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Leselupe.de > Humor und Satire
Der dicke Blockierpfropf
Eingestellt am 24. 07. 2008 15:39


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Micham
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Registriert: Jun 2008

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Was mich in meiner T├Ątigkeit als Amateurschreiberling enorm behindert, sind Geistesblitze im falschen Augenblick. Ich habe immer genau dann die besten Ideen im Kopf, wenn Stift und Papier gerade nicht zur Hand sind. Meistens w├Ąhrend der Arbeitszeit oder wenn ich bereits im Bett liege. Nichts ist schlimmer als ein genialer Einfall, der verloren geht. Bei meinem Ged├Ąchtnis geht so ziemlich alles verloren, was l├Ąnger als zwanzig Minuten her ist und von mir nicht schriftlich festgehalten wurde. Ich habe es schon mit Eselsbr├╝cken versucht, doch hinterher sitze ich ahnungslos am Schreibtisch und denke ├╝ber r├Ątselhafte Verschl├╝sselungen nach, wie: "Dirk Bachs linke Hand kauert verst├Ârt in der Essecke und ohrfeigt sich selbst." Was will mir diese Eselsbr├╝cke sagen?

Vergangene Nacht traf mich einer jener Geistesblitze. Ich erinnere mich noch, dass es richtig sch├Ân skurril war. Genau nach meinem Geschmack! Sogleich wollte ich aufspringen, um meine Gedanken auf meiner 160 Gigabite Festplatte zu speichern, wurde jedoch von meinem Rippchen wieder zur├╝ck ins Bett gezogen.

"Nicht jetzt, Schatz!", bat sie mich eindringlich. Ich verstand sofort.

Durchschnittlich zweimal pro Woche, exakt um elf Minuten nach Mitternacht, f├Ąhrt unsere Nachbarin, die dicke Penny, aus dem Bett hoch, steigt in ihre Pl├╝schpantoffeln und backt Kekse. Im Tiefschlaf. Ja, sie schlafwandelt. Ich wei├č das, weil sie die Backwaren in unserer K├╝che produziert. Dagegen ist im Grunde nichts einzuwenden (anschlie├čend sp├╝lt sie auch alles wieder sauber), aber etwas st├Ârend ist es schon. Die ganze Aktion dauert ungef├Ąhr zwei Stunden. Danach bef├Ârdert Penny die Kekse in kleine Plastikbeutel, geht sich auf dem Balkon kurz eine rauchen und kehrt dann mit schlurfenden Schritten in die eigene Wohnung zur├╝ck.

Bis der Spuk vorbei ist verharren wir regungslos im Bett. An Schlaf ist nicht zu denken, weil die dicke, dunkelh├Ąutige Penny den Teig nicht nur knetet, sondern auch wuchtig und dutzendfach auf die Arbeitsplatte knallt. "Das ist sehr wichtig", behauptet mein Rippchen. "Sie versteht ihr Handwerk." Verboten hat sie mir allerdings, mich in die K├╝che zu schleichen und ein paar Kekse zu klauen, denn unsere Nachbarin tr├Ągt zwar Pl├╝schpantoffeln, aber sonst nichts. Au├čerdem k├Ânnte ich Penny versehentlich wecken und das h├Ątte eventuell traumatisierende Folgen f├╝r sie.

"Mist! Das kommt mir jetzt aber sehr ungelegen." Stirnrunzelnd lauschte ich dem ├╝berdurchschnittlich lauten Mixer, der uns signalisierte, dass Penny gerade schwer im Stress war. Mein Rippchen warf mir einen verst├Ąndnisvollen Blick zu. "Hast wieder eine gute Idee f├╝r eine Geschichte, hm?"

"Ungemein gut! Meinst du nicht, ich k├Ânnte einen Sprint in meine Schreiberecke wagen?"

"Gott bewahre! Ich garantiere dir, sollte Penny aufwachen, schreit sie uns das ganze Haus zusammen. Willst du Ben erkl├Ąren, warum sich seine Frau nackt in unserer Wohnung aufh├Ąlt?"

"Nicht unbedingt."

"Siehst du, bleib sch├Ân hier!"

Penny hatte mir schon so manche gute Kurzgeschichte versaut. 'Queen Wulfg├Ąng' w├Ąre die Kr├Ânung meiner bisherigen Schaffensphase gewesen, h├Ątte das t├╝chtige Backweib die Nacht zuvor nicht bei uns verbracht. Diesmal war ich jedoch besonders stinkig, denn mein Geistesblitz erschien mir so grandios, dass mich der blo├če Gedanke, ich k├Ânnte mich am n├Ąchsten Tag nicht mehr daran erinnern, nahezu in Panik versetzte.

"Schnuckie, es ist der beste Einfall, den ich jemals hatte. Eine total durchgeknallte Handlung. Damit schaffe ich den Durchbruch!"

"Sag's mir doch. Ich werde es mir f├╝r dich merken."

"Jau, das kenne ich. Dann n├Ârgelst du wieder an meiner Idee herum, bis ich keine Lust mehr auf sie habe."

"Wieso? Ich n├Ârgel nie!"

"Kannst du dich noch an die lustige Geschichte 'Ein Pillemann kommt selten allein' erinnern?"

"Nein."

"Eben! Ich habe sie nie geschrieben. Wegen dir!"

"Wer liest auch schon gerne Geschichten ├╝ber einen ... naja, du wei├čt schon?"

"Pillemann! Es ist das lustigste Wort der Welt."

"Hello?" Penny stand vor unserer Schlafzimmert├╝r. "Do I hear voices?"

"Smells great, Penny!", rief mein Rippchen im ruhigen Ton. "Keep baking those cookies, girl!"

"Alright." Penny schlurfte zur├╝ck in die K├╝che.

"Ich w├╝rde nur gerne mal eine richtig verr├╝ckte Geschichte schreiben", setzte ich meinen Unmut fort. "Es w├Ąre eine gute ├ťbung f├╝r mich."

"Kannst du doch auch!"

"Nicht, wenn ich hier gefangen bin."

Uns ging der Gespr├Ąchsstoff aus. Auch Wulfg├Ąng wollte sich nicht in die Unterhaltung einklinken. Zu meiner gro├čen Erleichterung, muss ich hier gestehen, denn mein Rippchen bestreitet bis heute die Sprachf├Ąhigkeiten unserer Katze. Schweigend lagen wir nebeneinander und warteten. Irgendwann h├Ârten wir Penny zur Toilette gehen. Kurz darauf folgten Ger├Ąusche, die mich in meiner Vermutung best├Ątigten, dass die beleibte Schlafwandlerin nicht f├╝r kleine M├Ądchen, sondern f├╝r gro├če Muttis musste.

"Wie nennt man eigentlich diesen Saugpfropf?", unterbrach mein Rippchen die Stille im Schlafzimmer.

"Was f├╝r ein Saugpfropf?"

"Na, du wei├čt schon. Dieser lange Stiel mit dem Saugdingen vorne dran. Wir benutzen ihn, wenn das Klo verstopft ist."

"Plunger."

"Und auf deutsch?"

"Keine Ahnung. Sowas haben die in Germanyland gar nicht."

"Na klar! Dort gibt's doch auch dicke Pennys."

"Die Deutschen haben Ketten und Riegel an der Haust├╝r. Die brauchen keinen Plunger."

"Bestimmt hat es einen typisch deutschen Namen. So richtig sch├Ân pr├Ązise, wei├čt du? Abwasserrohrantiblockierpfropf. W├╝rde mich nicht wundern. Obwohl, ist Antiblockierpfropf nicht ein Oxymoron?"

"Was wei├čt du schon ├╝ber Oxymoronies? Schnuckie, ich platze gleich. Ich will an meinen PC!"

"Warte mal. Ich glaube, das Wort Saugpfropf gibt es gar nicht. Saugglocke, das ist es! Wir haben es also mit einer Abwasserrohrantiblockiersaugglocke zu tun. V├Âllig bescheuert. Wie hie├č es noch gleich auf englisch?"

"Plunger."

"Oder vielleicht Saugst├Âpsel?"

"Wenn ich wenigstens eine Zigarette h├Ątte ..." Beim Rauchen hatte ich schon immer meine Gedanken besser beisammen halten k├Ânnen.

"Im Schlafzimmer wird nicht geraucht!", erinnerte mich mein Rippchen streng. In jener Nacht war sie wieder gnadenlos. Meckernd drehte ich mich auf die Seite.

"Falls du dich in zehn Jahren wundern solltest, warum wir immer noch nicht in unserem Traumhaus wohnen, dies ist die Nacht, in der uns alles zunichte gemacht wurde."

"Sei doch nicht so theatralisch!"

"Ein Backblech voller Kekse hat unsere Zukunft zerst├Ârt. Vergiss das nie! Der daraus resultierende finanzielle Schaden l├Ąsst sich nur grob sch├Ątzen. Ich tippe auf mehrere Milionen."

"Sicher ..."

"Den Goldenen Schl├╝ssel meiner Geburtsstadt Oberhausen h├Ątte man mir ├╝berreicht. Ist dir klar, welche T├╝ren er uns h├Ątte ├Âffnen k├Ânnen? Nun werden uns diese T├╝ren f├╝r immer verschlossen bleiben."

"Hm ..."

"Thanks, Penny!"

"You're welcome, pumpkin", h├Ârte ich Penny in der K├╝che sagen.

"H├Ârst du das? Nun nennt sie mich auch noch K├╝rbis. Spielt sie damit auf meinen dicken Bauch an? Die muss sich gerade melden! L├Ąge Penny am Strand, w├╝rde sich Greenpeace sofort auf sie st├╝rzen und versuchen, sie zur├╝ck ins Meer zu schieben. Bei Erfolg st├╝nde Holland nat├╝rlich sofort unter Wasser."

"Spar dir deine uralten Witze", murmelte mein Rippchen, kurz davor einzunicken. "Es ist ein Kosename, Schatz. Sie nennt jeden in ihrer Familie pumpkin. Ich schlafe jetzt, ok?"

"Ja, schlafe du nur. Kannst mir eh nicht helfen. Bis morgen dann."

Ungeduldig wartete ich, bis sie eingeschlafen war. Auf Zehenspitzen schlich ich mich in den Flur. Penny summte alte Gospelhits und setzte die Sp├╝lmaschine in Gang. Das laute Dr├Âhnen erm├Âglichte mir, mein Schreibzimmer unbemerkt zu erreichen. Zitternd und mit hektisch pumpendem Herzen schloss ich die T├╝r hinter mir. Geschafft! Dann stolperte ich ├╝ber Wulfg├Ąng, die mir unauff├Ąllig gefolgt war und nun giftig fauchte. Schimpfend verschwand sie im Wandschrank. Ich selbst krachte gegen den Schreibtisch. Aus der K├╝che eilten ged├Ąmpfte Schritte in Pl├╝schpantoffeln herbei.

Es war die Nacht, in der uns alles zunichte gemacht wurde ...

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