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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der dreissigste Geburtstag
Eingestellt am 07. 12. 2000 22:25


Autor
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zero
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2000

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(Anmerkung: Das ist ein in eine Kurzgeschichte und die Ich-Perspektive umgeschriebener Ausschnitt aus etwas L├Ąngerem. Und bitte nicht zu sehr nach Metaphern (ausser die Augen, dreht mir nicht immer das Wort im Mund um) suchen, dass ist schon w├Ârtlich gemeint, die eigentliche Story w├╝rde wohl eher in die Fantasy gehen. Aber da das f├╝r diesen Ausschnitt nebens├Ąchlich ist, hab ich sie in die KG's gestellt. - was soll das heissen, 'HERZSCHMERZ'? BRINGT MICH NICHT DURCHEINANDER! - Trotzdem viel Spass.)



Du schl├Ąfst jetzt.

Die Reise war anstrengend, zur├╝ck in die Limousin. Tina hat darauf bestanden, so wie sie auf die Geburtstagsfeier bestanden hat. Sie hat sogar unser altes Zimmer umbauen und wieder herrichten lassen. Sie glaubt noch immer, mich besser zu kennen, als ich mich selbst. Vielleicht hat sie recht. Darf ich sie hassen?

Ich bin dreissig. Das ist nur eine Zahl. Ich weiss, dass es nur eine Zahl ist. Aber sie nistet sich in meinem Kopf ein und will eine Antwort. Wie soll es jetzt weitergehen? Was soll aus uns werden?

Du liebst mich. Ich verstehe das Wort nicht. Du lebst f├╝r mich. Ich f├╝ge dir Schmerz zu. Du w├╝nscht dir Kinder. Ich kann keine bekommen. Du k├Ânntest jederzeit gehen. Doch du gehst nicht. Soll ich gehen? Du w├╝rdest mir folgen. Dir weiter weh tun? Du w├╝rdest es ertragen. Doch ich kann dich zerbrechen. Muss ich das wirklich tun?

Ich kann nicht schlafen. Alkohol macht mich nicht m├╝de. Aber denken kann ich auch nicht, und die Nacht vergeht; wie kannst du so ruhig schlafen? Die Nacht vergeht auf der Suche nach Auswegen, die keine sind. Ich muss etwas trinken.

Ich brauche nichts anzuziehen; denn ich friere nicht. Tina ist bestimmt noch auf, Kind der Nacht. Die gro├če Halle, es war eine Mensa. Sie hat sehr viel Geschmack. Heute ist es ein Chaos. Flaschen und Menschen, durcheinander wie umgeworfene Kegel. Ger├Ąusch und Geruch von schlafenden M├Ąnnern ÔÇô und Feuer in meinem Blut. Am anderen Ende der Tafel starren mich zwei Augen an. Das ist Vic. Doch er ist mein Bruder, so wie ich seine Schwester bin. Auch unsere Zeit wird kommen. Seine Ber├╝hrung ist noch immer da. Uns bedeutet Zeit nichts. Dich verbrennt sie vor meinen Augen. Darf ich sie dir nehmen?

Ich greife die n├Ąchste volle Flasche und sch├╝ttele sie. Tina: Immer mit Stil. Der satte Knall weckt die ersten Schl├Ąfer, schaumiger Champagner quillt mir beim Trinken ├╝ber die Lippen, ├╝ber den K├Ârper, zwischen meinen Br├╝sten hindurch. Ich stehe im Licht und verklebte Augen starren mich ungl├Ąubig an. Ich bin sch├Ân. Ihre Blicke prickeln wie die Fl├╝ssigkeit auf mir. Ich k├Ânnte es tun. W├╝rdest du mich dann verlassen? Aber ich habe es schon fr├╝her getan. Ich bin so. Und du bist immer noch da.

St├Âhnen und Fl├╝che Erwachender bleiben zur├╝ck; feuchte Tr├Ąume. Nach einer Dusche ist das klebrige Gef├╝hl weg und ich bin ruhiger. Es ist Zeit f├╝r die Entscheidung.

Zur├╝ck in unserem Zimmer betrachte ich den Schnee. Der Sonnenuntergang sieht in dieses Fenster, aber das Weiss draussen ahnt schon das erste Morgenlicht. Nur ein paar Gedanken entfernt ist es Asche. Ich habe Welten zerst├Ârt und du hast geweint. Du hast mich gezwungen, hinzusehen; aber du bist bei mir geblieben. Es ist Zeit f├╝r mich zu gehen, ein bisschen Zeit f├╝r dich, bevor auch du zu Asche wirst.

Ich drehe mich um, und du schaust mich an. Fahles Haar f├Ąllt dir lose ├╝ber das Gesicht. In deinen Augen ist jetzt weniger Blau als fr├╝her. Heute sind sie wie Stahl. In meinem Feuer sind sie geschmolzen und in meinem Eis erstarrt. Wie kannst du so stark sein, wo du so zerbrechlich bist? Du streckst die Hand aus, wie du es schon einmal getan hast. Damals hast du mich ├╝berrascht; wie kann ich jetzt gehen?

Du schmiegst dich an mich, dein Gesicht so dicht bei mir, dass dein Atem mich kitzelt.

ÔÇ×Sie braucht mich!ÔÇť, denke ich.

Vielleicht beginne ich zu verstehen. Nach all den ├äonen w├Ąren dreissig Jahre ein geringer Preis daf├╝r.

__________________
aut zero aut nihil

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Yamiko
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Registriert: Not Yet

Hallo Zero!
Wundert mich, warum kein Mensch auf diese Geschichte geantwortet hat. Es k├Ânnen doch nicht alle ├╝bersehen haben? Aber ich wei├č leider nicht, wechselt der Erz├Ąhler? Ist sie weiblich? Wer ist "Du" und "Tina", dieselbe Person oder nicht? Vielleicht mu├č ich es mir noch einige Male durchlesen,(statt f├╝r die Bioarbeit zu pauken...)
Und sch├Ân geschrieben ist es aber!

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Valium
Guest
Registriert: Not Yet

Hi zero
..ich mu├č Yamiko zustimmen, ich bin auch etwas durcheinander. In gewissen Abst├Ąnden verliere ich mich und mu├č immer wieder ein paar Zeilen nachlesen. Nach einmaligen durchlesen kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen ob es sich um einen oder zwei Erz├Ąhler handelt.
Mich w├╝rde die ganze Geschichte interessieren...

Gru├č Valium

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zero
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2000

Werke: 6
Kommentare: 90
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Erstmal kurz: Es ist nur eine Person, und, ja, sowohl Sie als auch Du sind weiblich. Es ist, wie schon gesagt, nur ein Fragment aus einer Geschichte. Leider schreibe ich eigentlich nur lange Sachen und hab Schwierigkeiten, hier was zu posten; andererseits wollte ich nicht nur immer ├╝ber andere meckern, sondern auch mal selbst was einfangen.

Fairerweise will ich also eine kleine Erkl├Ąrung nachschieben, die allerdings stark vereinfacht ist (anders passt es nicht hier rein): Es geht einmal um die Frage, ob die Beziehung eine Zukunft hat, andererseits (die Sache mit Fantasy und den zerst├Ârten Welten war w├Ârtlich gemeint) um die Beziehung von einem Menschen und einem Gott. Wenn man etwas hineinlesen kann oder will, liegt das eher an der dahintersteckenden Geschichte als an einer Absicht. Tina und Vic sind eine Freundin der Erz├Ąhlerin und ihr 'Bruder'.

Valium: Werd mal sehen, was ich tun kann, aber das ist eine gaaaanz lange Geschichte...
__________________
aut zero aut nihil

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Yamiko
Guest
Registriert: Not Yet

ahhh

das ist Inez, nicht wahr?! sag dass ich recht habe!

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