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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der einsame Baum
Eingestellt am 29. 11. 2004 16:26


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flitze
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Registriert: Nov 2004

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Der einsame Baum

Es war ein stĂŒrmischer FrĂŒhlingstag. Der Wind fegte ĂŒber die Wiesen und Felder hinweg. Die Äste des großen Walnussbaumes, der auf einer großen Wiese stand, bogen sich im Wind und knackten gefĂ€hrlich. Vom Weiten sah man einen Vogel, der mĂ€chtig zu kĂ€mpfen hatte, um gegen die Windböen anzukommen.
„Puh, ist das heute ein Wetterchen!“, sagte der Spatz und flatterte mit letzter Kraft in Richtung des Baumes. Er wollte sich dort niederlassen, um sich von dem anstrengenden Flug zu erholen. Der kleine Vogel kam aus dem sonnigen SĂŒden und wollte hier in der Gegend den Sommer verbringen. Wegen des starken Windes war er vom Weg abgekommen und hatte den Rest der Vogelschar verloren. Als er sich auf dem Baum niederließ, sah er sich verdutzt um.
„Was ist denn hier los?“, gab er vor Verwunderung laut von sich. „Sind wir zu frĂŒh aus dem SĂŒden zurĂŒck? Ist etwa noch kein FrĂŒhling?“
Aber das konnte nicht sein. Auf seiner Reise hatte er schon viele blĂŒhende BĂ€ume gesehen. Dieser jedoch war noch vollkommen kahl. Kein einziges Blatt, geschweige denn eine Knospe war zu sehen.
„Na, da habe ich mir ja ein tolles PlĂ€tzchen ausgesucht“, schimpfte der Spatz vor sich hin.
„Dann flieg doch auch wieder weg“, vernahm der Vogel plötzlich eine leise Stimme.
Wer hatte da zu ihm gesprochen?
„Hallo, ist hier noch jemand?“, fragte der Spatz neugierig und reckte und streckte seinen kleinen Kopf, um etwas zu entdecken. Doch er sah niemanden. Komisch! Verstecken konnte man sich hier doch gar nicht gut.
„Bin ich etwa nichts? Du sitzt auf mir“, sagte die Stimme traurig.
„Ach, du bist es, Baum. So war das nicht gemeint. Du siehst so vertrocknet aus. Ich dachte nicht, dass noch Leben in dir steckt“, entschuldigte sich der Spatz.
„Doch, doch. Aber ich habe keine Lust mehr zu blĂŒhen.“
„Wieso das denn?“, fragte der Spatz entsetzt.
Da begann der Baum zu erzĂ€hlen, was ihn so sehr bedrĂŒckte:
Es gab mal eine Zeit, da stand er inmitten von ganz vielen BĂ€umen auf dieser Wiese. Die Wiese war ĂŒbersĂ€ht mit bunten Blumen. Bienen, Hummeln, KĂ€fer, GrashĂŒpfer, sogar Hasen und Rehe hatte es hier gegeben. Alle suchten Schutz vor Wind und Wetter und genossen das friedliche Beisammensein. Er selbst hatte besonders das Zwitschern der vielen Vögel gemocht.
Aber das alles war schon viele Jahre her.
Irgendwann kam ein neuer Besitzer, der alle BĂ€ume bis auf ihn fĂ€llen ließ. Von diesem Tag an kamen die Tiere immer seltener. Sie vermissten den Schutz der großen BĂ€ume und auch der kleinen Pflanzen.
So geschah es, dass der Baum der einzige war, der von der idyllischen Wiese ĂŒbrig geblieben war. Seither stand er einsam und allein an dieser Stelle. Anfangs kamen manchmal noch ein paar Vögel vorbei, die sich auf ihm ausruhen wollten. Doch keiner blieb mehr lange. Warum auch? Die Gegend sah ziemlich trostlos aus.
Irgendwann wurde der Baum so traurig, weil er so allein war, da beschloss er, dass er nicht mehr blĂŒhen wollte.
Als der kleine Vogel die Geschichte gehört hatte, machte ihn das sehr betroffen. Der Baum tat ihm leid und er versprach wiederzukommen. Der Spatz machte sich auf die Suche nach seiner Familie. Es dauerte auch nicht lange und er fand sie in einem Park in einer kleinen Stadt. Als am Abend die ganze Vogelschar in einem großen Kastanienbaum saß, erzĂ€hlte der kleine Spatz von seiner Begegnung mit dem traurigen Baum.
Auch die anderen Vögel waren sehr ergriffen von der Geschichte. Sie beschlossen, gemeinsam dem Baum zu helfen. Am nĂ€chsten Morgen flogen alle Spatzen zu der Wiese, auf der der Baum stand. Sie landeten auf den kahlen Zweigen des Baumes. Sofort stimmte jedes Vöglein, wie verabredet, ein Lied an. Langsam, ganz langsam öffnete der Baum seine Augen und wollte nicht glauben, was er sah und hörte. Seine Zweige waren ĂŒbersĂ€ht mit Vögeln und es erklang eine ihm wohl bekannte Melodie aus frĂŒheren Zeiten. Sein trauriger Blick verschwand sofort und ein glĂŒckliches LĂ€cheln erschien. Der kleine Spatz erklĂ€rte dem Baum, dass er und seine Familie beschlossen hatten, den Sommer hier zu verbringen, um ihm Gesellschaft zu leisten. Die VogelpĂ€rchen wollten ihre Nester in seinen Zweigen bauen und ihre Jungen sollten hier aufwachsen.
„Aber du musst uns versprechen, dass du zu blĂŒhen anfĂ€ngst. Schließlich brauchen wir deine BlĂ€tter zum Schutz fĂŒr uns und unsere Kinder.“
Der Baum bedankte sich und gab sein Versprechen. Es dauerte gar nicht lange und die Äste hingen voller grĂŒner saftiger BlĂ€tter. Die VogelpĂ€rchen begannen sofort mit dem Bau der Nester. Einige Wochen spĂ€ter sah die Wiese fast aus wie frĂŒher. Auch die Blumen wuchsen plötzlich wieder im wilden Gras. Es grĂŒnte und blĂŒhte in allen Farben. Sogar die Bienen, Hummeln und anderen Insekten fanden sich schon bald wieder auf der Wiese ein. Sie wurden von dem herrlichen Duft der BlĂŒten angezogen. Der Walnussbaum war zwar immer noch der einzige Baum auf der Wiese. Doch einsam musste er sich nicht mehr fĂŒhlen. Er hatte viele Freunde um sich herum. Und er blĂŒhte so wunderbar in diesem Sommer wie er es noch nie zuvor getan hatte.

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Axel B
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2005

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Hallo Flitze,

schön zu lesende Geschichte. Nur an einer Stelle bin ich etwas ĂŒber die Art gestolpert, wie Du sie umgesetzt hast. Der Baum und der Vogel befinden sich die ganze Zeit im direkten Dialog, die Geschichte des Baumes wird allerdings erzĂ€hlt. Sicherlich geht das, aber von meinem GefĂŒhle her hĂ€tte ich auch an dieser Stelle die FortfĂŒhrung der direkten rede des Baumes erwartet. Ich musste zumindest den ersten Satz dieses Abschnittes noch einmal von vorne beginnen.

Alles Gute
Axel
__________________
Alle Kindergeschichten von mir kostenlos: www.axel-baumgart.de

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