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Leselupe.de > Erzählungen
Der besondere Knopf
Eingestellt am 03. 06. 2015 07:10


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Claudia Rainbow
Autorenanwärter
Registriert: Jan 2015

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Es war einmal ein Knopf. Nicht so ein gew√∂hnlicher Knopf, wie er sich an jeder gew√∂hnlichen Bettw√§sche, oder an jedem gew√∂hnlichen M√§nnerhemd findet. Nein, es war ein ganz besonderer Knopf und was zudem ganz besonders war, war, dass er wusste, dass er ganz besonders war. Deshalb war es ihm wichtig, den Kopf stets etwas h√∂her als all die anderen Kn√∂pfe um ihn herum zu tragen. So bestand er stets drauf, einen besonders langen "Hals" zu kriegen. Dies erreichte er dadurch, indem er zwischen sich und den Stoff an den er gen√§ht wurde, m√∂glichst viel Abstand brachte. Er plusterte sich auf so stark er konnte, w√§hrend die Nadel durch seine L√∂cher stiess und ihn f√ľr eine gewisse Zeit mit dem Stoff, der ihm zugedacht war, zwangsverheiratete.

Auch er war langsam ins Alter gekommen, was seiner Besonderheit jedoch keinen Abbruch tat. Nach wie vor gl√§nzte er am Sch√∂nsten von all den Kn√∂pfen, mit denen er je in einer Reihe gedient hatte. Nach wie vor wurde er erst vom Kleidungsst√ľck, welches an ihm hing, getrennt, bevor es in die Altkleidersammlung gebracht wurde. Die anderen Kn√∂pfe aber blieben dran. Einmal, daran erinnerte er sich noch wie wenn es gestern gewesen w√§re, wurde er an seiner Jacke, an die er gen√§ht worden war und die ein feiner Herr nun trug, Zeuge davon, was mit denjenigen Kn√∂pfen geschehen konnte, die eben ein normales und kein besonderes Dasein fristen mussten. Hoch oben auf einem Berg von Holz konnte er sie sehen, diejenigen seiner Art, die eben nicht besonders waren. Sie hielten die Stoffh√ľlle, die um eine Puppe aus Stroh gelegt war. Und erst wurde er eifers√ľchtig, dass nicht er es war, der hoch oben, weit √ľber den K√∂pfen des Volks thronte, doch als er das ganze Schauspiel betrachten konnte, da der feine Herr sich nicht abwandte und seine Sicht dadurch, dass er in seinem Knopfloch gefangen war und nicht vom Saum des Kragens verdeckt werden konnte, frei war, begriff er rasch, welchem Ende die nicht so besonderen Kn√∂pfe entgegensahen.

Das Volk johlte und er betrachtete mit Schrecken wie die lodernden Flammen immer h√∂her schlugen, um schliesslich an der Puppe zu lecken. Er h√∂rte die gew√∂hnlichen Kn√∂pfe erschrocken aufschreien, als sie von der Hitze erfasst wurden. Und er f√ľhlte sich noch besonderer als je zuvor. Ihm konnte so etwas nicht zustossen, denn er, er war eben etwas ganz Besonderes. Die Jahre vergingen und er wechselte von einem Knopfloch zum anderen und irgendwie schaffte er es immer, der oberste aus einer Reihe von Kn√∂pfen zu bleiben. Und da er so sehr von sich selbst eingenommen war, bekam er gar nicht mit, dass auch sein Glanz langsam immer weniger wurde. Es kam der Tag an dem ihn wiedermal die Schere von seinem gewohnten Ort trennte und er war schon voller Vorfreude auf sein neues Zuhause. Sicher w√ľrde er wiederum der Oberste sein, wie es sich f√ľr besondere Kn√∂pfe eben geh√∂rte. Er staunte nicht schlecht, als er sich in einem Haufen mit den anderen, den gew√∂hnlichen Kn√∂pfen, wiederfand und entsetzt sah er zu, wie der Schneider den edlen Stoff, der ihm zugedacht gewesen w√§re, mit einem Stoffband, versehen mit metallenen Zacken, verband. Erst begriff er nicht was da vor sich ging, aber als er die gew√∂hnlichen Kn√∂pfe tuscheln h√∂rte, d√§mmerte es ihm allm√§hlich. Eine neue √Ąra hatte begonnen und auch er, der ganz besondere Knopf, musste dem Neuen weichen. Und pl√∂tzlich merkte er, dass er so besonders gar nicht war. Und er tauchte unter in die Masse der ganz gew√∂hnlichen Kn√∂pfe.

Und noch heute, wenn ich ab und zu meine Schachtel mit all den Knöpfen hervorziehe, glaube ich hin und wieder eine leise Stimme zu hören, die all den gewöhnlichen Knöpfen von all den Erlebnissen als besonderer Knopf erzählt. Und dann bin ich immer wieder beeindruckt, wie still der Inhalt meiner Schachtel liegt und gebannt lauscht.

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