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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der eine Satz
Eingestellt am 22. 02. 2015 14:10


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Sonntagsschreiber
Hobbydichter
Registriert: Jan 2015

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Sara, ich liebe dich! Ich wĂ€re selbst nie darauf gekommen, aber dieser eine einfache, emotionslose Satz hat mir mein Leben gerettet. Ich hĂ€tte nie gedacht, dass sie mir diese Aussage glauben wĂŒrde. Wieso auch? Er hat fĂŒr mich keine Bedeutung. Klar, nachdem man jemanden seine Liebe gestanden hat, sollte man sich befreit und glĂŒcklich fĂŒhlen, doch ich habe nur eine Last mehr. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder. Nun habe ich eine Art AffĂ€re. Es wundert mich, dass mein Gewissen damit klarkommt. Das muss es. Sie hat mir eine Waffe an den Kopf gehalten. Das sie verrĂŒckt ist, wusste ich. Nun kann ich mich nicht mehr befreien. Sie hĂ€lt mich gefangen und ich dummer Junge gehorche ihr. Warum gehorche ich? Ich bin schließlich ihr Chef und sie ist die Putzfrau. Sie sieht nicht einmal besonders gut aus - hat nur eine ĂŒberaus ĂŒppige Oberweite. Ich liebe meine Frau. Auch, wenn sie keine ĂŒppige Oberweite hat, ist sie die schönste Frau fĂŒr mich. Nun habe ich einer Putzfrau meine Liebe gestanden. Ich liebe sie nicht mal. Was sollte ich tun? HĂ€tte ich sie verspottet hĂ€tte sie mir eine Kugel durchs Hirn gejagt. Meine Frau und meine Kinder hĂ€tten mich vermisst. Sie hĂ€tten gefragt ‘Warum?’, hĂ€tten sich selbst die Schuld gegeben. Nein, das ist schon gut so. Heute war die Putzfrau wieder da. Aber nicht im BĂŒro, wie sonst immer, sondern bei mir Zuhause. Sie stand im Bademantel vor mir. Ihre rot gefĂ€rbten Haare hochgebunden und ihr Gesicht stark geschminkt. Ich hasse Make-up. Zum GlĂŒck war meine Frau mit einer Freundin beim Yoga-Kurs und die Kinder beschĂ€ftigten sich Oben. Ich ließ sie nicht durch die TĂŒr, aber sie drĂ€ngelte sich trotzdem herein. Sie legte sich auf das neue Sofa und öffnete ihren Bademantel. Darunter blitzten feinste Dessous hervor. Sie ist doch nur die Putzfrau. Sie war ĂŒberhaupt nicht sexy und das machte ich ihr deutlich, indem ich sie ohne große Worte vor die TĂŒr setzte und die TĂŒr verriegelte. Dann kam einer der Jungs herunter und fragte wer da war. Louis, der Ă€ltere von beiden besuchte schon die Oberstufe und ist ein intelligenter Junge. Deshalb log ich ihn erst gar nicht an und erzĂ€hlte von einer VerrĂŒckten, die sich in Dessous auf das Sofa gelegt hatte. Er lachte und ging wieder hoch um Playstation zu spielen. Dann kam Marie, meine Frau, und alles war wieder gut.
Zumindest dachte ich das. Marie erzĂ€hlte mir von ihrem Yoga-Kurs, den ich mit nicht so großem Interesse verfolgte, das Ă€rgerte sie. Sie fragte mich, ob ich schon von den neuen Nachbarn gehört hĂ€tte. Ich verneinte. Dann wurde es still im Schlafzimmer. Es war eine Ruhe, die schlimmer als jede andere Ruhe war. Keiner von uns wagte es zu atmen, sogar die Uhren schienen leiser zu ticken. Selbst die alte Lampe, die sonst immer ihre Brumm-GerĂ€usche machte, schien plötzlich ruhig zu sein. Ohne etwas zu sagen stand ich auf und ging auf die Toilette, obwohl ich nicht musste. Ich betrachtete mich im Spiegel. Das machte ich öfters. Als Chef einer Firma darf ich das. Ich bin stolz auf meine eisblauen Augen. Obwohl Marie eher braune Augen bevorzugte, heiratete sie mich. Der Rest von meinem Gesicht ist eher ungewöhnlich schön. Sehr markant. Sehr mĂ€nnlich. Eine sehr Respekt einflĂ¶ĂŸende Erscheinung. Dieses Gesicht hat mir sehr bei meiner Karriere geholfen. Ich habe Mitleid mit den weichen Gesichtern. Statistiken besagen markantere Gesichter sind respekteinflĂ¶ĂŸender als weichere GesichtszĂŒge. Diese Statistiken scheinen zu stimmen, auch wenn meine eigene Erfahrung auf meinem Bekanntenkreis basiert.

Ich schrecke aus meinen Gedanken ĂŒber den Tag auf. Ich stehe hier seit mindestens zehn Minuten. Marie ruft mich. Ich spĂŒle, um meinen Toilettengang vorzutĂ€uschen und gehe ins Schlafzimmer. Sie fragt mich, ob wir mal Essen gehen wollen. Ich erklĂ€re ihr, dass ich am Wochenende Zeit habe. Sie fragt mich noch etwas, doch ich erklĂ€re ihr, dass ich Schlafen will. Sie wirkt enttĂ€uscht und dreht sich um. Doch ich liebe nur sie!

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rothsten
???
Registriert: Jan 2015

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Hallo Sonntagsschreiber,

Dein Text hat was. Er sticht deutlich nach oben ab, finde ich.

Dein Prot ist da in einen Schlammassel geraten und hĂ€lt nur durch LĂŒgen seinen Kopf ĂŒber Wasser. Es ist nicht wichtig, warum er sich auf Sara eingelassen hat. Schön, dass Du das weglĂ€sst, das interessiert nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht.

Du hast hier ein paar ganz starke SĂ€tze geschrieben, die Deinen wachen Beobachtergeist verraten:

quote:
Louis, der Ă€ltere von beiden besuchte schon die Oberstufe und ist ein intelligenter Junge. Deshalb log ich ihn erst gar nicht an und erzĂ€hlte von einer VerrĂŒckten, die sich in Dessous auf das Sofa gelegt hatte.

Hier musste ich sehr schmunzeln. :-)

quote:
Das machte ich öfters. Als Chef einer Firma darf ich das.

Das ist eigensprachlich. DAS ist Literatur! ;-)

quote:
Dieses Gesicht hat mir sehr bei meiner Karriere geholfen. Ich habe Mitleid mit den weichen Gesichtern. Statistiken besagen (Komma) markantere Gesichter sind respekteinflĂ¶ĂŸender als weichere GesichtszĂŒge.

Siehe oben, aber mach noch ein Komma rein. Irgendwo oben fehlen auch noch ein, zwei, glaube ich.

quote:
Marie ruft mich. Ich spĂŒle, um meinen Toilettengang vorzutĂ€uschen und gehe ins Schlafzimmer.

Wie wahr, wie wahr... :-)

Hier könnte aber noch ein bissl poliert werden:

quote:
Sie fragt mich, ob wir mal Essen gehen wollen. Ich erklÀre ihr, dass ich am Wochenende Zeit habe. Sie fragt mich noch etwas, doch ich erklÀre ihr, dass ich Schlafen will.

Das "mal" suggeriert ein erstes Date, die sind aber verheiratet. Einfach streichen.

Zweimal "erklÀren" ist eine unschöne Wiederholung.

Ein sehr feiner Text!

lg

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