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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Der alte Mann und die CD
Eingestellt am 20. 08. 2010 18:00


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Woddi
Hobbydichter
Registriert: May 2009

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Der Tresor sollte Geld enthalten, enthielt es aber nicht. Stattdessen war eine CD darin, die unbeschriftet in einer PlastikhĂŒlle verpackt war. Was blieb Davies anderes ĂŒbrig als die CD mitzunehmen. Er nahm sie und verließ das Haus. Zwei Tage spĂ€ter traf er sich mit Johnson. So nannte sich der Mann, der ihn beauftragt hatte, diesen Einbruch durchzufĂŒhren, der ihm gesagt hatte, im Tresor sei Geld. Das Geld, so hatte Johnson gesagt, könne er behalten, er selber wolle nur den Rest haben, der im Tresor liegen wĂŒrde. Okay, hatte sich Davies gedacht, das hört sich gut an.

Johnson merkte, dass Davies sauer war.
„Ich wusste nicht, dass es da kein Geld gibt. Meine Informationen lauteten anders“, versuchte er Davies zu besĂ€nftigen
„Wie können wir uns einigen? Ich habe die CD. Die wollen Sie doch haben, oder?“ Davies holte die CD hervor und hielt sie vorsorglich außer Reichweite von Johnson.
„Geben Sie sie mir!“
„Was geben Sie mir dafĂŒr?“
„Das!“ Johnson schoss Davies in den Kopf. Er griff nach der CD und entriss sie Davies Fingern. Die Menschenmenge stob in Panik auseinander, als Johnson mit der Waffe in der Hand davon lief. Er stieg in einen dunklen Mercedes. Der Fahrer fuhr davon.

Johnson traf sich mit dem alten Mann um zwanzig Uhr. Der Alte lud zum Essen in seine Villa. Johnson wurde respektvoll begrĂŒĂŸt.
„Ich habe, was Sie wollen“, sagte er und holte die CD hervor. Der alte Mann nickte kurz und wies mit kaum merklicher Handbewegung zu einem seiner Bodyguards. Johnson gab ihm die CD, woraufhin der Mann verschwand. Dann aßen sie. Der Alte sprach nicht viel, ließ seine GĂ€ste reden. Er hörte gerne zu. Man sagte, er sei so alt geworden, weil er so schweigsam und so aufmerksam war. Ein Anwalt berichtete von einer GeschĂ€ftsreise nach Peru. Es folgte eine lange und langweilige Beschreibung von Lima. Der Alte hörte aufmerksam zu. Nach dem Essen wurde Johnson zu ihm ins BĂŒro gebeten.
Johnson erzÀhlte alles, was vorgefallen war. Der Alte hörte zu und nickte. Danach durfte Johnson endlich gehen.

Als er wieder in seiner Wohnung angekommen war, wollte er unter die Dusche und anschließend ins Bett gehen. Als er duschte, merkte er nicht, dass sich die HaustĂŒr öffnete. Man erschoss ihn direkt im Badezimmer. Die CD war leer gewesen.

Der alte Mann ordnete an, Davies Wohnung und Schlupflöcher zu durchsuchen. Alle CDs, die man fand, enthielten nicht das Gesuchte. Der alte Mann wusste, dass, wenn Davies ein Spiel gespielt hatte, jemand an ihn herantreten wĂŒrde, um die CD zu verkaufen. Er wartete. Niemand trat an ihn heran. Also, schlussfolgerte der alte Mann, war es wahrscheinlich, dass die leere CD diejenige war, die im Tresor gelegen hatte. Die CD, so hatte man ihm berichtet, war einem Bekannten entwendet worden und enthielt Material, das brisant war.

Er ließ Mr. S. zu sich kommen. Mr. S. wurde nur dann zu Hilfe gerufen, wenn es verzwickt wurde. S. versprach, die richtige CD zu besorgen. Zusammen mit einem Experten auf diesem Gebiet bereitete Mr. S. einen erneuten Einbruch vor. Bei der AusfĂŒhrung seines Planes gab es keine Schwierigkeiten, und wie Davies gelang es ihm, ohne Schwierigkeiten ins Haus einzudringen. Er suchte alles ab und nahm jede CD mit, die er finden konnte. Er ließ den Experten den Tresor öffnen, fand dessen Inneres aber leer vor. Zusammen mit den Mitarbeitern des alten Mannes durchsuchten sie die CDs, fanden jedoch nicht die richtige. Mr. S. entledigte sich des Experten und schĂŒttelte den Kopf. Seine Versprechen pflegte er zu halten.

Als er alleine in einem Schnellrestaurant zu Mittag aß, setzte sich ein gut gekleideter Mann mit Halbglatze und zurĂŒck gekĂ€mmter Restbehaarung ihm gegenĂŒber. Wortlos schob er ihm einen Umschlag zu, nickte kurz, stand auf und verließ das Lokal. S. aß weiter. Er bezahlte die Rechnung steckte den Umschlag ein, ohne ihn weiter zu beachten und fuhr nach Hause. Dort öffnete er ihn. Der Umschlag enthielt ein Schreiben, in dem jemand seine Hilfe anbot, ohne einen Namen zu nennen.
„Ich weiß, wonach Sie suchen, und ich weiß, wo es sich befindet. Wenn Sie mir 50.000 mitbringen, werde ich es Ihnen sagen.“
Es folgten ein Datum und ein Treffpunkt. Mr. S. grĂŒbelte. Ihm gefiel das nicht. Er besprach sich mit dem alten Mann. Letztlich lief es darauf hinaus, dass Mr. S. mit einem Koffer voll Geld und einem Waffenarsenal unter dem Trenchcoat zum Treffpunkt ging.

Zwei Tage spĂ€ter bekam der alte Mann Besuch. Der Besucher war ein alter Bekannter, aber gewiss kein Freund. Nichtsdestotrotz pflegte man, wenn man sich denn direkt gegenĂŒber stand, einen absurd höflichen Umgangston.
Nach einigen geheuchelten Floskeln a la „Ich freue mich Sie zu sehen“, “Die Freude ist ganz meinerseits“ etc. sprach der Besucher:
„Mr. S. ist tot. Ich kann Ihnen sagen, wo er liegt. Mr. S. wird mich nun nie mehr behindern. Die 50.000 habe ich Ihnen ĂŒberwiesen. Die will ich nicht, und die wollte ich nie. Ich wollte Ihre Leute binden. WĂ€hrend Sie die CD suchten, die es nie gab, habe ich ziemlich ungestört GeschĂ€fte mit unseren sĂŒdamerikanischen Partnern in Millionenhöhe abgeschlossen. Die waren etwas erstaunt zu hören, womit Sei beschĂ€ftigt waren, und haben dankend mit mir VertrĂ€ge geschlossen.“
Der alte Mann lÀchelte und schwieg.
„Mr. S. war dumm. Die Falle war ziemlich offensichtlich.“
Der alte Mann rĂ€usperte sich. „Wie es scheint, geht diese Runde an Sie. Ich gratuliere.“ Er stand auf und reichte seinem Gast die Hand. Dieser nahm sie, drĂŒckte sie und deutete eine Verbeugung an.
„Sie werden alt“, sagte er, „Aber damit haben Sie etwas erreicht, was ich nie schaffen werde.“
Der Alte lachte leise. „Ich fĂŒrchte Sie haben recht. Sie sind zu naiv.“
„WĂ€ren Sie so freundlich, dies zu erlĂ€utern?“
„Ich wollte die CD haben, um sie Ihnen zu geben. Als Geschenk. Ich wollte Sie nicht erpressen. Was soll ich mit den Sachen die auf der Scheibe gewesen sein sollen? Das sind Kleinigkeiten, Kindereien. Ich hĂ€tte sie Ihnen gegeben, ohne eine Gegenleistung zu fordern oder zu erbitten. Die hĂ€tte ich nicht nötig gehabt. Ihre GeschĂ€fte habe ich Sie abschließen lassen, weil ich sie nicht wollte. Mr. S. wurde von mir geschickt. Er hatte mich enttĂ€uscht. Sowohl er als auch ich wussten, dass das eine Falle war. Ich hoffe, das mindert Ihren Triumph nicht.“
„Doch, das tut es. Sie haben also sehenden Auges das Spiel bis zum Ende mit gespielt. Warum? Was haben Sie davon?“
„Wenn Sie doch mein Alter erreicht haben sollten, und wenn Sie so erfolgreich sein sollten, wie ich, dann werden Sie eventuell eine große Leere fĂŒhlen. Ich habe alles, es gibt fĂŒr mich kein „mehr“. Also versuche ich, mir die Zeit zu vertreiben.“
Der Besucher sah verwirrt aus. Der Alte lachte.
„Was rede ich denn da?“, sagte der Alte und erhob sich erneut. „Genießen Sie Ihren Sieg.“
Der Besucher wurde hinaus geleitet. Er setzte sich in seinen Wagen, umringt von seinen Bodyguards, die draußen gewartet hatten.

Der Wagen schaffte zwei Kreuzungen, bevor er in die Luft flog.

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jon
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Nette Idee.
Mir etwas zu blutrĂŒnstig, zu sehr mit "war/ist alles ganz anders!" gespickt (bei einer oder zwei solchen Wendungen sind diese ĂŒberrraschend, ab drei wird es langweilig, hier sind 
zig davon drin) und zu wenig lakonisch runtererzĂ€hlt, um den lakonischen Ton wirklich glaubhaft zu machen (Die Passage, dass der Alte gern zuhört, zum Beispiel hat mit der eigentlichen Geschichte nicht viel zu tun und ist deshalb bei einem "echt lakonischen Stil", bei dem ganz schmucklos der Plot "mitgeteilt" wird.), was bewirkt, dass ich nicht sicher bin, ob du nur das Lakonische nicht beherrschst oder doch das ErzĂ€hlen.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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