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Leselupe.de > Ungereimtes
Der Zug
Eingestellt am 14. 05. 2004 14:41


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mandra
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Registriert: Apr 2004

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Der Zug



Der Zug
aus dem Lautsprecher ertönt:
"Bitte einsteigen!
Vorsicht an der Bahnsteigkante!"
Langsam rollt der Zug an.
Signale geben freie Fahrt
und im rasenden Tempo
geht’s vorwĂ€rts!
" Dem Ziel entgegen:
Leben“!
Vor deinen Augen
wechseln die Bilder,
vorbei an triste Fassaden,
hellerleuchtete Fenster,
Felder.
Noch eh du sie wahrnehmen kannst
Ă€ndert sich:
„Das Gesicht“.
Langsam verringert sich die Geschwindigkeit,
"die Bilder werden, klarer:
Das Ziel erreicht!"
Sichtweite.

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Waldemar Hammel
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Also, hier haben wir wieder einen Birnentext vor uns!

Was will uns dieser edukative Text mitteilen?

UnabhĂ€ngig vom Inhalt erzĂ€hlt hier der Autor, wie wir mit der deutschen Rechtschreibung auf gar keinen Fall umgehen dĂŒrfen und fĂŒhrt das auch gleich exemplarisch vor, indem er dem Leser kaum eine Sentence unverstĂŒmmelt prĂ€sentiert.

Dabei entwickelt der Text fahrplan-ungemĂ€ĂŸe Stockungen und Haltungen, und erzeugt so vor dem geistigen Auge des Lesers die gelungene Metaphorie des vorreformatorischen Bahnbetriebs. Eine gelungene bildhafte Verbalnostalgie!

Die scheinbaren Fehler sind mit Absicht nicht ganz so dicht gesetzt, wie der geĂŒbte Leser erwarten mag, und das LesevergnĂŒgen bleibt daher von alledem geschickt unberĂŒhrt.
Dieses KunststĂŒck könnte einerseits an der ganz simplen Entfernung zwischen dem TeutoburgerWald und PISA liegen, es lĂ€ĂŸt sich aber auch als Absprache zwischen dem Autor und der Deutschen Bahn AG interpretieren.

Denn dieser Text beinhaltet zwischen den Zeilen eine gelungene Glorifizierung dieser jedem Kind bekannten, traditionellen Schwertransporte-Firma, indem er ganz plakativ und stichwortartig alle diejenigen VorzĂŒge, AblĂ€ufe und Feinheiten erwĂ€hnt, auf welche der moderne Kunde eigentlich Wert zu legen gewohnt ist.
Die Ă€ußere Textform schildert einen Schubverband, bestehend aus zwei Waggons, jeweils mit Perron, zu Beginn und einer Lokomotive am Ende, dort, wo mit "Langsam verringert sich die Geschwindigkeit" die aktive Antriebsachse signifiziert wird.

Solche Autoren und Texte wĂŒrde man Herrn Mehlwurm wĂŒnschen wollen!

Dabei werden dem im Alltag Neologismen-gequÀlten Leser eher langweilende Begriffe wie etwa Effizienz, Quality Management, Customer Care, oder Evaluierung im vorliegenden Text völlig erspart.

Ein zukunftsweisender Text, der zudem die diesem Land so notwendige Aufbruchstimmung anzudienen versucht, wenn es zB am Ende heißt: "Ziel erreicht", und dessen gekonnte Fehlerhaftigkeit zusammen mit der Möglichkeit diese Fehler leicht zu erkennen und zu beseitigen dem Leser genĂŒgend sicheren Raum lĂ€ĂŸt weitere Verbesserungen auch bei der Deutschen Bahn AG abzusehen.

Man vergleiche einmal den folgenden, farblosen, und nur orthographisch-ankorrigierten Text mit der kĂŒnstlerischen Gestaltung im Original!


Der Zug

Aus dem Lautsprecher ertönt:
"Bitte einsteigen!
Vorsicht an der Bahnsteigkante!"

/\
|
Langsam rollt der Zug an.
Signale geben freie Fahrt,
und in rasendem Tempo
gehts vorwÀrts,
dem Ziel entgegen:
Leben!
[kupplung]
Vor Deinen Augen
wechseln die Bilder,
vorbei an tristen Fassaden,
hell erleuchteten Fenstern
und Feldern,
Und ehe Du sie wahrnehmen kannst,
Ă€ndert sich:
Das Gesicht!
[kupplung]
Langsam verringert sich die Geschwindigkeit,
die Bilder werden klarer.
Das Ziel ist erreicht:
Sichtweite!
/\
|
[fahrtrichtung]

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mandra
AutorenanwÀrter
Registriert: Apr 2004

Werke: 18
Kommentare: 49
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Der Zug

hallo waldemar hammel,
danke,
die kritik nehme ich an. man lernt im leben nie aus!
interessanter vergleich:kupplung und fahrrichtung.
schade,"die bahn zahlt nichts dafĂŒr."

wĂŒnsche dir ein sehr schönes wochenende!
gruß mandra

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