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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Zug
Eingestellt am 06. 01. 2014 17:04


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Drachenprinzessin
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Registriert: Jan 2014

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Gerade noch rechtzeitig erwische ich den Bus zum Bahnhof. Meine Lungen brennen noch von der Anstrengung. Der Bus ist ziemlich leer f├╝r diese Uhrzeit, aber das ist mir nur recht. Meine vom Regen durchn├Ąsste Kleidung klebt unangenehm an meinem K├Ârper. Durch die warme Raumluft f├╝hlt es sich noch schlimmer an. Ich versuche m├Âglichst ruhig zu sitzen, damit meine Kleidung nicht zu sehr an meiner Haut zieht. Um mich abzulenken schaue ich aus dem Fenster. Das Wasser flieht von den Scheiben, als w├Ąre etwas Beunruhigendes hinter ihm her. Dieses verdammte Wetter macht mich schwerm├╝tiger als mir lieb ist. Als ich endlich am Bahnhof angekommen bin, wirkt das Geb├Ąude auf mich, als w├Ąre es der Welt entr├╝ckt. Eine breite Stra├če liegt zwischen der Bushaltestelle und dem Bahnhofsgeb├Ąude, welches zu beiden Seiten von B├Ąumen, Str├Ąuchern und verschiedenen Pflanzen umgeben ist. Die in dem Geb├Ąude verarbeiteten Backsteine und die Spitzbogenfenster lassen darauf schlie├čen, dass es schon sehr alt ist. Nur vereinzelt befindet sich der Putz noch an der Fassade. Mehrere, im Vergleich zum Geb├Ąude, neu aussehende Glast├╝ren lassen einen Blick auf die Eingangshalle zu. Wie gewohnt ├Âffne ich eine der T├╝ren und betrete die Eingangshalle. Ich muss feststellen, dass immer noch alles genauso verwahrlost ist wie fr├╝her. Es entt├Ąuscht mich, da das Geb├Ąude doch schon vor Monaten den Besitzer gewechselt hat. Die Unterf├╝hrung zu den Gleisen sieht auch nicht besser aus. Zudem stinkt es dort immer so abscheulich nach Alkohol und Exkrementen.
Nur ein paar Minuten muss ich warten bis der Zug kommt, der ausnahmsweise mal keine Versp├Ątung hat. Es ist ein alter Zug, aber das finde ich nicht so schlimm, denn manche dieser Z├╝ge haben ihren ganz eigenen Charme. Wir rollen los. Wie immer sitze ich am Fenster. Die triste Landschaft hat eine eigenartige Wirkung auf mich. Obwohl ich diese Strecke nicht zum ersten Mal fahre, habe ich vorher noch nie so gef├╝hlt. Es ist wie eine Lethargie, die einen pl├Âtzlich bef├Ąllt. Ich sp├╝re meinen K├Ârper, trotzdem f├╝hlt es sich so an, als w├╝rde er schlafen. Als w├╝rde mein K├Ârper schlafen, obwohl mein Geist hellwach ist. Er wirkt hellwach. Er ist hellwach. Ich bin hellwach. Ich atme die frische Luft, die durch die ge├Âffneten Fenster dringt, kann die anderen Z├╝ge vorbei fahren h├Âren. Ich kann durch die Fensterscheibe sehen, wie sie vorbei rasen. Mein Verstand ist nicht verwirrt. Zumindest scheint er klar zu sein. Und doch. Ich nehme alles sehr klar, sehr bewusst war. Alles erscheint mir so real, fast zu real. Ich bin doch bei vollem Bewusstsein, tr├Ąume nicht. Denn wenn es ein Traum w├Ąre, dann w├╝rde ich den kalten Wind, der aus den ge├Âffneten Fenstern zu mir dringt, nicht so genau, so bewusst wahrnehmen k├Ânnen. Nur mein K├Ârper f├╝hlt sich irgendwie kalt an. Nicht leblos, aber kalt. Ich kann meine Arme und Beine nicht bewegen, geschweige denn aufstehen. Nur meine Augen und auch meinen Kopf kann ich bewegen. Trotzdem sp├╝re ich den Zug mit all meinen Sinnen. Ich sp├╝re das kalte Metall der Zuginnenwand, das harte Polster, auf dem ich sitze, die Plastiklehne, auf der mein Arm ruht. Ich kann sogar sp├╝ren, wie der Zug sich nach vorne bewegt, wie er durch die Landschaft rast. Es f├╝hlt sich fast so an, als w├Ąre ich ein Teil des Zuges. Auch diesen typischen, muffigen Geruch, der in allen Z├╝gen herrscht, ganz besonders in den ├Ąlteren, kann ich riechen. Eigentlich mag ich diesen Geruch nicht, jedoch nehme ich ihn heute anders war als jemals zuvor.

Der Bahnhof liegt jetzt einige Kilometer hinter uns. Immer schneller und schneller fahren wir. Ich habe das Gef├╝hl im Sitz nach hinten gedr├╝ckt zu werden. Und wie es aussieht, f├╝hlen auch die anderen Mitreisenden so wie ich, denn jeder sitzt starr in seinem Sitz. Niemand steht mehr. Niemand unterh├Ąlt sich mehr. Alles ist still. Vollkommen still. Totenstill. Auf manchen Gesichtern kann ich sehen, wie unwohl sich die Personen in diesem Augenblick f├╝hlen. Und dennoch. Dieses Gef├╝hl in den Sitz gedr├╝ckt zu werden scheint sehr, sehr weit entfernt zu sein. Es erscheint mir der Nachhall eines Traumes zu sein, den ich einmal hatte, viele Jahre zuvor. Viel n├Ąher, viel wirklicher ist ein anderes Gef├╝hl. Ein ganz anderes. Ich habe das Gef├╝hl zu schweben. Nicht zu fliegen, aber durchaus zu schweben. Dieses Gef├╝hl macht einem wei├č, dass man keinen Boden mehr unter seinen F├╝├čen hat. Aber ich wei├č, dass dem nicht so ist. Vorw├Ąrts, immer weiter vorw├Ąrts rollen wir. Erbarmungslos, ohne ein einziges Mal zu halten prescht der Zug nach vorne. Noch nicht einmal der Wind kann ihn stoppen. Uns stoppen.
D├╝ster ist es drau├čen geworden. Wolken h├Ąngen ├╝ber dem Himmel. Dunkle Wolken. Regenwolken. Es f├Ąngt an zu regnen. In str├Âmen. Dieses Wetter macht meine Seele melancholisch. Sie sehnt sich nach Sch├Ânheit. Nach innerer, ehrlicher Sch├Ânheit. Nach Sch├Ânheit, die dem Verstand entspringt. Nach Sch├Ânheit, die aus dem Herzen kommt. Nicht nach gek├╝nstelter, nur nach Erfolg orientierter ÔÇ×Sch├ÂnheitÔÇť. Auf diese trifft man ja in diesen Zeiten nur allzu oft. Leider. Es macht mich traurig. Die wenigen Sch├Ątze, die es gibt, werden gar nicht oder viel zu wenig beachtet. Diese Leere in meinem Herzen ist unertr├Ąglich. Nur der Himmel scheint mich zu verstehen. Vielleicht ist f├╝r ihn diese Oberfl├Ąchlichkeit genauso unertr├Ąglich wie f├╝r mich. Diese strahlende, glitzernde Welt, die man uns vorgaukelt, in die wir eingebettet sind, ist nichts weiter als blo├čer Schein. Schein und Macht, das ist alles, was in dieser kalten, herzlosen Welt z├Ąhlt. Es ist das Einzige, was in dieser Welt ├╝berhaupt noch z├Ąhlt.

Seit einigen Minuten ist unsere Geschwindigkeit konstant geblieben. Das Gef├╝hl zu schweben ist immer noch da. Ich kann den Boden unter meinen F├╝├čen nicht mehr sp├╝ren. Und auch den Sitz, indem ich sitze, kann ich nicht mehr sp├╝ren. Kein Bahnhof ist in Sicht. Wir fahren immer weiter. Immer weiter vorw├Ąrts durch diese unwirkliche Welt. Der Regen peitscht unaufh├Ârlich gegen die Fensterscheiben. Aus den ge├Âffneten Fenstern dringt immer k├Ąltere Luft hinein. Kalte Luft in den sowieso schon kalten Raum. Ein Mann vor mir schlie├čt die Fenster. Das traurige Wetter scheint die Lethargie der Menschen aufgehoben zu haben. ├ťberall im Zug h├Ârt man Gespr├Ąche, Gel├Ąchter. Manche Menschen stehen auch. Die Wolken ziehen sich zu, werden immer gr├Â├čer. Immer dunkler. Sie formen sich in hohen T├╝rmen zu riesigen, fast schon gespenstisch anmutenden Gewitterwolken. Von weit her ert├Ânt ein tiefes, dunkles Grollen. Es ist fast nicht wahrnehmbar und dochÔÇŽ Ich sp├╝re es mehr, als dass ich es wirklich h├Âre. Es schleicht sich mir durch Mark und Bein. Dann ert├Ânt ein weiteres Grollen, ein weiterer Donner. Ich kann ihn fast nicht wahrnehmen, so weit entfernt ist er, fast noch weiter, als das Grollen gerade eben, aber ich sp├╝re auch diesen. Ich sp├╝re ihn durch den Zug hindurch. Ein Gef├╝hl streift mich. So pl├Âtzlich, wie der Donner nieder kam. Ich schaue aus dem Fenster. Nicht nach oben zu den Wolken, sondern nach unten. Dorthin, wo der Boden seien m├╝sste. Dorthin, wo die St├Ądte seien sollten. Dort ist nichts. Stattdessen fahren wir auf einer Br├╝cke, die sich einige Meter ├╝ber dem Boden befindet. Was f├╝r eine das ist, kann ich nicht sagen. Ich kann nur ihren ├Ąu├čersten Rand sehen. Er sieht aus, als sei er aus Stahl geformt. Um uns herum ist weit und breit nichts. Nur graue Felsen und gelber Sand. Eine g├Ąhnende Ein├Âde durchzieht dieses Land. Dort, wo sich eine Stadt befinden sollte. Nein, dort, wo sich mehrere St├Ądte befinden sollten. Wo wir blo├č sind? Bisher habe ich so eine Landschaft immer nur in alten Western gesehen. Es kann doch unm├Âglich in unseren Breitengraden so aussehen. Das ist doch ├╝berhaupt nicht m├Âglich! Vielleicht etwa doch? Vielleicht sieht es hier mittlerweile so aus. Vielleicht habe ich es einfach nur nicht mitbekommen. Vielleicht wei├č ich auch nicht, was in der Welt sonst noch geschehen ist, wie sie sich sonst ver├Ąndert hat. Vielleicht schreiben wir mittlerweile ein ganz anderes Jahr, als ich in Erinnerung habe. Komisch, niemand scheint sich an dieser Landschaft zu st├Âren. Alle sind gelassen. Wirken gelassen, kein St├╝ck an unserer Umwelt interessiert. Sie sind alle zu sehr mit sich selbst besch├Ąftigt, als dass sie auch nur ein klein bisschen von dem, was um sie herum geschieht, mitbekommen w├╝rden. Sie m├╝ssten doch auch sehen, was ich sehe! Schlie├člich ist doch niemand von ihnen blind! Aber niemand von den hier anwesenden Personen macht Anstalten, sich ├╝ber unsere Umwelt zu wundern. Sie lesen Zeitung, unterhalten sich oder schauen gelangweilt aus dem Fenster. Aber niemand ist nerv├Âs. Niemand scheint auch nur irgendetwas zu sehen. Wie gerne w├╝rde ich doch wissen, was sie sehen, was sie denken, ja sogar, was sie f├╝hlen.
Pl├Âtzlich zieht diese trostlose Landschaft immer schneller an uns vorbei. Ich werde noch st├Ąrker in den Sitz gepresst. Langsam bekomme ich Angst. Das Gef├╝hl, den Boden unter den F├╝├čen zu verlieren, ist wieder zur├╝ck. Wird immer st├Ąrker. Aber es ist kein beruhigendes Gef├╝hl mehr. Es f├Ârdert die Angst, die in meinem Herzen gedeiht. Ein Gef├╝hl wie ein innerer Blitz durchzieht meinen K├Ârper. Es ist ein grauenhaftes Gef├╝hl, welches mir durch Mark und Bein zieht. Von meinem Herzen geht es aus, raubt mir fast den Atem. Ich will schreien. Ich versuche zu schreien, aber es geht nicht. Ich kann noch nicht einmal meinen Mund ├Âffnen. Ich sp├╝re meinen K├Ârper nicht. Ich habe ihn die ganze Fahrt ├╝ber nicht gesp├╝rt. Jetzt erst wird es mir wirklich bewusst. Wo sind wir nur? Warum st├Ârt sich keiner an der Landschaft, die dort drau├čen liegt? Die dort drau├čen vor unser aller Augen liegt! Bin ich etwa die Einzige, die diese trostlose Landschaft dort sieht? Das kann nicht sein! Die Menschen in diesem Zug m├╝ssten doch gen├╝gend Verstand haben, um zu erkennen, wie die Welt da drau├čen aussieht. Um zu erkennen, dass die Welt direkt vor uns unwirklich, wie aus einem Film, aus der Phantasie entsprungen, aussieht! Pl├Âtzlich wird meine Atmung flacher. Angst hat sich in mir breit gemacht, durchzieht mich durch und durch. Wir fahren immer schneller. Es ist kein Ende in Sicht. Aber wer sagt, dass es kein Ende gibt? Wir fahren ja schlie├člich so schnell, dass man kaum noch etwas erkennen kann. Die vielen Regentropfen auf den Scheiben werden vom Fahrtwind hinweggefegt, wie Bl├Ątter vom Herbstwind fort getragen werden. Wir fahren schneller, immer und immer schneller. Pl├Âtzlich beginnt der Zug zu wackeln. Es hat den Anschein, als ob wir ├╝ber Kies und Schotter fahren w├╝rden. Die Deckenlampen fangen an zu flackern. Der Zug wackelt immer heftiger, bis er f├╝rchterlich wackelt und rumpelt. Es wird immer schlimmer. Hier und da fallen die Deckenlampen hinunter. ├ťberall l├Âsen sich Schrauben, fallen aus ihren L├Âchern. Der ganze Zug droht auseinander zu bersten. Durch die trockenen Fensterscheiben ist die Landschaft wieder erkennbar. Das Erste, was ich sehe, ist ein Abgrund. Hilfe ihr G├Âtter, wir fahren ├╝ber einen Abgrund! Niemand st├Ârt sich daran! Ich kann nicht genau erkennen, wie weit er in die Tiefe geht. Das einzige, was ich klar erkennen kann ist, dass die Br├╝cke aufh├Ârt! Sie h├Ârt einfach so auf, als w├Ąre sie nie fertig gestellt worden. Sie h├Ârt einfach so auf, ohne jede Vorwarnung. Der Lokf├╝hrer h├Ątte doch schon von weitem sehen m├╝ssen, dass die Br├╝cke mitten ├╝ber dem Abgrund aufh├Ârt. Alle hier k├Ânnen es sehen, dennoch unternimmt niemand etwas. Au├čer mir sind alle gelassen. Ruhig und gelassen. Wie k├Ânnen die nur? Mir stockt der Atem, meine Kehle schn├╝rt sich zu. Immer weiter und weiter. Ich bekomme kaum noch Luft. Die Angst in mir ist unertr├Ąglich. Die Angst abzust├╝rzen. Abzust├╝rzen und ins Leere zu fallen. Ins Nichts zu fallen. Der Zug bremst nicht ab. Er f├Ąhrt mit derselben Geschwindigkeit auf das Ende der Br├╝cke hinzu. Er f├Ąhrt mit derselben Geschwindigkeit auf das Ende von allem zu. Ohne die Geschwindigkeit zu drosseln. Ohne auch nur langsamer zu werden. Ohne zu bremsen. Ich kann deutlich sp├╝ren, wie der Zug weiter, immer weiter rast! Ich japse nach Luft, aber ich kann nicht atmen. Mein Herz h├Ąmmert in meiner Brust. Angstschwei├č ├╝berstr├Âmt meinen K├Ârper. Gleich werden wir fallen, fallen, fallen! Hilfe ihr G├Âtter, wir fallen! Ich habe so schreckliche Angst, will mich irgendwo festklammern, aber ich finde einfach keinen Halt! Diese unertr├Ągliche Angst. Ich zittere, bin Schwei├č ├╝berstr├Âmt. Der Sturz kommt mir vor wie Tausend unertr├Ągliche Jahre. Mein Herz pocht so heftig. Es f├╝hlt sich an, als w├╝rde es jeden Moment aus meiner Brust h├╝pfen. Die Umgebung geht so langsam an mir vorbei. Ich kann nicht anders, ich muss meine Augen schlie├čen. Jetzt habe ich noch mehr das Gef├╝hl zu schweben als vorher. Ich habe das Gef├╝hl, in meinem Angstschwei├č zu ertrinken bevor wir ├╝berhaupt in die N├Ąhe des Bodens gelangen. Mein Herz schl├Ągt wild in meiner Brust. Die Angst ├╝berrennt mich, f├╝llt mich aus. Mein Geist schwimmt in meinem K├Ârper. Versucht sich dort zu verstecken. Versucht sich dort vor der Wirklichkeit zu verstecken. Pl├Âtzlich geht ein heftiger Ruck durch den Zug, ein lautes Krachen erschallt und viele Menschen Schreien. Auch ich schreie. Vor Angst. Ich falle nach vorne, kann mich aber noch an einer Stange in der N├Ąhe der T├╝ren festhalten. Neben mir kann sich noch eine Frau festhalten. Ich wage es nicht, hinunter zuschauen, aber ich tue es trotzdem. Ich kann nichts genaues erkennen, nur ein gro├čer Knubbel schreiender Menschen ist dort. Jeder versucht ├╝ber m├Âglichst viele Menschen zu klettern und so nach oben zu kriechen. Den meisten gelingt das nicht. Nur einige wenige schaffen das. Einige dieser wenigen Menschen finden keinen Halt. Sie fallen wieder in diesen Knubbel zur├╝ck, in diesen Haufen schreiender und wild um sich schlagender Menschen. Dieses Geschrei ist Ohrenbet├Ąubend. Nur mein Herz ist fast noch lauter. Ich kann es h├Âren. Kann f├╝hlen, wie es in meiner Brust pulsiert. Ich zittere. Langsam verl├Ąsst mich meine Kraft. Ich kann mich nicht mehr sehr viel l├Ąnger festhalten. Wenn der Zug nicht bald abst├╝rzt, dann werde auch ich sehr bald ein Teil dieses menschenfressenden Mobs sein, der dort unten w├╝tet. Meine H├Ąnde sind nass geschwitzt. Langsam aber sicher l├Âsen sie sich von der Stange. Ich kann nichts dagegen tun. Die Zeit kommt mir so unertr├Ąglich lang vor. Vielleicht hat sich der Zug ja in der Br├╝cke verkeilt. Vielleicht h├Ąngen wir in der Luft. Ich habe Angst. Unbeschreiblich gro├če Angst. Pl├Âtzlich h├Âre ich ein lautes, ohrenbet├Ąubendes Krachen. Meine Angst ist unertr├Ąglich gro├č. Mein Herz rast noch wilder als jemals zuvor. Mein Verstand wei├č, ich wei├č, dass der Zug in diesem Moment den Boden des Abgrundes ber├╝hrt. Alles ist so schnell vorbei. Es kommt mir wie ein verschwindend kleiner Bruchteil einer Sekunde vor. Im einen Moment werde ich von dem Mob verschlungen, im N├Ąchsten bin ich in einem Tunnel. Ein warmes, wei├čes Licht taucht pl├Âtzlich vor meinen Augen auf. Stille. Endlose Stille. Beruhigende Stille.
__________________
Kauko -Im Tal der vergessenen Geschichten (Teil 1)-

Version vom 06. 01. 2014 17:04
Version vom 16. 01. 2014 12:42

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Architheutis
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Hallo und Willkommen Drachenprinzessin,

einige Anregungen zu Deinem Text:

- Kommaregeln beachten

quote:
Das Wasser flieht von den Scheiben, als w├Ąre etwas Beunruhigendes hinter ihm her.

Ein an sich guter Satz. Du hast eine gute Beobachtungsgabe und kannst sie auch in treffende Worte fassen. Wir m├╝ssen halt immer aufpassen, dass der Gedanke, den wir f├╝r unglaublich toll halten, zum Kontext passt.

Hier passt er nicht - meine Meinung. Aber toll ist der Satz trotzdem. ;-)

quote:
Mehrere ÔÇô im Vergleich zum Geb├Ąude ÔÇô neu aussehende Glast├╝ren lassen einen Blick auf die Eingangshalle zu.

Gedankenstriche setzen eine gewichtige Pause. Hier reichten Kommas.

quote:
Die Unterf├╝hrung zu den Gleisen sieht auch nicht besser aus. Zudem stinkt es dort immer so abscheulich nach Schwei├č, Alkohol und Exkrementen.

Unterf├╝hrungen riechen nie gut, aber nach Schwei├č?

usw...

Stekys Einwand ist berechtigt, Dein Satzbau wirkt etwas h├Âlzern. Gut finde ich aber Dein grunds├Ątzliches Beobachtungsgeschick. Da l├Ąsst sich was draus machen. ;-)

Lieben Gru├č,
Archi

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