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Leselupe.de > Humor und Satire
Der allgemeine Trend
Eingestellt am 05. 05. 2006 15:07


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hwg
???
Registriert: Dec 2003

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Max hatte sich, dem allgemeinen Trend folgend, ein Auto gekauft. Einen so genannten Mini, weil dieser, als Wagen des kleinen Mannes, am ehesten seinem Charakter und Habitus entsprach.

Max, ein unverbesserlicher Junggeselle, wohnte in einem der SiedlungshĂ€user am Stadtrand. Untypisch an diesem Zwölf-Familien-GebĂ€ude war die Tatsache, dass keiner der anderen Bewohner ein Auto besaß. Nun stand das Vehikel auf der Straße vor dem Haus. Es war kein nagelneuer Wagen, er hatte an die 60.000 Kilometer drauf und bereits einen Besitzer hinter sich. Der Mini war Max aus Freundeshand zugefallen, und zwar zum derart gĂŒnstigen Preis von 3000 Euro, dass der Betreffende ihm sogar die Freundschaft aufgekĂŒndigt hatte als er erfuhr, was er fĂŒr den Schlitten anderswo hĂ€tte herausschinden können.

Es war ein herrlicher FrĂŒhlingsmorgen, als Max sein GefĂ€hrt wusch. Dieses war von gelber Farbe, die nun langsam zum Vorschein kam und in der Sonne blitzte. Hin und wieder öffnete Max die WagentĂŒr und ließ sie bald darauf wieder krachend ins Schloss fallen. Einige Male betĂ€tigte er die Hupe. Hinter den Fenstern des Hauses tauchten Gesichter auf. Zuerst das von Herrn Löschnigg, dann das von Frau Baumstamm. Frau Swoboda kĂ€mmte ihrem schulpflichtigen Sohn Eugen auf dem Balkon die Haare. Herr Frei machte sich an seinem Fensterbrett zu schaffen. Sie taten es alle sehr geschickt, aber Max merkte, dass ihr Interesse einzig und allein ihm beziehungsweise dem Auto galt.

Um nun dem Vehikel ein etwas besseres Aussehen zu verleihen, hatte Max sich einen Fuchsschwanz fĂŒr die Antennenspitze angeschafft, des weiteren ein wuscheliges schwarzes Fell fĂŒr das Lenkrad sowie ein extralanges chromblitzendes Auspuffrohr, und zwar nicht nur angeschafft, sondern auch angebracht.

Herr Löschnigg kam mit seiner ewigen Aktentasche aus dem Haus und ging offenbar zum FrĂŒhschoppen. Er sagte freundlich „Guten Tag“ und marschierte hocherhobenen Hauptes und ohne einen Blick auf das Auto zu werfen weiter. Auch der Schuldirektor aus dem nahen Einfamilienhaus nahm, als er seinem knallroten Mercedes entstieg, zwar vom frischgebackenen EigentĂŒmer, nicht jedoch vom Mini Notiz. Als Max sich anschickte, dem linken Vorderrad den nötigen Glanz zu verleihen, ertönte die schrille Stimme von Frau Baumstamm aus dem Fenster im zweiten Stock: „So ein billiges Auto passt gar nicht zu Ihnen. Sie mĂŒssten doch auch so einen Wagen wie der Herr Direktor fahren!“ Peng – schloss sie das Fenster und zog hastig die Gardine zu. Herr Frei kam mit seinem Hund herunter. „Hattest du nicht gesagt, wir wollten bei Gelegenheit auf ein Bier gehen?“, fragte er, wĂ€hrend sein Köter ungeniert an den Mini pinkelte. Ohne eine Antwort abzuwarten, zogen die beiden weiter.

Dann öffnete sich die HaustĂŒr und Frau Swoboda betrag mit Eugen die Straße. Max nahm die Kappe ab und wollte einen seiner netten Scherze anbringen, etwa sagen: „Sonne auf allen Wegen, FrĂŒhlingskönigin und Maienprinz
“ Aber Frau Swoboda hielt die Hand ihres Sohnes fest umschlossen, und als sie grußlos vorbeigingen, hörte Max, wie die junge Mutter zum Sohn sagte: „Sieh mal Eugen, dieser grĂŒne Porsche dort drĂŒben vor dem Bungalow gehört Doktor Schneider, bei dem wir nĂ€chste Woche einen Termin haben.“

Max stand wie versteinert mit dem nassen Lederlappen in der Hand da. Schweiß trat ihm auf die Stirn. Er begann, an dem allgemeinen Trend zu zweifeln. Plötzlich sah er, wie die Spatzen auf den BĂ€umen ihr rußiges Gefieder putzten, bemerkte, wie eine Taube zaghaft aus einer ÖlpfĂŒtze trank. Die vielen Geschichten ĂŒber Umweltverschmutzung kamen ihm in den Sinn. Max schleuderte den Lederlappen in den Plastikeimer, das herausspritzende Dreckwasser benetzte seine helle Hose.

Noch am selben Tag gab er an der Lokalzeitung folgendes Inserat auf: „Verkaufe Mini, Baujahr 2000, viele Extras, 4000 Euro.“ Den Aufpreis von 1000 Euro fand er gerechtfertigt, schließlich folgte er damit ebenfalls dem allgemeinen Trend.
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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
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Hallo hwg,

Eine nette kleine Geschichte, hat mir gut gefallen.

MfG; Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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