meinen Taten. Ich führe zu Ende, was ich in Angriff genommen habe."
Die Stimme seufzte. „Wie will ein Kubolide es schaffen, den heiligen Berg zu ersteigen. Ich mach mich aus dem Staub. Ist ja eh nur verschwendete Zeit."
„Aber sage mir zuerst, was du bist. Bist du ein Gott?"
Die Stimme schien einige Momente lang nachzudenken. „Nun, zumindest bin ich kein Kubolide, das reicht mir schon."
„Ich habe es satt. Ich werde zeigen, zu was ich fähig bin." Die Stimme meldete sich nie wieder und davon abgesehen hatte sich die Lage von Twoxx noch nicht verändert.
Am zwölften Tage flaute der Sturm ab und mit jedem Schritt wurde der Nebel dünner, die Steigung flacher. Gegen Mittag sah er in einen hellblauen Himmel und hinter sich konnte er über ein blendend weißes Wolkenmeer blicken, das alles bis zum Horizont ausfüllte. Er setzte sich auf einen Felsen und ließ sich von der schwachen Sonne bescheinen, die er so selten in seinem Leben gesehen hatte und sog ihre nur für Kuboliden fühlbare Wärme in sich auf. Seine Kräfte kehrten langsam zurück.

In demselben Augenblick stolperte der Häuptling im Regentenpalast der Hauptstadt der Kuboliden über die kleine quadratische Eistafel, auf der Twoxx die Handschrift der Freunde hatte festhalten lassen wollen. Er nahm sie hoch und legte sie achtlos zu den anderen heiligen Artefakten.

Twoxx hatte inzwischen den Gipfel erreicht, aber er hatte nicht mit einem riesigen Hochplateau gerechnet. Vielmehr war er wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Freunde in den Höhlen einer bizarr zerklüfteten Gipfellandschaft hausen würden. Nichts derartiges sah er vor sich. Im Zentrum der Hochebene ragten dutzendweise dunkelgrüne Türme in die Höhe, die sich zu transparenten roten Spitzen verjüngten. Es gab dicke, dünne, hohe und nicht ganz so hohe von ihnen und sie waren dicht und allem Anschein nach ohne erkennbares System errichtet worden. Am beeindruckensten fand er, dass nichts an Würfel erinnerte, denn die Türme hatten weder Kanten noch Ecken.
Er hatte mittlerweile genug Kräfte gesammelt, um den letzten Kilometer zum Wall, der die Stadt umgab, in Angriff zu nehmen. Er hatte die Hälfte der Strecke fast geschafft, da hörte er ein leises Zischen, dessen Ursprung er nicht deuten konnte. Es füllte die ganze Luft und wurde lauter und lauter. Dann, mit einem Male wurde die gesamte Hochebene in einen gleißend grellen Blitz getaucht. Hätte sich Twoxx nicht instinktiv hinter einen Felsen geworfen, wäre es auf der Stelle mit ihm zu Ende gewesen. Er dachte an das „Erste Buch der Kuboliden". Demzufolge lebten die Kuboliden seit Urzeiten auf ihrem Weltwürfel. Die Seiten dieses Würfels bestanden aus Eis und jedes Mal, wenn ein Kubolide starb, floß seine Seele in dieses Eis, wo sie dann als kleiner Eiswürfel heraus brach. War der Kubolide in seinem Leben fromm gewesen, so stieg dieser Würfel auf ins Firmament, wo er sich einen Platz suchte, um dort auf immer zu funkeln. War ein Kubolide nicht fromm, so fiel der Seelenwürfel in das Tränenmeer, auf dem der Weltwürfel schwamm, um darin in Verdammnis zu schmelzen. Eine gewaltige Druckwelle fegte über Twoxx hinweg und riss ihn aus seinen Gedanken. Der Donnerknall war zu laut für die Trommelfelle des Kuboliden und als Twoxx nach schier endlos langer Zeit aus seinem Versteck kroch, war von der Götterstadt nichts mehr zu sehen. Weite Teile der Hochebene hatten sich in Glas verwandelt, das zischend grauen nach Schwefel stinkenden Nebel in die Luft aufsteigen ließ. Twoxx hinkte blinzelnd weiter durch die nun für ihn stille Welt. Sein Pelz war auf drei Seiten übel verbrannt und er hatte Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht. Dann schwanden seine Kräfte und er spürte, dass er am Ende seines Weges angelangt war. Er sah noch einmal hoch zur Sonne, dann fiel er, um mit dem Eis der Ewigkeit zu verschmelzen.

3968 Lichtjahre entfernt in einer Cafeteria im Planungshauptquartier der Streitkräfte Fodors:
General Haiifaqq nippte an einem Becher echten Noilen-Tees, dann setzte er die Tasse mit einem klackenden Geräusch zurück auf die Untertasse. Obergesdif Jassax Farastax saß ihm gegenüber und blätterte in den aktuellen Unterlagen. „General, mit dem Überraschungsangriff auf den Katak-Außenposten, haben wir dem Katakreich einen schweren Schlag versetzt."
Der General nickte zustimmend. „In der Tat, auch wenn diese Welt keinerlei strategischen Nutzen für diese Kröten gehabt hat, so haben wir ihnen klar vor Augen geführt, dass mit den Fodorianern immer und überall zu rechnen ist. Meinen Glückwunsch zum Gelingen Ihrer Operation."
Jassax konnte ein Lächeln nicht zurückhalten. „Danke, General. Aber sagen Sie. Ich habe gehört, dass auf Wexlax 5 eine primitive Eingeborenenpopulation bestehen soll. Können Sie das bestätigen?"
„Ja, das kann ich. Irgendwie ganz witzig. Das sind so kleine würfelförmige Wühlmäuse, die sogar so etwas wie eine Kultur entwickelt haben. Das Ministerium für Planetenentwicklung schätzt, dass in 2 Millionen Jahren die Rahmenbedingungen für eine Aufnahme in das Kulturregister gegeben sein könnten. Was die Kataks dort verloren hatten, ist für unsere Geheimdienste schleierhaft. Nach allem, was wir wissen, importierten Sie Eiswürfel für ihre abgedrehten Cocktail-Partys von dort. Wir haben auch Hinweise darauf, dass sie auf dem so genannten Würfelplaneten ihren Müll billig entsorgt haben. Naja. Den Mäusen kann es egal sein."



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putorius

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lapismont
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Hallo putorius,

eine gute Idee! Das Ende ist mir zu unpointiert und mit zu viel überflüssigen Informationen beladen.

cu
lap
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Kunst passiert.

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putorius
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hallo,
das mit den "überflüssigen Informationen" resultiert aus der Tatsache, daß die Geschichte das zehnte Kapitel aus meinem Roman "Mein Freund ist Fodorianer" darstellt. Da sie aber in sich abgeschlossen ist, kann man sie auch für sich alleine stehen lassen.

man liest sich,
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putorius

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