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Leselupe.de > Kurzprosa
Der alte Mann
Eingestellt am 17. 01. 2006 11:20


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Schriftsteller-Lehrling

Registriert: May 2004

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Ein alter Mann steht am Bahngleis und überlegt, wie es wohl wäre, wenn er sich vor den Zug wirft, um seinem Leben ein Ende zu bereiten. Er dachte deswegen darüber nach, weil es in seinem Glauben heißt, dass derjenige, der Selbstmord begeht, wird diesen Augenblick immer wieder wahrnehmen, bis in alle Ewigkeit. In letzter Zeit überlegte er oft, welche Art zu sterben wohl am erträglichsten wäre, schließlich ist er mit 87 Jahren nicht mehr der jüngste und er wusste, dass jedes Mal, wenn er die Treppen seiner Wohnung hoch läuft und er sein Herz stechen spürt, könnte es das letzte mal sein. Er hat auch nicht besonderes viel Angst vor dem Tod, denn er hatte ein langes und erfülltes Leben. Niemals hatte er jemandem absichtlich unrecht getan. Der alte Mann war ein guter Sohn, der seinen Eltern niemals Kummer bereitete, der dann zum Mann wuchs und geheiratet hat, um selber Kinder in diese Welt zu setzen. Sein Leben lang hat er gewissenhaft seine Arbeit an seiner Maschine in einer Druckerei gemacht, bis er mit einer Feier in die Rente geschickt worden ist.
Des weiteren dachte er darüber nach, dass er eigentlich in seinem Leben niemals etwas Riskantes gewagt hat, er war wohl einer dieser „Situation Menschen“, die alles auf sich zukommen lassen. Er hatte sich niemals mit jemandem geprügelt oder irgendetwas gestohlen aus Angst, in die Hölle zu kommen. Er war im Grunde immer ein grundsolider Typ Mensch. Selbst in all den Jahren, die er mit seiner Frau verheiratet war, ging er ihr niemals fremd, obwohl er oft darüber nachdacht hatte. Irgendwie machte es ihn stutzig, dass er niemals etwas Verrücktes ausprobiert hat und das macht ihn irgendwie traurig. Er hatte niemals harte Drogen probiert, von denen er oft in Filmen gehört hat, vielleicht sollte er sich den goldenen Schuss geben und seinem Leben dadurch ein Ende bereiten. Er konnte es einfach nicht verstehen, warum sich die ganzen alten Mitbürger täglich unzählige bunte Tabletten in den Rachen schmissen um länger zu leben.
Ihr könnt euch wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie langweilig das Leben eines Rentners ist, dessen Frau schon vor langer Zeit verstorben ist. Im Grunde hat er nichts. Nur seine alte abbezahlte Wohnung und einen Fernseher, der die einzige Geräuschkulisse erzeugte, die es in dieser alten stickigen Wohnung gibt. Er wartete tagtäglich und wünschte sich den Tod, er wusste, dass der Zug abgefahren ist und ihm nichts mehr im Leben bleibt als abzuwarten, bis er endlich stirbt.
Bis sein alter guter Freund mit dem schwarzen Umhang kommt und die Hand auf seine Schulter legt und er endlich vom Fluch des Alleinseins befreit wird.

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Wer kämpft, kann verlieren, doch wer nicht kämpft,hat bereits verloren.

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