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Leselupe.de > Humor und Satire
Der aufblasbare Weihnachtsbaum
Eingestellt am 26. 10. 2005 09:37


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flammarion
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Der aufblasbare Weihnachtsbaum

Martin M. saß gelangweilt vor seinem Fernseher. Er zappte missmutig durch die Kanäle, bis er bei einer Verkaufsshow hängen blieb. Hier wurde eine ganz neue Attraktion angeboten – der aufblasbare Weihnachtsbaum, eine Freude für die ganze Familie. Ein kleiner dicker Moderator pries die Errungenschaft der Technik euphorisch an: „Heute müssen Sie sich nicht mehr mit Tannennadeln auf dem Teppich herumärgern, nein, dieser aufblasbare Weihnachtsbaum ist nicht nur eine Freude für die ganze Familie, nein, er ist ideal! Hier habe ich ihn in meiner Hand, dieses kleine Kügelchen, nicht viel größer als ein Poloball, wird gleich als wunderbarer Festbaum erstrahlen. Passen Sie auf!“
Und er blies mit aller Kraft in die tief dunkelgrüne Kugel hinein. Sie entfaltete sich auch tatsächlich zu einem tannenähnlichen Objekt von etwa einem Meter Höhe.
„Sehen Sie“, triumphierte der Moderator, „das ist doch was, oder?“
Er war vor Anstrengung hoch rot im Gesicht. „Man kann auch eine Fahrradpumpe verwenden, ich hatte mir auch eine bereit gelegt, aber offensichtlich hat jemand sie weggeräumt.“
Bei den letzten Worten warf er einen bösen Blick in die Kulissen. Dann fuhr er in seinen Erklärungen fort: „Dieser aufblasbare Weihnachtsbaum ist Platz sparender als die zum Zusammenstecken. Man muss nur aufpassen, dass er nicht irgendwo hin kullert, wo Sie ihn nicht wieder finden. Auch sollten ihn Hunde und Katzen nicht zwischen die Zähne bekommen, aber das versteht sich ja von selbst, nicht wahr.“
Nun begann er wieder, in den Ballon hinein zu blasen. Der Baum wuchs um fast 30cm. Er setzte ihn noch mal ab und sprach: „Das ist noch nicht die volle Größe, Sie werden staunen, meine verehrten Damen und Herren!“
Abermals wurde dem Ballon Luft zugeführt. Der Moderator wurde so rot im Gesicht, dass Martin befürchtete, der arme Kerl würde gleich einen Infarkt bekommen. Das Objekt aber präsentierte sich nun tatsächlich als wohlgeformter Tannenbaum. Glücklich blickte der Dicke auf sein Werk. Er strahlte: „Sehen Sie, meine verehrten Damen und Herren, eine schöne Tanne, nicht wahr. Aber es kommt noch besser! Diesen Baum müssen Sie nicht selber putzen! Er hat alles dabei, jedwede Art Weihnachtsschmuck. Sehen Sie diese kleinen Knötchen? Die Kamera zeigt sie Ihnen. Sehen Sie? Da muss man nur leicht mit den Fingern dran schnippen, so . . .“
Es tat sich nichts.
„Ach ja, erst muss der Baum richtig fest stehen. Wenn er nicht richtig steht, dann geht gar nichts.“ Er wurde wieder rot, diesmal aus Verlegenheit. Leise sagte er: „Das war jetzt vielleicht etwas doppeldeutig, aber ein bisschen Spaß soll ja auch sein.“
Er befestigte den Baum in einer Schlinge und schnippte noch mal gegen eines der kleinen Knötchen. Diesmal hatte er Erfolg, es sprang ein Strang Lametta heraus. „Lametta!“, jubilierte er und schnippte am nächsten Knötchen. „Eine rote Kugel!“, dröhnte er. Und weiter ging es im höchste Jubelton: „Eine weiße Kugel! Lametta! Ein Stern! Eine Glocke! Lametta! Lametta! Lametta! Eine rote Kugel mit einem weißen Stern! Wie wunderbar und einzigartig, nicht wahr.“ Bei alledem war er wie Rumpelstilzchen um den Baum gehüpft.
Der Moderator trat neben sein Werk und säuselte: „Ist das nicht wunderbar und einzigartig? Haben Sie so was je gesehen? Und stabil ist der Baum, völlig unkaputtbar! Sehen Sie hier – ich kann darauf klettern! Das können Sie auch!“
Der Baum neigte sich leicht, dem Gewicht Rechnung tragend. Schnell sprang der Dicke von der Tanne. „Zuerst sollten Sie natürlich die Lichterkette anbringen, das habe ich heute mal weggelassen, es weiß ja jeder, wie eine Lichterkette angebracht wird, nicht wahr. Ich wollte Ihnen vorrangig zeigen, welche wunderbaren Überraschungen Ihr neuer aufblasbarer Weihnachtsbaum, die Freude für die ganze Familie, für Sie bereit hält. Und glauben Sie mir, es gibt noch mehr als Lametta und Kugeln, viel mehr, ich habe nur nicht genug Sendezeit, um nach den Vögeln und anderen versteckten Dingen zu suchen. Das Schönste ist – wie an jedem Festbaum – die Krone.“
Er streckte den Arm aus. Jedoch die Spitze war unerreichbar wegen der vielen Zweige. Auch wenn der Moderator ein zwei-Meter-Mann gewesen wäre, hätte er sie nicht ohne Leiter erreichen können. Eine Leiter war nicht da, also beschloss der verzweifelte Mann, die Baumspitze zu sich hinunter zu biegen. Das gelang auch.
„Sehen Sie, das geht. Aber ich muss mich dabei gut festhalten, sonst wird die Kraft der Tanne mich in die Höhe reißen.“
Er fummelte an der Spitze herum. Nun musste das Problem gelöst werden, sich mit einer Hand festzuhalten, mit der anderen die Spitze und mit der dritten gegen das Knötchen schnippen. Wer hat drei Hände? Also klemmte der Moderator die Baumspitze zwischen seine Schenkel.
Doch alles Schnippen half nicht – die Knötchen springen nur auf, wenn sie sich in der Senkrechten befinden. Das war nur möglich, wenn die zweite Hand zu Hilfe genommen wurde. Und so befand sich der kleine Dicke plötzlich oben auf dem schwankenden, halb geschmückten aufblasbaren Weihnachtsbaum.
Martin hörte durch sein eigenes Lachen hindurch den Kameramann lachen. Der Moderator rief zornig: „Lach nicht, hilf mir lieber! Und mach die verdammte Kamera aus! Du willst das doch wohl nicht bei „Pleiten, Pech und Pannen“ senden lassen?“
Der Kameramann lachte weiter: „Nee, die Sendung gibt es ja nicht mehr, aber bei Stefan Raab könnte es ein Dauerbrenner werden!“
Endlich hatte man auch im Senderaum bemerkt, was auf der Verkaufsbühne los war und schaltete um zur Werbung. Martin wischte sich die Lachtränen aus dem Gesicht. Er jappste nur noch: „Der aufblasbare Weihnachtsbaum, eine Freude für die ganze Familie!“

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Old Icke

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sannasohn
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guckst du zuviel werbung...

also die sprache des moderators erinnerte mich stark an den rtl homeshopping europe typen... hast du vorher bestimmt noch angeschaut;-) an sich nich der dolle brüller aba wie immer schön geschrieben
lg
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Eines Tages wird man bereuen...Sannasohn

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flammarion
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nee,

ick hasse werbung. aba janz ohne fernsehn jeht s ja ooch nich . . .
vielen dank fĂĽr s lesen und kommentieren.
lg
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Old Icke

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